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Kapital als Religion

Kann Geld in einer postmodernen Welt religiöse Funktionen übernehmen?

Title: Kapital als Religion

Term Paper , 2006 , 15 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Martin Jungkunz (Author)

Sociology - Religion
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Ein Zusammenhang von Geld und Religion erscheint auf den ersten Blick ein wenig unwirklich, stehen doch hier zwei völlig gegensätzliche Entitäten zur Diskussion. Auf der einen Seite das Geld als eine weltliche Einheit, ein Mittel welches dem Tausch, der Wertaufbewahrung und als Wertmaßstab dient.
Auf der anderen Seite die Religion als ein metaphysischer Sinnstifter, welche sich nur durch ihre Institutionalisierung „verweltlicht“, ansonsten aber höhere Ziele anstrebt.
Der junge Marx schreibt hierzu:

„Das Geld erniedrigt alle Götter des Menschen – und verwandelt sie in eine Ware. Das Geld ist der allgemeine, für sich selbst konstituierte Wert aller Dinge. Es hat daher die ganze Welt, die Menschenwelt wie die Natur, ihres eigentümlichen Wertes beraubt. Das Geld ist das dem Menschen entfremdete Wesen seiner Arbeit und seines Daseins, und dies fremde Wesen beherrscht ihn, und er betet es an.“

Hat sich also die Rolle des Geldes bzw. die der Religion im Laufe der Entwicklung des Kapitalismus so verändert, das eine Art Korrumpierung der Gesellschaft stattgefunden hat, die nun das Geld mehr anbetet als ihre früheren Götter? Oder haben sich nur neue Nischen gebildet, welche nicht mehr allein durch Religiosität ausgefüllt werden können?

Mit Hilfe einer funktionalistisch-substanziellen Religionsdefinition, wie sie Luckmann in "Die unsichtbare Religion" vertritt, soll diesen Fragen nachgegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Kapital als Religion – eine nicht ganz neue These!

2. Die funktionalistisch-substanzielle Religionsdefinition von Thomas Luckmann

3. Religion im sozialen Wandel

4. Geld statt Religion oder Geld als Religion?

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die These, ob Geld in einer postmodernen, säkularisierten Welt religiöse Funktionen übernehmen kann oder als eigenständige Religion fungiert. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwieweit das Kapital das Individuum strukturiert und traditionelle Sinnstiftungssysteme ersetzt.

  • Vergleich von Geld und Religion als sinnstiftende Entitäten
  • Analyse der funktionalistisch-substanziellen Religionsdefinition nach Thomas Luckmann
  • Die Rolle des Kapitals im Kontext der gesellschaftlichen Säkularisierung
  • Untersuchung des "Endzweckcharakters" des Geldes
  • Interaktion zwischen Konsumorientierung und individueller Identitätsbildung

Auszug aus dem Buch

1. Kapital¹ als Religion – eine nicht ganz neue These!

Ein Zusammenhang von Geld und Religion erscheint auf den ersten Blick ein wenig unwirklich, stehen doch hier zwei völlig gegensätzliche Entitäten zur Diskussion. Auf der einen Seite das Geld als eine weltliche Einheit, ein Mittel welches dem Tausch, der Wertaufbewahrung und als Wertmaßstab dient.

Auf der anderen Seite die Religion als ein metaphysischer Sinnstifter, welche sich nur durch ihre Institutionalisierung „verweltlicht“, ansonsten aber höhere Ziele anstrebt.

Hier der „schnöde Mammon“, der gerade von der christlichen Tradition verteufelt und als Hindernis für die Erreichung des ewigen Lebens angesehen wurde (vgl.: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher in den Himmel“ Matthäus 19,24). Dort die Anbetung einer höheren, nicht physischen Macht, die – in den meisten Religionen – einen Sinn für das weltliche Leben im Hoffen auf ein Leben nach dem Tode schafft.

