Die Bronzezeit in Palästina am Beispiel von Megiddo


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2006
68 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Chronologie Palästinas

3 Das Neolithikum (ca. 8500-4000 v.Chr.)

4 Das Chalkolithikum (ca. 4000-3200 v.Chr.)

5 Die Bronzezeit (ca. 3200-1200 v.Chr.)
5.1 Die Frühbronzezeit (ca. 3200-2200 v.Chr.)
5.1.1 Frühbronzezeit I (ca. 3200-3000 v.Chr.)
5.1.2 Frühbronzezeit II (ca. 3000-2600 v.Chr.) und Frühbronzezeit III (ca. 2600-2200 v.Chr.)
5.1.3 Frühbronzezeit IV – Mittelbronzezeit I (ca. 2200-2000 v.Chr.)
5.2 Die Mittel- und Spätbronzezeit (ca. 2000-1150 v.Chr.)
5.2.1 Mittelbronzezeit II (ca. 2000-1550 v.Chr.)
5.2.2 Spätbronzezeit (1550-1150 v.Chr.)

6 Name und Bedeutung Megiddos

7 Forschungsgeschichte und Ausgrabungskampagnen

8 Die Anlage von Megiddo
8.1 Der Tell
8.2 Die Befestigungsanlagen
8.3 Die Palastanlagen
8.4 Die Tempelanlagen
8.5 Wohnhäuser
8.6 Gräber
8.7 Besondere Funde
8.7.1 Das Gilgamesch-Fragment
8.7.2 Der Elfenbeinschatzfund
8.7.3 Spitze eines zeremoniellen Speers

9 Das bronzezeitliche Megiddo in schriftlichen Quellen
9.1 Das bronzezeitliche Megiddo in der Bibel
9.2 Megiddo in außerbiblischen Quellen

10 Literaturverzeichnis

11 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit wird die Bronzezeit in Palästina vorstellt.

In einem ersten Schritt stelle ich die Chronologie Palästinas dar. Dazu gehe ich zuerst auf die allgemeine Problematik einer Chronologie Palästinas ein, um dann die Geschichte Palästinas vom Neolithikum bis zur Spätbronzezeit darzustellen.

In einem zweiten Schritt stelle ich den bronzezeitlichen Tell von Megiddo vor. Dies beruht auf folgenden Gründen: Megiddo wird als wichtigste archäologische Stätte der biblischen Periode in Israel und als eine der bedeutendsten Forschungsstätten des Nahen Ostens angesehen. Megiddo war während einer Zeitspanne von mehr als fünf Jahrtausenden kontinuierlich besiedelt (von ungefähr 6000 bis 500 v.Chr.).

In einem dritten Schritt betrachte ich die schriftlichen Quellen zur Bronzezeit. Dabei unterteile ich die Quellen in biblische und außerbiblische Quellen.

2 Chronologie Palästinas

Die Chronologie der Bronzezeit in Palästina basiert im wesentlichen auf der ägyptischen Chronologie.[1] Dies liegt darin begründet, dass die Dynastien für das Alte Reich mit einiger Wahrscheinlichkeit und die für das Mittlere und Neue Reich mit großer Sicherheit chronologisch bestimmt werden können. Durch die zahlreichen ägyptischen Funde in Palästina können sie abgeglichen werden und somit in das chronologische Gerüst der Geschichte Ägyptens eingebunden werden. Trotzdem ist dieses Verfahren mit Schwierigkeiten und Unsicherheiten behaftet, die stets nur eine ungefähre Annäherung erlaubt. Die ermittelten Daten für die Regierungsjahre der Pharaonen ergeben sich im wesentlichen aus folgenden Elementen:

1. Der Überlieferung des Manetho[2],
2. Dem Turiner Königspapyrus[3],
3. Den Annalen des Alten Reiches (Palermostein[4] und weitere Fragmente),
4. Den Königslisten von Abydos, Karnak und Saqqara des neuen Reiches.

Mit diesen Quellen kann eine relative Chronologie der Dynastien gewonnen werden, die mit Hilfe von astronomischen Daten und Synchronismen mit den altorientalischen Reichen zu einer absoluten Chronologie geführt werden kann.[5] Dadurch kann für die Zeit bis einschließlich dem 2. Jahrtausend v.Chr. eine sehr genaue Chronologie erstellt werden, die aber ab dem 3. Jahrtausend v.Chr. aufwärts immer ungenauer wird. Somit sind diese Daten nur noch Annäherungswerte aber keine absoluten Daten mehr.

