El Tajin - Bauten, Kulte, Götterwelt


Hausarbeit, 2002
27 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. El Taiin
2.1 Geographie, Klima und Landwirtschaft
2.2 Bewohner und Herrscher
2.3 Entdeckung und Forschungsgeschichte
2.4 Zeitraum und Ausstrahlung
2.5 Ausdehnung und Bauten
2.6 Die Wohnbauten
2.7 Gräber

3. Das Ballspiel
3.1 Chronologie des Ballspiels
3.2 Der Ballspielplatz
3.3 Das Ballspiel und seine Regeln
3.4 Die Ausrüstung der Ballspieler
3.5 Der religiöse Charakter des Spiels
3.6 Pulque als Droge des Ballspiels

4. Die Götterwelt von El Taiin
4.1 Gott A, Sonnenkomplex
4.2. Gott B, Todeskomplex
4.3. Gott C / D
4.4. Gott E, Pulquekomplex
4.5. Gott F
4.6. Gott G
4.7. GottH
4.8. Sonstige Götter
4.9. Schlussfolgerungen:

5. Die Reliefs des Südballspielplatzes und ihre Interpretation.
5.1. Die Reliefs des Südballspielplatzes
5.2. Interpretationen der Reliefs des Südballspielplatzes

6. Literaturliste

1. Einleitung

Die schriftliche Ausarbeitung meines Referats mit dem Thema „El Tajin“ gliedert sich in vier Abschnitte. In dem Kapitel „El Tajin“ werde ich auf die Geographie, das Klima und die in der Region betriebene Landwirtschaft eingehen. Zusätzlich werden die präkolumbianischen Bewohner der Stadt, ihr einzig bekannter Herrscher, die Entdeckung und die Forschungsgeschichte El Tajins behandelt werden. Ebenfalls im ersten Abschnitt kommt der Zeitraum der Blütezeit der Stadt und ihre Ausstrahlung zur Sprache. Mit einer Untersuchung der Ausdehnung El Tajins, der Bauten, und der Begräbnisrituale werde ich den ersten Teil beschließen. Im Kapitel „Das Ballspiel“ wird zunächst die Chronologie des Ballspiels in Mesoamerika beleuchtet, ehe das Ballspiel an sich, seine Regeln, die Ausrüstung der Spieler und der religiöse Charakter des Spiels untersucht werden. Eine Beschreibung der beim Ballspiel verwendeten Droge Pulque, sowie ihre Wirkung auf den Menschen bilden den letzten Teil dieses Kapitels. Im Kapitel „Die Götterwelt von El Tajin“ werden die verschiedenen, in der Stadt verehrten Gottheiten vorgestellt. Mit dem Kapitel „Die Reliefs des Südballspielplatzes und ihre Interpretation“, einer Beschreibung der Reliefs des Südballspielplatzes von El Tajin, sowie einer Gegenüberstellung der Interpretationen verschiedener Autoren werde ich die Hausarbeit beschließen.

2. El Taiin

2.1. Geographie. Klima und Landwirtschaft

El Tajin, das totonakische Wort Tajin bedeutet Wetterleuchten, Blitz oder Wirbelsturm (Stierlin 1982: 138), ist im nördlichen Teil des mexikanischen Bundesstaates Veracruz, etwa 40 km entfernt vom Golf von Mexiko gelegen. „Die Region ist charakterisiert durch eine feuchtheißes Klima, mit ausreichendem Niederschlag während des gesamten Jahres und verstärkten Regenfällen in der Zeit zwischen Juni und Oktober“ (Raesfeld 1991: 3).

Das ca. 60 ha große Zentrum der archäologischen Zone befindet sich zwischen von Norden nach Süden verlaufenden Hügelketten, denen entlang zwei Bäche, Nebenflüsschen des Tecolutla, fließen, die als natürliche Abläufe des Gebietes dienen. Zur Zeit der Entdeckung der Nischenpyramide durch Diego Ruiz 1785, war die Region noch vollständig von tropischem Regenwald bedeckt, während sie heute vermehrt landwirtschaftlich genutzt wird. (Bertels 1991: 3).

Aber auch schon, während der Blütezeit El Tajin hatte in der Umgebung eine intensive Landwirtschaft stattgefunden, wie Untersuchungen von Wilkerson beweisen.

