Die vorliegende Arbeit soll GEORG HEYMS Gedicht OPHELIA nach den Kategorien der formalen Gedichtanalyse beschreiben und erläutern. Dies geschieht unter Berücksichtigung des Paratextes HAMLET von WILLIAM SHAKESPEARE. Wie sich an späterer Stelle zeigen wird, hat jener Text eine wesentliche Funktion für das vorliegende Werk. Eventuell vorstellbare Analogien zwischen beiden Werken sollen aufgezeigt, in ihrer Wirkung beurteilt und schließlich das Für und Wider abgewogen werden. Weiterhin werden die im Verlaufe dieser Arbeit näher beschriebenen Oppositionsbildungen innerhalb der OPHELIA näher untersucht. Abschließend soll eine Zusammenfassung zeigen, welche Charakteristika das Werk HEYMS prägen und wie sich deren Wirkung gestaltet.
Inhaltsverzeichnis
1 Aufbau
2 Kommunikationsstrukturen
2.1 Perspektive
2.1.1 Textsubjekt und erste Person
2.1.2 Die zweite Person
2.1.3 Die dritte Person
2.2 Zeit
2.3 Raum
3 Metrische Analyse
3.1 Versform
3.2 Reimschema
3.3 VERSENDEN
4 Syntaktische Analyse
5 Rhetorische Analyse
5.1 Der Fluss
5.2 Die Tiere
5.3 Die Farben
5.4 Die Wasserleiche
5.5 Die Stadt
5.6 Die Naturlandschaft
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, Georg Heyms Gedicht „Ophelia“ einer detaillierten formalen Gedichtanalyse zu unterziehen und dabei das Verhältnis zu William Shakespeares „Hamlet“ als zentralem Paratext zu untersuchen.
- Formale Analyse der Gedichtstruktur und Metrik
- Untersuchung von Kommunikationsstrukturen und Perspektive
- Rhetorische Analyse zentraler Leitmotive (Fluss, Tiere, Farben, Stadt)
- Evaluation der Intertextualität zwischen Heym und Shakespeare
- Deutung der Oppositionsbildungen als Entfremdungserscheinungen
Auszug aus dem Buch
5.4 Die Wasserleiche
OPHELIA wirkt zu Beginn grotesk entstellt und hat nur noch wenig mit einem menschlichen Wesen gemein: Neben den genannten Tieren, die ihren Körper vereinnahmen, löst der Vergleich ihrer Hände mit den „Flossen“ [V. 3] eine weitere Steigerung der Entfremdungsqualität OPHELIAS aus. Wieder wird ein deutlicher Kontrast erkennbar: Die Hand steht für Stärke, Treue, Fleiß, Unschuld und Einigkeit. Fische hingegen wirken als schweigende Bewohner des Wassers oft unheimlich und werden mit negativen Mythen verbunden. Eine Anapher lässt sich bei „Warum“ [V. 7] erkennen, wodurch die unbeantwortete Frage nach den Hintergründen und Ursachen von OPHELIAS Tod eine besondere Eindringlichkeit erhält. Der zweite Abschnitt hingegen zeigt eine wesentlich angenehmer wirkende OPHELIA. Ihr Wunsch „entschlafen“ [V. 19] zu wollen und ihr Traum „von eines Kusses Karmoisin“ [V. 23] erzeugen ein Gefühl der Menschlichkeit und Nähe. Allerdings träumt sie den schon genannten unerfüllbaren „ewigen Traum“ [V. 24], der wiederum zeigt, dass OPHELIA nicht mehr geholfen werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Aufbau: Beschreibt die formale Zweiteilung des Gedichts und analysiert die Korrespondenz zwischen inhaltlichem und äußerem Aufbau.
2 Kommunikationsstrukturen: Untersucht die Rolle des Paratextes aus „Hamlet“ sowie die Funktion von Perspektive, Zeit und Raum für die Entindividualisierung der Figur.
3 Metrische Analyse: Analysiert den Jambus, Kadenzen und silbische Abweichungen als Ausdruck von Dynamik und inhaltlicher Verfremdung.
4 Syntaktische Analyse: Beleuchtet die Wirkung von Enjambements, Zäsuren und struktureller Ambiguität auf den Lesefluss und die Bedeutungskonstitution.
5 Rhetorische Analyse: Ordnet Figuren und Tropen nach Motivfeldern wie Fluss, Tieren, Farben und Stadt, um die permanenten Oppositionsbildungen aufzuzeigen.
Schlüsselwörter
Georg Heym, Ophelia, Gedichtanalyse, William Shakespeare, Hamlet, Paratext, Metrik, Rhetorik, Intertextualität, Motivik, Entfremdung, Oppositionsbildung, Literaturwissenschaft, Naturlandschaft, Symbolik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine fundierte formale und rhetorische Analyse des Gedichts „Ophelia“ von Georg Heym unter Einbeziehung des intertextuellen Bezugs zu Shakespeares „Hamlet“.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der formalen Struktur, den Kommunikationsstrukturen, dem Einsatz von Metrik und Syntax sowie einer tiefgehenden rhetorischen Untersuchung verschiedener Leitmotive.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Wirkungsweise der formalen Gestaltung zu beschreiben und zu klären, ob und inwiefern eine Analogie zwischen Heyms Figur und Shakespeares Ophelia zulässig ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine systematische formale Gedichtanalyse angewandt, ergänzt durch komparatistische Ansätze im Hinblick auf den Paratext sowie symboltheoretische und rhetorische Interpretationsmethoden.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung erörtert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Aufbau, Kommunikationsstrukturen, Metrik, Syntax und eine detaillierte rhetorische Analyse der im Text verwendeten Bilder und Motive.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Intertextualität, Entfremdung, Oppositionsbildung, Symbolik und literaturwissenschaftliche Analyse.
Welche Funktion hat die „Stadt“ im Gedicht laut der Analyse?
Die Stadt fungiert als Gegenentwurf zur natürlichen Landschaft und unterstreicht die Entfremdung sowie den Verlust der Erlösungshoffnung für die Figur Ophelia.
Warum wird die „Wasserleiche“ als zentrales Motiv hervorgehoben?
Das Motiv dient dazu, die groteske Entstellung der Figur und die Ablösung von ihrem ursprünglichen literarischen Kontext zu verdeutlichen, was durch kontrastierende Tier- und Naturbilder verstärkt wird.
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- Sven Köhler (Author), 2005, Zu Georg Heym: Ophelia - Textanalytische Übung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80667