H. Kantor und B. Hennessy haben dafür eine systematische Sammlung aller ägyptischer Funde in Palästina und im Vorderen Orient und den Denkmälern in Ägypten erstellt um eine zeitliche Bestimmung für die Bronzezeit zu ermöglichen.[6] Daraus lassen sich folgende Erkenntnisse gewinnen:

Die Frühbronzezeit I[7] entspricht der letzten Phase der Neqada-Kultur[8]. Dies lässt sich vor allem aus den zahlreichen Übereinstimmungen in der Keramik, wie Leistenhenkel und Ösenhenkel (Esdralon-Ware) erkennen. Die Funde von Arad und Tell es-Seh Ahmed el-Areni zeigen, dass diese Phase mit dem Beginn der 1. Dynastie endet.[9] In dieser Zeit ist ein gewisser Namer König von Arad. Nach unterschiedlichen Forschungsmeinungen ist er entweder ein vordynastischer König (H.Kantor) oder der erste König der 1. Dynastie, der dann häufig mit dem König Menes laut der Überlieferung des Manetho gleichgesetzt wird.

Die Frühbronzezeit II entspricht im wesentlichen der frühdynastischen Zeit (ca. 2970-2640 v.Chr.). Die Funde der so genannten Abydos-Ware belegen dies: Kannen und Krüge von Importware in Gräbern aus der 1.Dynastie in Abydos und Saqqara, wie sie im Kontext der Keramik der Frühbronzezeit II in Palästina vorkommt.[10]

Die Frühbronzezeit III umfasst ungefähr die Zeit der 3. - 5. Dynastie (ca. 2640-2325 v.Chr.) des Alten Reiches.[11] Besonders der Fund ägyptischer Gefässe aus Alabaster und Terrakotta in Ai[12] zeigt die engen Kontakte zwischen beiden Regionen in dieser Zeit. Die Importware aus Ägypten mit Kammstrich ist für diese Epoche typisch und kann in ihrer Herkunft eindeutig bestimmt werden. Auch umgekehrt worden Funde gemacht, doch die Funde palästinischer Herkunft in Ägypten brechen am Ende der 5. Dynastie weitestgehend ab.

Auf die Frühbronzezeit III folgt eine Epoche, die als Mittelbronzezeit bezeichnet wird. In dieser Zeit findet gerade im urbanen Bereich ein Niedergang der bisherigen Kultur statt, der in eine Neugründung von Städten führt. Die Benennung dieser Epoche ist umstritten, da W.F. Albright die so genannte 1. Zwischenzeit in Ägypten in die Frühbronzezeit III B und IV (2400-2100 v.Chr.) und Mittelbronzezeit I (2100-1900 v.Chr.) aufteilte und K. Kenyon diese Epoche als nomadisch geprägte Zwischenzeit verstand und so als Frühbronze-Mittelbronze-Zwischenzeit bezeichnete. E.Oren und W.G.Dever haben deshalb für diese gesamte Epoche die Bezeichnung Frühbronzezeit IV vorgeschlagen um bis zu einen endgültigen Neuordnung der Terminologie eine unnötige Verwirrung zu verhindern.[13]

Der Neubeginn eine urbanen Kultur in Palästina fällt in etwa mit der Gründung des Mittleren Reiches um ca. 2000 v.Chr. zusammen, wobei beide Ereignisse in keinem offensichtlichen Zusammenhang zueinander stehen. Die Unterteilung in eine Mittelbronzezeit II A und II B ergibt sich aus dem deutlich erkennbaren kulturellen Einschnitt um 1750 v.Chr. mit der Herrschaft der Hyksos („Herrscher des Fremdlandes“), die in Ägypten die so genannte 2. Zwischenzeit kennzeichnet.