„Near Santa Luisa we unearthed largescale irrigation works and hillside farming terraces, evidence of sophisticated engineering and intensive cultivation of such crops as corn, cotton, beans, and cacao. Through overflights and infrared photography I could pick out ancient irrigation ditches and canals. Skilled builders from A.D. 300 to 1000 diverted freshwater tributaries onto fertile terraces between tida rivers and brackish estuaries.” (Wilkerson 1980: 217)

2.2 Bewohner und Herrscher

Noch immer streiten sich die Experten, welcher ethnischen Zugehörigkeit die Erbauer El Tajins zuzuordnen sind. Das Angebot reicht von den Huaxteken, damit würde eine Verwandtschaft zu den Mayas vorliegen, über die Tolteken, die Totonaken bis hin zu den Pipil. Eine gesicherte Erkenntnis darüber, dürfte auch in Zukunft nicht möglich sein, da in El Tajin viele Einflüsse verschiedener Kulturen zusammentrafen, und sich eigenständig weiterentwickelten. (Bertels 1991: 7)

Als einziger belegbarer Herrscher El Tajins gilt 13 Kaninchen. Seinen ungewöhnlichen Namen hatte der Herrscher einer alten Tradition zu verdanken, er wurde nach dem Tag seiner Geburt benannt. Der alte mesoamerikanischen Kalender besteht aus 13 Monaten, mit Ziffern benannt, die 20 Tage haben, und jeweils mit einem bestimmten Namen gekennzeichnet sind. 13 Kaninchen wurde also im 13. Monat, am Tag des Kaninchens geboren. Von seiner Existenz wissen wir, aufgrund von Aufzeichnungen auf Säulenreliefs, die seine Siege und Taten erzählen. 13 Kaninchen regierte El Tajin wohl als einer der letzten Herrscher. (Wilkerson 1980: 221)

2.3 Entdeckung und Forschungsgeschichte

1785 machte ein Artikel von Diego Ruiz über die „La piramide de Papantla“, die Nischenpyramide, Furore. Andere archäologische Bauten wurden darin nicht erwähnt, da sie vom Urwald überwuchert waren. Daraufhin machten sich verschiedene Forschungsreisende im 19. Jahrhundert auf den Weg, um das Gebiet zu erkunden, darunter Pater Pedro Marques (1804) und auch Alexander von Humboldt (1816). Aber erst Karl Nebel erkannte 1836, dass zu der Pyramide noch weitere Gebäude gehören, die unter dem Urwald verborgen sind. Herbert und Ellen Spinden führten schließlich 1929 -1931 erste Grabungen durch, und ungefähr gleichzeitig publizierten Enrique Palacios und Hermann Meyer eine erste ausführliche Studie über El Tajin. Seit den 30er Jahren war die Dirección de Monumentos Prehispanicos für die archäologischen Arbeiten zuständig. Leiter dieser Grabungen waren von 1935 - 1938 Agustin Garcia Vega, von 1939 - 1962 Jose Garcia Payon. Zur Keramik von El Tajin führten 1936 Wilfrido Du Solier erste ausführliche Studien durch. (Raesfeld 1991: 4)

2.4 Zeitraum und Ausstrahlung

Die Anfänge El Tajins liegen im frühen Klassikum, man geht von 100 n. Chr. bis 300 n. Chr. aus. Während frühere Autoren die Blütezeit in das späte Klassikum datierten, geht man heute davon aus, dass die Stadt ihre größte Ausdehnung und Bedeutung gegen Ende des Klassikums und dem Postklassikum erlangte, von 850 -1100 n. Chr. (ebd. 1991: 10), also in einem ähnlichen Zeitfenster wie andere größere Regionalkulturen, etwa Xochicalco, Tula oder Chichen Itza.

El Tajin war die Hauptstadt eines zentralisierten Staates, der eine weites Gebiet dominierte. Ausgeprägte Kriegsführung und weitreichende Eroberungen und in besonderem Masse der ökonomische Reichtum der Region, der in einer bestens organisierten Landwirtschaft begründet war, sorgten für die große Bedeutung der Stadt. (Wilkerson 1987: 14)

So war die landwirtschaftliche Produktion war nicht nur auf Eigenversorgung angelegt. „Not only did these fields have the potential of covering basic subsistence needs but also important commercial crops such as cacao” (ebd. 1987: 15)

„Zur Zeit ihrer größten Ausdehnung soll die gesamte Stadtanlage eine Ausdehnung von 144 ha umfasst haben und etwa 10 000 - 15 000 Einwohner gehabt haben.“(Raesfeld 1991: 3) Über die Gründe für die Aufgabe El Tajins gibt es unterschiedliche Ansichten. Garcia Payon setzt sie „ ... in den Zeitraum zwischen 1180 und 1230 n. Chr. und gibt Feuerzerstörung und Kriege als Ursache hierfür an. Brüggemann weist jedoch mit Recht darauf hin, dass keinerlei Anzeichen für eine gewaltsame Zerstörung an den Gebäuden zu erkennen sind, sondern nimmt einen langsamen Verfall ab Mitte des 11. Jh. an.“ ( Raesfeld 1991: 10)

