Rhythmische Sportgymnastik. Eine faszinierende kompositorische Sportart in Verein und Schule


Seminararbeit, 2007
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist rhythmische Sportgymnastik?
2.1 Definition: Rhythmische Sportgymnastik
2.2 Charakteristik der rhythmischen Sportgymnastik
2.2 Die Entwicklung und Entstehung der RSG – ein kurzer historischer Überblick

3. Techniken der rhythmischen Sportgymnastik
3.1 Tänzerische Schulung
3.2 Techniken ohne Handgerät
3.3 Techniken mit Handgerät

4. Allgemeine Voraussetzungen
4.1 Konditionelle Fähigkeiten
4.2 Koordinative Fähigkeiten
4.3 Persönliche Voraussetzungen
4.4 Materielle Rahmenbedingungen

5. Methodik und Training
5.1 Training mit Kindern – Besonderheiten der Vermittlung
5.2 Trainingsstunden allgemein

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die rhythmische Sportgymnastik (RSG) hat sich vor gut 40 Jahren zu einer eigenständigen, auf internationaler Ebene etablierten Sportart entwickelt und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit. Denn durch die Verbindung von Musik, einer kreativen Bewegungsgestaltung und den sportlichen Höchstanforderungen wurde diese Sportart gerade für junge Mädchen immer reizvoller und anziehender. Wie aber sieht es in der Praxis dieser Sportart aus? Welche Methodik wirkt sich günstig auf das Erlernen der komplexen Bewegungsabläufe und Techniken aus und wie kann eine solche Hochleistungssportart Kindern vermittelt werden?

Die folgende Arbeit wird die Grundlagen, die zur rhythmischen Sportgymnastik im Spezialkurs Gymnastik und Tanz gegeben wurden, erweitern, sowie dem Leser einen detaillierten Einblick in die Facetten und Möglichkeiten dieser Sportart geben.

Zunächst soll eine Begriffsbestimmung und die Charakteristik, die diese Sportart kennzeichnen gegeben werden; daraufhin wird ein kurzer historischer Überblick den ersten Komplex abschließen.

Die wichtigsten Techniken, mit und ohne Handgerät, sowie die allgemeinen Voraussetzungen werden in dem darauf folgenden Teil betrachtet. Nach diesen grundlegenden Aspekten, wird es dann darum gehen, dem Leser die Praxis der rhythmischen Sportgymnastik vorzustellen, indem das Training der RSG, die Methodik und die Besonderheiten des Trainings mit Kindern vorgestellt werden. Ein abschließendes Fazit wird die gesamte Thematik abrunden.

Da die Arbeit bei der Beschreibung der einfachsten Grundlagen oder der RSG-Techniken - mit und ohne Handgerät - aufgrund ihrer Komplexität zu sehr an Umfang gewinnen würde, wird vom Leser ein gewisses Grundwissen bzw. das Wissen bestimmter Fachbegriffe vorausgesetzt (z.B. dass er die unterschiedlichen Grifftechniken beim Halten eines Reifens oder bestimmte Begriffe, wie z.B. Einzel- und Gruppenklassement kennt), um diese Problematik zu vermeiden. Die Techniken werden deshalb größtenteils nur genannt, nicht näher erklärt. Weiterhin ist anzumerken, dass bei den Übungen zur Entwicklung der konditionellen und koordinativen Fähigkeiten nur eine kleine Auswahl getroffen werden konnte, um den Leser eine grobe Vorstellung vermitteln zu können, es sind jedoch weitaus mehr Übungen möglich.

2. Was ist rhythmische Sportgymnastik?

2.1 Definition: Rhythmische Sportgymnastik

Die rhythmische Sportgymnastik ist eine technisch-kompositorische Sportart mit koordinativ anspruchsvollen azyklischen Bewegungsstrukturen, die in sich Körper und Gerätetechniken vereinen. Die Wettkampfformen der RSG sind Übungskompositionen mit Handgeräten wie Seil, Reifen, Ball, Keulen und Band, die nach Musik auf einer Wettkampffläche von 12x12 m vorgetragen werden. Diese werden in Einzel- bzw. Gruppenklassements in Mehr- und Finalwettkämpfen absolviert (vgl. Sportwissenschaftliches Lexikon, 1993: 669).

