Theorie des Geldes im historischen Rückblick


Hausarbeit, 2002
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Funktionen des Geldes

3 Neutrales Geld der Klassiker und Neoklassiker

4 Realwirtschaftliche Effekte des Geldes der Keynesianer

5 Die dynamische Sicht der Monetaristen

6 Zusammenfassung

Literatur

1 Einleitung

Welche Rolle spielt Geld in der realen Wirtschaft? Diese Frage gehört seit Jahrhunderten zu den wichtigsten der Wirtschaftswissenschaften. Insbesondere fehlen bis heute allgemein akzeptierte Erklärungen, wie sich beispielsweise eine Änderung der Geldmenge auf die reale Volkswirtschaft auswirkt. Dieser Transmissionsmechanismus stellt das wesentliche Unterscheidungsmerkmal der unterschiedlichen Geldtheorien dar. Angefangen von den Klassikern, die Geld lediglich als Schleier über den realwirtschaftlichen Werten sehen, über die Modifikationen der Neoklassiker, die revolutionären Neuerungen durch Keynes bis zu den Monetaristen, werden die wichtigsten Theorien im historischen Rückblick erläutert.

Eine besondere Bedeutung hat dabei die Quantitätstheorie des Klassischen Erklärungsansatzes, da auf ihr alle weiteren Ansätze basieren.

Schwerpunkt dieser kurzen Einführung sind neben den unterschiedlichen Transmissionsmechanismen die Bestimmungsgrößen der Geldnachfrage, da „Geldnachfragetheorien im Kern Transmissionstheorien [sind]“ (Schaal, 1992: 143). Das Geldangebot wird in dieser Arbeit als weitestgehend exogene, durch die Zentralbank bestimmte Größe betrachtet. Es wird nicht weiter erläutert. Zur Heranführung an das Thema werden zu Beginn die Funktionen des Geldes und die Einschätzung der verschiedenen Denkrichtungen angeführt.

Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der unterschiedlichen Sichtweisen und einem Ausblick.

2 Funktionen des Geldes

Auch bei den Funktionen gibt es im historischen Rückblick unterschiedliche Auffassungen. Die Klassisch - Neoklassische Theorie geht lediglich von der Funktion als Recheneinheit und Zahlungsmittel aus.

Geld als Recheneinheit erleichtert die Vergleichbarkeit von Waren und Dienstleistungen. Sie können in Geldeinheiten ausgedrückt werden und auch addiert werden. (Generalnenner)

Die Funktion als Zahlungsmittel (oder Tauschmittel) erleichtert die Transaktionen in einer Volkswirtschaft ungemein, da Geld im Gegensatz zu anderen Gütern generalisierte Kaufkraft ist und einen Anspruch auf Teile des Volkseinkommens darstellt. Jede unmittelbare Tauschrelation kann durch zwei Teilrelationen (zum Geld) ausgedrückt werden. Es erfolgt ein indirekter Tausch (über Geld).

Die dritte Funktion des Geldes als Wertaufbewahrungsmittel passt jedoch nicht in das Klassische Gedankengebäude. (Vgl. Felderer und Homburg, 1991: 78) Da Geld keinen Zins bringt, ist es irrational, Geld zur Wertaufbewahrung zu verwenden. Diese Funktion wurde erst von Keynes in die geldtheoretische Diskussion eingeführt. Vor allem durch die Integration des Zinses in den Geldmarkt konnte Keynes zeigen, dass tatsächlich mit Geld auch Vermögen gebildet werden kann. (Vgl. Bofinger, 1996: 460 - 464 und Jarchow, 1990: 15 - 18)

3 Neutrales Geld der Klassiker und Neoklassiker

Das Verständnis der Klassiker vom Geld beruht im wesentlichen auf der Quantitätstheorie (erstmals erwähnt von Hume, 1752).

Bei dem auf dieser Theorie aufbauenden Transmissionsmechanismus ist die nominale Geldmenge die Einflussgröße und das Preisniveau die zu erklärende Größe. Arbeits- und Gütermärkte werden als perfekt unterstellt. Der Transmissionsmechanismus der Klassiker setzt sich aus einem direkten und indirekten Effekt zusammen. Der Ausgangspunkt ist eine Erhöhung der Geldmenge durch die Zentralbank. Die privaten Agenten reagieren mit erhöhten Ausgaben, da sie vor der Erhöhung der Geldmenge mit ihrer Kassenhaltung im Gleichgewicht waren. Diese zusätzliche Nachfrage wird die Preise erhöhen. Dieser direkte Effekt auf die Preise wird durch einen indirekten Prozess über die Zinsen unterstützt. Das zusätzliche Geld fließt auch den Banken zu, die nun ihrerseits das Kreditangebot erweitern werden. Dadurch sinken die Zinsen und es wird vermehrt zu Investitionen kommen, weitere Preisanstiege resultieren. So entstehen durch die Geldmengenerhöhung keine realen Effekte, sondern nur ein Gleichgewicht auf einem höheren Preisniveau. (Vgl. Lewis und Mizen, 2000: 55) Ergänzen wir diesen Ansatz durch das Konzept der Umlaufgeschwindigkeit, entsteht daraus die Quantitätstheorie.

