Weibliches Erleben der Pubertät und Adoleszenz

Problematische Aspekte der Entwicklung junger Frauen


Studienarbeit, 2005

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Die Pubertät – Begriffsklärung und biologische Faktoren
2.1 Die (erste) Menstruation – natürlich (oder) ein Tabu?
2.2 Erwachen der weiblichen Sexualität und familiendynamische Veränderungen

3. Die Adoleszenz - an der Schwelle zum Erwachsenenstatus „Frau“
3.1 Körperbild und „normale“ weibliche Adoleszenz
3.2 „Widersprüche bleiben“

4. Schlusswort

5. Benutzte und weiterführende Literatur

1. Einleitung

Die Jugendzeit – für junge Menschen stellt sie heutzutage das Tor zu einer neuen Welt, zu neuen Möglichkeiten dar, das es zu durchschreiten gilt, um in den Genuss des dahinter liegenden zu kommen. Was genau sie dann erwartet, wissen sie nicht. Wohl haben sie die ein oder andere Vorstellung davon, was kommen wird, nicht zuletzt durch Jugendzeitschriften wie die „Bravo“ oder „Mädchen“. Diese Zeitschriften zeichnen meist ein übertrieben positives Bild der Zeit, die kommen wird, jedoch verschweigen sie das gesamte Spektrum der Unsicherheit, Ängste und Gefühlswirrungen. Das erleben die jungen Menschen dann im Laufe ihrer Entwicklung und sind oft genug verunsichert, ob sie „stimmen“ oder nicht. Während männlichen Jugendlichen vor allem vermittelt wird, was sie tun müssen, um „cool“ zu sein, zielen die Informationen in Jugendzeitschriften für Mädchen eher darauf ab, ein perfektes Aussehen und das Begehrtwerden über alles zu stellen. Leider wird dabei häufig ein Bild vermittelt, das an der Realität vorbei geht und mehr dazu bei­trägt, dass die Ängste vor Versagen und Isolation geschürt werden, statt sie aufzulösen. Da junge Mädchen gerade in der Zeit der Pubertät und Adoleszenz sehr empfänglich sind für äußere Einflüsse und Meinungen, wäre es wichtig, sie auf ihrer Suche nach dem, was sie wirklich ausmacht, zu bestärken, anstatt sie davon abzubringen. Dafür braucht es starke Mütter und Väter, die der erwachenden Weiblichkeit ihrer Töchter wohlwollend begegnen und sie in ihrer Entwicklung begleiten, aber nicht leiten. Welche besonderen Auswirkungen die sich entwickelnde Sexualität der Tochter auf die Familiendynamik hat, werde ich unter Punkt 2.2 darlegen, ebenso wie die besondere Verstrickung zwischen der Mutter als sexuell empfindende Frau und der Tochter, die sexuelle Gefühle erst für sich entdeckt.