2.2 Charakteristik der rhythmischen Sportgymnastik

Um die Außergewöhnlichkeit dieser Sportart besser verstehen zu können, ist es von Bedeutung die wichtigsten Charakteristika darzustellen. Die rhythmische Sportgymnastik bedient sich bestimmter „Hauptmittel“, zu denen die Übungen ohne Handgerät wie z.B. Sprünge, Schwünge, Körperwellen oder auch Gleichgewichtselemente gehören oder die Übungen mit den fünf Handgeräten. Des Weiteren werden Elemente des Tanzes (klassischer und moderner) und der Gymnastik (funktionelle und rhythmische) in gemischten Formen zu den Hauptcharakteristika gezählt. Der klassische Tanz beeinflusst die RSG in soweit, als dass dessen Bewegungsprinzipien beispielsweise in den Exercisen zur Verbesserung der technischen Leistung eingesetzt werden. Aber auch beim Erlernen der richtigen, gespannten und aufrechten Körperhaltung, bei der Leichtigkeit im Springen, der Standsicherheit bei Drehungen und der Eleganz tänzerischer Schritte ist der klassische Tanz eindeutig wiederzuerkennen (vgl. Gienger, 1988:24).

Der moderne Tanz nimmt seinen Einfluss auf die RSG hauptsächlich durch den Aspekt der Ausdrucksfähigkeit, sowie das In-Beziehung-Stellen von Bewegung und Musik. Aber auch die Improvisation - ein wichtiges Element im modernen Tanz – kann im Training der RSG zum bedeutsamen Bestandteil werden und dadurch den individuellen Bewegungsstil und die Phantasie der Gymnastinnen fördern. Aspekte des formalen Aufbaus, der Zeit, des Raumes und der Dynamik sind sowohl im modernen Tanz als auch in der rhythmischen Sportgymnastik gleichermaßen wichtig, da sie Bedeutung für die Gestaltung von Bewegungen haben (vgl. ebd.:27).

Die Gymnastik, als ein weiteres Hauptkriterium zur näheren Beschreibung der RSG, nimmt ihren Einfluss aus der funktionellen als auch aus der rhythmischen Gymnastik. Die funktionellen Aspekte dienen vor allem der Vorbeugung von Verletzungen, in dem auf eine zielgerichtete Erwärmung gesetzt wird, einem guten Haltungsaufbau (zur Optimierung der Körperstatik, Entgegenwirken von Fehlhaltungen), dem Ausgleich von zu einseitiger Muskelbeanspruchungen, der Vorbereitung durch Dehn- und Kräftigungsübungen und den sportlichen Höchstleistungen, sowie der Verbesserung der Koordination (vgl. ebd.:19).

Die rhythmische Gymnastik beeinflusst die rhythmische Sportgymnastik in erster Linie durch bestimmte Bewegungsprinzipien wie z.B. durch den Wechsel von Spannung und Entspannung oder durch die Verbindung von Körper- und Gerätbewegung in einem fließenden Übergang. Bei der RSG werden die Grundformen der rhythmischen Gymnastik variiert und erweitert, so dass es zu einer Erhöhung des Schwierigkeitsgrades und zur Optimierung der Bewegungsabläufe kommt (vgl. ebd.:22).

Neben den Einflüssen aus Gymnastik und Tanz gibt es weitere Aspekte, die wichtig sind, um die rhythmische Sportgymnastik zu charakterisieren: Sie vereinigt Elemente der Akrobatik und der Pantomime mit den gymnastisch-tänzerischen unter Berücksichtigung der Musik. Durch das Umsetzen von Musik in Bewegung und einer starken Bindung an den vorgegeben Rhythmus liefert die rhythmische Sportgymnastik einen Beitrag zur musisch-ästhetischen Erziehung und fördert das Bewegungsgedächtnis, die Phantasien und die Bewegungsvorstellung der Gymnastinnen (vgl. Lissizkaja, 1986: 12).

Durch die hohen koordinativen und konditionellen Ansprüche dieser Sportart sind auch diese wesentliche Merkmale, um die rhythmische Sportgymnastik zu charakterisieren. Diese werden jedoch im vierten Komplex der Arbeit detailliert vorgestellt.

2.2 Die Entwicklung und Entstehung der RSG – ein kurzer historischer Überblick

Die rhythmische Sportgymnastik kann nicht als eine Sportart bezeichnet werden, die entwickelt wurde und dann als solche bestand. Vielmehr ist zu sagen, wie in der Charakteristik bereits beschrieben wurde, dass sich die RSG aus mehreren Teilbereichen zusammensetzt und sich aus diesen erst entwickelt hat – nämlich sowohl aus dem gymnastischen, als auch aus dem tänzerischen Bereich. Folglich ist sie aus der künstlerischen Gymnastik, die im Osten Europas vorherrschend war, der rhythmischen Gymnastik des Westens und den Bewegungsprinzipien des klassischen Tanzes entstanden (vgl. Gienger, 1988: 15).