„Die Ausstrahlung El Tajin richtete sich besonders nach Süden bis Guatemala, wie an den Vergleichen mit Kaminaljuyu deutlich wird. Diese Ausstrahlung lässt sich besonders gut an der Verbreitung der sogenannten Yugos („Joche“), Hachas („Äxte“) und Palmas beobachten.“ (ebd. 1991: 9) Aber auch anderweitig ist der große Einfluss der Stadt auf das Umland zu erkennen. „Buildings and artifacts at numerous sites show that El Tajin's power reached across a broad area of central Veracruz and into the neighboring highlands. Some large subordinate communities, like those at Santa Luisa, Santa Elena, and San Rafael, probably paid tribute in crops to the metropolis as well as traded with it.” (Wilkerson 1980: 217)

2.5 Ausdehnung und Bauten

Die archäologische Zone von El Tajin umfasst nach einer Studie von Jürgen K Brüggemann (1985) 149 Bauten auf einer Fläche von 447 150 qm. Die bebaute Fläche entspricht 105 595 qm und teilt sich in verschiedene Gebäudekategorien auf. Den größten Teil der bebauten Flächen nehmen die Tempel, gefolgt von Residenzen und Ballspielplätzen. Wohnbauten und Altäre sind hingegen weitaus seltener zu finden. (Raesfeld 1991: 5)

Das in El Tajin üblicherweise verwendete Baumaterial ist ein hellgrauer, kompakter Kalksandstein, der wahrscheinlich vom Rio Cazones stammt, der sich in einer Entfernung von etwa 35 - 40 km vom archäologischen Zentrum findet. So finden sich dort natürliche Vorkommen, die einen großen Abbau in vergangenen Zeiten erkennen lassen.(ebd. 1991: 28). Dieses Baumaterial wurde dann mit verschiedenen Farbtönen überstrichen. So waren die gesamten Gebäude in Rot, dem Maya - Blau, oder in Farbkombinationen von rot, blau, grün, gelb und schwarz bemalt.( Wilkerson 1980: 216).

Das Zentrum von El Tajin gliedert sich in zwei räumliche Abschnitte, das eigentliche Tajin (A) und das sogenannte El Tajin Chico (B), das sich auf einer natürlichen Erhebung befindet, die zur Terrasse ausgebaut wurde. Zudem befinden sich Wohnbauten an den Hängen östlich und westlich des Zentrums.

A) Die Unterstadt, El Tajin

Die Unterstadt bildet das religiöse Zentrum der Ruinenstadt. Die bekanntesten Bauwerke sind die Nischenpyramide und der Nord - und Südballspielplatz.. Außerdem findet man noch vier weitere der mindestens elf Ballspielplätze, eine große, noch nicht ausgegrabene Gebäudegruppe, die „Plaza del Arroyo“, bei der es sich um einen Platz mit vier umliegenden Bauten handelt, sowie zahlreiche andere Ruinen in diesem Bereich der archäologischen Zone. (Bertels 1991: 6)

„Auf allen Seiten sieht man nur Pyramiden, Plattformen und Heiligtümer. Sie weisen fast alle die kennzeichnenden Motive der quadratischen Nischen auf ...“(Stierlin 1982: 139), die in ihrer Eigenart nur in El Tajin aufzufinden sind. Hier handelt es sich um eine Abwandlung der Tablero - Talud - Technik von Teotihuacan. (Raesfeld 1991: 6)

„Bei der Nischenpyramide - das deutet schon ihr Name an - ist diese Formel bis zur äußersten Konsequenz entwickelt. Das Gebäude mit quadratischem Grundriss hat 35 m Seitenlänge und 25 m Höhe. Es umfasst sechs Niveaus als Unterlage eines Heiligtums, das selbst ein siebtes Niveau bildet, denn seine Außenwände waren gleicherweise mit solchen Nischen versehen“(Stierlin 1982: 139).

Über die Anzahl der Nischen gibt es verschiedene Theorien. Stierlin etwa ist sich sicher, dass es sich um genau 365 handelt. „88 auf der ersten Stufe, 76 auf der zweiten, 64 auf der dritte, 52 auf der vierten, 40 auf der fünften, 28 auf der sechsten und 17 auf der siebten“(Stierlin 1967: 145), womit eine Beziehung zur Anzahl der Tage des Sonnenjahres hergestellt wäre. Marquez kommt im Gegensatz dazu auf eine Anzahl von 738 , während Marquina nur 364 Nischen zählt. (Raesfeld 1991: 6).

