Diese Arbeit behandelt das vom Produzenten intendierte und das tatsächliche Zuschauererlebnis bei der Rezeption von Infotainment-Formaten. Unter Berücksichtigung gängiger Inszenierungsstrategien (Produzentenseite) und etablierter Unterhaltungstheorien (Zuschauerseite) wird die Medienwirkung von Infotainment von zwei Seiten beleuchtet. Für die Gegenüberstellung beider Seiten dienen gängige TV-Gestaltungsmittel und Inszenierungsstrategien als Analyseeinheit.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Begriff Infotainment zum jetzigen Stand unscharf und eine klare Definition nicht gegeben ist. Es fehlt an einem ganzheitlichen Verständnis von Infotainment, das die Perspektive von Produzent und Rezipient berücksichtigt und damit das vom Produzenten beabsichtigte („intendierte“) und das beim Zuschauer bewirkte („tatsächliche“) Zuschauererlebnis gegenüberstellt. Letzteres kann da-bei auch als Überprüfung der Absicht des Produzenten dienen, um das Informations- und Unterhaltungsangebot abzustimmen und Infotainment wirkungsgerecht herzustellen. Eine vollumfängliche Untersuchung eröffnet die Möglichkeit, Infotainment als Format und Genre einzuordnen, das bestimmte Funktionen erfüllt.
Die vorliegende Arbeit widmet sich dieser Forschungslücke und formuliert einen neuartigen Untersuchungsansatz, der die Perspektive von Produzent und Zuschauer einander gegenüberstellt und vergleicht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Relevanz
1.2 Stand der Forschung und Herleitung der Forschungsfrage
1.3 Gang der Untersuchung
2 Das Zuschauererlebnis bei Infotainment-Formaten
2.1 Sicht der Zuschauers
2.1.1 Erklärungsansätze der Medienwirkungstheorien
2.1.2 Unterhaltungstheorien
2.1.3 TV-Erlebnisfaktoren nach Dehm und Storll
2.2 Sicht der Produzenten
2.2.1 Konzeption von Infotainment-Formaten
2.2.2 Produktion von Infotainment-Formaten
2.3 Zwischenfazit aus der theoretischen Betrachtung von Produzent und Zuschauer
2.4 Untersuchungsrahmen des Zuschauererlebnis bei der 68er Show
3 Methodisches Vorgehen
3.1 Methodenwahl: Qualitative Fallstudie
3.2 Design der Studie
3.3 Datenerhebung: Halbstrukturierte Interviews
3.4 Datenauswertung: Qualitative Inhaltsanalyse
4 Durchführung: Experteninterview und Zuschauerbefragung zur 68er Show
4.1 Einleitende Beschreibung des Falls und der Befragten
4.2 Datenanalyse und Diskussion der Ergebnisse
4.2.1 Parameter der Infotainment-Produktion
4.2.2 Formatanforderungen an Infotainment
4.2.3 Einsatz von Gestaltungsmitteln
4.2.4 Informativer (Mehr-)Wert
4.2.5 Erlebnisweisen des Zuschauers
4.2.6 Gesamtkonzept 68er Show
5 Kritische Reflexion und Beitrag zur Forschung und Praxis
5.1 Beantwortung der Forschungsfragen
5.2 Beitrag zur Forschung
5.3 Limitationen
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen dem vom Produzenten intendierten und dem vom Zuschauer tatsächlich wahrgenommenen Erlebnis bei der Rezeption von Infotainment-Formaten, wobei "Gottschalks Grosse 68er Show" als zentrales Fallbeispiel dient.
- Analyse von Inszenierungsstrategien aus Produzentensicht
- Untersuchung der Zuschauerrezeption mittels qualitativer Interviews
- Gegenüberstellung von Produktionsintention und tatsächlichem Zuschauererleben
- Evaluation der Wirksamkeit spezifischer Gestaltungsmittel
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Konzeption von Infotainment-Formaten
Konzeption wird im Rahmen dieser Arbeit verstanden als die Auswahl, Abstimmung und Zusammenführung von Inszenierungsstrategien für die Infotainment-Sendung, die sich in einzelnen Gestaltungsmitteln konkretisieren und einer festen Intention zugrunde liegen (vgl. Iljine und Keil 2000: 186 f.). Als übergeordnetes Ziel versucht der Produzent, unter Berücksichtigung der relevanten Anspruchsgruppen (Sender, Zuschauer), ein Format zu entwickeln, das er platzieren kann (ebd.).
