Die Entstehung der Stadt Würzburg


Seminararbeit, 2007

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. 1300 Jahre Würzburg

B. Vor und Frühgeschichte

C. Frühmittelalterliche Entwicklung bis zur Bistumsgründung

D. Die Gründung des Bistums 742 und ihre Folgen
1. Gründung durch Bonifatius
2. Das Kilians – Martyrium
3. Bauliche Veränderungen innerhalb der Siedlung

E. Die rechtliche Stellung der Stadt im Spiegel der Königsurkunden
1. Immunität
2. Markt, Münze und Zoll
3. Gerichtsbarkeit

F. Abgeschlossene Stadtwerdung im 12. Jahrhundert
Quellen- und Literaturverzeichnis
1. Gedruckte Quellen
2. Sekundärliteratur

A. 1300 Jahre Würzburg

Gerade einmal drei Jahre sind nun vergangen, als man in Würzburg das 1300 -jährige Bestehen der Stadt in großem Fest feierte, an dessen Höhepunkt ein von der Festung Marienberg gezündetes grandioses Feuerwerk die Altstadt ausleuchtete. Ein Schelm, wer sich Böses dabei dachte, regneten doch im Laufe dieser Stadtgeschichte mehr als einmal nicht nur pyrotechnische Effekte von dieser Anhöhe auf die Stadt hernieder. Die hierfür verantwortliche geistliche Herrschaft wird also sicher eine Rolle spielen, wenn sich die vorliegende Arbeit mit den Wurzeln und der Entstehung Würzburgs zu befassen hat. Welche Bedeutung aber kommt daneben der Siedlung, einer rechtlichen Qualifizierung sowie dem Einfluss frühmittelalterlicher Königsnähe im Rahmen des Stadtwerdungsprozesses zu?

Um diese Fragestellung zu erörtern muss der Blick des Historikers ins Früh- und Hochmittelalter schweifen, denn weder handelt es sich bei den Siedlungen in dieser – nördlich des Grenzwalls Limes gelegenen – markanten Mainschleife um eine römische ‚Civitas’[1], noch wurde vergleichbar den sogenannten Gründungsstädten des 12. Jahrhunderts ein Stadtrecht formell verliehen.[2]

„Die mittelalterliche Stadt kann als ein umfriedeter, verhältnismäßig dicht besiedelter und durch natürliche oder künstliche Befestigungen gesicherter Marktort definiert werden, der mit eigenem Recht bewidmet ist und der sich aus der umgebenden Landschaft in allen Lebensbeziehungen deutlich abhebt.“[3] Am Gerüst dieser treffenden Definition der mittelalterlichen Stadt soll nun das Würzburger Exempel illustriert werden.

B. Vor und Frühgeschichte

Archäologische Belege setzen uns davon in Kenntnis, dass das Gelände und die Umgebung der heutigen Stadt Würzburg bereits in schriftloser Zeit, in Vor- und Frühgeschichte, nicht von der Besiedlung des Menschen ausgenommen war. Als früheste Hinweise hierfür dienen drei altsteinzeitliche Funde im Bereich der Domerschulstraße.[4] Die Auffindung hallstattzeitlicher (1200-450 v. Chr.) Urnen[5] im Inneren der Marienburg und die Bergung von Werkzeugen aus dem Main[6] markieren die zwei grundlegendsten Anziehungspunkte in diesem Bereich des Mains schon zu dieser frühen Zeit: Zum einen ist das die Topographie des Würz- oder Marienbergs, dessen Erhebung nach drei Seiten hin steil abfällt und so einen natürlichen Schutzfaktor bot, zum anderen ermöglichte es eine Furt, die sich wenige Meter nördlich der erst im Hochmittelalter erbauten alten Mainbrücke befand, den Fluss auch mit Pferden und Karren zu durchschreiten.

C. Frühmittelalterliche Entwicklung bis zur Bistumsgründung

In das Licht einer durch erhaltene schriftliche Quellen greifbaren Geschichte rückte Würzburg im Jahr 704, als in einer Urkunde des Herzogs Heden II. dieser Name zum ersten Mal erwähnt wurde.[7] Die dokumentierte Schenkung von Gütern an den Missionar Willibrord trägt den Ausstellungsort „in castello virteburch“[8], was die Vermutung eines hier befindlichen Hauptsitzes Hedens zulässt. Wiederum können Grabungen Aufklärung zu diesem Sachverhalt verschaffen, sie lenken den Focus erneut auf den Marienberg: „Sowohl Scherbenfunde des 7. und 8. Jahrhunderts als auch vorhandene Mauerreste des 8. Jahrhunderts sowie die topographische Situation des Marienberges führen zu der Annahme, dass dort das castellum Herzog Hedens lag.“[9] Lindner folgert aus seiner überregionalen Gesamtbetrachtung ein mainfränkisches Herzogtum mit Stammsitz auf dem Würzberg, das wohl ab circa 600 die Lücke zwischen thüringischem und bairischem Herzogtum schloss.[10] „Es ist bekannt, dass sich Herzog Heden mit seiner Familie zum christlichen Glauben bekannte und in engem Kontakt zum Friesenmissionar Willibrord stand. Ohne Zweifel waren auch Hedens Vorfahren christlich.“[11] Nach 717 geht der Herzog in der Überlieferung unter, die Gründe für den Zerfall bleiben jedoch verdeckt. Reine Spekulation bleibt deshalb auch die These von der gezielten Zerschlagung durch Karl Martell.[12] Mindestens jedoch kann seit Beginn der Herrschaft der Herzöge im mittleren Maingebiet von einer „vorgeschobenen fränkischen Stellung“[13] gesprochen werden.

