Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Didactics - Politics, Political Education

Gedenkstättenpädagogik und Yad Vashem: Grenzen und Möglichkeiten der historisch-politischen Bildung

Title: Gedenkstättenpädagogik und Yad Vashem: Grenzen und Möglichkeiten der historisch-politischen Bildung

Seminar Paper , 2005 , 17 Pages , Grade: 1.3

Autor:in: Christiane Grammel (Author)

Didactics - Politics, Political Education
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Das Jahr 2005 markiert einen neuen Punkt in Deutschlands Geschichte. 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Shoah, dem Holocaust, der Judenverfolgung und –ermordung, erinnert die vereinte Bundesrepublik der schrecklichen Verbrechen des Naziregimes. Mittels Gedenkfeiern, Ansprachen, großen Reden und aufwändigen Filmen (Der Untergang, Sophie Scholl, Speer und Er) wurde des 60. Jahrestags des Kriegsendes gedacht. Es scheint, als hätte das Interesse am dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte wieder zugenommen. Die Faszination an der „Banalität des Bösen“ ist ungebrochen.
Am 11. Mai 2005, einen Tag vor dem „Jerusalem-Tag“, wurde das jahrelang umstrittene neue Mahnmal für die ermordeten Juden Europas eingeweiht. Es ist die einzige Gedenkstätte in Deutschland, die nicht an einem authentischen Ort des Geschehens steht, wobei natürlich Berlin, und in diesem Fall speziell die Nähe zum Reichstag und Brandenburger Tor symbolischen Charakter erreicht (Plaketten, Hinweisschilder oder Installationen, die an einzelnen Orten an jüdisches Leben erinnern sind andere Typen des Gedenkens und hier nicht relevant). Doch die Stimmen der Besucher dieser Gedenkstätte sind kritisch. Was sollen die 2700 Betonstelen symbolisieren? Auch Äußerungen wie „Das ist alles so lange her, was hab ich mit dem Holocaust zu tun?“ und „Brauchen wir wirklich noch eine Gedenkstätte?“ wurden gehört. Auch diese kritischen, z.T. unreflektierten Stimmen spiegeln die kontemporäre Haltung v.a. von Jugendlichen zum Holocaust wider. Wie ist dieser zu begegnen?
Eine Antwort heißt politische Bildung (oder auch historisch-politische Bildung), die v.a. im Klassenzimmer den Jugendlichen beibringen soll, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzten. In den Achtzigerjahren, als die Jugend eine noch tiefere Auseinandersetzung mit nationalsozialistischen Vergangenheit forderte, entstand die Museumspädagogik und mit ihr die Gedenkstättenpädagogik. Ihre Aufgabe definiert Tomasz Kranz folgendermaßen: „Sie sollen im Großen und Ganzen Nachdenken und Diskurs stimulieren, und im Einzelnen zur Entwicklung der Fähigkeit beitragen, in moralische und existentielle Selbstreflexion einzutreten, und somit die Empfindsamkeit und Wachsamkeit gegenüber allen Formen von Intoleranz, Xenophobie und anderen für die Demokratie gefährlichen Tendenzen in der Gesellschaft wecken“ ( Kranz, 1998: 28) .
Diese Arbeit soll die Möglichkeiten sowie die Grenzen der Wirksamkeit von Gedenkstätten und Gedenkstättenpädagogik aufdecken und behandeln. Als besonderes Beispiel soll die zentrale Gedenkstätte Yad Vashem im Mittelpunkt stehen.

