Ökonomie der Superstars - Zur Ungleichverteilung von Einkommen auf Märkten der Unterhaltungsindustrie übertragen auf den Bereich Fernsehköche und Gourmetköche


Seminararbeit, 2006

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Star, Einkommen, Leistung der Köche
2.1 Star
2.2 Einkommen
2.3 Leistung der Köche

3. Erklärungsansätze
3.1 Talent
3.1.1 Talent unerheblich
3.1.2 Talent findet Berücksichtigung
3.2 Medialer Hebel
3.3 Migration

4. Zusammenfassung

5. Literatur

1. Einleitung

Von den in Deutschland im Jahr 2003 38.632.000 Erwerbstätigen waren in der speisengeprägten Gastronomie, den Kantinen und Caterern ca. 645.000 Menschen in über 93.000 Unternehmen beschäftigt[1].

Von diesen zählen 3649 zur Spitzengastronomie in Deutschland[2].

Betrachtet man dagegen die Anzahl der Köche, die der weiten Bevölkerung in Deutschland ein Begriff ist, so ist diese noch stärker begrenzt: Johann Lafer, Tim Mälzer, Jamie Oliver, Ralf Zacherl und (obwohl er nur im entfernten als Koch anzusehen ist) Alfred Biolek.

Den Kennern unter der Bevölkerung dürften zusätzlich noch die Namen der Spitzenreiter in den jährlichen Gourmetführern (Michelin, Gault Millau, Aral Schlemmer Atlas, Varta Führer) Harald Wohlfahrt, Heinz Winkler, Dieter Müller und andere geläufig sein.

Interessant erscheint die Tatsache, dass die erstgenannten Köche ein breiteres Publikum ansprechen und bekannter sind als die Letzteren.

Diese und weitere Besonderheiten der Starköche werden im Rahmen der vorliegenden Arbeit im Hinblick auf das Superstarphänomen untersucht. Das Phänomen besagt, dass eine kleine Personengruppe über hohe Einkommen verfügt und eine große Dominanz in ihrem Betätigungsfeld ausübt[3].

Tritt auch hier die in der Unterhaltungsindustrie, in der Kunst oder im Sport beobachtbare extreme Ungleichverteilung des Einkommens auf? Können die Einkommensunterschiede durch Unterschiede in der Leistung erklärt werden?

Anhand verschiedener Erklärungsansätze wird diesen Fragen nachgegangen.

In Kapitel 2 werden der Begriff des Stars, die Leistung der Köche und das Einkommen definiert.

Kapitel 3 widmet sich den verschiedenen Erklärungsansätzen des Superstarphänomens mit Hinblick auf die Starköche. Hierbei wird auf Erklärungsansätze eingegangen, die Talent als unerheblich für dieses Phänomen erachten und Ansätze, in denen Talent begründend dafür ist. Außerdem wird der mediale Hebel als wichtiger Mechanismus für den betrachteten Bereich und die Migration der Popularität untersucht. Die Arbeit schließt mit einer kurzen Zusammenfassung.

2. Star, Einkommen, Leistung der Köche

2.1 Star

Der Starbegriff ist in unserer Zeit allgegenwärtig. Im Fernsehen sucht Deutschland den Superstar, Fußballstars bringen sich für die in Deutschland stattfindende Weltmeisterschaft in Position, in unzähligen Zeitschriften kann man das Neueste über seinen Star nachlesen. Doch wann ist man ein Star oder gar ein Superstar?

In dieser Arbeit soll ein Superstar in Anlehnung an Rosen[4] jemand sein, der den Bereich in dem er tätig ist dominiert und ein Einkommen erzielt, dass weit über dem seiner Konkurrenten liegt.

2.2 Einkommen

Die Arbeit wird sich nicht auf das monetäre Einkommen beziehen, sondern sich an den Ausführungen von Georg Franck[5] orientieren.

Dessen Überlegungen beruhen auf dem Wandel der Gesellschaft hin zu einer Informationsgesellschaft. So haben z.B. in Deutschland nach dem Institut der Deutschen Wirtschaft Köln 1980 40% der Erwerbstätigen im Informationssektor und 34% in der Produktion gearbeitet. Im Jahr 1995 betrug der Anteil der im Informationssektor Beschäftigten bereits 51% und im Jahr 2010 wird er auf 55% gewachsen sein – bei rückläufigen Prozentzahlen im Produktionssektor[6].

Im Gegensatz zum Produktionssektor besteht in der Informationsgesellschaft jedoch das Problem, Informationen als Output ökonomisch zu bewerten. Dies löst Franck durch eine neue Währung: Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist nach Franck die knappste Ressource der Informationsverarbeitung und die Währung des immateriellen Einkommens. Das Publikum bzw. der Nachfrager zahlt in Aufmerksamkeit für die gebotene Information. „Auflagenhöhen, Einschaltquoten und Besucherzahlen sind Maße für die Einkünfte an Aufmerksamkeit“[7].