Als Impuls für eine beginnende Urbanisierung muss die Gründung mindestens eines sogenannten Königshofes (auch wenn die Grundsteinlegung sicherlich noch auf den Hausmeier Karl Martell zurückgeht) unterhalb des Kastells auf der linken Mainseite angesehen werden. Die sich darunter befindliche nachgewiesene Fischersiedlung ist ein Indiz für die Nähe zum Königshof, versteht sich doch das Fischereirecht im Sinne des Wildbannes als königliches Regal und bedingt so diese erste nichtagrarische Ansiedlung.[14] Die Lage des Königshofes kann präzise auf den Standort der heutigen Deutschhauskirche verortet werden, da die Besitzerwechsel – über die Übergabe in bischöflichen Besitz bis zur Schenkung an den Deutschen Orden 1219 – gut dokumentiert sind.[15] Der Altenburg oder Fliehburg auf dem Marienberg folgte also der Königshof, welcher wiederum ein noch rudimentär-urbanes suburbium auf der linken Mainseite ermöglichte.[16] Begünstigt von der Verkehrslage mit alten Handelsrouten[17] nach Nordwesten (Frankfurt a. Main, Mainz), Norden (Fulda, Erfurt), und Süden (Rothenburg, Augsburg), kann in der Fischersiedlung zunehmende Expansion und Hafenausbau aufgrund ansteigendem Verkehr auf den Wasserwegen sowie der Sekundärnutzung als Warenumschlagplatz unterstellt werden.

[...]


[1] Withold, Karl: Frühgeschichte der geistlichen Stadt in Franken. Ein Beitrag zur frühmittelalterlichen Geschichte der Stadt in Deutschland. Diss. Würzburg 1958, Zitat S. 5.

[2] Schich, Winfried: Würzburg im Mittelalter. Studien zum Verhältnis von Topographie und Bevölkerungsstruktur. Köln 1977, Zitat S. 112.

[3] Withold 1958 (wie Anm. 1), S. 2.

[4] Rosenstock, Dirk: Der Würzburger Raum in vorfränkischer Zeit. In: Wagner, Ulrich (Hg.): Geschichte der Stadt Würzburg. Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkrieges. Bd. Ι, Stuttgart 2001, S. 31-50, Zitat S. 36.

[5] Schich 1977 (wie Anm. 2), S. 1.

[6] Ebd., S. 4.

[7] Ebd., S. 6.

[8] Wendehorst, Alfred: Bischofssitz und königliche Stadt. Von der Karolingerzeit bis zum Wormser Konkordat. In: Wagner, Ulrich (Hg.): Geschichte der Stadt Würzburg. Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkrieges. Bd. Ι, Stuttgart 2001, S. 62-73, Zitat S. 63.

[9] Lindner, Klaus: Untersuchungen zur Frühgeschichte des Bistums Würzburg und des Würzburger Raumes. Göttingen 1972, Zitat S. 241.

[10] Vgl. Ebd., S. 55-57.

[11] Ebd., S. 93.

[12] Ebd., S. 71.

[13] Ebd., S. 43.

[14] Vgl. Withold 1958 (wie Anm. 1), S. 129-130.

[15] Lindner 1972 (wie Anm. 9), S. 121.

[16] Vgl. Withold 1958 (wie Anm. 1), S. 146.

[17] Vgl. Wendehorst 2001 (wie Anm. 8), S. 62.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Entstehung der Stadt Würzburg
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte)
Veranstaltung
Die Enstehung der mittelalterlichen Stadt
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V80872
ISBN (eBook)
9783638879811
ISBN (Buch)
9783638886642
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Umfassende Literatur- und Quellenrecherche. Alle relevanten MGH Quellen werden genannt und zitiert.
Schlagworte
Entstehung, Stadt, Würzburg, Enstehung, Stadt
Arbeit zitieren
Christian Pfitzmaier (Autor:in), 2007, Die Entstehung der Stadt Würzburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80872

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