Die Arbeit beschäftigt sich mit der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung von Frauen in Deutschland. Die Autorinnen gehen dabei von der empirisch fundierten Feststellung aus, dass Frauen bzw. Mütter sich zwar eine Erwerbstätigkeit parallel zur Kinderbetreuung wünschen, aber ein hoher Prozentsatz der davon betroffenen Mütter dies nicht realisiert bzw. nur unter Schwierigkeiten realisieren kann. Um die Hintergründe für diese Problematik zu analysieren und Handlungsempfehlungen zur Überwindung dieses Zustandes zu entwickeln, werden aus unterschiedlichsten Perspektiven sowohl Ursachen als auch Lösungsalternativen für diese Diskrepanz vorgestellt, diskutiert und bewertet.
Hierzu dienten die folgenden Fragestellungen:
- Welche Beweggründe und Rahmenbedingungen lassen den Wunsch in den Müttern entstehen, Beruf und Familie vereinen zu wollen?
- Welche Effekte und Vorteile entstehen dem Staat und der Volkswirtschaft durch eine verbesserte Balance von Beruf und Familie?
- Wie sind die derzeitigen familienpolitischen Instrumente in Deutschland gestaltet und welche Auswirkungen haben sie auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?
- Welche Vorteile haben Unternehmen, wenn sie sich familienpolitisch einsetzen?
- Welche Möglichkeiten haben Unternehmen, den Familien die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern, und wie sind diese Instrumente hinsichtlich der Balance zu bewerten?
- Welche bundesweiten Initiativen werden derzeit angeboten, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu realisieren?
- Wie ist die Familienpolitik in den europäischen Best-practise Ländern Frankreich und Dänemark gestaltet und welche Maßnahmen lassen diese Länder erfolgreich werden?
- Welche expliziten Handlungsempfehlungen können für Deutschland abgeleitet werden?
Das Ziel der Arbeit besteht darin, allen Beteiligten ein besseres Verständnis für die Lage der Mütter zu vermitteln und die Wichtigkeit einer leichteren Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung nicht nur für die Mütter und Familien selbst, sondern auch für den Staat und die Gesellschaft und für die Unternehmen zu betonen sowie mögliche Handlungsalternativen für eine bessere Vereinbarkeit darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Rahmenbedingungen der Mütter (L)
2.1 Sozialpolitische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen (L)
2.1.1 Betreuungsangebote (L)
2.1.1.1. Zusammenhang Betreuungsangebot und Erwerbstätigkeit (L)
2.1.1.2. Mütter sind (nicht nur) das Beste für ihre Kinder (L)
2.1.2 Historische gewachsene Erwartung an die Mutterrolle (L)
2.1.3 Gesellschaftlicher Wert der Erziehungs- und Hausarbeit (L)
2.1.4 Soziale Absicherung (L)
2.1.4.1. Gesetzliche Rentenversicherung (L)
2.1.4.2. Gesetzliche Arbeitslosenversicherung (L)
2.1.4.3. Gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung (L)
2.1.4.4. Gesetzliche Unfallversicherung (L)
2.1.5 Zusammenfassung (L)
2.2 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen/Einflussfaktoren (R)
2.2.1 Historische Entwicklung
2.2.2 Aktuelle Situation
2.2.3 Zusammenfassung
