Quelleninterpretation: "Volksbeschluss über die Vereinheitlichung des Münzwesens im Seebund"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

19 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. Einleitung

II. Historischer Hintergrund: Der Delisch-Attische Seebund

III. Numismatischer Exkurs: „Eulen von Athen“

IV. Quelle: Volksbeschluss über die Vereinheitlichung des Münzwesens im Seebund (ca. 449 oder 425-415 v.Chr.) Seite

V. Gliederung der Quelle Seite

VI. Interpretation des Textes Seite

VII. Datierungsprobleme der Quelle Seite

VIII. Zusammenfassung: Bedeutung des Münzdekretes Seite

IX. Literaturverzeichnis Seite

I. EINLEITUNG

Vor wenigen Jahren war die D-Mark noch das Zahlungsmittel der Deutschen. Mit ihr verband man vieles, vor allem aber den Aufschwung Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg. Somit hat die D-Mark für die Deutschen einen starken Symbolcharakter. Plötzlich war sie verschwunden und in Deutschland und in vielen anderen europäischen Staaten bezahlt man seither mit dem Euro. Dieses wie Spielgeld erscheinende Zahlungsmittel wurde nicht sofort akzeptiert. Aber die Einführung des Euros war eine zeitgemäße Maßnahme: seit Jahrzehnten wird die europäische Einigung vorangetrieben und der Euro als innereuropäische Währung erscheint somit sinnvoll, und als Gegenstück zum US-Dollar auf dem Weltmarkt einsetzbar.

Natürlich vermisst man das gute alte 5-Mark-Stück - den „Heiermann“ - und die Köpfe von führenden Politikern der Nachkriegsgeschichte auf dem 2-Mark-Stück. Aber stattdessen haben wir auf den deutschen Euro-Münzen noch den Bundesadler und das Brandenburger Tor als Wahrzeichen und Symbol der deutschen Identität. Uns sind also trotz neuer Währung noch die Wahrzeichen unserer Geschichte geblieben.

Dieser kleine Exkurs in die Gegenwart soll ein Gefühl geben für das Thema dieser Seminararbeit. Zwar kann man die Euro-Einführung nur sehr oberflächlich mit der Vereinheitlichung des Münzwesens im Ersten Attischen Seebund vergleichen, aber es ist eine Möglichkeit, sich in das Thema hineinzuversetzen.

Der Erste Attische Seebund - auch Delisch-Attischer Bund genannt - wurde 478/77 v.Chr. unter athenischer Führung gegründet, um eine Offensive gegen das Perserreich zu bilden. Obwohl alle Bundesgenossen formal gleichberechtigt waren, konnte sich Athen zur Großmacht entwickeln. Auf Initiative Athens wurde der Volksbeschluss über die Vereinheitlichung des Münzwesens im Seebund erlassen, der besagt, dass alle Bundesgenossen ihre Silbermünzen gegen athenische austauschen sollten.

Hieraus ergeben sich die Kernfragen dieser Seminararbeit: Welche Bedeutung hatte dieses Dekret für Athen und die Bündnismitglieder? Wie konnte Athen diesen Beschluss durchsetzen? Welche Bedeutung hatte das Münzwesen für einen Staat in der Antike überhaupt? Gibt es Besonderheiten bei der Überlieferung des Textes, z.B. bei der Datierung?

Um diese Fragen zu untersuchen und die Bedeutung des Münzdekretes zu erarbeiten, beleuchte ich zunächst den historischen Hintergrund des Dekretes, d.h. die Entstehung und Entwicklung des Delisch-Attischen Seebundes. Anschließend untersuche ich Gliederung und Inhalt des Textes stelle die Bedeutung des Münzdekretes dar. Abschließend erläutere ich verschiedene Thesen im Zusammenhang mit der Datierung des Münzdekretes.

II. HISTORISCHER HINTERGRUND: DER DELISCH-ATTISCHE SEEBUND

Im Zeitalter der Perserkriege (492 - 449/48 v.Chr.) erzielten zunächst die Perser Siege über die Griechen. Mit den griechischen Siegen bei Platää und Mykale endete die erste Phase der Perserkriege, die bislang von persischen Angriffskriegen geprägt war. Es folgte die Phase der griechischen Offensiven. 478 v.Chr. lösten die Griechen die Städte am Hellespont und Zypern aus dem persischen Einflussgebiet. Als sich dann die kleinasiatischen Griechen dem spartanischen Oberbefehl entzogen, schied Sparta aus dem Krieg aus.

