Fremdwahrnehmung in Judith Hermanns "Nichts als Gespenster"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
28 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Zur Vorgehensweise
1.3 Zur Literaturlage

2. Hauptteil
2.1 Theoretische Überlegungen zum Begriff der „Fremdwahrnehmung“
2.1.1 Zum Begriff
2.1.2 Die Entwicklung der Fremdwahrnehmung im Laufe der Geschichte
2.1.3 Die Entstehung von Stereotypen
2.1.4 Gründe für das Auftreten von und Umgang mit Stereotypen
2.1.5 Fremdwahrnehmung in der Literatur
2.2 Fremdwahrnehmung in Judith Hermanns „Nichts als Gespenster“
2.2.1 Inhalt und Struktur der Erzählung
2.2.2 Die Eignung des Romans im Rahmen der Interkulturalität
2.2.3 Die Ausgangslage
2.2.4 Auftreten und Deutung der benutzten Stereotypen
2.2.5 Die Entwicklung der Protagonisten

3. Schlussbetrachtung

4. Literaturverzeichnis
4.1 Quelltexte
4.2 Forschungsliteratur

1. Einführung

1.1 Hinführung zum Thema

Die Auseinandersetzung mit dem Fremden ist eines der ältesten und beliebtesten Motive in der Literatur. Bereits im Mittelalter finden sich zahlreiche Belege für eine Beschäftigung mit dem Fremden; als fremd gilt dabei alles, was außereuropäischen und nichtchristlichen Charakter besitzt.[1] Beispiele finden sich vor allem in der höfischen Kreuzzugsliteratur wie etwa die ausführlichen Beschreibungen der Ungläubigen in Wolframs von Eschenbach „Willehalm“.

Heute findet die literarische Begegnung mit dem Fremden vor allem in der Reiseliteratur statt.[2] Ein Beispiel hierfür liefert der Erzählband „Nichts als Gespenster“ der Journalistin Judith Hermann, dem auch die gleichnamige Erzählung entnommen ist, die Gegenstand dieser Untersuchung ist. Hermanns Schilderung beschreibt eine interkulturelle Begegnung zwischen Deutschen und Amerikanern. In der Arbeit soll analysiert werden, wie das Fremde in der Erzählung dargestellt wird. Wesentliche Aspekte sind dabei die Fragen, wie die Begegnung verläuft, wie das Fremde auf beiden Seiten durch die Figuren wahrgenommen wird, welche Bilder verwendet werden und welche Entwicklungen und Prozesse die Figuren durchlaufen.

1.2 Zur Vorgehensweise

Im ersten Teil der Arbeit sollen zunächst einige theoretische Überlegungen zur Fremdwahrnehmung, die bei Judith Hermann eine große Rolle spielt, angestellt werden. Dazu wird als erstes versucht, den Ausdruck der Fremdwahrnehmung einzugrenzen und ihn in ein Verhältnis zu anderen Begrifflichkeiten zu bringen; dabei werden auch terminologische Schwierigkeiten angesprochen. Im nächsten Abschnitt wird dann dargestellt, welche Bedeutung der Fremdwahrnehmung im Laufe der Geschichte zugekommen ist. Ein besonderer Blick wird dabei auf die Interkulturelle Kommunikation geworfen, in deren Zusammenhang auch diese Untersuchung zu sehen ist. Daran anschließend geht die Arbeit der Frage nach, aus welchen Komponenten sich Fremdwahrnehmungen und Fremdbilder zusammensetzen, ein Aspekt, der auch maßgebliche Bedeutung für die Analyse von Judith Hermanns Erzählung hat. Im nächsten Abschnitt sollen dann ihre Entstehungsvoraussetzungen diskutiert werden, bevor die Frage nach dem Umgang mit Fremdwahrnehmungen gestellt und erörtert wird. Überleitend zum zweiten Teil der Hausarbeit soll schließlich kurz auf die Bedeutung von Literatur in Bezug auf Fremdwahrnehmung eingegangen werden.