2.3 Individuelle Sicht (L)
2.3.1 Bildung der Frau (L)
2.3.2 Finanzielle Unabhängigkeit (L)
2.3.3 Folgen der Erwerbsunterbrechung auf das Humankapital (L)
2.3.4 Wohlbefinden berufstätiger Mütter (L)
2.3.4.1. Persönliches Wohlbefinden der Mutter (L)
2.3.4.2. Auswirkungen auf die Partnerschaft (L)
2.3.4.3. Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Beziehung (L)
2.3.5 Zusammenfassung (L)
2.4 Zusammenfassung
3 Beweggründe aus Sicht des Staates und der Volkswirtschaft (L)
3.1 Steigerung der (potentiellen) Erwerbsbeteiligung (L)
3.1.1 Geburtenrate (L)
3.1.1.1. Aktuelle und potentielle Geburtenrate (L)
3.1.1.2. Zusammenhang Vereinbarkeit/Geburtenrate (L)
3.1.2 Steigende Frauenerwerbsquote (L)
3.1.3 Arbeitskräfte für zusätzliche Betreuungsplätze (L)
3.2 Effekte aus Sicht des Staates und der Volkswirtschaft (L)
3.2.1 Einnahme-/Einspareffekte (L)
3.2.1.1. Soziale Sicherungssysteme (L)
3.2.1.2. Steuereinnahmen (L)
3.2.1.3. Einsparungen (L)
3.2.1.4. Exkurs: Fiskalische Bilanz eines Kindes (L)
3.2.2 Gesellschaftspolitischer Effekt (L)
3.2.3 Volkswirtschaftliche Effekte (L)
3.2.3.1. Innovation (L)
3.2.3.2. Humankapital (L)
3.3 Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum, gesellschaftlicher Wohlstand (L)
3.4 Zusammenfassung (L)
4 Familienpolitische Maßnahmen des Staates (R)
4.1 Aufgaben und Ziele der deutschen Familienpolitik (R)
4.2 Träger der deutschen Familienpolitik (R)
4.2.1 Öffentliche Träger (R)
4.2.1.1. Kommunale Ebene (R)
4.2.1.2. Bundesländerebene (R)
4.2.1.3. Bundesebene (R)
4.2.1.4. EU-Ebene (R)
4.2.2 Nicht-öffentliche Träger (R)
4.2.2.1. Verbände der freien Wohlfahrtspflege (R)
4.2.2.2. Tarifpartner (R)
4.2.2.3. Unternehmen (R)
4.3 Familienpolitische Maßnahmen in Deutschland (R)
4.3.1 Zeitpolitik als Teil der deutschen Familienpolitik (R)
4.3.1.1. Mutterschutzregelungen (R)
4.3.1.1.1. Anspruchsberechtigte (R)
4.3.1.1.2. Leistungen und Schutzvorschriften (R)
4.3.1.1.3. Finanzielle Leistungen (R)
4.3.1.1.4. Schutzvorschriftfen (R)
4.3.1.2. Erziehungsurlaub/Elternzeit (R)
4.3.1.2.1. Anspruchsberechtigte (R)
4.3.1.2.2. Umfang/Regelungen der Elternzeit (R)
4.3.1.2.3. (Aus-)Wirkungen der Elternzeit (R)
4.3.2 Monetäre Leistungen in der deutschen Familienpolitik (R)
4.3.2.1. Kindergeld (R)
4.3.2.2. Erziehungsgeld (R)
4.3.2.2.1. Bezugsberechtigte (R)
4.3.2.2.2. Höhe des Erziehungsgeldes (R)
4.3.2.3. Elterngeld (R)
4.3.2.3.1. Bezugsberechtigte (R)
4.3.2.3.2. Höhe des Elterngeldes (R)
4.3.2.3.3. Kritik am Elterngeld (R)
4.3.2.3.4. (Aus-) Wirkungen des Elterngeldes (R)
4.3.2.4. Unterhaltsvorschuss (R)
4.3.2.5. Kinderzuschlag (R)
4.3.2.6. Kranken-/Renten-/Arbeitslosenversicherung (R)
4.3.2.7. Steuerliche Regelungen (R)
4.3.2.7.1. Kinderfreibetrag (R)
4.3.2.7.2. Kinderbetreuungskosten (R)
4.3.2.7.3. Ausbildungsfreibetrag (R)
4.3.2.7.4. Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (R)
4.3.2.7.5. Exkurs: Das Ehegattensplitting – ein Hemmnis für die Frauenerwerbstätigkeit? (R)
4.3.3 Infrastrukturleistungen in der deutschen Familienpolitik (R)
4.3.3.1. Derzeitige Versorgung mit institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen und tatsächlicher Bedarf (R)