In dieser Zeit gibt es keine direkt nachweisbaren kulturellen Beziehungen zwischen Palästina und Ägypten, wie noch in der Frühbronzezeit, obwohl in beiden Ländern mit der so genannten Yehudiye-Ware eine gemeinsam vorkommende Keramikgattung existiert.[14]

Der Beginn des Neuen Reiches mit der 18. Dynastie ab 1552 v.Chr. markiert den Übergang zur Spätbronzezeit. In dieser Epoche kommt es zur ägyptischen Herrschaft über Palästina. Dank guter literarischer Überlieferungen ist somit eine Datierung verschiedener Strata[15] in verschieden Orten möglich. Des weiteren kann die mykenische Importware für die Chronologie dieser Epoche herangezogen werden (Mykene III A und III B), die aber wiederum durch die ägyptische Chronologie datiert wird. Das Ende der Spätbronzezeit kann auf 1150 v.Chr. angesetzt werden, da der Name des Pharao Ramses VI. (1142-1135 v.Chr.) auf einem Fundstück in Megiddo genannt wird. Da um 1200 v.Chr. bereits die früheisenzeitliche Kultur einsetzt, ist auch hier mit einer gewissen Überschneidung zu rechnen.[16]

Aus diesem Überblick ergibt sich nun die folgende Datierung der Epochen in Palästina:

Neolithikum 8000-3600 v.Chr.

Chalkolithikum 3600-3150 v.Chr.

Frühbronzezeit I 3150-2950 v.Chr.

Frühbronzezeit II 2950-2650 v.Chr.

Frühbronzezeit III 2650-2350 v.Chr.

Frühbronzezeit IV 2350-2150 v.Chr.

Mittelbronzezeit I 2150-1950 v.Chr.

Mittelbronzezeit II A 1950-1750 v.Chr.

Mittelbronzezeit II B 1750-1550 v.Chr.

Spätbronzezeit I 1550-1400 v.Chr.

Spätbronzezeit II 1400-1150 v.Chr.

Israelische, amerikanische und englische Chronologien unterscheiden sich in der Forschung jedoch von dieser, da man teilweise auf andere Berechnungen der ägyptischen Chronologien und auf andere Abgrenzungen der Epochen der ägyptischen Geschichte zurückgreift. Zudem gibt es teilweise eine andere Bezeichnung für die Epochen. Diese verschiedenen Einteilungen werden in der Forschung nebenher bis heute gebraucht, da sich ein gemeinsamer Konsens nicht abzeichnet.[17] Die nachfolgende Tabelle zeigt hierzu die Unterschiede zum in Deutschland gebräuchlichen Modell auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle zu verschiedenen Systemen der Epocheneinteilungen[18]

3 Das Neolithikum (ca. 8500-4000 v.Chr.)

Die Besiedlung Palästinas[19] setzt nach V. Fritz ungefähr um 500.000 BP[20] ein. Die Menschen lebten als Jäger und Sammler vor allem in Höhlen an den Gebirgsrändern. Hauptfundorte für diese lange Epoche, dem Paläolithikum, sind Höhlen im Karmelgebirge, im Galiläischen Gebirge und in der Negev (Wadi Ramliye). Als ältester Fundplatz gilt Ūbedīye am See Gennezareth, dessen Alter auf 700.000 bis 1 Mio. Jahre geschätzt wird.[21] Eine erste kulturelle Entwicklung ist in in der mittleren Steinzeit, also dem Mesolithikum, festzustellen. Es umfasst die Kulturstufen Kebarium, Nebakium und Natufium und dauert von ungefähr 15.000 v.Chr. bis zum Beginn des Neolithikums um 8500 v.Chr.[22]

Der wichtigste Ort für das Neolithikum in Palästina ist Jericho (Tell es-Sulţān), da hier in der gesamten Epoche Siedlungen bestanden haben, an denen ein Fortschreiten der Kultur erkennbar ist. K. Kenyon hat daher in insgesamt vier Epochen des Neolithikums unterschieden: akeramisches Neolithikum A, akeramisches Neolithikum B, keramisches Neolithikum A und keramisches Neolithikum B. Eine genaue Zuordnung des Natufiums zum akeramischen Neolithikum A ist bisher nicht möglich, da es noch weiterer genauer Untersuchungen im Lande bedarf. Dies liegt vor allem daran, dass die C 14-Daten für den Beginn des Neolithikums zwischen 8500 v.Chr. und 6740 v.Chr. schwanken. Der Beginn des keramischen Neolithikums kann auf ungefähr 5000 v.Chr. datiert werden (K.Kenyon), wobei das Ende bisher nicht datierbar ist.[23] Grabungen in Telēlāt Ġassūl haben aber inzwischen ergeben, dass das keramische Neolithikum kontinuierlich in das Chalkolithikum übergeht und auf Grund der C 14-Daten auf 3600/3500 v.Chr. zu datieren ist.

