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"Bellum servile" - Antike Sklavenaufstände als Anwendungsbeispiel für Theorien sozialer Bewegungen

Title: "Bellum servile" - Antike Sklavenaufstände als Anwendungsbeispiel für Theorien sozialer Bewegungen

Term Paper , 2007 , 31 Pages , Grade: 1

Autor:in: Mathias Pfeiffer (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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Das 2. und 1. Jh. v. Chr. war für die Römische Republik eine Zeit der Expansion, doch vollzog sich der Wandel vom Stadtstaat zum mediterranen Imperium nicht ohne innere Spannungen. Soziale und politische Krisen, meist blutige Konflikte zeichnen die dunklen Töne im Bild jener Ära. Der Sklavenaufstand um Spartakus zählt sicher zu den bekannteren Episoden, und es ist denkwürdig, daß praktisch alle großen Sklavenaufstände der Antike in diese Epoche fielen, in den relativ begrenzten Zeitraum von 140 – 70 v. Chr.
Antike Sklavenaufstände, Spartakus – vielleicht denkt man an Kirk Douglas in der Hollywood-Verfilmung. Vielleicht denkt man auch an den Spartakusbund samt Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Doch bestehen signifikante Unterschiede zwischen antiker und moderner Bewegung: War der ‚Bund‘ eine Vereinigung mit mehr oder weniger klaren Vorstellungen vom anzustrebenden Wandel der Gesellschaft, verband die Sklaven des Spartakus zwar der Wille zur Freiheit, jedoch kein politisch-ideologisches Programm.
Nach einigen – enger gefaßten – Definitionen in der Soziologie ist der Spartakusaufstand nicht einmal als soziale Bewegung einzustufen, da sie neben formaler Organisation und kollektivem Handeln v.a. fordern, daß die Ziele einer solchen Bewegung im sozialen Wandel bestehen. Das mag auf den ersten Blick paradox klingen: Tausende von aufsässigen Sklaven wagten gemeinsam kämpfend ihr Leben für die Freiheit, aber in der Tat ist (soweit wir wissen) von ihnen nie die grundsätzliche Abschaffung der Sklaverei gefordert worden. Wählt man eine weite Definition sozialer Bewegungen, etwa Gruppen, die für ein gemeinsames Ziel handeln, lassen sich die antiken Sklavenaufstände mit gängigen soziologischen Theorien beschreiben. Dies soll in dieser Arbeit versucht werden.
Untersuchungsgegenstand sind die drei größten Sklavenaufstände, furiose Rebellionen, die zu langwierigen Kriegen gerieten und die römische Welt in Atem hielten: Der erste und der zweite sizilische Aufstand (ca. 136-132 / 104-101 v. Chr.) sowie die Erhebung des Spartakus in Italien (73-71 v. Chr.). Interessant sind sie als ‚unorthodoxes‘ Anwendungsbeispiel für die soziologische Beschreibung sozialer Bewegungen nicht zuletzt, weil darin eine fruchtbare Herausforderung für die Theorie bestehen könnte. Zur Erörterung der Sklavenaufstände wird hauptsächliche die Theorie kollektiven Handelns von Mancur Olson herangezogen, verlinkt mit Teilannahmen zur Rolle von „frames“ und Identität in sozialen Bewegungen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Historischer Überblick

III. Die soziologische Theorie

III. 1. Sklavenaufstände als soziale Bewegung?

III. 2. Die Theorie kollektiven Handelns

III. 2. 1. Das Kollektivgut

III. 2. 2. Kosten und Nutzen

III. 2. 3. Das „Trittbrettfahrer-Problem“

III. 2. 4. Selektive Anreize

III. 2. 5. Einige Makrovariablen

III. 2. 6. Zur Dynamik der Aufstände

III. 3. Zusammenfassung

IV. Schlussüberlegungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Hausarbeit untersucht, inwiefern sich die großen Sklavenaufstände der römischen Antike mithilfe soziologischer Theorien – insbesondere der Theorie des kollektiven Handelns nach Mancur Olson – als soziale Bewegungen beschreiben und erklären lassen.

  • Historischer Kontext der antiken Sklavenaufstände (140–70 v. Chr.)
  • Anwendung der Theorie des kollektiven Handelns auf die antiken Rebellen
  • Analyse von Motiven, Kollektivgütern und Anreizstrukturen
  • Untersuchung von Identitätsbildung und "Frame Alignment"-Prozessen
  • Kritische Reflexion der Eignung moderner soziologischer Ansätze für antike historische Ereignisse

Auszug aus dem Buch

III. 2. 1. Das Kollektivgut

Als kollektives Gut bezeichnet man ein gemeinsames Ziel einer Gruppe, von dessen Konsum niemand ausgeschlossen werden kann, auch wenn er kein Beitrag zur Bereitstellung des Gutes geleistet hat.