Seit Weber erscheint der angesprochene Zusammenhang zwischen Geld und Religion doch relativ einleuchtend. Hier stellt die Religion oder zumindest die protestantischen Wertevorstellungen die Vorraussetzung für die Ausbildung einer kapitalistischen Gesellschaft dar. In seiner populären Studie „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ stellt er die These auf, dass gerade durch die Wertestruktur im protestantischen Glauben, welcher einen Erfolg in weltlichen Dingen als Zeichen für die Gnade Gottes ansieht, die Entwicklung einer kapitalistischen Struktur begünstigt wird. Wer also ein ewiges Leben anstrebt, so die Philosophie, der muss sich im Diesseits anstrengen und hart arbeiten. Diese Arbeit wird aus dem Bestreben heraus verrichtet, Gott zu ehren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Kapital als Religion – eine nicht ganz neue These!: Die Einleitung beleuchtet die scheinbaren Gegensätze zwischen Geld und Religion und führt anhand von Weber und Marx in die historische sowie theoretische Problematik des Themas ein.

2. Die funktionalistisch-substanzielle Religionsdefinition von Thomas Luckmann: Dieses Kapitel erarbeitet mit Luckmanns Konzept der "Weltansicht" und der Transzendenz die theoretische Grundlage, um Religion funktional als Sinnstifter in der modernen Gesellschaft zu verstehen.

3. Religion im sozialen Wandel: Der Autor beschreibt den Prozess der funktionalen Differenzierung und Säkularisierung, in dem religiöse Institutionen ihre Rolle als Strukturgeber der Gesellschaft an andere Instanzen abgeben.

4. Geld statt Religion oder Geld als Religion?: Hier wird analysiert, wie Geld durch seine Autonomie-schaffende Funktion und seinen Endzweckcharakter quasi-religiöse Züge annimmt und den Einzelnen in einer säkularisierten Welt beeinflusst.

5. Resümee: Die Zusammenfassung schließt kritisch mit der Feststellung, dass eine direkte Gleichsetzung von Geld und Religion zwar polemisch ist, das Kapital jedoch maßgeblich zur Säkularisierung beiträgt und die Macht religiöser Institutionen verdrängt.

Schlüsselwörter

Kapitalismus, Religion, Geld, Säkularisierung, Thomas Luckmann, Weltansicht, Transzendenz, Endzweckcharakter, Konsum, soziale Differenzierung, Identität, Sinnstiftung, Postmoderne, protestantische Ethik, Marx.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die soziologische Verknüpfung von ökonomischem Kapital und religiösen Funktionen in modernen Industriegesellschaften.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf Religionssoziologie, der Entwicklung des Kapitalismus, Säkularisierungsprozessen und der Rolle von Geld als Lebensstrukturierung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll geklärt werden, ob Geld in der Postmoderne die Aufgaben traditioneller Religionen als Sinnstifter und Ordnungsinstanz übernommen hat.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Untersuchung basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer und philosophischer Texte, insbesondere von Thomas Luckmann, Max Weber, Karl Marx und Georg Simmel.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Religion bei Luckmann, der historischen Veränderung religiöser Strukturen und der quasi-religiösen Bedeutung des Geldes als Endzweck des menschlichen Handelns.

Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?

Zentrale Begriffe sind Geldreligion, Säkularisierung, Autonomie, Heiliger Kosmos und die Transformation von Werten in der modernen Gesellschaft.

Inwiefern spielt der "Heilige Kosmos" bei Luckmann eine Rolle?

Er dient als analytisches Werkzeug, um zu verstehen, wie Gesellschaften moralische Werte und Sinnzusammenhänge vermitteln, die nun zunehmend durch ökonomische Instanzen ersetzt werden.

Was bedeutet der "Endzweckcharakter" des Geldes?

Dieser Begriff beschreibt, dass Geld in kapitalistischen Systemen seine Funktion als bloßes Tauschmittel verliert und zum eigentlichen Lebensziel und Objekt des Strebens wird.

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Details

Title
Kapital als Religion
Subtitle
Kann Geld in einer postmodernen Welt religiöse Funktionen übernehmen?
College
University of Heidelberg
Grade
2,0
Author
Martin Jungkunz (Author)
Publication Year
2006
Pages
15
Catalog Number
V80381
ISBN (eBook)
9783638873574
ISBN (Book)
9783638873703
Language
German
Tags
Kapital Religion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Jungkunz (Author), 2006, Kapital als Religion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80381
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