Excerpt


Gliederung

1 GEGENSTAND DIESER ARBEIT

2 GEDENKSTÄTTEN UND GEDENKSTÄTTENPÄDAGOGIK – EINE EINFÜHRUNG

2.1 GEDENKSTÄTTEN – VERSCHIEDENEN TYPEN

2.2 ZIELE UND AUFGABEN VON GEDENKSTÄTTEN

2.3 GEDENKSTÄTTEN UND ERINNERUNGSKULTUR IN DER BRD – HISTORISCHER ÜBERBLICK

2.4 GEDENKSTÄTTENPÄDAGOGIK

2.4.1 Ausstellungen

2.4.2 Zeitzeugen

2.4.3 Aktives Lernen – Entdeckendes Lernen

2.4.4 Führungen

3 YAD VASHEM

3.1 ENTSTEHUNGSGESCHICHTE, ZIELE UND AUFGABEN

3.2 GEDENKORTE IN YAD VASHEM

3.2.1 Das Tal der Gemeinden

3.2.2 Die Allee der Gerechten unter Völkern

3.2.3 Das Denkmal für die ermordeten Kinder

3.2.4 Das Museum und die Halle der Namen

3.3 LERNEN IN YAD VASHEM

4 ZUSAMMENFASSUNG

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit von Gedenkstätten und der Gedenkstättenpädagogik als Instrumente der historisch-politischen Bildung. Angesichts einer zunehmenden zeitlichen Distanz zum Nationalsozialismus wird analysiert, wie diese Lernorte dazu beitragen können, Jugendlichen einen Zugang zur Geschichte zu ermöglichen, der über eine rein kognitive Vermittlung hinausgeht und eine moralische Selbstreflexion stimuliert.

  • Grundlagen und Typologie von Gedenkstätten sowie deren wandelnde Aufgaben im historischen Verlauf.
  • Methodische Ansätze der Gedenkstättenpädagogik, wie Ausstellungen, Zeitzeugenberichte und entdeckendes Lernen.
  • Die Institution Yad Vashem als Fallbeispiel für eine Gedenkstätte abseits authentischer Orte des Geschehens.
  • Die Bedeutung der "jüdischen Perspektive" und der Individualisierung von Opferschicksalen für die Gedenkkultur.
  • Herausforderungen der Vermittlung in einer Gesellschaft mit zunehmendem zeitlichem Abstand zum Holocaust.

Auszug aus dem Buch

2.4.4 Führungen

Gedenkstättenbesuche sind in den deutschen Rahmenplänen zwar empfohlen, jedoch nicht obligatorisch. Meist wird die Besichtigung z.B. eines Konzentrationslager in den historisch-politischen Unterricht in Klasse 9/10 eingebunden und findet in Form einer Führung durch das örtliche Personal statt. Führungen, so Bärbel Maul, verfügen über den Vorteil, dass die leitende Person als Mittler zwischen Subjekt und Objekt auftritt. Zudem sind Rundgänge z.T. besucherorientiert strukturiert - ein Vorteil, der gerade bei SchülerInnen von besonderem Wert ist. Neben diesen Vorteilen steht eine lange Liste mit Nachteilen. Die generelle Tatsache, dass Führungen blockieren, im eigenen Lerntempo zu erkunden, ist bei einem Gedenkstättenbesuch besonders dramatisch, denn wie sollen individuelle SchülerInnen sich einen Zugang zur Geschichte erarbeiten, wenn ihnen nicht die Zeit für Reflexion gegeben wird? Die oft zu kurzen Rundgänge liefern zwar eine Fülle an Informationen, die jedoch nur schwer mit dem eigenen Wissen vernetzt werden können. Ein weiterer Mangel besteht oft schon beim Führungspersonal, das gelegentlich in Routine erstarrt und gehemmt ist, auf seine Besucher einzugehen.

Führungen sollten immer nur begleitend bei einem Gedenkstättenbesuch in Anspruch genommen werden. Wie bereits erwähnt, verfügt die Mehrzahl der Gedenkstätten über Ausstellungen und Archive, die den Besuchern zugänglich sind. Hier kann aktives Lernen, z.B. entdeckenden Lernen, vollzogen werden, vorausgesetzt, ein solches Projekt wurde entsprechend vorbereitet.

Zusammenfassung der Kapitel

1 GEGENSTAND DIESER ARBEIT: Das Kapitel führt in die aktuelle Bedeutung der Gedenkstättenpädagogik ein und formuliert die Leitfrage nach den Möglichkeiten und Grenzen der Vermittlungsarbeit an Gedenkorten.