Wie bereits mehrfach betont, bestand das Ziel der antiken Sklavenbewegungen nicht in der allgemeinen Abschaffung der Sklaverei. Zu bedenken ist also auch, dass die Ziele der Aufständischen immer nur Ziele für die eigene Gruppe waren, nicht für die ganze Gesellschaft. Aber welche gemeinsamen Ziele lassen sich konkret benennen? Sicher ist richtig, dass in erster Linie als vereinigendes Motiv gewirkt haben mag, dass eine Flucht aus der Sklaverei alleine u.U. schwieriger zu bewerkstelligen war denn als gemeinsame Unternehmung. Man fand zueinander und blieb beieinander, um sich gegenseitig zu schützen und zu verteidigen. So mancher Sklave, der wenig mehr als nur die Grenzen seines Arbeitsplatzes wie z.B. des Gutshofes kannte, wird kaum gewusst haben, wie er eine Flucht planen und sich anschließend durchschlagen sollte. Auch Rache ist als Motiv für gemeinsames Handeln zu nennen: Bei den sizilischen Aufständen drehte man den Spieß einfach um und bereitete den ehemaligen Unterdrückern das gleiche Los wie diese zuvor den Sklaven; Spartakus ließ Hunderte gefangener Römer wie Gladiatoren im Zweikampf auf Leben und Tod miteinander kämpfen; von vielen weiteren Greueltaten wie sie im Krieg seit jeher üblich scheinen, hier einmal abgesehen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in das Thema der antiken Sklavenaufstände und Abgrenzung der Fragestellung im Kontext sozialer Bewegungen.

II. Historischer Überblick: Darstellung der historischen Bedingungen und Abläufe der drei großen Sklavenkriege in Sizilien und Italien.

III. Die soziologische Theorie: Theoretische Untersuchung der Sklavenaufstände mittels der Theorie des kollektiven Handelns, inklusive Unterkapiteln zu Identität, Kosten-Nutzen-Kalkulationen und Dynamiken.

IV. Schlussüberlegungen: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Diskussion der Anwendbarkeit moderner soziologischer Theorien auf antike Phänomene.

Schlüsselwörter

Sklavenaufstände, Soziale Bewegungen, Theorie kollektiven Handelns, Mancur Olson, Römische Republik, Spartakus, Sizilische Aufstände, Kollektivgut, Trittbrettfahrer-Problem, Selektive Anreize, Frame Alignment, Politische Unternehmer, Antike Sklaverei, Soziologie, Historische Analyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die großen Sklavenaufstände der römischen Antike aus einer soziologischen Perspektive, um zu klären, wie diese Ereignisse mit modernen Theorien sozialer Bewegungen erklärt werden können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die historische Einordnung der Aufstände, die Anwendung der Theorie des kollektiven Handelns sowie die Untersuchung von Motiven, Gruppendynamiken und Identitätskonzepten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Erprobung der "Theorie kollektiven Handelns" als Erklärungsmodell für antike Sklavenrevolten und die Prüfung, ob diese als "soziale Bewegungen" im soziologischen Sinne eingestuft werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der historische Quellenanalysen mit soziologischen Theorien (Rational Choice, Resource Mobilization, Frame Analysis) verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den soziologischen Aspekten: dem Kollektivgut Freiheit, der Kosten-Nutzen-Abwägung für die Sklaven, der Rolle von Anreizstrukturen und den Dynamiken der Massenmobilisierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Sklavenaufstände, soziale Bewegungen, Theorie kollektiven Handelns, Spartakus, Kollektivgut und historische Soziologie.

Warum gelten Sklavenaufstände laut der Arbeit nicht als "revolutionär"?

Der Autor argumentiert, dass die Sklaven kein Programm zur Abschaffung der Institution Sklaverei verfolgten, sondern lediglich ihre eigene Freiheit oder regionale Autonomie anstrebten, was eine revolutionäre gesellschaftliche Transformation ausschließt.

Welche Rolle spielen die "politischen Unternehmer" wie Spartakus?

Sie dienen als Koordinatoren der Aufstände, die durch ihr Charisma und taktisches Können Prestige erwarben, wobei sie in Zeiten hoher Unzufriedenheit eine zentrale Rolle bei der Organisation und Mobilisierung der Sklavenmassen einnahmen.

Inwieweit lässt sich das "Trittbrettfahrer-Problem" auf die Sklavenkriege anwenden?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Problem für die antiken Kriege vernachlässigt werden kann, da die individuellen Kosten für eine Nichtbeteiligung (z.B. Todesstrafe nach der Flucht) und der starke Zusammenhalt in den Gruppen ein solches Verhalten unwahrscheinlich machten.

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Details

Title
"Bellum servile" - Antike Sklavenaufstände als Anwendungsbeispiel für Theorien sozialer Bewegungen
College
University of Leipzig  (Institut für Soziologie)
Course
Blockveranstaltung: Politischer Protest und soziale Bewegungen. Ursachen und Wirkungen
Grade
1
Author
Mathias Pfeiffer (Author)
Publication Year
2007
Pages
31
Catalog Number
V80713
ISBN (eBook)
9783638871693
ISBN (Book)
9783638904278
Language
German
Tags
Bellum Antike Sklavenaufstände Anwendungsbeispiel Theorien Bewegungen Blockveranstaltung Politischer Protest Bewegungen Ursachen Wirkungen Spartakus Sizilien Mathias Pfeiffer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mathias Pfeiffer (Author), 2007, "Bellum servile" - Antike Sklavenaufstände als Anwendungsbeispiel für Theorien sozialer Bewegungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80713
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