478/77 v.Chr. entstand der Delisch-Attische Seebund als Offensivbündnis gegen die Perser aus Athen und den griechischen Städten der kleinasiatischen und thrakischen Küste und den ägäischen Inseln. Athen hatte den Oberbefehl und somit die Vormachtstellung inne.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Bündnisse während des Pelopponesischen Krieges1

Das Zentrum des Delisch-Attischen Seebundes war die Insel Delos. Hier trafen sich die Gesandten der Mitgliedsstaaten. „ Der besondere Bundesmittelpunkt hob zun ä chst die Selbst ä ndigkeit der Bundesgenossen gegen ü ber der Hegemonie.2.

Athen leitete den Bund mit Hilfe eines Bundesrates, dem Vertreter der einzelnen Bundesstaaten angehörten. Alle Mitglieder hatten gleiches Stimmrecht. „ Diese anscheinend liberale Bestimmung erleichterte es den Athenern, mittels der Stimmen der von ihnen abh ä ngigen Kleinst ä dte die Mehrheit zu erlangen.3. Auch die Bundeskasse war hier deponiert, bis sie 454 v.Chr. nach Athen überführt wurde. Der Verwalter der Bundeskasse sowie führende Positionen in Organisation und militärischer Führung wurden von den Athenern besetzt; ein deutliches Zeichen für die anerkannte Führungsrolle Athens innerhalb des Seebundes.

Die Bundesgenossen mussten Beiträge zahlen: Entweder in Form von Schiffen und Ausrüstung oder in Form von Tributen, was die meisten vorzogen, denn der Schiffbau und die Besoldung der Mannschaft war aufwendiger als die Zahlung der Tribute. Bei Gründung des Seebundes wurde ein Bündnisvertrag geschlossen. Dieser sah das Bündnis für ewig vor. Die Mitglieder des Seebundes leisteten Athen gegenüber den Eid, „ denselben Freund und Feind zu haben4 wie Athen. Die Ewigkeit des Bündnisvertrages wurde insbesondere dadurch verdeutlicht, „ dass man zur Bekr ä ftigung der gegenseitigen Eide gl ü hende Metallst ü cke ins Meer versenkte; so wie diese auf alle Zeit verschwunden waren, so sollte auch die Symmachie eine ewige sein.5.

Die Mitglieder waren nicht untereinander verbündet, sondern jedes Mitglied stand im Bündnis mit Athen. Der Delisch-Attische Seebund wird in der Staatslehre als „ Pluralsymmachie6 bezeichnet, d.h. ein Bund zwischen Athen und „ einer Vielzahl von Bundesgenossen7. Dieses ist in der Folgezeit wichtig, denn auf diese Weise konnte Athen die Mitglieder nach und nach immer enger an sich binden.

Die Herrschaft der Athener wurde von Zeitgenossen als Unterdrückung beschrieben. Sogar die Athener selbst sprachen im Zusammenhang mit dem Seebund von Herrschaft und Untertanen.

Athens Flotte vergrößerte sich kontinuierlich, da die Bündnispartner auf die Aufrüstung der eigenen Flotte verzichteten und diese Aufgabe durch Zahlung eines Tributes den Athenern überließen. Dieses wurde von den Athenern auch befürwortet, denn „ Athens Position im Seebund wurde auf diese Weise zunehmend st ä rker.8. Einige Bündnispartner erkannten früh, dass Athen sich durch den Seebund machtpolitisch erhob, und traten aus dem Bündnis aus. Das Vorgehen der Athener gegenüber austretenden Städten war hart. Diese Härte begründeten sie mit der Dauerhaftigkeit des Bündnisses. Die austretenden Städte wurden mit militärischer Gewalt unterworfen, und dadurch noch enger an Athen gebunden: „ Sie mussten alle Schiffe ausliefern, Kriegsentsch ä digungen und Tribute zahlen, die Mauern ihrer St ä dte niederrei ß en, Land f ü r Kolonisten aus Attika abtreten und ihre Verfassung nach der demokratischen Ordnung Athens ausrichten.9. Auf diese Weise wurden die Bündnispartner nach und nach auf eine athen-orientierte Innen- und Außenpolitik umgestellt.