Es haben sich aus dieser Epoche eine große Zahl an Schabern, Sticheln, Meißel, Hacken, Äxte, Klingen und Pfeilspitzen angefunden. Die Flintgeräte aus dieser Zeit sind überwiegend mikrolithisch. Die Flintindustrie bietet dabei ein äußerst monotones Bild ohne charakteristische Formen.

Für die Seßhaftigkeit der Bewohner ist der Ackerbau mit Anbau von Emmer und Gerste nachgewiesen. Der Nachweis von Bewässerungsanlagen, wie sie K.Kenyon vermutet, fehlt bislang. Die Viehzucht ist ebenfalls nicht nachzuweisen.[24]

Das keramische Neolithikum ist eine verhältnismäßig ärmliche Kultur gewesen. Die Flintindistrie entwickelte sich zwar weiter, doch fällt die große Seltenheit von Pfeilspitzen auf. Bei der Keramik als neuem Element in dieser Kulturepoche kann in zwei Arten unterschieden werden: in eine grobe und in eine fein verzierte Keramik. Es gibt eine große Anzahl von Schalen und Krügen, die mit Ösen- und Schlingenhenkeln versehen sind. Die Schalen haben einen flachen Boden und eine schräge Wandung und seltener eine gerundete Wandung. Die Krüge haben einen flachen Boden mit kugelförmigem Körper. Die feinere Ware ist in der Regel mit einem cremfarbenen Schlickerüberzug versehen, der teilweise mit rotem Schlicker im Zickzack-Muster oder mit Dreiecken überzogen ist.[25] Diese Ware ist in Megiddo und anderen Orten wie el-Hiam zu finden.

Im keramischen Neolithikum B hat sich die Keramik weiterentwickelt. Es herrscht nun ein größerer Formen- und Verzierungsreichtum vor.

In dieser Epoche wandelt sich der Hausbau vom Rundhaus zum rechteckigen Haus mit festem Fußboden und Wänden aus geklopftem Lehm oder Lehmziegeln. Die Bestattung der Toten erfolgte dabei weitgehend in den Wohnhäusern unter dem Fußboden des Hauses.

Auch die Flintindustrie hat sich weiterentwickelt, in der nun das Endprodukt poliert wird und die Werkzeuge von beiden Seiten her bezahnt werden.

Ebenfalls neu ist nun das Aufkommen von Figurinen, besonders von weiblichen mit starker Betonung der Hüften – ein religiöser Hintergrund ist dabei anzunehmen.[26]

Der Ackerbau hat sich kontinuierlich weiterentwickelt, bei dem neben Emmer und Gerste nun auch Einkorn verwendet wird. Zudem ist nun eine Domestikation von Schwein, Rind, Schaf und Ziege feststellbar. Dennoch ist die Jagd weiterhin wichtig für die Gewinnung von Nahrung.

Gordon Childe[27] bezeichnete als erstes diese Errungenschaften im Neolithikum als „neolithische Revolution“, in dem der entscheidende Schritt des Menschen der Übergang zu Ackerbau und Viehzucht ist. Zudem setzt mit dieser Seßhaftwerdung die Entstehung von Siedlungen ein. Ob man aber auch schon von Städten, wie bei Jericho anzunehmen wäre, sprechen kann ist noch nicht geklärt, da es keine strenge Begriffsbestimmung für „Stadt“ gibt.[28] H. Donner jedenfalls spricht bei der untersten Schicht von Jericho schon von einer Stadt.[29]

Der Neuerung der Keramik im Neolithikum folgt nun in der folgenden Epoche des Chalkolithikums die Errungenschaft der Metallverarbeitung.