4.3.3.2. Bedeutung der institutionellen Kinderbetreuung für die Erwerbstätigkeit von Müttern (R)
4.3.3.3. Fazit (R)
4.4 Zusammenfassung (R)
5 Gründe für eine betriebliche Familienpolitik (R)
5.1 Einsparpotentiale durch familienfreundliche Maßnahmen (R)
5.1.1 Wiederbeschaffungs- bzw. Fluktuationskosten (R)
5.1.2 Wiedereingliederungskosten (R)
5.1.3 Überbrückungskosten (R)
5.1.4 Kosten für Fehlzeiten (R)
5.2 Weitere Vorteile einer familienorientierten Personalpolitik (R)
5.3 Zusammenfassung (R)
6 Möglichkeiten der Arbeitszeitflexibilisierung in Unternehmen (R)
6.1 Notwendigkeit/Bedeutung der Arbeitszeitflexibilisierung (R)
6.2 Definition der Arbeitszeit (-flexibilisierung) (R)
6.3 Rechtliche Rahmenbedingungen (R)
6.3.1 Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) (R)
6.3.2 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) (R)
6.4 Flexible Arbeitszeitmodelle (R)
6.4.1 Flexible Teilzeitmodelle (R)
6.4.1.1. Teilzeit während der Elternzeit (R)
6.4.1.2. Arbeit auf Abruf (KAPOVAZ) (R)
6.4.1.3. Jobsharing (R)
6.4.1.4. Geringfügige Beschäftigung: Mini- und Midijobs (R)
6.4.1.5. Zusammenfassende Bewertung/Kritik (R)
6.4.2 Flexible Arbeitszeitkontenmodelle (R)
6.4.2.1. Gleitzeit (R)
6.4.2.2. Überstundenkonten (R)
6.4.2.3. Ampelkonten/Arbeitszeitkorridore (R)
6.4.2.4. Jahresarbeitsverträge (R)
6.4.2.5. Sabbaticals und Lebensarbeitszeitkonten
6.4.2.6. Zusammenfassende Bewertung/Kritik (R)
6.4.3 Vertrauensarbeitszeit (L)
6.4.3.1. Begriffserklärung (L)
6.4.3.2. Chancen und Hemmnisse (L)
6.4.3.3. Spezielle rechtliche Aspekte (L)
6.4.3.4. Vertrauensarbeitszeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (L)
6.4.3.5. Zwei Fälle aus der Empire (2002) (L)
6.4.3.6. Zusammenfassende Bewertung/Kritik (L)
6.4.4 Telearbeit (L)
6.4.4.1. Begriffserklärung/Grundsätzliches (L)
6.4.4.2. Arten (L)
6.4.4.2.1. Permanente Telearbeit (L)
6.4.4.2.2. Alternierende Telearbeit (L)
6.4.4.2.3. Sporadische Telearbeit (L)
6.4.4.2.4. Sonderform (L)
6.4.4.3. Chancen und Hemmnisse (L)
6.4.4.4. Spezielle rechtliche Aspekte (L)
6.4.4.5. Telearbeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (L)
6.4.4.6. Empirische Studien hinsichtlich Familie und Beruf (L)
6.4.4.6.1. Glade (2001) (L)
6.4.4.6.2. Büssing/Broome/Bernhaupt/Buddendick (1999) (L)
6.4.4.6.3. Büssing/Kunst/Michel (1996) (L)
6.4.4.6.4. Glaser/Glaser (1995) (L)
6.4.4.6.5. Goldmann/Richter (1991) (L)
6.4.4.6.6. Weitere Studien (L)
6.4.4.7. Zusammenfassende Bewertung/Kritik (L)
6.4.5 Zusammenfassung (L)
7 Betriebliche Betreuungsangebote und Unterstützungen (L)
7.1 Rechtliche Regelungen betrieblicher Kinderbetreuung (L)
7.2 Finanzierung (L)
7.3 Maßnahmen (L)
7.3.1 Betriebliche/betrieblich unterstützte Kinderbetreuung (L)
7.3.1.1. Varianten (L)
7.3.1.1.1. Einzelbetriebliche Kindertagesstätte (L)
7.3.1.1.2. Überbetriebliche Kooperation (L)
7.3.1.1.3. Betriebnahe Einrichtung auf Stadtteilebene (L)
7.3.1.1.4. Belegrechte an bestehenden Einrichtungen (L)
7.3.1.1.5. Förderung von Elterninitiativen (L)
7.3.1.1.6. Regionaler Kooperationsverbund (L)
7.3.1.1.7. Betreuungszeiten (L)
