Im 5. Buch der Historien von Tacitus beschreibt der Autor die Niederschagung Jerusalems durch den Römer Titus im Jahre 70 nach Chrisuts. Tacitus verzichtet bei seinen Ausführungen nicht Titus sehr lobend darzustellen und kontrastiert das Bild des Juden mit einer sehr scharfen Polemik gegen das jüdische Volk.
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
1. Tacitus und seine Historien
1.1 Das Leben des Tacitus
1.2 Die Historien des Tacitus
1.3 Inhaltsüberblick über die Historien 5,1-5,13
1.4 Wesentliche Merkmale zu Sprache und Stil der Historien 5,1-5,13
2. Themen des taciteischen Judenexkurses der Historien
2.1 Titus vor Jerusalem
2.2 Die Herkunftsgeschichten
2.3 Die Beschreibungen der Sitten und Gebräuche der Juden
2.4 Die Geographie Judäas
2.5 Die Geschichte der Juden von der Assyrerherrschaft bis zur Schlacht um Jerusalem 70 n. Chr.
3. Bewertung der antijüdischen Äußerungen des Tacitus
3.1 Allgemeines
3.2 Eventuelle Ursachen des Antijudaismus
3.3 Der Judenexkurs "cum ira et studio"
Abschlussbemerkung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das antijüdische Bild, das der Historiker P. Cornelius Tacitus im fünften Buch seiner Historien zeichnet. Dabei wird analysiert, wie Tacitus den Judenexkurs sprachlich und inhaltlich gestaltet, um das jüdische Volk sowie dessen Sitten und Geschichte aus einer voreingenommenen, römischen Perspektive herabzusetzen und die militärische Leistung des Feldherren Titus hervorzuheben.
- Analyse der Herkunftsgeschichten der Juden bei Tacitus
- Untersuchung der judenfeindlichen Darstellung von Sitten und Gebräuchen
- Topographische und geographische Kontextualisierung des Judenlandes
- Historische Betrachtung der Juden von der Assyrerherrschaft bis zur Schlacht um Jerusalem
- Bewertung von Sprache, Stil und rhetorischen Strategien der antijüdischen Äußerungen
Auszug aus dem Buch
2.1 Titus vor Jerusalem
"Zu Beginn eben dieses Jahres entfaltete Cäsar Titus, der von seinem Vater zur Niederwerfung Judäas ausersehen war und der sich auch schon zur Zeit, da beide noch im Privatstand lebten, militärisch ausgezeichnet hatte, nunmehr eine größere und ruhmvollere Tätigkeit, wobei Provinzen und Heere wie im Wetteifer miteinander für ihn eintraten. Um den Eindruck zu erwecken, als sei er über seine augenblickliche hohe Stellung erhaben, war er bemüht, sich als schmucker, eifriger Kriegsmann zu zeigen, der durch freundliche Anrede die Dienstbeflissenheit seiner Leute anzuspornen wusste, bei der Schanzarbeit, auch auf dem Marsch sich gern zu dem gemeinen Mann gesellte, ohne dabei von seiner Feldherrnwürde etwas zu vergeben. Drei Legionen, die fünfte, zehnte und fünfzehnte, lauter altgediente Soldaten Vespasians, fand er in Judäa vor. Mit diesen vereinigte er die zwölfte Legion aus Syrien und die aus Alexandria hergeholten Zweiundzwanziger und Dreier. Seine Begleitung bildeten zwanzig bundesgenössische Kohorten und acht Reiterschwadronen, dazu die Könige Agrippa und Schaemus und Hilfsvölker des Königs Antiochus, auch eine wackere und – gehässig wie Nachbarn gewöhnlich sind – judenfeindliche Araberschar, schließlich noch viele Leute aus Rom und Italien, die die persönliche Hoffnung hergelockt hatte, den noch nicht in Beschlag genommenen Fürsten vorweg für sich zu gewinnen. Mit diesen Truppen rückte er, alles auskundschaftend und zum Entscheidungskampf bereit, in wohlgeordnetem Heereszug ins feindliche Gebiet und schlug nicht weit von Jerusalem sein Lager auf".
Zusammenfassung der Kapitel
1. Tacitus und seine Historien: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Leben des Historikers, den Charakter der Historien sowie die sprachliche und stilistische Ausgestaltung des Judenexkurses.
2. Themen des taciteischen Judenexkurses der Historien: Hier werden die zentralen Inhalte des Exkurses, von den Vorbereitungen des Titus bis zu den verschiedenen Herkunfts- und Geschichtsvarianten der Juden sowie deren Sitten und Geographie, detailliert analysiert.
3. Bewertung der antijüdischen Äußerungen des Tacitus: Dieses Kapitel fasst die antijüdische Intention des Exkurses zusammen und diskutiert mögliche Ursachen für die von Tacitus gewählte Darstellungsweise "cum ira et studio".
Schlüsselwörter
Tacitus, Historien, Antijudaismus, Judenexkurs, Titus, Jerusalem, Sitten und Gebräuche, Geographie Judäas, Mythos, Antisemitismus, römische Geschichtsschreibung, Flavische Dynastie, Vorurteile, Minderheiten, Sprachstil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die antijüdischen Aussagen im fünften Buch der Historien des P. Cornelius Tacitus und analysiert, wie diese in den historischen Kontext eingeordnet werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Herkunftsmythen der Juden, deren religiöse Sitten, die Geographie des antiken Judäa sowie die jüdische Geschichte bis zur Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Tacitus durch seine Darstellungsweise ein einseitiges, negatives Bild der Juden konstruiert, um damit unter anderem die Rolle und den Erfolg des Feldherren Titus zu glorifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine Textinterpretation der entsprechenden Kapitel, wobei antike Quellen und wissenschaftliche Kommentare zur Einordnung der taciteischen Aussagen herangezogen werden.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der verschiedenen Herkunftsberichte, die Interpretation der jüdischen Speise- und Religionsgesetze sowie die geographische Beschreibung Judäas als düsteres, feindliches Umfeld.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Antijudaismus, Historien, Tacitus, jüdische Sitten, römische Perspektive und die kriegerische Auseinandersetzung um Jerusalem.
Warum spielt die Geographie für Tacitus eine Rolle?
Die geographische Beschreibung dient Tacitus als Spiegel seiner negativen Charakterisierung der Juden, indem er die Landschaft um das Tote Meer als menschenfeindlich und ungesund darstellt.
Wie bewertet die Arbeit die "objektive" Geschichtsschreibung des Tacitus?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Anspruch des Tacitus, Geschichte "ohne Zorn und Fleiß" zu schreiben, durch seine absichtliche und einseitige Schwärzung des jüdischen Volkes widerlegt wird.
- Citar trabajo
- Hilde Michael (Autor), 2006, Antijüdische Aussagen im 5. Buch der Historien des P. Cornelius Tacitus , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80648