Der Produzent erhält einen Produktionsauftrag vom Sender, folglich stehen für den Produzenten die Interessen des Senders im Vordergrund. Zu Beginn einer jeden Produktion verkauft der Produzent eine Idee an einen Sender, um einen Auftrag zu erhalten und weitere Folge-Aufträge als Produzent für den Sender zu generieren (vgl. Lantzsch 2008: 96 f.). Nachgelagerte Ziele des Produzenten sind die Erfüllung der Vorgaben aus dem Rundfunkstaatsvertrag sowie die Erfüllung der Zuschauerinteressen. Anders als zum Sender besteht zu dem Zuschauer kein direktes Beziehungsgefüge. Der Zuschauer kann auf den Prozess der Konzeption und Produktion keinen direkten Einfluss nehmen. Lediglich Erfahrungswerte und die Quote geben dem Produzenten Hinweise darauf, was der Zuschauer gerne sieht und was nicht. Es ergibt sich das in Abbildung 4 dargestellte Beziehungsgefüge, welches nachfolgend weiter ausgeführt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz von Infotainment-Formaten und leitet aus dem Forschungsstand die zentrale Fragestellung zur Übereinstimmung von intendiertem und tatsächlichem Zuschauererlebnis ab.
2 Das Zuschauererlebnis bei Infotainment-Formaten: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen, indem es sowohl die Perspektive des Produzenten als auch die des Zuschauers auf das Medienereignis Infotainment theoretisch fundiert gegenüberstellt.
3 Methodisches Vorgehen: Hier wird die Wahl der qualitativen Fallstudienuntersuchung begründet und das Design der Experten- und Zuschauerinterviews sowie deren Auswertung nach Mayring dargelegt.
4 Durchführung: Experteninterview und Zuschauerbefragung zur 68er Show: Im Kern der Arbeit werden die erhobenen Interviewdaten analysiert, diskutiert und im Hinblick auf die Produktionsparameter, Gestaltungsmittel und das Zuschauererlebnis ausgewertet.
5 Kritische Reflexion und Beitrag zur Forschung und Praxis: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfragen und reflektiert den wissenschaftlichen Beitrag sowie die Grenzen der durchgeführten Studie.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über das Spannungsfeld zwischen Unterhaltungsanspruch und Informationsvermittlung zusammen und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Infotainment, Zuschauererlebnis, Fernsehproduktion, Medienrezeption, Fallstudie, qualitative Inhaltsanalyse, Inszenierungsstrategien, 68er Show, Thomas Gottschalk, Medienwirkung, Programmstruktur, Sender-Produzenten-Beziehung, Fernsehunterhaltung, Bildungsauftrag, Medienforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit analysiert das Phänomen Infotainment, indem sie untersucht, inwieweit das von Produzenten beabsichtigte Zuschauererlebnis mit der tatsächlichen Wahrnehmung der Rezipienten übereinstimmt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Konzeption und Produktion von Infotainment-Formaten, die Anwendung von Inszenierungsstrategien sowie die Wirkung auf den Zuschauer im Rahmen der "Gottschalks Grosse 68er Show".
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: "Inwieweit decken sich das intendierte und das tatsächliche Zuschauererlebnis bei der Rezeption von Infotainment-Formaten?"
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Fallstudie, die Experteninterviews mit dem Produzenten und halbstrukturierte Interviews mit Zuschauern (Fan und Nicht-Fan) kombiniert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Medienwirkungs- und Unterhaltungstheorien sowie eine empirische Untersuchung, in der die Konzeption der 68er Show mit den tatsächlichen Zuschauerreaktionen verglichen wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Infotainment, Zuschauererlebnis, Medienrezeption, Inszenierungsstrategien, qualitative Inhaltsanalyse und Fallstudie.
Welche Rolle spielt die fiktive Familie Neumann in der Untersuchung?
Die fiktive Familie Neumann dient als Personalisierungsstrategie, um komplexe "Themeninseln" zu verknüpfen und dem Zuschauer einen roten Faden durch die Sendung zu bieten, was in der Studie als authentisch wahrgenommen wurde.
Wie bewerten die Zuschauer die Einspielfilme (MAZen)?
Die Zuschauer empfanden die MAZen als informative Ergänzung und gute Abwechslung zum restlichen Programm, wobei sie die Funktion der Informationsvermittlung über das Zeitgeschehen von 1968 erfolgreich erfüllten.
Warum spielt der Sendeplatz eine wichtige Rolle für die Konzeption?
Da die Sendung am Samstagabend um 20:15 Uhr läuft, ordnet sie der Produzent primär der Unterhaltung zu, was die Gestaltung maßgeblich beeinflusst, da der Zuschauer zu dieser Zeit Entspannung statt anstrengender Politik erwartet.
- Quote paper
- Philipp Schneuer (Author), 2020, Intendiertes und tatsächliches Zuschauererlebnis bei der Rezeption von Infotainment-Formaten. Eine Gegenüberstellung am Beispiel von "Gottschalks Grosse 68er Show", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/803747