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Das tolerante Brandenburg / Preußen? Toleranzpolitik am Beispiel der böhmischen Exulanten in Brandenburg/Preußen

Title: Das tolerante Brandenburg / Preußen? Toleranzpolitik am Beispiel der böhmischen Exulanten in Brandenburg/Preußen

Seminar Paper , 2006 , 17 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Thomas Keller (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization
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Wenn heute im Bundesland Brandenburg – das geografisch nicht mit dem Kurfürstentum Brandenburg identisch ist, oder genauer gesagt nur Teile dessen umfasst – Rechtsextreme aus politischen oder rassistischen Motiven Gewalttaten begehen, sind Politiker jeder Couleur schnell bei der Hand mit Ratschlägen zur Besinnung auf die angebliche brandenburgisch-preußische Tugend der Toleranz. Dieser Bezug in die unmittelbare Gegenwart macht es interessant zu beleuchten, ob und inwiefern es historisch gesehen in Brandenburg-Preußen Toleranz gegeben hat.
In einem ersten Schritt muss definiert werden, was unter Toleranz zu verstehen ist, ein aktives Tolerieren oder ein passives Erdulden. Hierzu werden der historische und der aktuelle Toleranzbegriff nebeneinander gestellt.
Der Staat Brandenburg-Preußen nahm im 17. und 18. Jahrhundert zahlreiche Flüchtlinge und sonstige Immigranten mit den verschiedensten Hintergründen auf. So kamen in die Mark Brandenburg neben zahlreichen Hugenotten, Niederländern und Salzburgern auch Böhmen, einige Juden sowie verschiedene andere kleinere und größere Gruppen.
Für diese Arbeit wurden verschiedene böhmische Immigrantengruppen ausgewählt, die überwiegend hussitisch geprägt waren. Die gewählten Beispiele werden in einem sehr engen Zeitraum rund um die Gründung untersucht. Es wird beantwortet von wem und warum die Initiative zur Gründung ausging, wer konkret wie die Ansiedlung wo durchführte, wie viele Personen angesiedelt wurden und wenn möglich welche „Sonderrechte“ die Angesiedelten erhielten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

I.1 Allgemeine Einleitung

I.2 Historischer Überblick

B. Hauptteil

II. Was ist Toleranz? – Der Versuch einer Definition

III. Die Böhmen in Berlin und Rixdorf 1732 und 1737

IV. Die Gründung der Weberkolonie Nowawes in den Jahren 1750/51

V. Das tolerante Brandenburg/Preußen eine Legende? – Ein Fazit

C. Anhang

VI. Literaturverzeichnis

1. Quellen, zeitgenössische Literatur und Quelleneditionen

2. Forschungsliteratur (ab 19. Jahrhundert)

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht historisch kritisch, inwieweit die Aufnahme böhmischer Exulanten in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert als Akt gelebter Toleranz gewertet werden kann oder ob primär ökonomische und merkantilistische Interessen das staatliche Handeln leiteten.

  • Analyse des historischen Toleranzbegriffs im 18. Jahrhundert im Vergleich zur modernen Auffassung.
  • Untersuchung der Ansiedlung böhmischer Glaubensflüchtlinge in Berlin und Rixdorf.
  • Betrachtung der Gründung der Weberkolonie Nowawes unter Friedrich II.
  • Kritische Reflexion der preußischen Einwanderungs- und Peuplierungspolitik.

Auszug aus dem Buch

III. Die Böhmen in Berlin und Rixdorf 1732 und 1737

Die in diesem und dem folgenden Kapitel behandelten böhmischen Kolonien sind keineswegs die einzigen Ansiedlungen von tschechischsprachigen Böhmen im Berliner Raum, aber die größten, am längsten nachwirkenden und am besten historisch erforschten. Weitere Kolonien waren bei Schöneberg, das damals noch Dorf war, Friedrichshagen, Boxhagen bei Rummelsburg, Schönerlinde bei Köpenick und Sachsenhausen bei Oranienburg – ohne dass diese Aufzählung Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Eine erste böhmische Kolonie bestand seit 1729 in Berlin im Bereich der Friedrichsstadt. Der Prediger dieser ersten böhmischen Gemeinde in Berlin war es auch, der den Kontakt zwischen den Böhmen aus Gerlachsheim (Sachsen), Großhennersdorf und Cottbus herstellte. Die in Gerlachsheim, Groß-Hennersdorf und Cottbus lebenden Böhmen kamen ursprünglich überwiegend aus Böhmisch-Rotwasser.

Am 10. Oktober 1732 brach der Großteil der tschechischen Gemeinde von Großhennersdorf Richtung Preußen auf – um der Großhennersdorfer Grundherrschaft zu entkommen. Die ungefähr 500 Böhmen zogen – mit zwei Wagen für die Kranken, 47 Schubkarren für ihre Habe und ansonsten zu Fuß – über Görlitz und Cottbus nach Lübben. Diese unerlaubte Entfernung von der Grundherrschaft Großhennersdorf stellte einen Bruch der Erbuntertänigkeit – und folglich einen Rechtsverstoß – dar. Nachdem der preußische König vom Cottbuser Stadtkommandanten erfahren hatte, wie ärmlich die tschechischen Emigranten aussahen, verbot er deren Aufnahme in Brandenburg-Preußen und ließ sie nach Lübben zurückweisen. Für die Zurückweisung war aber wohl auch ausschlaggebend, dass der preußische König einen offenen Konflikt mit dem sächsischen Kürfürsten und den sächsischen Großgrundbesitzern vermeiden wollte.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob die preußische Toleranz gegenüber böhmischen Exulanten historisch belegbar oder ein späteres Konstrukt ist.