4 Das Chalkolithikum (ca. 4000-3200 v.Chr.)

Das Chalkolithikum (Kupfersteinzeit) schließt, wie es die Ausgrabungen von Telēlāt Ġassūl zeigen, an die letzte Stufe des keramische Neolithikums an. Es handelt sich hierbei um eine dörfliche Kultur mit der Grundlage von Ackerbau und Viehzucht. Neben den Dörfern entwickeln sich aber vor allem in den Ebenen erste Städte wie Megiddo, Telēlāt Ġassūl, Jericho, Betschean, Gezer und Ai.[30] Nach ihrem Hauptfundort wird diese Epoche häufig auch „Gassulium“[31] genannt. Dabei wird das Chalkolithikum in zwei Perioden unterteilt: das ältere Gassulium und in die jüngere Jesreel-Kultur. In der Jesreel-Kultur kommt es vermutlich auch zu einem ersten Stadtkönigtum.[32]

Neu ist in dieser Zeit die Metallverarbeitung. Der Fund einer Werkstatt mit Schmelzvorrichtungen und Tiegeln in Tell Abū Mātār zeigt die Verarbeitung von Kupfer an Ort und Stelle. Das Kupfer gewann man nördlich von Eilat am Golf von Akaba und östlich vom wādi el- ̔araba[33] und nutze es zur Herstellung von Hämmern, Meißeln, Sticheln und Keulenköpfen. Die Ablösung der Flintgeräte erfolgt aber nur sehr langsam.[34]

Die geringe Anzahl von Pfeilspitzen lässt darauf schließen, dass die Jagd im Chalkolithikum weiter an Bedeutung verlor. Die geringe Zahl von Wildknochen bestätigt dies.[35] Die Flintindustrie entwickelt sich kontinuierlich weiter, es treten nun auch erstmals Werkzeuge aus Knochen auf.

Die Keramik umfasst ein festes Repertoire und die Verzierungen werden differenzierter. Insgesamt lässt sich auch feststellen, dass sich einzelne Orte auf verschiedene handwerkliche Dinge spezialisieren. Zudem gewinnt die Herstellung von Schmuck immer mehr an Bedeutung. Hauptelement ist hierbei Elfenbein.

Im Wohnbereich werden aus den relativ kleinen Häusern des Neolithikums nun Breitraumhäuser, die ebenfalls die noch bestehenden Wohnhöhlen langsam ablösen. Die Häuser sind aus Lehmmauern und auf Steinfundamenten errichtet.

In der Bestattung der Toten lässt sich im Vergleich zum Neolithikum eine Änderung feststellen. Wurden die Toten während des Neolithikums noch in unterirdischen Kavernen verbrannt[36] (z.B.: Krematorium von Gezer) oder unter den Fußböden der Wohnhäuser bestattet, so werden sie nun im Chalkolithikum zumeist in unterirdischen, mit Steinen ausgelegten Kammergräbern bestattet und mit Grabbeigaben (Schmuck, Speisen) versehen.

Die chalkolithische Kultur zeigt eine charakteristische Ausprägung in der Bauform, in der Keramik und in der Metallverarbeitung. Diese gegenüber dem Neolithikum neue Elemente weisen darauf hin, dass sie sich nicht im Lande entwickelt hat, sondern ihre Träger von Norden her eingewandert sind. Die Kunst der Herstellung von Kupfergeräten lässt einen Ursprung in Anatolien vermuten, wo die Verhüttung und Verarbeitung von Kupfer im 4. Jahrtausend v.Chr. ihren Ausgang genommen hat. Eine wesentliche Neuerung im Ackerbau ist die Benutzung von Bewässserungssystemen.[37] Keine der ausgegrabenen Siedlungen in Palästina zeigt Spuren der Verwüstung, sie sind offenbar aufgegeben und verlassen worden.

5 Die Bronzezeit (ca. 3200-1200 v.Chr.)

Traditionell wird der Zeitraum zwischen 3200-1200 v.Chr. als Bronzezeit bezeichnet, obwohl Bronze erst ungefähr ab 2000 v.Chr. in Plästina hergestellt wird. Erst seit der Mittelbronzezeit II hatte man gelernt, aus Kupfer und Zinn Bronze herzustellen, zuvor benutzte man ausschließlich Kupfer. Allerdings spielt weder Bronze noch Eisen in ihren namensgebenden Epochen eine große Rolle, werden aber bis heute aus fest eingebürgerter Nomenklatur benutzt.[38]

H. Donner bezeichnet die Epoche der Bronzezeit in Palästina als „Kanaanäisches Zeitalter“.[39] Dies liegt darin begründet, dass ab der Frühbronzezeit die Bevölkerungsgruppe der Kanaanäer dominiert. Kennzeichen für diese Epoche ist ein Aufblühen der urbanen Kultur im Vergleich zum Neolithikum. Diese Beobachtung erschließt sich durch archäologische Ausgrabungen, die ab der Mittelbronzezeit durch schriftliche Quellen ergänzt werden.