2.3 Leistung der Köche

Die Leistung der Köche soll im Folgenden auch nicht auf das beschränkt sein, was sie eigentlich ist: Die gewerbliche Zubereitung von Essen. Hier soll es eher um die Darbietung, die Leistung außergewöhnliches aus Lebensmitteln zu erstellen und die Präsentation desgleichen gehen. Denn in dem beobachteten Bereich hat die Arbeit der Köche kaum noch etwas mit dem eigentlichen Ursprung zu tun. Sie sind als Künstler anzusehen, die ihre Leistung den Menschen darbieten – entweder im Restaurant oder im Fernsehen.

3. Erklärungsansätze

3.1 Talent

In Bereichen des Sports, der Musik oder auch bei Schauspielern kann man eine starke Ungleichverteilung von Einkommen feststellen. Im Folgenden wird untersucht, welche Mechanismen dem zugrunde liegen und ob, bzw. wie, diese im Bereich der Starköche auftreten. Dabei geht diese Arbeit von einer individuellen Rationalität der Marktteilnehmer aus. Das bedeutet, dass sie ihre Mittel unter Anwendung des Kosten – Nutzen Kalküls so einsetzen, dass ihre Ziele bestmöglich erreicht werden.

3.1.1 Talent unerheblich

Menschen versuchen, gemäß der Annahme der individuellen Rationalität, ihren durch Konsum erhaltenen Nutzen zu maximieren. Der Konsum ist von den persönlichen Präferenzen abhängig. Der erhaltene Nutzen setzt sich nach Stigler und Becker[8] aus dem direkten Nutzen der konsumierten Wirtschaftsgüter/Dienstleistungen, den Konsumkosten und dem Humankapital zusammen. Konsumkosten können z.B. Suchkosten bzw. investierte Zeit für die Auswahl des Gutes sein. Unter Humankapital wird die Fähigkeit und Fertigkeit sowie das Wissen, das in der Person verkörpert ist und das durch Ausbildung, Weiterbildung und Erfahrung erworben werden kann, verstanden.

Die Bildung von Humankapital übertragen Stigler und Becker[9] nun auf den Konsumbereich. Sie gehen davon aus, dass durch den Konsum und die Beschäftigung mit einem Gut/einer Leistung auf Dauer die Wertschätzung und das Wissen für dieses Gut ansteigen (Aufbau von Konsumkapital). Hier wird eine Genussmaximierung erst durch das Avancieren zum Kenner erreicht. Dafür muss Zeit in den Konsum der Leistung dieses Künstlers investiert werden. Eine Spezialisierung auf wenige wird durch die begrenzt zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll.

Ein Mensch wird nicht zum Spezialisten geboren. Bevor er die dafür benötigten Kenntnisse besitzt, durchläuft er einen „learning by doing“[10] Prozess. Ein Gourmet, also ein Kenner von Speisen und Getränken der sich dem Genuss von Delikatessen hingibt, muss erst zum Kenner werden. Er muss sich mit den Gourmetköchen, deren Philosophie, der Kochkunst, –geschichte und –entwicklung beschäftigen. Er beschäftigt sich sehr intensiv mit dem Thema Gourmetköche und baut in diesem Bereich Konsumkapital auf. Die hier investierte Zeit kann er nicht mehr anderweitig nutzen. Die Entwicklung hin zum Fan oder Kenner einer Kochshow ist ebenso zu sehen.

[...]


[1] vgl. Statistisches Bundesamt, 2006

[2] vgl. Huter und Eichhorn, 2005

[3] vgl. Rosen, 1981

[4] vgl. Rosen, 1981

[5] vgl. Franck, 1998

[6] vgl. IDW, 1997

[7] vgl. Franck, 1998

[8] vgl. Stigler und Becker, 1977

[9] ebd.

[10] vgl. Stigler und Becker, 1977

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ökonomie der Superstars - Zur Ungleichverteilung von Einkommen auf Märkten der Unterhaltungsindustrie übertragen auf den Bereich Fernsehköche und Gourmetköche
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Fakultät für Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Seminar zur Volkswirtschaftslehre
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V80856
ISBN (eBook)
9783638875554
ISBN (Buch)
9783640910120
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Superstars, Ungleichverteilung, Einkommen, Märkten, Unterhaltungsindustrie, Bereich, Fernsehköche, Gourmetköche, Seminar, Volkswirtschaftslehre
Arbeit zitieren
Christian Schmitt (Autor), 2006, Ökonomie der Superstars - Zur Ungleichverteilung von Einkommen auf Märkten der Unterhaltungsindustrie übertragen auf den Bereich Fernsehköche und Gourmetköche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80856

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