Im zweiten Teil der Arbeit erfolgt dann eine praktische Analyse. Zunächst wird die Erzählung als Untersuchungsgegenstand inhaltlich und strukturell vorgestellt, bevor in einem zweiten Schritt begründet wird, warum sich die Geschichte für eine Diskussion unter dem Aspekt der Interkulturalität und damit verbunden der Frage nach der Fremdwahrnehmung eignet. Der nächste Abschnitt dann stellt die Ausgangslage der Erzählung als Voraussetzung zur Erörterung der vorkommenden Stereotype dar, die daran anschließt. Dabei muss mit Blick auf den Umfang der Arbeit eine Auswahl getroffen werden, so dass nicht alle in der Erzählung benutzten Stereotype analysiert werden können. Letztlich wird untersucht, ob und inwieweit sich die Fremdwahrnehmung im Laufe der Handlung ändert.

In einem letzten Kapitel werden die Ergebnisse der Arbeit nochmals zusammenfassend dargestellt und ein Ausblick gegeben, welche Fragen im Zusammenhang mit der Thematik noch zu bearbeiten wären.

1.3 Zur Literaturlage

Die Bedeutung der Diskussion über Fremdwahrnehmung wird bereits an der Vielzahl von Publikationen zu diesem Thema deutlich, aus der für diese Arbeit eine Auswahl getroffen werden musste. Wesentliche Artikel, die eine gute Übersicht über die Thematik geben, stammen dabei von Althaus und Agossavi, an denen sich die Hausarbeit im Wesentlichen orientiert. Hinzu kommen einige Publikationen öffentlicher Institutionen, die sich der Thematik ausführlich widmen, ein Beleg für die Aktualität des Themas. Ergänzend werden weitere Arbeiten herangezogen, die jeweils spezielle Aspekte des Themas behandeln.

Der zweite Teil der Hausarbeit beruht vor allem auf eigene Interpretation, da sich die Forschung bis zum Zeitpunkt der Verfassung dieser Untersuchung noch nicht mit Judith Hermann beschäftigt hat. Das hat im Wesentlichen wohl zwei Gründe: Zunächst einmal die Tatsache, dass der Erzählband der Belletristik zuzurechnen ist, zum anderen das relativ nahe Erscheinungsdatum. Orientierung in der Deutung einzelner Verhaltensmuster der Figuren liefert eine Veröffentlichung von Paul Haberland, in der er sich mit dem Amerikabild österreichischer Autoren auseinandersetzt.

2. Hauptteil

2.1 Theoretische Überlegungen zum Begriff der „Fremdwahrnehmung“

2.1.1 Zum Begriff

Die Terminologie „Fremdwahrnehmung“ zerfällt in zwei Wortteile, nämlich „fremd“ und „Wahrnehmung“, die beide einer genaueren Betrachtung bedürfen.

Der Begriff „fremd“ verweist auf etwas Andersgeartetes, auf etwas Unnormales oder Unheimliches. Das Fremde ist zunächst einmal alles, was sich nicht in ein eigenes bzw. zumindest soziokulturell vertrautes Denkmuster einpassen lässt.[3] Es stellt dabei einen Kontrast zu etwas anderem dar, dass dem Eigenen entgegensteht. Durch die bewusste Wahrnehmung als etwas Fremdes wird dabei eine klare Grenze gezogen. Agossavi unterscheidet in ihrer Untersuchung drei verschiedene Fremdbestimmungen: Zunächst einmal kann das Fremde in Form einer Person oder eines konkreten Gegenstandes erscheinen und ist physisch fassbar. Das Fremde kann aber auch in der abstrakten Form einer Erfahrungswelt auftreten; Beispiele wären hier verschiedene Umwelt- und Klimaräume sowie unterschiedliche Landschaften. Und letztlich kann das Fremde auch in Form unbekannter Verhaltensformen und Sozialstrukturen auftreten.[4]

