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Die Bedrohung durch die Awaren - oder wie die Propaganda Karls des Großen im Awarenkrieg ein neues Feind­bild schuf

Title: Die Bedrohung durch die Awaren - oder wie die Propaganda Karls des Großen im Awarenkrieg ein neues Feind­bild schuf

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 24 Pages , Grade: 2,2

Autor:in: Dipl. Math. Stefanie Winter (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Von dem Vergleich mit „ferarumque more viventes, inculti et indomiti, von „isti magicis artibus instructi, „a consueta gentium depopulatione und weiteren abwertenden und negativ behafteten Aussagen kann man in den Quellen westeuropäischer, „zivilisierter“ Autoren lesen, wenn man sich über die Awaren informieren möchte.
Durchweg, seit den Darstellungen von Gregor von Tour, über Einhard bis hin zu Widukind von Corvey fällt auf das einstige Reitervolk ein Schatten der Grausamkeiten, der Mythenhaftigkeit, aber vor allem auch ein stilisiert erscheinendes Gefühl der Bedrohung. Gerade der Aspekt der Bedrohung gewinnt besonders an Bedeutung, als Karl der Große im Jahre 791 zur Offensive schritt und diesen anscheinend so schrecklich wahrgenommenen Awaren den Krieg erklärte.
Aber selbst wenn eindeutige, in ihrer negativen Haltung gegenüber den Awaren übereinstimmende Aussagen getroffen werden, ist dennoch zur Vorsicht vor Stigmatisierung und Pauschalisierung geraten. Denn Auskunft über die Awarenkriege im 8. Jahrhundert geben hauptsächlich fränkische Quellen. Die Beschreibungen der Gegner sind dabei „keineswegs die spontane Spiegelung der Erfahrungen der karolingischen Reichsleitung mit den Awaren, sondern [gehen] auf einen literarischen Topos zurück, [sind] aus alten Büchern, die von den Awaren erzählen, [...]. Aus diesen Quellen [...] entnahm man den Tendenzen der Propaganda so entgegenkommende Gleichsetzung der Awaren mit den Alten Hunnen, die gleicherweise archaisierend und kompromittierend [waren]. Die Schilderungen der anscheinend grausamen und barbarischen Awaren bezogen sich demnach nicht auf die wahren Verhältnisse des 8. Jahrhunderts6. Den Sachverhalt einer Bedrohung mit Quellen von der Gegenseite, in diesem Fall mit awarischen Darstellung zu widerlegen, ist aufgrund nicht-vorhandener awarische Überlieferunge nicht möglich.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Die Bedrohung durch die Awaren – oder wie die Propaganda Karls des Großen im Awarenkrieg ein neues Feindbild schuf

Gefährliche, plündernde Reiterbande oder friedlich siedelnde Bauern?

Überlieferte Motive für die Notwendigkeit gegen die Awaren in den Krieg zu ziehen

Verschwiegene oder stillschweigende Motive für die Durchführung des Krieges gegen die Awaren

Schwere Geschütze gegen einen gefährlichen Gegner

Ende des Krieges mit Rückblick auf die erreichten Ziele

Schlussbetrachtung: Inszenierung einer Bedrohung oder gerechtfertigte Niederschlagung einer Bedrohung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die Legitimation des Awarenkrieges durch Karl den Großen und hinterfragt, ob die in den fränkischen Quellen konstruierte Bedrohung durch die Awaren der historischen Realität entsprach oder als propagandistisches Mittel zur Rechtfertigung einer expansiven Politik diente.

  • Analyse der offiziellen Kriegsbegründungen (z. B. Verteidigung gegen Bedrohung, Missionierung).
  • Untersuchung der tatsächlichen sozioökonomischen Situation der Awaren im 8. Jahrhundert.
  • Aufdeckung inoffizieller Motive wie wirtschaftliche Interessen und Schatzraub.
  • Dekonstruktion der propagandistischen Stilisierung der Awaren als "Feindbild".
  • Vergleich der beanspruchten Kriegsgründe mit dem erreichten Ergebnis.

Auszug aus dem Buch

Die Bedrohung durch die Awaren – oder wie die Propaganda Karls des Großen im Awarenkrieg ein neues Feindbild schuf

Von dem Vergleich mit „ferarumque more viventes, inculti et indomiti“, von „isti magicis artibus instructi“, „a consueta gentium depopulatione“ und weiteren abwertenden und negativ behafteten Aussagen kann man in den Quellen westeuropäischer, „zivilisierter“ Autoren lesen, wenn man sich über die Awaren informieren möchte.

Durchweg, seit den Darstellungen von Gregor von Tour, über Einhard bis hin zu Widukind von Corvey fällt auf das einstige Reitervolk ein Schatten der Grausamkeiten, der Mythenhaftigkeit, aber vor allem auch ein stilisiert erscheinendes Gefühl der Bedrohung. Gerade der Aspekt der Bedrohung gewinnt besonders an Bedeutung, als Karl der Große im Jahre 791 zur Offensive schritt und diesen anscheinend so schrecklich wahrgenommenen Awaren den Krieg erklärte.