Nach der Phase der Pubertät kommt auch der Adoleszenz - nicht nur in zeitlicher, sondern auch in inhaltlicher Abgrenzung zur Pubertät - eine besondere Bedeutung zu. In der Theorie ist der Übergang zwischen Kindheit und Erwachsensein häufig unter psychoanalytischen, entwicklungspsychologischen und jugendsoziologischen Gesichtspunkten diskutiert worden, wobei die Veränderungen in dieser Phase meist in dem Begriff „Adoleszenz“ zusammen gefasst werden, der sich bei der überwiegenden Zahl der Theoretikerin­nen und Theoretiker auf die psychischen und sozialen Vorgänge bezieht, die parallel zu den biologischen Veränderungen, d. h. den körperlichen Kennzeichen der Pubertät, verlaufen[1]. „In allen drei theoretischen Richtungen gibt es deutliche Tendenzen, ein am Modell männlicher Entwicklung orientiertes Konzept von Adoleszenz zum normativen Bezugspunkt zu erheben und für junge Frauen Spezifisches lediglich als Abweichung von diesem Bezugspunkt zu sehen.“[2] Da es jedoch viele wichtige Punkte gibt, die das weibliche Erleben der Pubertät und Adoleszenz prägen und beeinflussen, beispielsweise der Umgang mit der ersten Regelblutung, auf den ich unter Punkt 2.1 dieser Arbeit näher eingehen werde, schließe ich mich der Meinung Carol Gilligans an, „die in ihrer 1982 in den USA veröffentlichten Studie „Die andere Stimme“ den normativ an männlicher Entwicklung orientierten Charakter entwicklungspsychologischer Konzepte kritisiert (...).“[3] „Dieser Entwurf einer im Vergleich zu männlichen Abgrenzungs- und Autonomiebestrebungen stärkeren weiblichen Beziehungsorientierung ist sehr kontrovers diskutiert und insbeson­dere unter dem Aspekt seiner Weiblichkeit idealisierenden Tendenzen kritisiert worden. Da er die Untersuchung weiblicher Entwicklung in einer das Männliche zur Norm erhe­benden Kultur ins Zentrum stellt, kann er jedoch Perspektiven eröffnen für die Analyse der Konflikthaftigkeit weiblicher Lebensentwürfe in der Adoleszenz, jener lebensgeschichtlichen Phase, in der Mädchen auf neue Weise mit gesellschaftlichen Anforderungen und damit auch der normativen Dominanz des für Männer Typischen konfrontiert werden.“[4]

Aus diesem Grund werde ich in meiner Arbeit ausschließlich das heutige weibliche Erleben und die geschlechtsspezifischen Veränderungen in Pubertät und Adoleszenz thematisieren. Die Aussagen beziehen sich hierbei auf junge Mädchen in Deutschland, jedoch denke ich, dass es viele länderübergreifende Parallelen in Bezug auf die weibliche Entwicklung gibt, zumindest in westlich geprägten Kulturkreisen, worauf ich jedoch nicht gesondert eingehen werde.

Ich habe bewusst den problematischen Verlauf der weiblichen Entwicklung zum Thema meiner Arbeit gemacht, der jedoch nicht die Norm darstellt. Glücklicherweise gelingt es der Mehrzahl junger Frauen, gesund und selbstbewusst aus dieser Umbruchsphase hervor zu gehen, ohne Schaden durch familiäre und gesellschaftliche Einflüsse genommen zu haben. Dass ein unproblematischer Verlauf sehr stark durch einen stabilen Freundeskreis und die Zugehörigkeit zu einer Peergroup unterstützt wird, soll hierbei noch erwähnt werden. Mit der Bedeutung der Peergroup für junge Menschen haben sich bereits viele Autoren auseinander gesetzt, deshalb werde ich dieses Thema in meiner Arbeit nicht behandeln. Dass ein tragfähiger Freundeskreis familiäre Schwierigkeiten und Differenzen auszugleichen und aufzufangen vermag, steht meines Erachtens außer Frage, und viele der von mir folgenden problembezogenen Ausführungen könnten sicher durch das Gegengewicht der Peergroup ausgeglichen werden und für eine Wiederherstellung des inneren Gleichgewichts junger Mädchen sorgen.

Den Abschluss meiner Arbeit bildet Punkt 3.2, in dem ich auf die momentane Lage von jungen Mädchen eingehe und aufzeige, dass zwar historisch gesehen wichtige Veränderungen stattgefunden haben, was ihren Handlungs- und Spielraum angeht, jedoch nach wie vor gesellschaftliche Defizite in der Unterstützung von erwachsen werdenden jungen Frauen bestehen, an denen es weiter zu arbeiten gilt.

2. Die Pubertät – Begriffsklärung und biologische Faktoren

Der Begriff Pubertät leitet sich von dem lateinischen Begriff pubertas ab, der soviel bedeutet wie „Mannbarkeit“, im weiteren Sinne „Geschlechtsreife“. Die Pubertät umfasst die biologischen Veränderungen am und im menschlichen Körper und steht am Anfang des Jugendalters. Wenn das Wachstum und die volle biologische Reproduktionsreife abgeschlossen ist, wird die Jugendphase als abgeschlossen betrachtet[5]. Die körperlichen Vorgänge und Veränderungen führen zur Fortpflanzungsfähigkeit und stehen somit für den Eintritt in die Erwachsenenwelt.

