Unterschiedliche Wahrnehmung des Bioterrorismus:
Terrorismus und Biowaffen stellen in der heutigen Zeit eine der größten Bedrohungen für die internationale Sicherheit dar. Der Alptraum wäre aber eine Kombination dieser beiden Bedrohungen und dies scheint – laut Aussage von Präsident George Bush – eine reale Möglichkeit zu sein: „Bioterrorismus ist eine wirkliche Bedrohung für unser Land. Er ist eine Bedrohung für jede Nation, die die Freiheit liebt. Terroristische Gruppen bemühen sich um den Besitz biologischer Waffen; wir wissen, dass einige Schurkenstaaten bereits über sie verfügen (...) Biologische Waffen sind die potenziell gefährlichsten Waffen auf der Welt (Geißler 2003: 1).
Neben der Befürchtung eines Einsatzes von nuklearen Waffen durch Terroristen ist seit den neuesten Entwicklungen in der Molekular- und Gentechnologie auch die Angst vor einem Bio – Waffenanschlag gestiegen. Seit den Anschlägen der AUM Sekte 1995 in Tokio, der Al Quaida auf das World Trade Center 2001 sowie den darauf folgenden Milzbrand – Attentaten geht es nicht mehr um die Frage ob sich Terroristen der Bio – Waffen bedienen werden, sondern nur noch um das wann und wie eines solchen Anschlages.
Andererseits gehören die Biowaffenforschung der AUM Sekte und die Milzbrandbriefe zu den Ausnahmen und blickt man zurück, so war es das Ziel der Terroristen, dass viele Menschen hinschauen aber jedoch nicht, dass viele Menschen sterben (vgl. Kelle / Schaper 2001:I). Auch die Flugzeuganschläge auf das World – Trade Center verdeutlichen, dass Terroristen noch nicht über die möglichen Techniken verfügen, Massenvernichtungswaffen effizient einzusetzen und somit in erster Linie auf konventionelle Waffen zurückgreifen.
Aufgrund dieser unterschiedlichen Ansichten will ich in meiner Hausarbeit die Frage erörtern wie hoch die Bedrohung eines terroristischen Anschlages mit Bio – Waffen einzuschätzen ist.
Zuerst werde ich die Ursachen für die neue Wahrnehmung der bioterroristischen Bedrohung aufzeigen und darauf aufbauend die getroffenen Präventionsmaßnahmen näher erläutern. Danach werde ich aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse eine Einschätzung über das Risiko und die Auswirkungen eines Anschlages geben und mögliche Lösungsansätze zur Bekämpfung des Problems erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1 Unterschiedliche Wahrnehmung des Bioterrorismus
2 Bioterrorismus als eine neue Bedrohung
2.1 Renaissance der Bio – Waffe
2.1.1 Technologischer Wandel
2.1.2 Die „geeignete Waffe“ für Terroristen
2.2 Paradigmenwandel des Terrorismus
2.2.1 Veränderte Motivation
2.2.2 Aum Shinrikio – das Streben nach Biowaffen
2.2.3 Der 11. September und die Milzbrandbriefe
3 Internationale Reaktionen auf den Bioterrorismus
3.1 Biowaffenübereinkommen
3.1.1 Ziele des BWÜ
3.1.2 Schwächen des BWÜ
3.2 Staatliche Maßnahmen
3.2.1 Sicherheitsstrategie der Europäischen Union
3.2.2 Sicherheitsstrategie der USA
4 Risiko eines terroristischen Anschlages mit Biowaffen
4.1 Wahrscheinlichkeit eines Anschlages
4.2 Auswirkungen eines Anschlages
5 Maßnahmen zur Bekämpfung des Bioterrorismus
5.1 Aktiver Schutz
5.1.1 Impfstoffe
5.1.2 Detektionssysteme
5.2 Präventionsmaßnahmen
5.2.1 Bekämpfung des Terrorismus
5.2.2 Stärkung des BWÜ
6 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das aktuelle Bedrohungspotenzial durch Bioterrorismus im Lichte veränderter terroristischer Strategien und technologischer Fortschritte. Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit sowie die potenziellen Auswirkungen eines biologischen Anschlages zu analysieren und zu bewerten, inwieweit bestehende internationale und nationale Schutzstrategien diesen Herausforderungen begegnen können.
- Wandel in der Motivation und Organisation terroristischer Akteure
- Technologische Fortschritte in der Gen- und Biotechnologie als Risikofaktor
- Wirksamkeit und Schwächen des Biowaffenübereinkommens (BWÜ)
- Vergleichende Analyse der Sicherheitsstrategien von EU und USA
- Diskussion über aktive Schutzmaßnahmen (Impfstoffe, Detektion) und präventive Anti-Terror-Strategien
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Technologischer Wandel
Der Wunsch, biologische Waffen militärisch effizient einzusetzen, war zu Zeiten des zweiten Weltkrieges am stärksten vorhanden, jedoch erkannte man schnell, dass solche Kampfstoffe große Unzulänglichkeiten aufwiesen. Dabei gaben zwei Gründe den Hauptausschlag für das Scheitern von Biowaffen in der Vergangenheit.