Aber selbst wenn eindeutige, in ihrer negativen Haltung gegenüber den Awaren übereinstimmende Aussagen getroffen werden, ist dennoch zur Vorsicht vor Stigmatisierung und Pauschalisierung geraten. Denn Auskunft über die Awarenkriege im 8. Jahrhundert geben hauptsächlich fränkische Quellen. Die Beschreibungen der Gegner sind dabei „keineswegs die spontane Spiegelung der Erfahrungen der karolingischen Reichsleitung mit den Awaren, sondern [gehen] auf einen literarischen Topos zurück, [sind] aus alten Büchern, die von den Awaren erzählen, [...]. Aus diesen Quellen [...] entnahm man den Tendenzen der Propaganda so entgegenkommende Gleichsetzung der Awaren mit den Alten Hunnen, die gleicherweise archaisierend und kompromittierend [waren]“. Die Schilderungen der anscheinend grausamen und barbarischen Awaren bezogen sich demnach nicht auf die wahren Verhältnisse des 8. Jahrhunderts.

Zusammenfassung der Kapitel

Die Bedrohung durch die Awaren – oder wie die Propaganda Karls des Großen im Awarenkrieg ein neues Feindbild schuf: Einleitung in die Thematik der Quellenkritik, die die einseitige, propagandistische Sicht der fränkischen Autoren auf die Awaren hinterfragt.

Gefährliche, plündernde Reiterbande oder friedlich siedelnde Bauern?: Analyse des tatsächlichen Wandels der Awaren zu einer sesshaften, landwirtschaftlichen Gesellschaft im 8. Jahrhundert, was die offizielle Bedrohungslage entkräftet.

Überlieferte Motive für die Notwendigkeit gegen die Awaren in den Krieg zu ziehen: Diskussion der offiziell genannten Gründe für den Krieg, insbesondere Grenzkonflikte und religiöse Aspekte der Christianisierung.

Verschwiegene oder stillschweigende Motive für die Durchführung des Krieges gegen die Awaren: Untersuchung ökonomischer Interessen, wie die Sicherung von Handelswegen und das Interesse an den sagenhaften awarischen Schätzen.

Schwere Geschütze gegen einen gefährlichen Gegner: Analyse des propagandistischen Aufwands und der großflächigen militärischen Inszenierung durch Karl den Großen.

Ende des Krieges mit Rückblick auf die erreichten Ziele: Rückblick auf den Verlauf des Krieges, die Zerschlagung des Awarenreiches und die tatsächliche Schwächung der Awaren durch den Verlust ihrer Reichtümer.

Schlussbetrachtung: Inszenierung einer Bedrohung oder gerechtfertigte Niederschlagung einer Bedrohung: Zusammenfassendes Fazit, das den Awarenkrieg als eine von den Franken initiierte und propagandistisch inszenierte Expansionsmaßnahme einordnet.

Schlüsselwörter

Awaren, Karl der Große, Awarenkrieg, Fränkisches Reich, Propaganda, Feindbild, Historische Quellen, Mittelalter, Expansionspolitik, Christianisierung, Awarenschatz, Grenzkonflikt, Hring, Einhard, Kriegführung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch die historischen Hintergründe des Awarenkrieges unter Karl dem Großen und beleuchtet, inwieweit die zeitgenössische Propaganda das Bild der Awaren als „Bedrohung“ konstruierte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die Diskrepanz zwischen realem Wandel der Awaren zu friedlichen Siedlern und deren Darstellung als grausame Barbaren, die Analyse fränkischer Expansionsmotive sowie die Rolle der Christianisierung als Propagandamittel.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die angeblich von den Awaren ausgehende Gefahr zu hinterfragen und zwischen tatsächlich erlebter Bedrohung und propagandistisch erfundenen Szenarien zu unterscheiden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse, indem sie fränkische Berichte (wie die Annalen oder Einhards Vita Karoli Magni) mit dem historischen Kontext und archäologischen Erkenntnissen vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die verschiedenen offiziellen und inoffiziellen Kriegsgründe, die militärische Strategie und Aufrüstung Karls des Großen sowie den tatsächlichen ökonomischen Gewinn durch die Zerschlagung des Awarenreiches.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Awaren, Propaganda, Karl der Große, Expansionspolitik, Christianisierung und historische Quellenkritik geprägt.

Welche Rolle spielte der sogenannte „Hring“ in der Argumentation des Autors?

Der Hring dient als Beispiel für wirtschaftliche Motive; die Plünderung dieses symbolträchtigen Zentrums durch die Franken wird als Beweis für das ökonomische Interesse an dem Krieg gewertet.

Warum war laut Autor eine „Straff organisierte Mission“ vor 840 nicht möglich?

Der Autor führt an, dass es den Missionaren an tiefgreifendem Glaubenseifer und einer wirksamen Kirchenorganisation fehlte und die Taufe der Awaren primär der politischen Unterwerfung und dem Prestige diente.

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Details

Title
Die Bedrohung durch die Awaren - oder wie die Propaganda Karls des Großen im Awarenkrieg ein neues Feind­bild schuf
College
University of Stuttgart  (Historisches Institut; Abteilung Mittlere Geschichte)
Course
„Festung Europa?“ - Äußere Bedrohungen und ihre Bewältigung im Früh- und Hochmittelalter
Grade
2,2
Author
Dipl. Math. Stefanie Winter (Author)
Publication Year
2006
Pages
24
Catalog Number
V80776
ISBN (eBook)
9783638883832
ISBN (Book)
9783638884808
Language
German
Tags
Bedrohung Awaren Propaganda Karls Großen Awarenkrieg Feindbild Europa Bedrohungen Bewältigung Früh- Hochmittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl. Math. Stefanie Winter (Author), 2006, Die Bedrohung durch die Awaren - oder wie die Propaganda Karls des Großen im Awarenkrieg ein neues Feind­bild schuf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80776
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