7.3.1.2. Vorteile (L)
7.3.1.3. Kosten (L)
7.3.2 Ferienbetreuung (L)
7.3.2.1. Varianten (L)
7.3.2.2. Vorteile (L)
7.3.2.3. Kosten (L)
7.3.3 Betreuungszuschuss (L)
7.3.3.1. Vorteile, Kosten (L)
7.3.3.2. Modellrechnung (L)
7.3.4 Beratung und Vermittlungsdienstleistungen (L)
7.3.4.1. Vorteile (L)
7.3.4.2. Kosten für die Eltern (L)
7.3.4.3. Kosten für das Unternehmen (L)
7.3.5 Inhouse-Betreuung (L)
7.3.5.1. Varianten (L)
7.3.5.2. Vorteile (L)
7.3.5.3. Kosten (L)
7.4 Studien: Betriebliche Kinderbetreuung - Vereinbarkeit (L)
7.4.1 Kids & Co. (2004) (L)
7.4.2 Frankfurter Studie (1991) (L)
7.5 Exkurs: „Erwartungen an einen familienfreundlichen Betrieb“ (L)
8 Bundesweite Initiativen und Angebote (L)
8.1 Allianz für die Familie (L)
8.1.1 Wachstumspfad Familienfreundlichkeit – Studien (L)
8.1.2 Familienfreundliche Unternehmenskultur (L)
8.1.3 Wachstumsmotor für Großunternehmen (L)
8.1.4 Service für Unternehmen - Mittelstand und Familie (L)
8.1.5 Wettbewerb und Audit für Unternehmen (L)
8.1.6 IHK und Wirtschaftsjunioren (L)
8.1.7 Handlungsstrategien für Gewerkschaften (L)
8.1.8 Lokale Bündnisse für die Familie (L)
8.1.9 Nachhaltige Familienpolitik (L)
8.2 Audit „Beruf & Familie®“ (L)
8.3 Investitionsprogramm Zukunft, Bildung und Betreuung (L)
8.4 Lokale Bündnisse für Familie (L)
8.5 Pme-Familienservice GmbH (L)
8.6 Erfolgsfaktor Familie: Unternehmen gewinnen (L)
8.7 Familien-Wegweiser (L)
9 Best-Practise-Beispiele: Frankreich und Dänemark
9.1 Frankreich (L)
9.1.1 Frauenerwerbstätigkeit und Familienpolitik (L)
9.1.2 Geldleistungen (L)
9.1.3 Zeitpolitik (L)
9.1.4 Infrastrukturleistungen (L)
9.1.5 Rolle der Wirtschaft (L)
9.1.6 Zusammenfassende Einschätzung (L)
9.2 Dänemark (R)
9.2.1 Frauenerwerbstätigkeit und Familienpolitik (R)
9.2.2 Geldpolitik (R)
9.2.3 Zeitpolitik (R)
9.2.4 Infrastrukturleistungen (R)
9.2.5 Rolle der Wirtschaft (R)
9.2.6 Zusammenfassende Einschätzung (R)
10 Notwendiger Handlungsbedarf in Deutschland
10.1 Empfehlungen für Unternehmen (L)
10.1.1 Arbeitszeit (L)
10.1.2 Arbeitsort und –organisation (L)
10.1.3 Sozialleistungen (L)
10.1.4 Unternehmensorganisation und Management (L)
10.1.5 Väterfreundliche Maßnahmen (L)
10.2 Politischer Handlungsbedarf
10.2.1 Abbau traditioneller Rollenmodelle (R)
10.2.2 Kinderbetreuung (L)
10.2.2.1. Angebot (L)
10.2.2.2. Finanzierung (L)
10.2.2.3. Zugang und Qualität der Betreuungsangebote (L)
10.2.2.4. Abbau bürokratischer Hürden (L)
10.2.3 Steuerreform (L)
10.2.4 Transparente und individuelle Leistungen(R)
10.3 Individueller Handlungsbedarf der Mütter (R)
10.4 Individueller Handlungsbedarf der Väter (R)
10.5 Reformen im deutschen Ausbildungssystem (L)
10.6 Zusammenfassung
11 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland vor dem Hintergrund staatlicher und betrieblicher Rahmenbedingungen. Ziel ist es, die Beweggründe für den Erwerbswunsch von Müttern zu verdeutlichen, die ökonomischen und gesellschaftlichen Effekte einer verbesserten Vereinbarkeit für Staat und Unternehmen zu bewerten und auf Basis von Best-Practice-Beispielen Handlungsalternativen zur Förderung der Vereinbarkeit abzuleiten.