Die Wurzeln dieser technisch-kompostitorischen Sportart sind in der Sowjetunion zu finden, denn dort – in Tallin und Tbilissi - fanden 1947 zum ersten Mal in der Geschichte so genannte Schauwettbewerbe statt. 1949 wurden erstmalig sowohl Einzel- als auch Mannschaftswettkämpfe ausgetragen. Damit sich die rhythmische Sportgymnastik als eigenständige Sportart durchsetzen konnte, war es wichtig ein Trainings-, Wettkampf- und Sportklassifizierungssystem festzulegen, welches dann auch 1950 folgte (vgl. Schwabowski/Brzank/Nicklas, 1992:9).

Damals in der Sowjetunion wurde dieser „neue“ Wettkampfsport für Frauen noch als künstlerische Gymnastik bezeichnet, die sich durch den künstlerischen Ausdruck, die hohen Ansprüche an Bewegungsqualität und die angemessene Umsetzung der Musik in entsprechende Bewegungsformen auszeichnete. Auf internationaler Ebene hat sich jedoch die Benennung der rhythmischen Sportgymnastik etabliert (vgl. ebd:9).

Wichtig für die Verbreitung der Sportart war u.a. die FIG, die Fédération Internationale de Gymnastique. Ursprünglich war diese der 1881 gegründete internationaler Turnerbund und nur für den Bereich des Gerätturnens zuständig. Trotz veranstalteter Gymnastraden und anderweitigen gymnastischen Veranstaltungen seit den 50er Jahren gab es keine festgelegten Leistungs- oder Wettkampfzielstellungen. Erst später bildete sich ein Komitee – eine

Unterkommission des technischen Komitees des Gerätturnens – für die Sportart der künstlerischen Gymnastik heraus.

Der Durchbruch auf internationalem Wettkampfboden begann 1963, als in Budapest die ersten Weltmeisterschaften des FIG unter elf Ländern und ihren Gymnastinnen ausgetragen wurden. Allerdings gab es bei dieser WM ausschließlich Einzelwettkämpfe, die Gruppenübungen wurden erst 1967 eingeführt (vgl. ebd.:11).

Einheitliche Vorschriften zur Bewertung wurden 1970 erstmals eingesetzt. Dann entwickelten sich zunächst im Zwei-Jahres-Rhythmus die Europameisterschaften, die seit 1978 im jährlichen Wechsel von Einzel- bzw. Gruppenwettkämpfen stattfinden. Seit 1982 gibt es den Weltcup, die ersten Europameisterschaften unter Juniorinnen fanden 1987 statt und der erste Europacup 1989. Im Jahr 1984 waren die Gymnastinnen zum ersten Mal beim Programm der Olympischen Sommerspiele im Mehrkampf im Einzelklassement zu bewundern, erst seit 1996 wird das Turnen im Gruppenklassement bei den Spielen durchgeführt.

Durch die sich sehr schnell entwickelnden Leistungen der Mädchen und damit immer höher werdenden Ansprüchen, wurde der Sport rasch zu einem sehr beliebten und konnte schon 1989 einen enormen Anstieg des Teilnehmerfeldes bei der WM in Zagreb - im Vergleich zu der ersten WM 1963 - verzeichnen. Diesmal waren es 281 Gymnastinnen, wovon 95 Einzelwettkämpfe bestritten, aus 36 Ländern. Seit diesem enormen Anstieg der Teilnehmerinnen, wurden 1993 die Einzel- bzw. Gruppenweltmeisterschaften nicht mehr zusammen durchgeführt, sondern die Einzel-WM zu den ungeraden Jahreszahlen und die Gruppen-WM zu den geraden. Bei der WM in Berlin 1997 nahmen 159 Gymnastinnen aus 47 Ländern teil, unter denen sogar Südafrika und damit alle Kontinente vertreten waren (vgl. ebd.:11).

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Rhythmische Sportgymnastik. Eine faszinierende kompositorische Sportart in Verein und Schule
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Gymnastik/Tanz
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V80370
ISBN (eBook)
9783638870504
ISBN (Buch)
9783656844174
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rhythmische, Sportgymnastik, Sportart, Verein, Schule, Gymnastik/Tanz
Arbeit zitieren
Nele Ahrens (Autor), 2007, Rhythmische Sportgymnastik. Eine faszinierende kompositorische Sportart in Verein und Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80370

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