Fünf körperliche Veränderungen können hierbei unterschieden werden[6]:

1) Die Produktion von Östrogenen und das Wachstum der Eierstöcke beginnt bei Mäd­chen im Durchschnitt von etwa 10 ½ Jahren. Ausgelöst durch diesen Prozess kommt es dann im Schnitt von ca. 13 Jahren zur ersten Menstruation, der Menarche. Da zu diesem Zeitpunkt die Fortpflanzungsorgane noch nicht ganz ausgewachsen sind, dauert es bis zum ersten Eisprung noch ungefähr 1 ½ Jahre. Die Geschlechtsreife hat sich in den vergangenen 40 Jahren um etwa 2 Jahre nach vorne verschoben, d. h. bei den Mädchen vom 15. Geburtstag auf den 13. bzw. kurz davor[7]. Die schichtspezifischen Unterschiede sind heute kleiner geworden, jedoch hat die sozioökonomische Lage der Familie auch heute noch Einfluss auf das Tempo der Geschlechtsreife[8]. Als Ursachen für die frühere sexuelle Reifung gelten die guten Ernährungsbedingungen und die umfassende medizinische Versorgung, welche Krankheiten, die den Reifungsprozess hinauszögern könnten, verhindert oder rechtzeitig behandelt. Auch die erhöhten Umgebungstemperaturen werden dafür verantwortlich gemacht, dass bei Mädchen in wärmeren Ländern die Menstruation früher einsetzt. Diese Akzeleration wird weiter zunehmen und es wird geschätzt, dass sich der Zeitpunkt der ersten Menstruation alle zehn Jahre um ca. 20 – 25 Tage nach vorne verschieben wird[9]. Was das frühere Einsetzen der Menstruation auf der Erlebnisebene für junge Mädchen bedeutet, werde ich unter Punkt 2.1 ausführlich erläutern.
2) Der Beginn der Pubertät wird häufig anhand der wenigen sichtbaren Veränderun­gen festgemacht. Dabei handelt es sich um die so genannten sekundären Geschlechtsmerkmale wie Scham- und Körperbehaarung sowie das Wachstum der Brust. Die Brustentwicklung nimmt bei den Veränderungen des weiblichen Körpers eine besondere Stelle ein, da diese von anderen wahr genommen werden kann. Einer voll entwickelten, gut proportionierten Brust wird nicht nur in unserer Kultur große Bedeutung beigemessen. Auf das Körperbild junger Mädchen kann es einen großen Einfluss haben, wie die nächste Umgebung sich über die wachsende Brust äußert und welches Frauenbild überhaupt in der Familie herrscht. Häufig lassen sich Mädchen auch davon beeinflussen, wie weit gleichaltrige Freundinnen entwickelt sind, um diese als Vorbild zu nehmen, an dem das eigene Wachstumsstadium festzustellen ist[10].
3) Die Verteilung des Fett- und Muskelgewebes stellt die dritte Veränderung dar. Fett, als Nahrungsreserve des Körpers, wird bei Frauen verstärkt eingelagert, um bei späteren Schwangerschaften ausreichend Energie zu Verfügung stellen zu können. Diese Fettreserven lagern sich bei geschlechtsreif werdenden Mädchen an Hüften, Gesäß und Oberschenkeln ab. Das Verhältnis von Muskel- zu Fettgewebe beträgt bei weiblichen Jugendli­chen am Ende der Adoleszenz etwa fünf zu vier[11].
4) Als weitere Veränderung sind das Lungenwachstum und die Veränderungen von Kreislauf und Atemwegen zu nennen, die die Grundlage für Kraft und Ausdauer darstellen.[12] Bei diesen körperlichen Veränderungen ist auch zu beobachten, „dass (...) eine Verun­sicherung der Motorik eintreten kann.“[13] Die Feinmotorik wird bei Mädchen in dieser Altersphase besser ausgebildet als bei Jungen.
5) Das letzte signifikante Merkmal pubertaler Prozesse betrifft das Wachstum. „Das maximale Längenwachstum in der Pubertät beträgt (...) 8 cm pro Jahr bei Mädchen. Nachher fällt das jährliche Wachstum deutlich ab und erreicht zwischen dem 16. und 19. Lebensjahr das Ende. Der Pubertätswachstumsschub erfolgt bei Mädchen zwei Jahre früher als bei Jungen und erreicht nicht die gleiche Höhe. Somit ergibt sich ein Größenunterschied zwischen Mann und Frau, der 12 – 13 cm beträgt.“[14] Der Wachstumsschub in der Pubertät hängt eng mit der Fortpflanzung zusammen, was dadurch belegt wird, dass er „über die Sexualhormone aus den Keimdrüsen gesteuert wird. Das „normale“ Längenwachstum wird hingegen von den Wachstumshormonen aus der Hypophyse gesteuert. (...)“[15] Deutlich wird dies auch durch den zeitlichen Zusammenhang von Wachstumsschub und Eintritt der Geschlechtsreife. Für Mädchen, bei denen das Wachstum früh beginnt, bedeutet das im Allgemeinen auch ein früheres Einsetzen der Menstruation. Bei späterem Einsetzen des Längenwachstums tritt die Menarche in der Regel auch erst später ein.[16] Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang ebenfalls die spürbare Gewichtszunahme, die in dem stärksten Wachstumsabschnitt durchschnittlich 2 ½ Kilo pro Jahr beträgt.[17] Aus dem Kinderkörper wird ein Körper mit weiblichen Formen, was viele junge Mädchen stark verunsichert. Auf vieles werden sie vorbereitet, aber auf die natürliche Gewichtszunahme und veränderte Körperform kaum. Im Laufe ihrer Entwicklung müssen sie lernen, diesen „neuen“ Körper zu bewohnen und anzunehmen und es ist nicht verwunderlich, dass viele Mädchen sich, beeinflusst durch ihre Umgebung, als zu dick empfinden. Sie richten sich in der Selbstbetrachtung mehr danach, was sie sehen, als danach, was sie fühlen. „Der größere, schwerere und mit mehr Fettpolstern umgebene Körper“[18] lässt sie etwas sehen, was sie als ungewohnt und bedrohlich empfinden und „dies kann zu Verunsicherungen führen, zumal sich die Veränderungen so überaus schnell vollzogen haben.“[19] Dieser Verunsicherung könnte sicher mit einer entsprechenden Vorbereitung auf die kommenden natürlichen Veränderungen entgegen gewirkt werden, was auch in Hinblick auf die mögliche Entwicklung einer Essstörung sinnvoll wäre.