Bei den archäologischen Rettungsarbeiten, die Pyramide war stark vom Einstürzen bedroht, trat zu Tage, dass die sichtbare Pyramide eine Überlagerung eines älteren Bauwerkes ist, das noch keine Nischen enthält. Man kann also von einer architektonischen Entwicklung ausgehen, an deren Ende die ausgefeilte Nischentechnik steht. (Stierlin 1982: 142)

Die Nischenpyramide gilt als Schrein für die Götter des Windes und des Regens. (Wilkerson 1980: 216). Nähere Erläuterungen zu den Ballspielplätzen werden in den unteren Abschnitten erfolgen.

B) Die Oberstadt, El Tajin Chico (Klein - Tajin)

Die Oberstadt liegt auf einem natürlichen Hügel und bildet im Gegensatz zur Unterstadt den politisch - administrativen Teil der Zone, „ ... die von ihren Terrassen aus die Ebene beherrscht. Die Terrassen sind dort gekrönt von einer riesigen, aus einem natürlichen Hügel herausmodellierten Pyramide.“ (Stierlin 1982: 139)

In El Tajin Chico befinden sich vor allem größere Wohn - und Verwaltungsgebäude, von denen das Säulengebäude, das noch nicht ergraben ist, das größte gewesen sein dürfte. Es hatte am Eingang sechs Säulen mit darauf befindlichen Flachreliefs. Bei anderen Gebäuden fallen zahlreiche architektonische Verzierungen, vor allem das Element der Nische ins Auge. (Bertels 1991: 7). In der Oberstadt entdeckt man etwa „ ... den merkwürdigen Bau A mit seiner komplexen oberen Struktur, die ein System in Form einer abgestumpften Pyramide mit einer engen peripheren Passage verbindet. Die Passage ist über Treppen zugänglich, die unter einem falschen Gewölbe (Kragengewölbe) vom Mayatypus hindurchführen.“ (Stierlin 1982: 142). Zu den bedeutenderen Bauwerken El Tajin Chicos zählt zweifellos auch Bau C, „.. eine große Plattform mit drei Niveaus. Die beiden ersten Niveaus zeigen Reihen von Nischen, die nicht einfach hohl sind, sondern mit Reliefmotiven in Form von Stufenmäandern von eleganter Wirkung geschmückt sind.“(ebd 1982: 142)

Interessant ist auch die Ausrichtung der Bauten von El Tajin Chico. „Der ganze Komplex ist, bezogen auf Westen, gemäß einem gegen Norden abweichenden Winkel von 17 ° orientiert und scheint daher von der Richtung des Sonnenuntergangs an den Tagen des Zenitdurchgangs bestimmt zu sein.“(ebd. 1982: 160), wie bei der großen Pyramide von Tula und der Sonnenpyramide von Teotihuacan.

Als Fazit kann gezogen werden, dass die Erbauer von El Tajin die Prinzipien der Tableros von Teotihuacan mit den Techniken der Maya - Architekten verbunden haben.

2.6 Die Wohnbauten

In den letzten Jahren stieg auch das Interesse an den Wohnbauten, die sich an den Hängen der archäologischen Zone befinden, vor allem um Aufschluss über die Lebensweise der präkolumbianischen Bewohner dieser Häuser zu erlangen.

Wie die Grabungen ergeben haben, waren die Wohnhäuser auf einem Terrassenboden ohne besondere Aufbereitung durch Pflasterung erbaut. Die viereckige Hausbasis bestand aus kleinen Mauern aus größeren Geröllsteinen, mit einer Stärke von 20 - 30 cm und einer Höhe von ca. 40 - 50 cm, die aus einer Mischung aus Erde und kleineren Steinen zusammengehalten wurden. Als Materialbasis dienten die Bäche der Umgebung, denen die verwendeten Steine entnommen worden sein dürften. (Rinke 1992: 67ff.).

Die Fußböden im Innern der Häuser waren aus Erde angelegt und durch stetiges Wässern beim Auftragen einzelner Schichten gefestigt worden, einige Häuser besaßen im Innern einen Stuckboden. Dieser Unterbau aus Mauer und Fußboden bildete dann die Basis für eine Wand - und Dachkonstruktion aus vergänglichen Materialien. (ebd. 1992: 69f.)

Reste von Dachkonstruktionen konnten bei Grabungen nicht mehr geborgen werden, aber anhand von Untersuchungen an totonakischen Häusern des gleichen Typs der Umgebung und Literaturvergleichen hypothetisch rekonstruiert werden.

