Positivismus: ‚Das Wissenschaftskonzept Auguste Comtes‘ und ‚Neues Konzept der Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Worum ging es im Lamprecht-Streit?‘


Seminararbeit, 2001

19 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Das Wissenschaftskonzept Auguste Comtes
I.I. Einleitung
I.II. Biographie
I.III. Im Zentrum des Comteschen Denkens
I.III.I. Das ‚Drei-Stadien-Gesetz‘
I.III.II. Das ‚enzyklopädische Gesetz‘
I.IV. Kritik
I.V. Literaturverzeichnis

II. Neues Konzept der Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Worum ging es im Lamprecht-Streit?
II.I. Einleitung:
II. II. Biographie
II.III. Der Lamprecht-streit
II.III.I. Die Situation vor der Schlacht (bis 1891)
II.III.II. Die Schlacht (1891 – 1895)
II.III.III. Nach der Schlacht
II.IV. Fazit

III. Handout und Folien zum Referat

I. Das Wissenschaftskonzept Auguste Comtes

Auguste Comte gilt als Begründer der Soziologie und hat mit seiner positiven Methode einige Disziplinen, darunter auch die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, entscheidend beeinflusst. Im Folgenden sollen sein Leben sowie die zentralen Ideen seiner Lehren kurz dargestellt werden.

I.I. Einleitung

Das 17. und 18. Jahrhundert war vor allem durch die Entdeckung der Naturwissenschaften geprägt. Die Menschen entdeckten, dass die Natur von bestimmten Gesetzmäßigkeiten beherrscht wurde, welche nacheinander aufgedeckt und in Experimenten nachvollzogen werden konnten. Die Kirche verlor dabei an Überzeugungskraft, konnte die göttliche Ordnung doch immer mehr von den Menschen selbst enträtselt werden.

Diese neuen Erkenntnisse spiegelten sich in verschiedenen Geistesströmungen wider, wie z.B. in der Aufklärung, welche ihren Schwerpunkt in Frankreich hatte[1]. Es kam als Erstes zu einer Reform des Glaubens und der Moral. Die Frage kam auf, ob es ebenfalls möglich sei, auch gewisse naturrechtliche Regeln für das Zusammenleben der Menschen und Staatsformen entdecken zu können. Die Formen der Politik und der staatlichen Institutionen wurden jetzt aus der Natur der Menschen abgeleitet, Gott rückte in den Hintergrund[2]. Daraus folgte die Forderung nach Freiheit und Gleichheit aller Menschen, welche in Frankreich 1789 zur französischen Revolution führte, um den absolutistischen Staat zu stürzen. Neun Jahre später wurde Auguste Comte geboren.

Die Zeit nach der Revolution wurde von zahlreichen Aufständen und weiteren Revolutionen geprägt, die bis in die Mitte des nachfolgenden Jahrhunderts andauerten. Die damalige Wissenschaft war gefordert, eine Versöhnung von Ordnung und Herrschaft herbeizuführen und die Revolution zu beenden, ohne ihre Errungenschaften aufgeben zu müssen[3]. Für Comte herrschte ein ganz bestimmter Gegensatz während seiner Zeit, die beide geistigen Ursprungs waren. Im weltlichen Bereich versuchten immer neue Verfassungen die Herrschenden mit Bürgertum und Arbeiterschaft zu versöhnen. Doch diese scheiterten auch deshalb, weil letztere begannen, eine geistige Anarchie zu entwickeln[4]. Zusätzlich blühte die Naturwissenschaft auf und wäre in der Lage, durch ihre Erkenntnisse die industrielle Produktion voranzutreiben. Comte sah darin ganz klar, dass sich die geistige Welt weiterentwickelte, die weltliche sich aber den neuen Gegebenheiten nicht anpassen konnte. Daraus resultierten die Unruhen. Der Grund, weshalb sich die geistige Welt weiterentwickelte und die weltliche nicht, sahen Comte und andere seiner Zeit in den Entdeckungen der Naturwissenschaften. Durch Comtes geschichtsphilosophische Grundstimmung, die er u.a. durch seinen Lehrer de Saint-Simon (1760 – 1825) vermittelt bekam, sah sich der Denker als derjenige, der einen entscheidenden Beitrag dazu leisten kann, die Menschheit an das Ziel zu bringen: den Fortschritt[5]. Auch stand er unter dem Einfluß des französischen Traditionalismus, von dem er die Auffassung übernahm, dass die Gesellschaft über dem Individuum zu stehen habe und ihr eine ordnungsstiftende sowie bestandserhaltende Funktion zukommen ließ.