- Sozioökonomische Rahmenbedingungen von Müttern und Familien
- Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Frauenerwerbstätigkeit
- Familienpolitische Instrumente des Staates und deren Wirksamkeit
- Betriebliche Maßnahmen zur Förderung der Vereinbarkeit
- Handlungsbedarf für Politik, Wirtschaft und Individuum
Auszug aus dem Buch
2.1.1.1. Zusammenhang Betreuungsangebot und Erwerbstätigkeit (L)
Büchel und Spieß (2002a) erläutern, dass eine umfassende Kinderbetreuung mit einer höheren Erwerbsbeteiligung der Mütter einhergeht. Sie haben empirisch auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP)2 bewiesen, dass Mütter von Kindern, die intensiv institutionell betreut werden, überproportional häufig in Vollzeit arbeiten. Bei nicht erwerbstätigen Frauen besteht ein Zusammenhang zwischen einer intensiven institutionellen Betreuung des jüngsten Kindes und einer Erwerbsabsicht sowie einer kürzeren Zeitspanne zur geplanten Berufsaufnahme und der Absicht, eine Vollzeitstelle anzunehmen. Bei Müttern mit älteren Kindern findet zusätzlich ein aktiveres Suchverhalten nach einer Stelle statt. Man kann also ein hohes Erwerbspotential vermuten, welches nur aufgrund mangelnder Betreuungsplätze nicht ausgeschöpft wird.
Büchel und Spieß (2002b) führen weiterhin aus, dass ein 10%iger Ausbau von Ganztagesplätzen die Müttererwerbstätigkeit um 3,2% erhöht und sich auch eine Erhöhung der Kindergartenplätze positiv auswirkt, jedoch unter einem 10%igen Signifikanzniveau. Weiterhin sind auch das Alter und die Anzahl der Kinder entscheidend für die Berufsaufnahme.
Insgesamt wird mit fundierten empirischen Studien erstmals anhand von repräsentativen mikroökonomischen Methoden bewiesen, dass eine Förderung von Kindertagesstätten und besonders das Ganztagesangebot die Müttererwerbstätigkeit signifikant begünstigt. Diesen Beweis konnten vorherige Studien von Merkle (1994) oder auch Kreyenfeld und Hank (1999) nicht leisten, da sie nicht nach der Art der vorhandenen Plätze, wie z.B. die wichtige Übermittagbetreuung, differenziert haben. Das Ergebnis von Büchel und Spieß wird durch Fthenakis und Engfer (1998) bestätigt, die ausführen, dass die Fortführung oder der Wiedereinstieg in den Beruf an das Vorhandensein von Betreuungsmöglichkeiten geknüpft ist. Sie erläutern, dass häufig die Unterstützung und Hilfe durch Verwandte nicht möglich ist, eine Tagesmutter jedoch selbst bei einem zusätzlichen Einkommen finanziell kaum erschwinglich ist. Somit sind institutionelle Kinderbetreuungsangebote unerlässlich, welche auch hinsichtlich der Entfernung und der Öffnungszeiten für Erwerbstätige praktikabel sein müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Darlegung der Problemstellung und methodischen Herangehensweise.
2 Rahmenbedingungen der Mütter (L): Analyse der sozialen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und individuellen Faktoren, die den Wunsch nach Erwerbstätigkeit bei Müttern prägen.
3 Beweggründe aus Sicht des Staates und der Volkswirtschaft (L): Untersuchung der fiskalischen und volkswirtschaftlichen Effekte durch eine Erhöhung der Frauenerwerbsquote und Investitionen in Familien.