Städtische Siedlungen entstehen in der Regel an strategischen und verkehrsgünstigen Orten meist auf Kuppeln oder Höhenrücken in der so genannten „Spornlage“[40]. In diesen Siedlungen liegen die öffentlichen und privaten Gebäude auf engstem Raum zusammen und sind meistens von einer Umfassungsmauer umgeben. In den Toren der Städte spielt sich in Friedenszeiten das öffentliche Leben ab. Häufig befinden sich in der Nachbarschaft zur Hauptsiedlung „Tochterstädte“ ohne Umfassungsmauer. Durch die Anlage von Zisternen und die Sicherung von nahe gelegenen Quellen wird die Wasserversorgung der Städte gesichert. Zum Erreichen der Quellen in Kriegszeiten beginnt man ab der Mittelbronzezeit mit der Anlage von Schächten und Tunneln zu den Quellen, wie sie aus Megiddo, Jerusalem, Gibeon, Gezer, Jiblem, Etam und anderen Orten bekannt sind.[41]

5.1 Die Frühbronzezeit (ca. 3200-2200 v.Chr.)

In der Frühbronzezeit, genauer gesagt erst in der Frühbronzezeit II, kommt es in Palästina zur ersten „richtigen“ Entwicklung von Städten und damit relativ spät im Vergleich zu Mesopotamien, wo die ersten Städte in der 2. Hälfte des 4. Jahrtausends v.Chr. entstanden sind. Die Bedingungen für eine Stadt bleiben bis heute im Unklaren. Eine Befestigung ist es nicht, da auch neolithische Dörfer eine Ummauerung oder ähnliches aufweisen. H. Weippert geht davon aus, dass eine Bezeichnung als „Stadt“ auf der Grundlage einer Befestigung ruht. Zudem ist die Größe einer Siedlung für die Bezeichnung „Stadt“ wichtig (vgl. Mesopotamien mit mindestens 50 ha für eine Stadt).[42]

Die Grundlage für die Urbanisierung liegt aber wohl vielmehr in der Veränderung der sozialen Struktur. 1950 stellte G. Childe 10 Bedingungen für eine Urbanisierung auf, die als „urban revolution“ bezeichnet worden ist.[43] Diese Bedingungen sind:

1. Vergrößerung der Siedlung auf urbane Ausmaße.
2. Soziale Differenzierung der Bevölkerung in Bauern, Handwerker, Kaufleute, Priester.
3. Produktion eines Überschusses an Nahrungsmitteln, die als Abgaben dienen konnten.
4. Errichtung monumentaler öffentlicher Gebäude wie Tempel und Paläste.
5. Herausbildung einer herrschenden Klasse, worunter insbesondere die Priester fallen.
6. Entwicklung der Wissenschaften, insbesondere im Blick auf die Verwaltung.
7. Erfindung und Gebrauch der Schrift.
8. Fortschritt in der künstlerischen Gestaltung.
9. Aufnahme weitreichender Handelsverbindungen.
10. Ausbildung einer Staatsform zur Sicherung des Gemeinwesens.

Hierbei handelt es sich um den Vorgang einer Entwicklung, der sich über einen gewissen Zeitraum erstreckt. Die sozialen Veränderungen können dabei nur erschlossen, nicht aber nachgewiesen werden. Damit können in der Archäologie nur folgende vier feststellbaren Erscheinungen herangezogen werden: Ausdehnung und Planung, Befestigungsanlagen, öffentliche Bauten und Internationale Verbindungen.[44]

Einige dieser Elemente sind zwar bereits im Neolithikum erkennbar, doch auch die Frühbronzezeit I ist noch eine Phase des Übergangs, in der sich der Vorgang der Stadtgründungen vorbereitet, wie er schließlich in der Frühbronzezeit II einsetzt und bis zum Ende der Frühbronzezeit III dauert. Auf das Ende der Frühbronzezeit III folgt schließlich eine Epoche des Übergangs, die nur schwer zu fassen ist und deren Einordnung in die Chronologie somit noch nicht völlig geklärt ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Städte der Frühbronzezeit in Palästina