Die Seebundmitglieder waren vertraglich an Athen gebunden, um so vor persischen Angriffen sicher zu sein. Der Aufstieg Athens zur Großmacht hatte keine Gegenwehr von Seiten der Bundesgenossen ausgelöst, denn diese verfolgten zwei Hauptinteressen. Einerseits ein wirtschaftliches Interesse, denn durch die Flottenpolitik der Athener wurde ein sicheres und verzweigtes Verkehrsnetz innerhalb des Mittelmeerraumes geschaffen. Bisherige Überfälle durch Seeräuber konnten stark eingedämmt werden, was dazu führte, dass der Handel aufblühte. Andererseits verfolgten die Seebundmitglieder ein militärisches Interesse, denn die Macht und militärische Größe Athens gab ihnen ein gewisses Sicherheitsgefühl.

449/48 v.Chr. endete offiziell der attisch-persische Konflikt durch einen Friedensschluss, den so genannten Kalliasfrieden. Dieser Friedensschluss besagte, dass Athen Versuche einstellen sollte, die Perser von der Mittelmeerküste zu verdrängen. Persien hingegen sollte keine Kriegsschiffe in den Mittelmeerraum entsenden und den Status Quo der kleinasiatischen Küste anerkennen. In der aktuellen Forschung gibt es kontroverse Diskussionen bezüglich der Existenz des Kalliasfriedens. Wenn es ihn jedoch wirklich gegeben hat, so bedeutete er den Verlust jeglicher Rechtsgrundlage für den Delisch-Attischen Seebund, denn der Zweck des Bundes, nämlich die Offensive gegen die Perser, verlor seine Bedeutung.

431 – 404 v. Chr. kämpfte der Attische Seebund unter Athens Führung gegen denPelopponnesischen Bund unter Spartas Führung im Pelopponnesischen Krieg. Der Delisch-Attische Seebund war zu einem Machtinstrument im Rahmen des athenisch- spartanischen Dualismus geworden. Nach dem Sieg Spartas 404 v. Chr. wurden Athen und die übrigen Seebundmitglieder unterworfen und der Delisch-Attische Seebund aufgelöst.

III. NUMISMATISCHER EXKURS: „EULEN VON ATHEN“

Die bekanntesten Münzen der Antike sind nach ihrem Motiv benannt: der Eule als Stadtwappen Athens. Die Eulen von Athen waren im gesamten Mittelmeerraum bekannt. Man geht davon aus, dass sie um 527-514 v.Chr. eingeführt wurden und über Jahrhunderte beständig blieben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Tetradrachme von Athen, geprägt 450-400 v.Chr.10

Die Vorderseite der Münze stellt den nach rechts gerichteten Kopf der athenischen Stadtgöttin Pallas Athene dar, die einen Helm trägt und mit einer Halskette geschmückt ist. Die Rückseite weist mit den drei Buchstaben auf die Stadt Athen hin. Die Eule ist sowohl Stadtwappen Athens als auch ein geheiligtes Tier.

In den folgenden Kapiteln ist von athenischen Silbermünzen die Rede. Man kann davon ausgehen, dass es sich dabei u.a. um die oben abgebildete Tetradrachme handelt, da sie die geläufigste Münze war.

[...]


1 aus: Microsoft Encarta, 1993-2002

2 BUSOLT, 1972, S. 1341

3 Busolt, 1972, S. 1341

4 WELWEI, 1998, S. 173

5 BENGTSON, 1965, S. 70

6 Bengtson, 1965, S. 70

7 Bengtson, 1965, S. 70

8 WELWEI, 1998, S. 175

9 DAHLHEIM, 1992, S. 174

10 Abbildungen von www.reppa.de/lexikon(Stand: 21.09.03)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Quelleninterpretation: "Volksbeschluss über die Vereinheitlichung des Münzwesens im Seebund"
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (Institut für Geschichte und ihre Didaktik)
Veranstaltung
Griechen und Perser vom 6. bis zum 4. Jahrhundert v.Chr.: ein antiker West-Ost-Konflikt?
Note
2,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V80228
ISBN (eBook)
9783638873307
Dateigröße
625 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Quelleninterpretation, Volksbeschluss, Vereinheitlichung, Münzwesens, Seebund, Griechen, Perser, Jahrhundert, West-Ost-Konflikt
Arbeit zitieren
Stefan Andresen (Autor), 2003, Quelleninterpretation: "Volksbeschluss über die Vereinheitlichung des Münzwesens im Seebund", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80228

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