[...]


[1] Vgl.: FLAKE/KING 2003, S. 8

[2] FLAAKE/KING 2003, S. 8

[3] ebd., S. 9

[4] ebd.

[5] Vgl.: FEND 2000, S. 102

[6] Vgl.: KOHNSTAMM 1999, S. 18

[7] Vgl.: FEND 2000, a.a.O.

[8] Vgl.: REMSCHEID 1992, S. 69

[9] Vgl.: KOHNSTAMM 1999, S. 18

[10] Vgl.: KOHNSTAMM 1999, S. 26

[11] Vgl.: ebd.

[12] Vgl.: ebd.

[13] FEND 2000, S. 105 f.

[14] ebd.

[15] KOHNSTAMM 1999, S. 22

[16] Vgl.: ebd.

[17] Vgl.: KOHNSTAMM 1999, S. 19

[18] ebd.

[19] ebd.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Weibliches Erleben der Pubertät und Adoleszenz
Untertitel
Problematische Aspekte der Entwicklung junger Frauen
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen  (Soziale Arbeit im Gesundheitswesen)
Veranstaltung
Familiensoziologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V80706
ISBN (eBook)
9783638871426
ISBN (Buch)
9783640319664
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weibliches, Erleben, Pubertät, Adoleszenz, Familiensoziologie
Arbeit zitieren
Caroline Girmann (Autor), 2005, Weibliches Erleben der Pubertät und Adoleszenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80706

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