Zum einen bestand das Problem der „weaponization“ der Biowaffe, d.h. die Schwierigkeit, den Kampfstoff im Kriegsgebiet zu verbreiten. Viele biologische Agenzien und Toxine werden großflächig am besten in Aerosolform freigesetzt, weil die Krankheitserreger auf diesem Wege besonders infektiös sind. Im Falle von Sprengsätzen würden bei der Detonation auch die biologischen Substanzen zerstört werden. Versucht das Militär mit Hilfe von Flugzeugen die biologischen Substanzen über den Gegner zu versprühen (wie sie auch in der Landwirtschaft eingesetzt werden), besteht das Problem, dass die tieffliegenden Flugzeuge ein leichtes Ziel für den Gegner darstellen. Außerdem sind die Vorrichtungen zur Ausbringung der Substanzen in der Landwirtschaft auf relative große Aerosolpartikel ausgerichtet, die sich sofort über den behandelten Flächen absetzen und nicht in der Luft schweben, wie es bei dem Einsatz von Biowaffen erwünscht wäre.
Zum anderen fanden Bio – Waffen so gut wie keinen militärischen Nutzen, da sie im Kampfeinsatz nicht kontrollierbar waren. Es bestand die Gefahr der Selbstinfizierung mit den verbreiteten biologischen Substanzen, wie z.B. bei Pocken. Aufgrund der teuren Impfstoffe wäre am Ende nicht das Militär sondern die Zivilbevölkerung Leitragender solcher Einsätze gewesen. Außerdem reichten die Kenntnisse in der Biowaffenforschung nicht aus, um unabhängig von Umwelteinflüssen wie z.B. UV Strahlung oder Kälte, effiziente B – Kampfstoffe zu produzieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Unterschiedliche Wahrnehmung des Bioterrorismus: Einführung in die Thematik der bioterroristischen Bedrohung als Schnittpunkt von Terrorismus und Massenvernichtungswaffen.
2 Bioterrorismus als eine neue Bedrohung: Analyse der technologischen Faktoren und des motivationalen Wandels bei Terrorgruppen, die Biowaffen zunehmend als strategische Option in Erwägung ziehen.
3 Internationale Reaktionen auf den Bioterrorismus: Untersuchung der Wirksamkeit des Biowaffenübereinkommens sowie der nationalen Sicherheitsansätze der EU und USA.
4 Risiko eines terroristischen Anschlages mit Biowaffen: Bewertung der Eintrittswahrscheinlichkeit und der potenziellen Auswirkungen eines solchen Anschlages auf Gesellschaft und Wirtschaft.
5 Maßnahmen zur Bekämpfung des Bioterrorismus: Darstellung aktiver Schutzvorkehrungen wie Impfstoffe und Detektionssysteme sowie langfristiger präventiver Strategien zur Terrorismusbekämpfung.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass Bioterrorismus trotz hoher Hürden in der Umsetzung eine reale Gefahr bleibt, die ein koordiniertes internationales Vorgehen erfordert.
Schlüsselwörter
Bioterrorismus, Biowaffen, Biowaffenübereinkommen, BWÜ, Terrorismusbekämpfung, Massenvernichtungswaffen, Gentechnologie, Sicherheitsstrategie, Risikomanagement, Impfstoffe, Detektionssysteme, Aerosolform, Proliferation, Al Quaida, Aum Sekte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedrohung durch den Einsatz biologischer Waffen durch terroristische Organisationen im 21. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die technologische Entwicklung, das geänderte Täterprofil, internationale Kontrollregime (BWÜ) sowie Schutz- und Abwehrstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das tatsächliche Risiko eines Biowaffenanschlags zu bewerten und Lösungsansätze zur Reduzierung der Sicherheitsrisiken aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer politikwissenschaftlichen Analyse, die Fachliteratur, Berichte über Terrororganisationen sowie sicherheitspolitische Strategiepapiere auswertet.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der neuen Bedrohungslage, die Wirksamkeit internationaler Abkommen, die Risikoabschätzung sowie spezifische Schutzmaßnahmen wie Impfstoffe und Frühwarnsysteme.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Bioterrorismus, Biowaffenübereinkommen (BWÜ), Paradigmenwandel, Sicherheitsstrategie und Proliferation.
Warum ist das Beispiel der Aum-Sekte für diese Analyse relevant?
Die Aum-Sekte dient als Fallbeispiel für eine Organisation, die trotz hoher Investitionen und Fachwissen beim Versuch scheiterte, Biowaffen als effiziente Massenvernichtungswaffe einzusetzen.
Welche Rolle spielt die „Dual-Use“-Problematik bei der Bekämpfung?
Sie beschreibt die Schwierigkeit, zwischen defensiver, erlaubter Forschung und der Entwicklung offensiver Biowaffen zu unterscheiden, was die Kontrolle erheblich erschwert.
Warum kritisieren die Autoren die aktuelle US-amerikanische Strategie?
Die Strategie wird teilweise als intransparent kritisiert, insbesondere da Einrichtungen wie das NBACC außerhalb internationaler Kontrollmechanismen des BWÜ agieren.
- Quote paper
- Torsten Klimpel (Author), 2007, Bioterrorismus - eine neue Sicherheitspolititsche Herausforderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80836