2 GEDENKSTÄTTEN UND GEDENKSTÄTTENPÄDAGOGIK – EINE EINFÜHRUNG: Hier werden theoretische Grundlagen zu Typen, Zielen und der historischen Entwicklung von Gedenkstätten in Deutschland sowie pädagogische Methoden der Vermittlung erläutert.

3 YAD VASHEM: Dieses Kapitel stellt Yad Vashem als zentrales Fallbeispiel vor, beleuchtet dessen Entstehungsgeschichte, die spezifischen Gedenkorte vor Ort sowie die dort praktizierten Lernkonzepte.

4 ZUSAMMENFASSUNG: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, wobei die Dringlichkeit neuer Vermittlungsmethoden trotz bestehender kritischer Stimmen in der Gesellschaft hervorgehoben wird.

Schlüsselwörter

Gedenkstättenpädagogik, Yad Vashem, Holocaust, historisch-politische Bildung, Erinnerungskultur, Nationalsozialismus, Gedenkstätte, Lernort, Zeitzeugen, entdeckendes Lernen, Opfer-Individualisierung, Shoah, Geschichtsbewusstsein, moralische Selbstreflexion, moralisch-demokratische Erziehung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Wirksamkeit von Gedenkstätten als Lernorte der historisch-politischen Bildung und untersucht, wie diese dazu beitragen können, Jugendlichen die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust zu vermitteln.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Entwicklung der Gedenkkultur in Deutschland, die Methodik der pädagogischen Arbeit an Gedenkorten sowie die spezifische Rolle der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem.

Was ist die primäre Zielsetzung der Arbeit?

Ziel ist es, Möglichkeiten und Grenzen der Wirksamkeit von Gedenkstätten aufzudecken, um einen Beitrag zur Diskussion über eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit dem Holocaust zu leisten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung bestehender Konzepte der Gedenkstättenpädagogik sowie der Untersuchung der Struktur und pädagogischen Arbeit in Yad Vashem.

Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Gedenkstättenpädagogik, die Erläuterung methodischer Ansätze wie Führungen und entdeckendem Lernen sowie die detaillierte Darstellung von Yad Vashem.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Gedenkstättenpädagogik, Yad Vashem, Holocaust, Erinnerungskultur und historisch-politische Bildung.

Warum wird Yad Vashem als Gedenkstätte besonders hervorgehoben?

Yad Vashem dient als Beispiel für eine Gedenkstätte, die nicht an einem authentischen Ort des Geschehens liegt, aber dennoch als weltweit führendes Forschungs- und Bildungszentrum funktioniert.

Welche Rolle spielt das "Tal der Gemeinden" in Yad Vashem?

Es dient als Ort des kollektiven Gedenkens an die zerstörten jüdischen Kommunen Europas, wobei die geografische Ausbreitung der Katastrophe durch eine labyrinthartige Architektur aus Sandsteinmauern visualisiert wird.

Inwiefern hat sich die pädagogische Arbeit in Yad Vashem im Laufe der Zeit verändert?

Die Arbeit wandelte sich von einer anfänglichen Fokussierung auf den Partisanenwiderstand hin zu einer stärkeren Differenzierung und Einbindung der jüngeren Generation durch gezielte Bildungsangebote und Forschung.

Excerpt out of 17 pages  - scroll top

Details

Title
Gedenkstättenpädagogik und Yad Vashem: Grenzen und Möglichkeiten der historisch-politischen Bildung
College
University of Potsdam
Grade
1.3
Author
Christiane Grammel (Author)
Publication Year
2005
Pages
17
Catalog Number
V80697
ISBN (eBook)
9783638872065
Language
German
Tags
Gedenkstättenpädagogik Vashem Grenzen Möglichkeiten Bildung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christiane Grammel (Author), 2005, Gedenkstättenpädagogik und Yad Vashem: Grenzen und Möglichkeiten der historisch-politischen Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80697
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  17  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint