Frauensprache oder Männersprache? Soziolinguistische Erkenntnisse zum geschlechtspezifischen Sprach- und Kommunikationsverhalten


Seminararbeit, 2006
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsangabe:

1. Einleitung

2. Forschungsabriss – Von den frühen Anfängen der Erforschung
2.1 Beginn der Forschungen
2.2 Die Diskussion zur geschlechtsspezifischen Sprache in den 70er Jahren

3. Die Entwicklung von Hypothesen zur Frauensprache
3.1 Defizithypothese, Differenz- und Code-switching-Hypothese

4. Frauensprache – Männersprache: Eine Gegenüberstellung geschlechtsspezifischer Sprach-Charakteristika8
4.1 Frauensprache vs. Männersprache

5. Gemischtgeschlechtliche Gespräche Gruppendiskussionen und Talkrunden
5.1 Redezeit, Zahl der Beiträge und Dauer der Beiträge
5.2 Sprecherwechsel: Unterbrechung, Unterbrechungsversuch und Überlappung
5.3 Gesprächsarbeit: Minimalbestätigungen
5.4 Thematische Mittel der Themenkontrolle
5.5 Zusammenfassung der untersuchten gemischtgeschlechtlichen Gesprächen, Gruppendiskussionen und Talkrunden

6. Geschlechtsspezifische Sozialisation: Ein Erklärungsversuch warum sich Frauen und Männer sprachlich unterscheiden

7. Schlusswort

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Frauen und Männer unterscheiden sich nicht nur deutlich in ihrem Aussehen, in ihrer Gestik und Mimik, und ihrem gesamten Verhalten, sondern auch hinsichtlich ihrer Sprache und dem Kommunikationsverhalten. Sprache und Geschlecht werden aufgrund dieses Wissens und der Erkenntnisse schon sehr lange und intensiv von verschiedenen Wissenschaftlern – insbesondere von Autorinnen der feministischen Sprachwissenschaft - untersucht. Wobei sich einige explizit mit dem Sexismus in der Sprache, also mit Benachteiligungen von Personen, meistens von Frauen, in oder durch die Sprache beschäftigen, andere wiederum mit dem geschlechtsspezifischen Sprachverhalten. Dieser Aspekt wird auch in der folgenden Arbeit untersucht.

Der Seminararbeit liegt ein Hauptseminar zur „Soziolinguistik“ zugrunde, in dem ein Vortrag zu dem Thema: „Frauensprache - Männersprache? Soziolinguistische Erkenntnisse zur geschlechtsspezifischen Sprache und zum Kommunikationsverhalten zwischen Frauen und Männern“ gehalten worden ist. Auf den folgenden Seiten soll die Thematik vertieft untersucht und mittels des Vergleichs der unterschiedlichen Literaturgrundlagen verglichen und kritisch betrachtet werden. Dabei wird zunächst ein Überblick über den Forschungsstand gegeben. Des Weiteren werden drei Hypothesen zur Frauensprache erläutert, bevor dann die geschlechtsspezifische Sprache und ein sozialisationstheoterischer Ansatz, warum Frauen und Männer sich sprachlich unterscheiden, untersucht werden. Am Ende sollen ein Vergleich zum Thema „Gemischtgeschlechtliche Gespräche, Gruppendiskussionen und Talkrunden“, sowie ein Fazit die Arbeit abrunden.

2. Forschungsabriss – Von den frühen Anfängen der Erforschung bis zur Gegenwart

2.1 Beginn der Forschungen

Bereits im Jahr 1664 wurden erste Untersuchungen zu der Thematik, dass Männer und Frauen verschieden reden, gemacht. Wilhelm Breton veröffentlichte damals auf der Grundlage „exotischer“ Eingeborenengesellschaften ein Wörterbuch, das „Dictionnaire Caraibe-Francais“, mit einem umfangreichen Wörterverzeichnis. Darin waren solche Wörter die ausschließlich von Frauen und solche die nur von Männern gebraucht wurden, gekennzeichnet. Aufgrund dessen nahm man an, dass Frauen und Männer insbesondere in fremden Völkern, vollkommen verschiedene Sprachen sprechen, dabei handelte es sich um ein und dieselbe Sprache, nur gab es Unterschiede innerhalb dieser (vgl. Gräßel, 1991).

[Deshalb müssen die Begriffe „Frauensprache“ und „Männersprache“, wenn sie von Wissenschaftlern (vgl. z.B. Trömel-Plötz) gebraucht werden, eigentlich abgelehnt werden, da sie als solche nicht vorhanden sind].

Des Weiteren sind diverse Wissenschaftler zu den frühen Vorläufern zu zählen. Diese vertreten unterschiedliche Auffassungen über die Unterschiede in der Sprache bzw. im Sprechen von Männern und Frauen, die im Folgenden kurz beleuchtet werden sollen. So kommt beispielsweise Havelock Ellis zu der Erkenntnis, dass das „Weib mehr als der Mann Sprach-Künstler ist“. Sie habe ihr dramatisches Vorlese-, Plauder- und Briefschreibetalent daher, dass sie die Sprache eben als Kunst auffasse, nicht bloß als Instrument der Forschung oder Mitteilung, wie dies der Mann täte. Ellis sieht die Ursachen dafür in der geschlechtsspezifischen Sozialisation, einer heute immer noch gültigen These (vgl. Gräßel 1991:12).

Im Jahr 1900 verdeutlichen James Bradstreet Grenough und George Lyman Kittredge, dass die Unterschiede im Sprechen bei Männern und Frauen in ihren verschiedenen Aufgaben und Interessen zu begründen seien. In der Sprache spiegele sich dieser Aspekt wieder. Der Philosoph Fritz Mauthner stellt 1906 heraus, dass die sprachlichen Unterschiede bei Männern und Frauen in der ungleichen Bildung bzw. Lebenserfahrung zu manifestieren seien. Er sagt, dass Frauen, dadurch, dass sie eine schlechtere Bildung besäßen und weniger gelernt hätten, eine andere Sprache als die Männer verwendeten. In Arbeiterkreisen jedoch sei dieser Unterschied fast ganz aufgehoben, da hier die Geschlechter eher gleich seien. Der einzige Unterschied bestünde darin, dass Frauen eher eindeutig, Männer hingegen eher zweideutig und unanständig sprächen (vgl. Gräßel 1991).

Otto Jespersen, Sprachwissenschaftler, beschäftigte sich 1925 sehr ausführlich mit den Unterschieden zwischen der Sprache der Frauen und der Sprache der Männer (vgl. Jesepersen, 1925); er widmete diesem Thema ein ganzes Kapitel in seinem Buch „Die Sprache, ihre Natur, Entwicklung und Entstehung“. Im Gegensatz zu seinen Erkenntnissen die Lautlehre betreffend, bei der er keine prägnanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen festmachen kann (vgl. Jespersen, S. 228), findet er solche umso deutlicher in seinen Befunden zum Wortschatz. Er erklärt, dass der Wortschatz der Frauen kleiner, als der der Männer sei und begründet diesen Aspekt mit einem von ihm durchgeführten Versuch mit 25 Studenten und Studentinnen[1] aus einem Semester, die so schnell wie möglich einhundert Wörter niederschreiben sollten. Das Ergebnis zeigte, dass die Männer eher Wörter aus der Natur, dem Tierreich aufschrieben und die Frauen vorwiegend Wörter aus dem Bereich von Stoffarten und der Bekleidung wählten . Jespersen sieht die Gründe dafür in der geschlechtsspezifischen Sozialisation, was sicherlich die logische Konsequenz für die damalige Zeit, in der die Bereiche und Interessen der Frauen und Männer klar getrennt waren, ist (vgl. Jespersen (1925).

Weiterhin beschreibt er, dass Frauen mehr Verstärkungswörter, aufgrund ihrer Vorliebe zum Übertreiben benutzen würden und dass sie bezüglich der Syntax Sätze oft nicht zu ende bringen, was seiner Ansicht nach, aus dem unvollendeten Denken resultiert: „weil sie zu sprechen anfangen, ohne das, was sie sagen wollen, auch zu ende zu denken“ (vgl. Jespersen, S. 234).

Zusammenfassend also, kann man sagen, dass die frühen Forscher alle zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind: Männer und Frauen sprechen grundsätzlich ein und dieselbe Sprache, verwenden sie jedoch unterschiedlich, was unter anderem aus der geschlechtsspezifischen Sozialisation, den unterschiedlichen Aufgaben und Interessen abzuleiten ist.

Im Allgemeinen bestehen daher schon lange mehr oder weniger eindeutige Aussagen zu dem Thema des geschlechtsspezifischen Sprachverhaltens. Doch erst in den 70er Jahren kam es, aufgrund der neuen Frauenbewegung zu der „aktuellen“ Diskussion, zu einem regelrechten „Boom“.

2.2 Die Diskussion zur geschlechtsspezifischen Sprache in den 70er Jahren

Zwei bedeutende Linguistinnen, die sich in den 70er Jahren stark mit dem Thema der geschlechtsspezifischen Sprache in den USA auseinandergesetzt haben, sind Mary Richie Key und Robin Lakoff. In dieser Zeit wurde die Sprache zunächst verstärkt auf einen bestehenden Sexismus untersucht. Das meint, in Anlehnung an den Rassismus, wie Personen durch Sprache benachteiligt werden. Erst seit einem Aufsatz („Linguistic Behavior of male and female“) von Mary Richie Key von 1970, in dem es um Sexismus und geschlechtsspezifisches Sprachverhalten ging, wurden die Forderungen, beide Themenkomplexe zum Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten zu machen umgesetzt (Gräßel, 1991:17).