Die wichtigste Funktion nehmen die Hauptpfosten ein, die bis zu 80 cm tief in den Untergrund eingegraben werden. Diese Pfosten werden aus besonders widerstandsfähigen Harthölzern hergestellt, da sie durch den Kontakt zum Boden leicht verfaulen können.

Sie dienen als Träger für den Dachstuhl (ebd. 1992: 70).

Die Basis für den Dachstuhl besteht aus dünnen Dachlatten, die an die Hauptpfosten angebunden werden. Auf diesem Trägersystem wird dann der Dachstuhl aus Dachsparren und Dachlatten angebracht, die über Rundhölzer und oft zusätzlich durch eine Lianenart miteinander verbunden ist. Vor der Errichtung der Wände wird das Dach vollständig gedeckt, bevorzugt mit Blättern der Königspalme. Diese Blätter verfügen über eine Haltbarkeit von 15 - 30 Jahren. Zusätzlich werden auch Gras, Blätter einer Lorbeerbaumart, Zuckerrohr und Bananenblätter verwendet. Diese Materialien werden von unten beginnend and die Dachlatten angebunden, wobei die obere Schicht die untere jeweils zu einem Teil überdeckt. Der Giebel wird auf die gleiche Art gedeckt. (ebd. 1992: 70ff.)

Die Basis der Hauswände wird von den 40 -50 cm hohen Steinmauern gebildet Der weitere Wandaufbau besteht aus Bambus oder dünnen Ästen. Diese Konstruktion steht auf den Mauern, so dass die dünnen Bestandteile nicht mit dem feuchten Untergrund in Berührung kommen und verrotten. Zusätzlich können die Wände mit einem Lehmpflaster (in El Tajin noch nicht bewiesen) verkleidet werden. Der Lehm ist mit Wasser gemischt und damit er beim Trocknen nicht so leicht brüchig wird, wird ihm Gras oder ein anderer Stoff hinzugemengt. Zusätzlich erhält diese Oberfläche z. T. noch den weißen Überzug einer Kalkschicht. Eine solche Wand bildet mit einer gemauerten, mit Stuck bedeckten Basis eine einheitliche Fläche. Allerdings ist festzustellen, dass nur Teile der Wände gepflastert sind, z. B. dort wo sich der Herd befindet.( ebd. 1992: 75f.)

2.7 Gräber

In Santa Luisa fand Wilkerson mit seinem Team, unter einem Tausend Jahre alten Fußboden aus gebrannten Lehm und Pflastersteinen eines Tempels, das Grab eines erwachsenen Menschen, der mit dem Gesicht zur Erde vergraben wurde. Die ungewöhnliche Haltung des Toten, seine Hände und Beine waren zudem schief bzw. angewinkelt, ließ Wilkerson zu dem Schluss kommen, dass er Betreffende direkt nach seinem Tod, oder sogar noch lebend in ein vorbereitetes Grab gelegt worden war. Als Grabbeigaben wurden Hundezähne, Schildkrötenteile, Teile eines zermahlenen Steines, Jadeperlen, Ohrringe aus Pyrit gefunden. Alles zerbrochen, als wären die Bestatter dem Glauben angehangen, dass so der Geist der Objekte freigesetzt werden könnte. (Wilkerson 1980: 217) „Circumstances pointed to a sacificial victim or, rather, an attendant for the journey to the hereafter“ (Wilkerson 1980: 217).

Nahe der Fundstelle barg man bald unter einem Keramikgefäß den Kopf eines anderen Mannes. Man hatte die Person in eine sitzende Position gebracht und ihm eine Jadeperle in den Mund und auf seinen Brustkorb gelegt. Zudem war die Person auf ein Stein - Yugo, einem Statussymbol damaliger Zeit, gelegt worden. Wilkerson folgerte aus den Funden, dass einem gestorbenen wohlhabenden Bürger auf der Reise ins Jenseits ein Begleiter zur Seite gestellt worden war, und für den Wohlstand symbolische Gegenstände mit ins Grab gelegt wurden.(Wilkerson 1980: 219)

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
El Tajin - Bauten, Kulte, Götterwelt
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Institut für Ethnologie)
Veranstaltung
Kulturgeschichte Mexikos anhand ausgewählter archäologischer Stätten.
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
27
Katalognummer
V8032
ISBN (eBook)
9783638151177
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Archäologie, Mesoamerika, Ureinwohner, Hochkulturen, Kult, Götter., El Tajin
Arbeit zitieren
Magister Artium Roland Sonntag (Autor), 2002, El Tajin - Bauten, Kulte, Götterwelt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8032

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