Folgendes Beispiel für die Umlaufgeschwindigkeit basiert auf einer Illustration von Robertson aus dem Jahr 1922. Bob und Joe habe sich gemeinsam ein Fass Bier gekauft, um auf dem Jahrmarkt Bier für zwei Euro pro Glas zu verkaufen. Auf dem Weg zum Jahrmarkt wird Bob durstig und füllt sich ein Glas ab. Er gibt Joe seinen letzten Euro als dessen Anteil am Verkaufserlös. Kurz darauf wird auch Joe durstig, er füllt sich ein Glas ab und gibt den Euro zurück an Bob. Da es warm ist nimmt sich Bob bald noch ein Glas usw. Am Jahrmarkt angekommen ist das Fass leer und ein einziger Euro hat für die Transaktionen gereicht, die auf dem Jahrmarkt ein Vielfaches hätten bringen sollen. (Vgl. Lewis und Mizen, 2000: 60)

Mathematisch ausgedrückt ergibt sich die Umlaufgeschwindigkeit VT aus (1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei bedeutet

Tr : Realwert aller während einer Periode gehandelten Güter und Dienstleistungen

pT : den dazugehörigen Durchschnittspreis

M : die Geldmenge

Die Umlaufgeschwindigkeit ist also eine Beziehung zwischen dem Wert aller Gütertransaktionen und der Geldmenge.

Aus (1) ergibt sich durch Umformen die Fisher’sche Quantitätsgleichung (Fischer, 1911, in Jarchow, 1990: 193).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die gebräuchlichere Quantitätsgleichung nimmt nun nicht das Volumen aller Gütertransaktionen als Bezugswert, sondern nur die gesamtwirtschaftliche Endnachfrage Yr (Konsum, Investition und Außenbeitrag). Daraus ergibt sich (3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie bereits vorausgesetzt, wird M unabhängig von der ZB bestimmt. Da die Volkswirtschaft in diesem Modell zu Vollbeschäftigung tendiert, wird Y durch die Produktivität und vorhandene Ressourcen bestimmt. Die Umlaufgeschwindigkeit hängt von den Zahlungsgewohnheiten der Bevölkerung ab, die sich nur langfristig ändern und in diesem Modell konstant sind. Somit bestimmt sich die verbleibende Größe p allein durch das Geldangebot M. (Vgl. Jarchow, 1990: 194) Aus der Identität in (3) wird unter diesen Bedingungen die Quantitätstheorie.

Eine Abwandlung der Quantitätstheorie stellt die Kassenhaltungstheorie dar, die das Konzept der Umlaufgeschwindigkeit durch einen Kassenhaltungskoeffizienten ersetzt. Dieses sogenannte „Cambridge k“ (da der Kassenhaltungskoeffizient in Cambridge von Marschall und Pigou entwickelt wurde) bestimmt die Kassenhaltungsgewohnheiten.

Die nachgefragte Geldmenge erklärt sich durch (4) (auch Cambridge-Gleichung, Vgl. Felderer und Homburg, 1991: 81).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

k entspricht somit implizit dem Kehrwert von V. Wenn M von der Zentralbank bestimmt wird, drückt sich in V bzw. k die nachgefragte Geldmenge aus. (Vgl. Schaal, 1996: 143)

Die Dichotomie der Klassik bedeutet, dass die Austauschverhältnisse auf den Güter und Faktormärkten nicht von den nominalen Größen abhängen. Daher wird Geld nur als ein „Schleier“ über den realen Vorgängen gesehen. (Pigou: „The veil of Money“, 1914) Es ist ein reines Zwischentauschmittel. Die Klassiker können sich daher durchaus eine Wirtschaft ohne Geld vorstellen, aber kein Geld ohne Wirtschaft. Ohne Geld gestalten sich die Tauschvorgänge lediglich länger und schwieriger, aber sie unterbleiben nicht. (Felderer und Homburg, 1991: 79) Änderungen der Geldmenge haben keinen Einfluss auf die realen Variablen, Geld ist also neutral.

Die Neoklassik erweitert den bis hierher beschriebenen Ansatz vor allem durch die totale Gleichgewichtstheorie von Walras. In einem Walrasianischen Modell versucht jeder Händler, sein Einkommen aus dem Verkauf von Gütern, Dienstleistungen usw. wieder im Markt zu platzieren. Daher gilt für jeden Händler, dass seine geplante Nachfrage genau seinem geplanten Angebot entspricht. (Say’sches Gesetz) Gleiches gilt dann auch für die aggregierte Warennachfrage und das aggregierte Warenangebot. Sollte es jemals ein Überangebot einer Ware geben, muss es durch eine übermäßige Nachfrage nach einem anderen Gut ausgeglichen werden. Anders gesagt, die Summe des Nachfrageüberschusses in allen Märkten der Volkswirtschaft muss gleich Null sein, damit alle Märkte im allgemeinen Gleichgewicht sind. Diese Aussage ist auch als Walras Gesetz bekannt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Theorie des Geldes im historischen Rückblick
Hochschule
Universität Kassel  (FB WiWi)
Veranstaltung
Kapitalmarktanalyse
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V8038
ISBN (eBook)
9783638151221
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theorie, Geldes, Rückblick, Kapitalmarktanalyse
Arbeit zitieren
Axel Bergt (Autor), 2002, Theorie des Geldes im historischen Rückblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8038

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