4 Familienpolitische Maßnahmen des Staates (R): Detaillierte Darstellung staatlicher Instrumente wie Zeitpolitik, monetäre Leistungen und Infrastruktur, bewertet anhand empirischer Studien.
5 Gründe für eine betriebliche Familienpolitik (R): Argumentation für die Notwendigkeit und Vorteile betrieblicher Maßnahmen, insbesondere im Hinblick auf Kosten-Nutzen-Aspekte.
6 Möglichkeiten der Arbeitszeitflexibilisierung in Unternehmen (R): Darstellung verschiedener Modelle flexibler Arbeitszeiten und deren Eignung für eine bessere Balance zwischen Beruf und Familie.
7 Betriebliche Betreuungsangebote und Unterstützungen (L): Erläuterung konkreter Maßnahmen wie betriebsnahe Kindertagesstätten, Ferienbetreuung und Vermittlungsdienste.
8 Bundesweite Initiativen und Angebote (L): Überblick über bestehende Initiativen, Netzwerke und Beratungsprogramme zur Unterstützung familienfreundlicher Unternehmensführung.
9 Best-Practise-Beispiele: Frankreich und Dänemark: Analyse der familienpolitischen Ansätze in Vorbildländern als Grundlage für Handlungsempfehlungen.
10 Notwendiger Handlungsbedarf in Deutschland: Zusammenfassung der empfohlenen Maßnahmen für Unternehmen, Politik, Mütter und Väter sowie Reformvorschläge für das Ausbildungssystem.
11 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Bestätigung der Notwendigkeit zur Optimierung der Rahmenbedingungen für eine bessere Vereinbarkeit.
Schlüsselwörter
Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Kinderbetreuung, Familienpolitik, Müttererwerbstätigkeit, Arbeitszeitflexibilisierung, Elterngeld, Humankapital, Geburtenrate, betriebliche Familienpolitik, soziale Sicherung, Arbeitsmarktintegration, betriebliche Betreuungsangebote, Genderlücke, Erwerbspersonenpotential.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Diplomarbeit untersucht die Möglichkeiten und Notwendigkeiten einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland. Dabei wird die Situation aus den Blickwinkeln der betroffenen Mütter, des Staates und der Unternehmen betrachtet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rahmenbedingungen für die Müttererwerbstätigkeit, familienpolitische Maßnahmen des Staates, betriebliche Unterstützungsangebote sowie die notwendigen Reformbedarfe in Politik und Wirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Lage berufstätiger Mütter zu vermitteln und die Bedeutung einer verbesserten Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung für alle Akteure (Mütter, Staat, Wirtschaft) aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorinnen nutzen eine fundierte Literaturanalyse, werten amtliche Statistiken und Datenreihen aus und beziehen aktuelle empirische Studien in ihre Bewertung ein.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Rahmenbedingungen, die volkswirtschaftlichen Beweggründe, staatliche Maßnahmen, betriebliche Flexibilisierungsmöglichkeiten und Best-Practice-Beispiele aus dem Ausland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Kinderbetreuung, Familienpolitik, Arbeitszeitflexibilisierung, Elterngeld und Humankapital sind die maßgeblichen Begriffe.
Was ist das „Mütterdilemma“?
Das Mütterdilemma beschreibt den gesellschaftlichen Konflikt, in dem sich Mütter befinden: Sie werden für eine Berufstätigkeit sozial kritisiert, tragen jedoch bei Nichterwerbstätigkeit Einbußen beim sozialen Ansehen und bei der finanziellen Absicherung davon.
Warum sind Frankreich und Dänemark als Vorbilder gewählt?
Diese Länder weisen im Vergleich zu Deutschland eine höhere Frauenerwerbsquote und gleichzeitig hohe Geburtenraten auf, was durch spezifische familienpolitische Strategien begünstigt wird.
Welche Rolle spielt die betriebliche Kinderbetreuung?
Sie gilt als wichtige Unterstützungsform, um Betreuungslücken zu schließen, Fehlzeiten zu reduzieren und die Mitarbeiterbindung sowie die Produktivität in Unternehmen zu steigern.
- Arbeit zitieren
- Catrin Röding (Autor:in), Yvonne Littek (Autor:in), 2007, Frauen zwischen Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80559