Homeschooling bezeichnet das Phänomen, dass Kinder von ihren Eltern unterrichtet werden anstatt eine staatliche bzw. staatlich anerkannte Schule zu besuchen.
Die Arbeit beleuchtet zunächst die Gesetzeslage. Hier steht das elterliche Recht auf Erziehung (Art. 7 GG) gegen die Schulpflicht.
Im nächsten Teil finden sich Informationen über die Praxis von Homeschooling, die häufig vom Gesetz abweicht. Nach der Beschreibung der allgemeinen Situation und des Ausmaßes von Homeschooling werden zwei Beispiele näher ausgeführt. Ein Überblick über Organisationen, die Homeschooling unterstützen, schließt sich an.
Die Arbeit endet mit einem Ausblick auf die künftige Entwicklung von Homeschooling in Deutschland.
Gliederung
1. Das deutsche Schulsystem in der Kritik
2. Gesetzliche Regelungen
2.1. Elternrecht und Schulpflicht
2.2. Pflege und Erziehung als die „zuvörderst [den Eltern] obliegende Pflicht“
2.3. Wächteramt des Staates
2.4. Die Schulpflicht
2.5. Die Unterscheidung zwischen elterlicher und schulischer Erziehung
2.6. Rechtfertigung einer Strafe bei Missachtung der Schulpflicht
3. Homeschooling in Deutschland
3.1. Die Situation der Homeschoolkinder
3.2. Anzahl der Homeschoolkinder
3.3. Blick ins Ausland
3.4. Beispiele für Homeschooling in Deutschland
3.4.1. Familie G.
3.4.2. „Katzenhäusle“
3.5. Homeschooling Organisationen
3.5.1. Allgemeines über die Organisationen
3.5.2. Philadelphia-Schule e.V.
3.5.3. Lernen ist Leben – Bundesverband Natürlich Lernen! e.V.
3.5.4. Schulunterricht zu Hause e.V.
4. Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem elterlichen Erziehungsrecht und der staatlichen Schulpflicht in Deutschland. Sie analysiert, unter welchen gesetzlichen Rahmenbedingungen Homeschooling in Deutschland stattfindet, warum Eltern diese Alternative trotz ihrer Illegalität wählen und wie sich die Praxis sowie die organisierte Unterstützung für betroffene Familien gestaltet.
- Analyse der verfassungsrechtlichen Grundlagen (Grundgesetz, Art. 6 und 7).
- Untersuchung der Argumente von Homeschooling-Eltern gegen das staatliche Schulsystem.
- Darstellung der behördlichen Praxis und der rechtlichen Konsequenzen.
- Überblick über den aktuellen Stand und die Organisationen der Homeschooling-Bewegung.
- Diskussion der zukünftigen Entwicklung vor dem Hintergrund internationaler Bildungsvergleiche.
Auszug aus dem Buch
2.3. Wächteramt des Staates
Es ist also Aufgabe des Staates, über die Erziehungsarbeit der Eltern zu „wachen“. Eine überwachende Funktion ist zunächst das bloße aufmerksame Betrachten der Tätigkeiten Anderer. Sollten sich hierbei ein unerwünschter Zustand oder sogar eine Gefahr einstellen, so muss eingegriffen werden. Der Begriff „Wachen“ impliziert also eine Eingriffsermächtigung für den Staat, die sowohl im Sinne einer Hilfeleitung als auch im Sinne einer Zwangsmaßnahme vollzogen werden kann (vgl. Surwald 1961 S.134ff, oder Erichsen 1985, S.47).
Dennoch bleibt zu beachten, dass das Interventionsrecht des Staates zum Erziehungsrecht der Eltern „nicht konkurrierenden, sondern subsidiären Charakter“ (Böckenförde 1980, S.76) besitzt. Der Staat hat sich somit zunächst aus den elterlichen Erziehungsbemühungen heraus zu halten, solange das Kindeswohl gesichert ist. Können oder wollen die Eltern die Heranreifung des Kindes zu einer „eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“ (KJHG 1, I; vgl. auch „leibliche, geistige und seelische Tüchtigkeit“ im JWG) nicht gewährleisten, so hat der Staat das Recht und die Pflicht tätig zu werden.
