Tragik und Philosophie bei Menanders Samia


Seminararbeit, 2005

16 Seiten, Note: 2,25


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Übersetzung der Verse 324-356

3 Textkritik

4 Interpretation der Verse 324-356

5 Paratragödie und Komik

6 Philosophie bei Menander?

7 Schlussbemerkung

8 Bibliographie

1 Einleitung

„w polisma KekropiaV cqonoV, w tanaoV aiqhr, w“ (V 325 – 326: O Stadt im Lande des Kekrops, o sich weit erstreckender Äther, o).

Diese in tragischer Dichtersprache verfasste Passage unterscheidet sich im Stil gänzlich von ihrem Kontext, welcher der einfachen Alltagssprache nachempfunden ist. Diese Mimesis der Alltagssprache ist typisch für die Komödiendichtung des Menander, der sich in seinen Stücken auf das Alltagsleben konzentriert. In seiner Komödie „Samia“[1] schafft er eine auf zwei Häuser reduzierte Miniaturwelt, welche in erster Linie die Beziehung von Vater und Sohn, d.h. die Beziehung Demeas’ zu seinem Adoptivsohn Moschion, thematisiert.

In der vorliegenden Hausarbeit soll nun der „Entscheidungsmonolog“ des Demeas (V 324-356[2]), einer genaueren Betrachtung unterzogen werden.

Anhand einer Verkettung missverständlicher Eindrücke zu dem Glauben gekommen, von den beiden ihm am nächsten stehenden Menschen, nämlich seinem Adoptivsohn[3] Moschion und seiner Hetäre Chrysis, hintergangen worden zu sein, indem die beiden ein Kind miteinander gezeugt hätten, geht Demeas nun in sich und trifft bezüglich Moschion und Chrysis eine Entscheidung. Hierbei durchlebt er verschiedene Gefühlslagen, wobei er von verzweifelter Erregung zu Selbstbeherrschung und entschiedener Besonnenheit gelangt, wobei er einen im weiteren Verlauf wiederkehrenden Anflug von Bitterkeit und Verzweiflung sofort wieder zurückdrängt.

Nach der Übersetzung diese Monologs und einigen textkritischen Bemerkungen unter der Einbeziehung des Papyrus Bodmer soll eine allgemeine Interpretation folgen.

Im Anschluss daran erfolgt die Untersuchung konkreter Einzelaspekte: Zuerst werden Funktion und Wirkung der zu Anfang zitierten Tragödien-Allusion erläutert, wobei zugleich der komischen Wirkung Demeas‘ im Monolog Beachtung gezollt wird. Darauf wird abschließend erörtert, ob Menander in seinem Werk einer bestimmten philosophischen Gesinnung Ausdruck verleiht.

Mit der Schlussbemerkung wird ein die Arbeit abrundendes Resümee gezogen.

2 Übersetzung der Verse 324-356

Demeas:

Wohin gehst du, wohin, du Schurke?

Ergreif ihn! O Stadt des Landes des Kekrops,

o lang herabfließender Äther! O! Warum schreist du, Demeas?

Warum schreist du, du Verstandloser? Reiß dich zusammen, sei stark!

Moschion hat dir kein Unrecht zugefügt. Verwegen

ist meine Rede vielleicht, Männer, aber sie ist wahr.

Wenn er dies nämlich entweder freiwillig oder betört

durch die Liebe oder aus Hass auf mich getan hat,

würde er von derselben Gesinnung veranlasst immer noch heftig widersprechen. Jetzt aber

rechtfertigt er mir die verkündete Hochzeit

und hört mit Freuden davon. Nicht aus Liebe nämlich, wie ich

damals glaubte, war er darum bemüht, sondern er wollte

endlich einmal von meiner Helena drinnen im Haus entkommen.

Diese ist nämlich schuld an dem, was passiert ist:

Sie eroberte ihn, als er offensichtlich etwas betrunken war,

als er nicht ganz bei sich war: Viel nämlich bewirkt

nutzloser unvermischter Wein und Jugend, wenn er

diesen nahe den mit Nachstellenden erfasst.