5.1.1 Frühbronzezeit I (ca. 3200-3000 v.Chr.)

Architektonische Überreste aus der Frühbronzezeit I sind selten. Nach bisheriger Erkenntnis waren bis ungefähr 2900 v.Chr. die Städte Tell el-Fārund Tell eš-Šeĥ Aĥmed el-Arēni schon von einer Mauer umgeben.[45] Ebenfalls scheint es, dass in dieser Zeit auch schon die Anlagen in Jericho und Afek angelegt worden sind. Im Vergleich dazu hat in Megiddo schon vor einer Befestigungsmauer ein Doppeltempel, ähnlich der chalkolithischen Anlage von En-Gedi, existiert. Die Siedlung von Arad IV war ebenfalls noch unbefestigt und man lebt überwiegend in Höhlen. In den unbefestigten Orten Ai und Jericho wohnt man zu diesem Zeitpunkt schon in Häusern aus luftgetrockneten Lehmziegeln.

Da in der Frühbronzezeit I die meisten Städte noch unbefestigt sind, hat sie K.Kenyon wohl zurecht als proto-urban bezeichnet. Ob sich diese Kultur in Palästina selbst entwickelt hat, oder ob sie von Einwanderern aus dem meospotamischen Raum mitgebracht worden ist, ist bis heute nicht feststellbar.

Im Bestattungswesen kommt die Bestattung in Felsgräbern vor, hauptsächlich in natürlichen Höhlen und seltener in geschlagenen Kammern. Die Gräber sind über eine Öffnung zugänglich. Der Schädel war bei der Bestattung von den restlichen Knochen getrennt. Wieso dies so war ist bis heute noch nicht erforscht. Als Möglichkeiten kommen Rituale oder eine nachträgliche Entfernung der Knochen in Frage.[46]

[...]


[1] FRITZ, Einführung, S. 69.

[2] Manethos Werk, die Geschichte Ägyptens, ist frühzeitig untergegangen und nur das Verzeichnis der Dynastien, ein Drittel der Königsnamen und einige Fragmente sind erhalten. Aber auch diese Reste existieren nur in Auszügen aus zweiter und dritter Hand, die durch Flavius Josephus und die christlichen Geschichtsschreiber Iulius Africanus und Eusebius angefertigt worden sind und aus deren ebenfalls verlorenen Werken durch Georgios Synkellos (im 8. Jahrhundert) überliefert. Wenn also in der Forschung von Manetho (Josephus), Manetho (Africanus) oder Manetho (Eusebius) die Rede ist, dann ist mit dem jeweiligen zweiten Namen in der Klammer die indirekte Quelle der eigentlichen Aussage des ägyptischen Priesters Manetho gemeint.

[3] Der Königspapyrus Turin ist eine altägyptische Königsliste. Sie befindet sich heute im Museo Egizio in Turin und wird von Gustaf Seyfartth rekonstruiert, da das Original stark fragmentiert ist. Der Königspapyrus entstand zur Zeit Ramses II. und war bereits bei Erstellung in hieratischen Schriftzeichen nachlässig auf die Rückseite einer nicht mehr benötigten Abgabenliste geschrieben. In mindestens 11 Kolumnen werden die einzelnen Dynastien dabei aufgeführt. Besondere Bedeutung wird der Tatsache beigemessen, dass auch die Herrscher der Zwischenzeiten genannt werden, wobei allerdings den Namen der Fremdherrscher nicht die königliche Titulatur voran steht, sondern ein besonderes Zeichen für „Ausländischer Herrscher“, bzw. „Großer Fremder“.

[4] Der Palermostein ist ein ägyptischer Annalenstein. Er enthält die Namen der Pharaonen aus prädynastischer Zeit bis zur 5. Dynastie. Seinen Namen erhielt er aufgrund seines jetzigen Aufbewahrungsortes in Palermo. Als ursprünglicher Aufstellungsort wird das Sonnenheiligtum des Pharao Niuserre (5.Dynastie) in Abusir vermutet.

[5] FRITZ, Einführung, S. 69.