Surwald (1961, S.136) grenzt den Begriff „überwachen“ deutlich von „gestalten“ ab. Eine Überwachungstätigkeit könne zum Beispiel weder Inhalt noch Schranken des Gesetzes bestimmen. Die Aufgabe des Staates sei also nur unterstützender und helfender Art. Böckenförde (1980, S.76) ergänzt, der Staat habe „nicht die beste oder optimale Erziehung für das Kind zu gewährleisten – dann wäre der Staat der eigentliche Erzieher und die Elter nur seine Delegatare –, sondern er hat das Kind vor Schaden zu bewahren“. Ein Eingriff setzt also eine Gefahr für das Kindeswohl voraus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das deutsche Schulsystem in der Kritik: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Kritik am staatlichen Schulsystem, motiviert durch PISA-Ergebnisse und soziale Probleme, die Eltern dazu bewegt, trotz gesetzlicher Verbote alternative Erziehungswege zu suchen.
2. Gesetzliche Regelungen: Dieses Kapitel analysiert das grundgesetzliche Elternrecht im Vergleich zum staatlichen Erziehungsauftrag und der Schulpflicht, wobei die Grenzen staatlichen Eingreifens und die Rechtmäßigkeit von Sanktionen hinterfragt werden.
3. Homeschooling in Deutschland: Dieser Hauptteil beschreibt die aktuelle Situation der Homeschooling-Familien, beleuchtet die Anzahl der Betroffenen sowie den internationalen Vergleich und stellt sowohl konkrete Fallbeispiele als auch verschiedene unterstützende Organisationen vor.
4. Ausblick: Der abschließende Abschnitt reflektiert die Zukunft des Homeschooling in Deutschland und argumentiert, dass trotz der rechtlichen Illegalität ein weiteres Wachstum der Bewegung wahrscheinlich ist, insbesondere aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen und des Bildungsdrucks.
Schlüsselwörter
Homeschooling, Schulpflicht, Elternrecht, Grundgesetz, Wächteramt des Staates, Erziehung, Familienschule, Bildungsauftrag, Kindeswohl, Schulsystem, Privatschule, Externenprüfung, Bildungskritik, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Phänomen des Homeschooling in Deutschland, das sich in einem dauerhaften Konflikt mit der staatlichen Schulpflicht befindet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die verfassungsrechtliche Analyse des Elternrechts, die behördliche Praxis im Umgang mit Homeschooling sowie die Beweggründe und Organisationsformen der betroffenen Familien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den rechtlichen Rahmen und die gelebte Praxis von Homeschooling in Deutschland kritisch zu durchleuchten und die Argumente der Akteure sowie die staatliche Reaktion darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis von Gesetzesauslegungen, verfassungsrechtlichen Kommentaren und soziologischen bzw. pädagogischen Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine juristische Analyse der Schulpflicht und eine empirische Betrachtung der Situation von Homeschooling-Kindern, deren Eltern und den sie unterstützenden Organisationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Schulpflicht, Elternrecht, Grundgesetz, Homeschooling und staatliche Schulaufsicht beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Rechtslage in Deutschland vom Ausland?
Während in Deutschland eine strikte Schulpflicht gilt, besteht in vielen anderen Ländern, wie den USA oder Österreich, lediglich eine Unterrichtspflicht, die Eltern mehr Flexibilität bei der Wahl des Lernortes lässt.
Warum gründen Homeschooler Vereine, obwohl diese staatlich nicht als Schule anerkannt sind?
Diese Organisationen dienen primär der Vernetzung, dem Austausch von Unterrichtsmaterialien, der rechtlichen Beratung bei Konflikten mit Behörden und der emotionalen Unterstützung der Eltern.
Welche Rolle spielt das "Wächteramt des Staates"?
Das Wächteramt berechtigt den Staat zum Eingriff in das elterliche Erziehungsrecht, allerdings nur subsidiär, um das Kindeswohl bei konkreten Gefahren zu sichern, nicht um eine bestimmte staatliche Erziehung zu erzwingen.
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- Christian Nerowski (Author), 2005, Homeschooling in Deutschland , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80427