Wie der Begriff der „Wahrnehmung“ verdeutlicht, handelt es sich bei der Fremdwahrnehmung um eine subjektive Perspektive des Individuums auf etwas Fremdes und ist somit nicht mit der objektiven Wirklichkeit identisch. Allerdings ist Fremdwahrnehmung nicht mit Fehlwahrnehmung gleichzusetzen. Vielmehr handelt es sich um unreflektierte Empfindungen, die zu „unkritische[n] Verallgemeinerungen“[5] werden. Letztlich lässt sich Fremdbeobachtung als eine Mischung zwischen faktischem Geschehen und individuellen Vorstellungen charakterisieren. Oftmals spricht man in diesem Zusammenhang auch von Stereotypie. Diese Terminologie hatte lange Zeit eine negative Konnotation: Man verband mit ihm ein kognitiv begründetes falsches Verhältnis zwischen dem Betrachter und der Wirklichkeit und unterstellte dem Träger des Stereotyps somit einen Wissensmangel. Heute wird der Begriff allerdings in den meisten Fällen neutral verwendet und kann im Falle einer verallgemeinernden Beobachtung als Synonym zur Fremdwahrnehmung gesehen werden.[6] Problematischer ist die Verwendung des Begriffs des Vorurteils, mit dem man mangelnde Objektivität verbindet, die zu einem ungerechtfertigten negativen, zum Teil sogar diskriminierenden Urteil führt.[7] Aus diesem Grund wird er nach Möglichkeit in dieser Arbeit vermieden. Insgesamt ist die Frage nach der Begrifflichkeit jedoch nur schwer zu beantworten, da sich die verschiedenen Terminologien im Alltagsgebrauch durch eine „unbefriedigende Unschärfe“[8] auszeichnen; deutlich wird dies beispielsweise in der Publikation von Agossavi, die den Begriff Vorurteil entgegengesetzt wertneutral einstuft, während sie im Begriff der Stereotypie eine negative Wertung erkennt.[9] Aus diesem Grund wurden in den vergangenen Jahren verschiedenste definitorische Versuche unternommen, die letztlich jedoch stark dem jeweiligen Zeitgeist unterworfen waren; dies wird auch im nächsten Abschnitt deutlich, der sich mit der Geschichte des Fremdwahrnehmungsbegriffs beschäftigt.

2.1.2 Die Entwicklung der Fremdwahrnehmung im Laufe der Geschichte

Wie bereits in der Einführung angedeutet, sind Fremdwahrnehmung und Fremdheitserfahrung keine Phänomene der Moderne, wie in der Literatur fälschlicher Weise häufig behauptet wird, sondern sie finden sich zu allen Zeiten. Allerdings unterliegt der Aspekt der Fremdwahrnehmung im Laufe der Geschichte unterschiedlichen Bedeutungen und Sichtweisen.[10] Im Umgang mit dem Anderen steht lange Zeit der einfache Fremdsprachenerwerb im Mittelpunkt; die Betrachtung des Fremde an sich rückt erst viel später in das Bewusstsein. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es sie vorher nicht gegeben hat – denn bereits die Motivation, eine fremde Sprache zu erlernen, setzt ein Mindestmaß an sozialen, politischen oder wirtschaftlichen Eindrücken voraus.

Bereits in der Aufklärung entsteht erstmals ein gesteigertes Interesse an dem Fremden. Allerdings wird dem Fremden damals noch kein Eigenwert zugewiesen; vielmehr dient deren Kenntnis als „Ferment der Vervollkommnung des Eigenen“[11], d. h. die durch die eigene Kultur geprägte Weltsicht soll mit dem Blick auf das Fremde relativiert werden. Dabei erscheint Fremdbetrachtung äußerst selektiv und führt meist zu dem Ergebnis, dass die eigene Kultur aufgewertet wird.

Diese Art der Fremdwahrnehmung findet sich auch im ausgehenden 18./beginnenden 19. Jahrhundert in der sog. Realienlehre wieder;[12] Kennzeichen dieser Epoche sind die sog. „Völkertafeln“, in denen einzelne Völker mit Hilfe ethnisch-nationaler Charaktertypen beschrieben werden. Statt kultureller Vielfalt des Fremden wird dem Betrachter Uniformität vorgetäuscht; als Beispiel sei das hier vermittelte Bild des „edlen Wilden“ genannt. In diesem Prozess werden die Ergebnisse zunehmender Reise- und Forschungstätigkeiten in das eigene Menschenbild integriert; kulturelle Besonder- und Einmaligkeiten gehen dadurch häufig verloren.[13] Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird das Bild des Fremden komplexer gesehen. Allerdings sind die Fortschritte hin zu einer differenzierten Fremdwahrnehmung nur gering; hier zeigt es sich problematisch, dass Deutschland nur eine unbedeutende Kolonialmacht darstellt und somit nur rudimentär Kontakt zur Fremde hat.[14]

Einen Rückschritt stellt die „Wesenskunde“ zur Zeit des Nationalsozialismus dar, deren Zweck nicht in der neutralen Betrachtung des Anderen zur Förderung des Fremdverstehens liegt. Vielmehr besteht ihre Aufgabe darin, eigene kulturelle Überlegenheit zu demonstrieren. Entsprechend wird sie vor allem zu Propagandazwecken missbraucht und führt den Fremdsprachenunterricht in eine pädagogische Krise, da dieser damit im Prinzip seine Existenzberechtigung verliert.[15]