[6] FRITZ, Einführung, S. 71.

[7] Vor der Frühbronzezeit I währte das Chalkolithikum von ca. 3600-3100 v.Chr. Eine klare Abgrenzung zwischen beiden Zeiten ist nicht möglich, da nirgends eine Epoche zeitgleich an allen Orten endet und eine neue Epoche einsetzt, auch eine Überschneidung beider Zeiten ist möglich. Der Beginn des Chalkolithikum liegt unbestimmt in der Zeit von frühestens 3600 v.Chr. bis spätestens 3500 v.Chr. und endet, gesichert durch C 14-Daten, zwischen 3200-3100 v.Chr.

Das Neolithikum hingegen kann für die beiden akeramischen Stufen durch C 14-Daten besser eingegrenzt werden, wobei man auch hier einen Spielraum von mehreren hundert Jahren berücksichtigen muss. Das akeramische Neolitikum setzt um 8000 v.Chr. mit den Stufen Pre-Pottery Neolithic A und B ein und dauert bis ungefähr 6000 v.Chr. Für die folgenden gut 1000 Jahre herrscht für die Forschung eine Besiedlungslücke vor. Das keramische Neolithikum setzt dann ungefähr um 5000 v.Chr. ein und endet mit dem Beginn der chalkolitischen Kultur.

[8] Die Neqada-Kultur existierte von 4600-3050 v.Chr. und wird von Flinders Petrie 1894 in der Qena-Region entdeckt und zeichnet sich durch Funde wie verschieden kolorierte Töpferwaren und Kupfer- und Silberwaren aus.

[9] FRITZ, Einführung, S.71.

[10] WEIPPERT, S.150f.

[11] FRITZ, Einführung, S.71.

[12] FRITZ, Lexikon, S. 19f.

[13] FRITZ, Einführung, S. 72.

[14] FRITZ, Einführung, S. 73.

[15] Strata: Plural von lateinisch „Stratum“, welches eine Siedlungsschicht bezeichnet (VIEWEGER, S. 97.)

[16] FRITZ, Einführung, S. 73.

[17] Vgl. ZWICKEL, S.52-62.

[18] FRITZ, Einführung, S. 75.

[19] ZWICKEL setzt hierbei die Besiedlung Palästinas bereits um 1,5 Mio Jahre BP an.

[20] BP=Before Present; gemeint ist hier die internationale Übereinkunft zur chronologischen Bestimmung. BP bezeichnet dabei das Jahr 1950 als feste Konstante in der Bestimmung.

[21] KARMON, S. 37.

[22] FRITZ, Einführung, S. 78.

[23] FRITZ, Einführung, S. 79.

[24] FRITZ, Einführung, S. 82.

[25] FRITZ, Einführung, S. 84.

[26] FRITZ, Einführung,S. 86.

[27] 1892-1957, englischer Archäologe.

[28] FRITZ, Einführung, S. 87.

[29] DONNER, S. 75.

[30] DONNER, S. 75.

[31] auch als „Ghassul“ bezeichnet (NEGEV, S. 12.)

[32] DONNER, S. 76.

[33] JEPSEN, S. 66.

[34] FRITZ, Einführung, S. 92.

[35] FRITZ, Einführung, S. 89.

[36] DONNER, S. 74.

[37] DONNER, S. 75.

[38] WEIPERT, S. 140.

[39] DONNER, S. 77.

[40] KARMON, S. 38.

[41] DONNER, S. 78.

[42] WEIPPERT, S. 156.

[43] FRITZ, Einführung, S. 96f.

[44] FRITZ, Einführung, S. 97.

[45] FRITZ, Einführung, S. 97.

[46] FRITZ, Einführung, S. 98.

Ende der Leseprobe aus 68 Seiten

Details

Titel
Die Bronzezeit in Palästina am Beispiel von Megiddo
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Bibelwissenschaften)
Note
2.0
Autor
Jahr
2006
Seiten
68
Katalognummer
V80859
ISBN (eBook)
9783638879538
ISBN (Buch)
9783638879545
Dateigröße
2347 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bronzezeit, Palästina, Beispiel, Megiddo
Arbeit zitieren
Andreas Freye (Autor), 2006, Die Bronzezeit in Palästina am Beispiel von Megiddo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80859

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