Auf keine Weise nämlich scheint es mir überzeugend zu sein,

dass der anderen gegenüber völlig ordentliche und besonnene (Moschion)

sich mir gegenüber auf solch eine Weise verhielt;

auch nicht wenn er zehnmal adoptiert ist, nicht von Geburt

mein Sohn: Dies ist es nämlich nicht, auf was ich sehe, sondern sein Charakter.

Dieser Mensch ist eine Hure, eine verdorbene Person. Aber was?

Sie wird nämlich nicht gewinnen. Demeas, nun musst du ein Mann

sein: Vergiss deine Begierde, hör auf zu lieben,

und verbirg das entstandene Unglück soweit

es geht; wegen deinem Sohn. Aus dem Haus

kopfüber zum Teufel (wörtl. zu den Raben) schmeiß die schöne

Samierin. Du hast als Vorwand, dass sie das Kind

an sich nahm. Mach sonst nichts Anderes offenkundig,

halte es die Lippen zusammenbeißend zurück, sei stark auf edle Weise.

3 Textkritik

Zunächst einmal soll kurz auf den Papyrus Bodmer 25 aus dem 3./4. Jh. eingegangen werden:

Der Abschnitt mit dem Monolog des Demeas (V324-356) ist im Papyrus Bodmer 25 sehr gut erhalten. Lediglich gegen Ende des Monologs ab V 354 ist der Text an den Versanfängen korrumpiert[4].

Vor dem Monolog des Demeas in V 324 ist ein Dikolon („:“) zu erkennen, welcher einen Sprecherwechsel in der Mitte eines Verses kennzeichnet.

Rechts von Vers 326 befindet sich die von einem Kommentator[5] nachträglich verfasste Randnotiz „oidipousiripodo“ oder „uripodo“.

Eine weitere, jedoch unbedeutende Besonderheit sind die sehr lang auslaufenden Bögen der sich an den Versenden befindenden Sigmata, welchen wohl eine persönliche Präferenz des Schreibers zu Grunde liegt.

Unter Zuhilfenahme des von Sandbach aufgeführten textkritischen Apparats folgen nun Erläuterungen zu einigen ausgewählten Stellen:

In V 325 findet sich im Papyrus Cairensis 43227 aus dem 5. Jh. „cronoV“ (Nom. Sg. von „Zeit“), wohingegen im Papyrus Bodmer 25 sowie auch bei Sandbach „cqonoV“ (Gen. Sg. von „Land“) zu lesen ist.

Im P. Cairensis muss es sich wohl um einen Schreibfehler handeln, da „cronoV“ an dieser Stelle grammatikalisch schwierig ist und keinen rechten Sinn ergibt. Ferner ließe sich noch argumentieren, dass seltener auftretende Ausdrucksweisen wie „cqonoV“ im Vergleich zu „cronoV“ eher authentisch sind.

[...]


[1] Dieser Titel stammt nicht von Menander, sondern wurde der Komödie erst nachträglich verliehen. Eine weitere Option des Titels lautet „H Khdeia“(Verwandtschaft; Ehebündnis).

[2] Alle Versangaben in der vorliegenden Arbeit beziehen sich stets auf die Ausgabe von F. H. Sandbach, Menandri Reliquiae Selectae, Oxford 1900.

[3] Dass es sich bei Moschion um Demeas‘ Adoptivsohn handelt, ist nicht eindeutig belegt, jedoch stark anzunehmen. Vgl. hierzu V346-347: „...ei dekakiV pohtoV esti, mh gonwi emoV uoV“ („Auch wenn er zehnmal adoptiert ist, nicht von Geburt mein Sohn“).

[4] An diesen Stellen ist man gezwungen, auf andere Quellen zurückzugreifen.

[5] Zu erkennen ist der sich vom übrigen Text unterscheidende persönliche Duktus dieses Kommentators.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Tragik und Philosophie bei Menanders Samia
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für klassische Philologie)
Veranstaltung
Griechisches Proseminar: Menander, Samia
Note
2,25
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V80437
ISBN (eBook)
9783638870917
ISBN (Buch)
9783638870931
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tragik, Philosophie, Menanders, Samia, Griechisches, Proseminar, Menander, Samia
Arbeit zitieren
Jessica Hund (Autor), 2005, Tragik und Philosophie bei Menanders Samia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80437

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