In den ersten beiden Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg kommt es zu einer Neuorientierung im Umgang mit dem Fremden, und die Blickrichtung ändert sich: Während das Fremde im Vergleich zur eigenen Kultur bis dahin meist schlecht abgeschnitten hat, sieht man in ihm nun das Vorbild. Es werden vor allem kulturelle Errungenschaften, politische Leistungen und wirtschaftliche Erfolge eines Landes vermittelt. Eine besondere Rolle kommt dabei solchen Personen des öffentlichen Lebens zu, die auf den Beobachter eine sympathische Wirkung haben; zu nennen wären hier vor allem Sportler und Musiker. Doch auch dieses Konzept, dass dem vorherigen nahezu komplementär ist, beruht auf eine Auswahl und zeigt nicht die Gesamtheit der anderen Kultur. Ohne Frage vorhandene negative oder einfach nur ungewohnte Aspekte gelten als Störfaktoren; entsprechend erhält der Begriff der Stereotypie in dieser Zeit seinen negativen Beigeschmack. Und auch dieser Ansatz führt zu Problemen: Schon bald werden die Menschen zu Hause mit dem Fremden konfrontiert, und die vermittelten Bilder erweisen sich als heikel. Deutlich wird das vor allem an der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit den Gastarbeitern in den der 70er Jahren.[16]

Mitte der 80er Jahre setzt sich ein weiterer Ansatz durch, der seine Wurzeln in den USA hat und bis heute aktuell ist, nämlich der Ansatz der Interkulturellen Kommunikation.[17] Im Gegensatz zu den vorherigen wissenschaftlichen Überlegungen zur Fremdwahrnehmung ist die Methode der Interkulturellen Kommunikation nur schwer überschaubar, da sie unterschiedlichsten Verwendungsweisen unterworfen ist. Die Grundzüge des Ansatzes sind außerordentlich vielfältig und betreffen verschiedene Dimensionen des Umgangs mit dem Fremden.[18] Ausgangspunkt der Interkulturellen Kommunikation ist die Zunahme der Mobilität, die nicht mehr auf die gesellschaftlichen Eliten beschränkt ist. Es kommt zu zunehmender Begegnung mit fremden Menschen, unbekannten Sprachen und andersartigen Kulturen, und zu fremdkulturellem Interesse stößt die pragmatisch-funktionale Notwendigkeit des intensiven Verstehens des Anderen, beispielsweise aus beruflichen oder geschäftlichen Gründen.[19] Somit kann als Ziel der Interkulturellen Methode die Verständigung angesehen werden, indem Fremdes normalisiert und Distanz gemindert wird.

Während die vorangegangenen Ansätze meistens durch die Vermittlung eines Fremdbildes gekennzeichnet sind, zeichnet sich interkulturelle Methode durch einen unmittelbaren Kontakt zur anderen Kultur aus. Statt Assimilation einzelner Kulturen soll die Existenz von Differenzen weder verkannt noch verleugnet werden.[20] In diesem Prozess der Verdeutlichung kultureller Vielfalt gelten Stereotypen, in der Interkulturellen Kommunikation neutral gewertet, als wichtiger Ausgangspunkt, der durch die eigene Kultur wesentlich beeinflusst wird. Sie werden in der interkulturellen Methode immer wieder mit der Wirklichkeit abgeglichen, bis sich möglichst viele Schnittpunkte ergeben.[21] Dieser Prozess erfordert vom Beobachter ein großes Maß an Aufgeschlossenheit, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, das Andere gelten zu lassen. Da die Fremdwahrnehmung also wesentlich von den subjektiven Eindrücken des Einzelnen abhängt, ergibt sich kein homogenes Bild der Fremde. Somit geht es in der Interkulturellen Kommunikation nicht nur um die Frage, wie sich die Bilder zur Wirklichkeit verhalten, sondern auch darum, welche Bedeutung das Bild des Fremden für das einzelne Subjekt hat.[22] In der Regel setzt Fremdbeobachtung einen Prozess in Gang, in dessen Verlauf sich der Umgang mit eigener und fremder Kultur verändert; in der Forschung spricht man in diesem Zusammenhang von einem „personalen Entwicklungsprozess“[23]. Dabei wird nicht erwartet, dass der Einzelne für jede Art fremdkultureller Erscheinung Verständnis zeigt oder sie sich gar zu Eigen macht; vielmehr soll eine kritische Toleranz herausgebildet werden.