I.1 Allgemeine Einleitung: Hier wird der Gegenstand der Untersuchung, insbesondere die religiöse Identität der böhmischen Exulanten, und der Bezug zur brandenburgisch-preußischen Geschichte dargelegt.

I.2 Historischer Überblick: Dieser Abschnitt ordnet die Ansiedlungen in den Kontext der "Verdichtung von Herrschaft" und der merkantilistischen Einwanderungspolitik des 18. Jahrhunderts ein.

B. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die konkreten Fallbeispiele der böhmischen Ansiedlungen unter dem Aspekt des Toleranzbegriffs.

II. Was ist Toleranz? – Der Versuch einer Definition: Gegenüberstellung des historischen, frühneuzeitlichen Toleranzverständnisses mit modernen Definitionen, um eine Vergleichsgrundlage zu schaffen.

III. Die Böhmen in Berlin und Rixdorf 1732 und 1737: Darstellung der Ansiedlung von ca. 500 Böhmen und deren arbeitsrechtliche Einbindung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

IV. Die Gründung der Weberkolonie Nowawes in den Jahren 1750/51: Untersuchung der Koloniegründung durch Friedrich II. als Maßnahme zur Förderung der heimischen Textilproduktion.

V. Das tolerante Brandenburg/Preußen eine Legende? – Ein Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die preußische Toleranz primär pragmatisch-ökonomisch motiviert war und keine religiöse Anerkennung darstellte.

C. Anhang: Enthält das systematische Literaturverzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.

VI. Literaturverzeichnis: Auflistung der herangezogenen Quellen und wissenschaftlichen Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Brandenburg-Preußen, Toleranz, böhmische Exulanten, Peuplierungspolitik, Merkantilismus, Friedrich II., Friedrich Wilhelm I., Glaubensflüchtlinge, Weberkolonie Nowawes, Rixdorf, Konfessionalisierung, Religionspolitik, Einwanderungspolitik, Geschichte Preußens, Hussitismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht kritisch die historische Praxis der Aufnahme böhmischer Glaubensflüchtlinge im 18. Jahrhundert in Brandenburg-Preußen und hinterfragt den Mythos der "preußischen Toleranz".

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die historische Einwanderungspolitik, der preußische Merkantilismus, der Wandel des Toleranzbegriffs und die Lebensumstände der böhmischen Exulanten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist festzustellen, ob die Ansiedlungen ein Akt religiöser Toleranz waren oder primär wirtschaftlichen Zielen, wie der Steigerung des Gewerbefleißes, dienten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen historischen Analyse unter Einbeziehung zeitgenössischer Definitionen und aktueller geschichtswissenschaftlicher Literatur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Toleranz, der Ansiedlung der Böhmen in Berlin und Rixdorf sowie der Gründung der Weberkolonie Nowawes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Merkantilismus, Peuplierungspolitik, Exulanten, Brandenburg-Preußen und Toleranz aus Vernunft charakterisiert.

Warum lehnte Friedrich Wilhelm I. die Ansiedlung der 500 böhmischen Exulanten zunächst ab?

Er wollte einen offenen diplomatischen Konflikt mit dem sächsischen Kurfürsten und den dortigen Großgrundbesitzern aufgrund der Flucht der Untertanen vermeiden.

Welche Rolle spielte der Unternehmer Daniel Kirchner bei der Ansiedlung?

Kirchner nutzte die Notlage der Neuankömmlinge aus, indem er sie unter dem Schein brüderlicher Hilfe für seine Linnenmanufaktur arbeiten ließ und sie dadurch in eine langfristige Schuldenabhängigkeit brachte.

Inwieweit lässt sich die Gründung von Nowawes als "toleranter Akt" beschreiben?

Nach Ansicht des Autors kaum; die Gründung war fast ausschließlich merkantilistisch motiviert, um den Webermangel in Preußen zu decken, während religiöse Toleranz dabei nur eine untergeordnete Rolle spielte.

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Details

Title
Das tolerante Brandenburg / Preußen? Toleranzpolitik am Beispiel der böhmischen Exulanten in Brandenburg/Preußen
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Course
PS 51310: Reformation und Konfessionalisierung in der Mark Brandenburg
Grade
1,7
Author
Thomas Keller (Author)
Publication Year
2006
Pages
17
Catalog Number
V80504
ISBN (eBook)
9783638785075
ISBN (Book)
9783638796095
Language
German
Tags
Brandenburg Preußen Toleranzpolitik Beispiel Exulanten Brandenburg/Preußen Reformation Konfessionalisierung Mark Brandenburg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Keller (Author), 2006, Das tolerante Brandenburg / Preußen? Toleranzpolitik am Beispiel der böhmischen Exulanten in Brandenburg/Preußen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80504
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