Die Autorin stellt hierbei Unterschiede auf der grammatikalischen, der phonologischen und der semantischen Ebene fest. Allgemein stellt sie fest, dass das Sprechen der Frau von „schwachen“ Ausdrücken geprägt sei und merkt den Gebrauch von Verstärkungswörtern an. Es bestehen starke Ähnlichkeiten zwischen Key und der im folgenden Teil erwähnten Autorin:

Robin Lakoff geht in ihrem Buch „Language and woman’s place“ von 1975 neben dem Thema des Sexismus sehr detailliert auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Sprachgebrauch ein. Sie stellt dies bezüglich zehn markante Merkmale für die weibliche Sprache auf, die im Folgenden kurz benannt werden: (1) Frauen haben einen bestimmten Wortschatz, der sich aus ihren Aufgaben- und Interessenbereichen ableitet (vgl. dazu auch Jespersen). (2) Frauen benutzen leere Adjektive wie „schön“ oder „nett“, (3) betonen ihre Aussagen wie Fragen und verwenden Rückversicherungsfragen. Des Weiteren gebrauchen sie (4) Abschwächungen, die nach Lakoff für mangelndes Selbstbewusstsein und Unsicherheit stehen. Frauen würden diese Begriffe, zu denen z.B „irgendwie“ oder „weißt du“ gehören, einsetzen, da sie aufgrund ihrer Erziehung annehmen, dass es unweiblich sei eine Meinung zu vertreten. (5) Ein Merkmal, das die Autorin auch nennt, sind Verstärkungen wie „so“. Anstatt zu sagen, „ich würde sehr gerne ins Kino gehen“, sagen Frauen „ich würde so gerne ins Kino gehen“, da sie sich scheuen würden, eine präzise Aussage zu machen. Auch zählen die überkorrekten (6)grammatikalischen Formen, sowie (7) die Höflichkeit zu den Merkmalen der Frauensprache. Dies beinhaltet, dass Frauen z.B. häufiger „danke“ und „bitte“ äußern und sich an sprachliche und soziale Konventionen halten. Die letzten drei Punkte, die Lakoff nennt, sind (8): Frauen erzählen keine Witze, (9) heben Dinge, die sie erzählen hervor, damit das, was sie zu sagen haben gehört wird und (10) haben mehr Variationen in ihrer Intonation. (Lakoff 1975:56 f).

Zusammenfassend ist die weibliche Sprache für die Autorin als machtlos zu bezeichnen, was aus der Machtverteilung in der realen Welt resultiere, da Frauen auch dort weniger Macht hätten. Weil es aber auch Männer gibt, die in dieser realen Welt geringere Macht hätten, können auch sie die Merkmale einer machtlosen, (weiblichen) Sprache aufweisen (Lakoff 1975:59 f).

Da alle Aussagen Lakoffs und auch die von Key mehr oder weniger auf eigenen Beobachtungen oder Erfahrungen basieren, sind sie sehr umstritten und häufig kritisiert worden. Es ist schwierig von einer weiblichen bzw. männlichen Sprache zu sprechen, da Sprache ein System von Einheit bildet, welches unterschiedlich verwendet wird. Es geht also eigentlich um Unterschiede im Sprechen von Männern und Frauen, nicht um die Sprache an sich (V. Valian 1977:158).

[...]


[1] Hier sind die Beispiele in weiblicher und männlicher Form angeführt, im weiteren Verlauf wird nur noch die männliche Form zur besseren Lesbarkeit verwendet. Die Weibliche soll gleichermaßen mit einbezogen sein. Wenn im Folgenden also beispielsweise die Rede von Wissenschaftler ist, so sind damit auch Wissenschaftlerinnen gemeint.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Frauensprache oder Männersprache? Soziolinguistische Erkenntnisse zum geschlechtspezifischen Sprach- und Kommunikationsverhalten
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Soziolinguistik
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V80369
ISBN (eBook)
9783638870498
ISBN (Buch)
9783656844167
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauensprache, Männersprache, Soziolinguistische, Erkenntnisse, Sprach-, Kommunikationsverhalten“, Soziolinguistik
Arbeit zitieren
Nele Ahrens (Autor), 2006, Frauensprache oder Männersprache? Soziolinguistische Erkenntnisse zum geschlechtspezifischen Sprach- und Kommunikationsverhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80369

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