2.1.3 Die Entstehung von Stereotypen

Stereotype gelten als äußerst komplexe Gebilde. Der Grund hierfür wird bereits deutlich, wenn man ihre Entstehung betrachtet; zu Grunde liegt dabei die Theorie des „Sehepunktes“ Hermeneut Chladenius’.[24] Demnach hängt der Sehepunkt, der dem heutigen Begriff des Blickwinkels entspricht, nicht nur von den Sinnesorganen des Menschen, insbesondere dem Auge, sondern auch vom „anthropologischen Zustand des Menschen“[25] ab. Dieser wird durch weit zurückreichende Verhaltensmuster innerhalb der Kultur, der der Einzelne angehört, bedingt. Zu diesen Verhaltensmustern gehören beispielsweise antike Vorstellungen wie die Gleichsetzung des Fremden mit dem Barbarentum, aber auch Elemente der christlichen Glaubens- und Morallehre.[26] Doch ebenso müssen aktuelle Einflüsse berücksichtigt werden; an erster Stelle stehen hier natürlich die Erziehung und damit verbunden das soziale Umfeld; aber auch die mediale Wirkung, die dem Beobachter häufig bewusst, in den meisten Fällen jedoch unbewusst vorgefertigte Bilder der Fremde liefert, hat einen nicht unerheblichen Einfluss aus die Stereotypenbildung. Das Wissen, welches diesen Quellen entstammt, wird auch als „kulturelles Gedächtnis“ des Beobachters bezeichnet und setzt sich aus Fremdbildern[27] zusammen. Bei der Entstehung von Fremdwahrnehmungen kommen aber auch die Elemente des „sozialen Gedächtnisses“ hinzu. Diese Eigenbilder bezeichnen aktuell Erlebtes und sind oftmals nicht rational zu erklären: Emotionen wie Bedrohung, Furcht und Aversion auf der einen sowie Faszination, Erwartung und Neugierde auf der anderen Seite spielen hier eine wesentliche Rolle.[28]

[...]


[1] Vgl. Harms/Jaeger, S. 7.

[2] Vgl. Agossavi, S. 9.

[3] Vgl. Agossavi, S. 29.

[4] Vgl. ebd., S. 25.

[5] Bausinger, S. 160.

[6] Vgl. Althaus, S. 1171.

[7] Vgl. Rösler, S. 68, oder auch Althaus, S. 1171.

[8] Althaus, S. 1169.

[9] Vgl. Agossavi, S. 26.

[10] Vgl. Heil, S. 10.

[11] Althaus, S. 1169.

[12] Vgl. Rösler, S. 70.

[13] Vgl. Wild, S. 98.

[14] Vgl. Wild, S. 100.

[15] Vgl. Althaus, S. 1170.

[16] Vgl. Althaus, S. 1170.

[17] Vgl. Wierlacher, S. 263.

[18] Vgl. Rost-Roth, S. 1.

[19] Vgl. Agossavi, S. 21-24.

[20] Vgl. Agossavi, S. 35f.

[21] Vgl. Wierlacher, S. 278f..

[22] Vgl. Rösler, S. 69.

[23] Grosch/Leenen, S. 37.

[24] Vgl. Wierlacher, S. 270.

[25] Ebd..

[26] Vgl. Althaus, S. 1174.

[27] Der Begriff „Fremdbild“ wird somit in doppelter Bedeutung gebraucht: Zunächst einmal im Sinn eines „Bildes von der Fremde“, aber auch - wie in diesem Fall – als ein Bild, das von einer anderen Person erstellt und von einem selber nur übernommen wurde, also nicht dem Eigenem entsprungen ist.

[28] Vgl. Agossavi, S. 25.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Fremdwahrnehmung in Judith Hermanns "Nichts als Gespenster"
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Interkulturelle Begegnungen in der Literatur
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
28
Katalognummer
V80787
ISBN (eBook)
9783638871716
ISBN (Buch)
9783638871747
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Auch als Literaturarbeit zu sehen.
Schlagworte
Fremdwahrnehmung, Judith, Hermanns, Nichts, Gespenster, Interkulturelle, Begegnungen, Literatur
Arbeit zitieren
Christoph Baldes (Autor), 2005, Fremdwahrnehmung in Judith Hermanns "Nichts als Gespenster", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80787

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