I.II. Biographie

Isidore-Auguste-Marie-Francois-Xavier Comte ist am 19. Januar 1798 in Montpellier geboren. Sein Vater Auguste Louis Comte, von Beruf Steuereinnehmer, und seine Mutter Felicite Rosalie Boyer waren der Kirche sehr ergeben und monarchisch-legitimistisch gesinnt. Comte soll sich im ständigen Konflikt mit seinen Vorgesetzten und Lehrern befunden haben. Zunächst in einem klösterlich-finsteren Internat zu Montpellier und auch später, als er aufgrund seiner mathematisch-physikalischen Begabung zur École Politechnique in Paris zugelassen wurde. Diese Schule sollte den geistigen und technischen Elitenachwuchs der französischen Nation heranziehen. So wurde er wieder zu seinen Eltern nach Montpellier geschickt, hatte aber aufgrund seiner Begabung einen frühzeitigen Abschluß machen können. Bald zog es ihn wieder nach Paris zurück, wo er Sekretär des Sozialreformers de Saint-Simon wurde. Er arbeitete an verschiedenen Veröffentlichungen, doch kam es zu einer Auseinandersetzung mit de Saint-Simon, welche den Bruch der Freundschaft einleitete. Von da an veröffentlichte er seine eigenen Bücher. Mit 28 Jahren erlitt er einen Nervenzusammenbruch und wurde zu einer Ruhepause gezwungen. Ursache hierfür waren geistige Überanstrengung und seine emotional anstrengende Ehe mit Caroline Massin, welche er später als den schwersten Fehler seines Lebens bezeichnete. Er erhielt eher untergeordnete Stellungen an verschiedenen Schulen und ab 46. Lebensjahr lebte er von freiwilligen positivistischen Gaben. Das schicksalhafte Zusammentreffen mit Clotilde de Vaux, eine unerwiderte Liebe, sehen viele als Auslöser für die Umgestaltung seiner

Diese nahmen allmählich die Formen einer Menschheitsreligion an, bis er schließlich 1847 die Religion der Menschheit verkündete und die positivistische Gesellschaft ins Leben rief. In der Werthierarchie dieses Positivismus‘ nimmt die Frau als Verkörperung der selbstlosen Liebe die oberste Stelle ein. Seit dem nahm seine Anhängerschaft immer mehr ab, und Comte verstarb am 5. September 1857 im Alter von 59 Jahren im Kreise einiger Schüler in Paris.

Seine Hauptwerke wurden ‚ Opuscules de philosopie social ‘ (1825), ‚ Cours de philosophie positive ‘ (1830 – 1842) und ‚Système de politique positive ou Traité de sociologie instituant la religion de l’humanité‘ (1852 – 1854). Des weiteren ist seine berühmte Rede ‚ Discours sur l’esprit positif ‘ (1844) zu erwähnen, welche eine Kurzfassung des positivistischen Systems darstellt, die an die Proletarier gerichtet war.

In seinem ersten Buch beschreibt und interpretiert Comte die europäische Gesellschaft zum Beginn des 19. Jahrhunderts und versucht das 'Drei-Stadien-Gesetz' sowie das 'enzyklopädische Gesetz' aufzustellen. Das daran ansetzende ‚ Cours de philosophie positive ‘, welches aus einer Reihe von Vorlesungen besteht, vertieft diese Gesetze und begründet außerdem die Soziologie als neue Wissenschaft. In seinem letztem Hauptwerk beschäftigt Comte sich mit dem Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung unter der Leitung seiner neu gegründeten positiven Religion.

I.III. Im Zentrum des Comteschen Denkens

Im folgenden werden die zwei ‚Hauptgesetze‘ Auguste Comtes erläutert. Das ‚Drei-Stadien-Gesetz‘ beschreibt verschiedene Phasen, die der menschliche Geist durchläuft, während das ‚enzyklopädische Gesetz‘ die Entwicklungsgeschichte der Wissenschaften darstellt.

I.III.I. Das ‚Drei-Stadien-Gesetz‘

Comte beschreibt in diesem Gesetz, dass das menschliche Wissen anfangs von der Phantasie dominiert war, doch durch die methodische Anwendung von exakter Beob- achtung und den Grad der Trennung von Theorie und Praxis im Laufe der Zeit in den Hintergrund zurückgedrängt wurde. Im ersten Stadium, dem theologisch-fiktiven, werden natürliche Erscheinungen übermenschlichen bzw. übernatürlichen Wesen zugeschrieben.

Es kommt zu einem Übergang vom Polytheismus zum Monotheismus, in welchem einer streng an Gesetzmäßigkeiten gebundenen Gottheit die Veränderungen der Natur zugeschrieben werden. Im zweiten Stadium werden Personen durch abstrakte Wesenheiten ersetzt (z. B. Verstand, Substanz). Zwar werden hier schon einige Naturereignisse positiv gedeutet, komplexere Veränderungen wie etwa gesellschaftliche, werden jedoch nach wie vor mit Hilfe der Phantasie erklärt. Dieses zweite, metaphysisch-abstrakte Stadium, wird als Übergang zum dritten, dem wissenschaftlich-positiven Stadium, angesehen. In diesem Endstadium der Erkenntnisentwicklung zählen für die Menschen nur noch die nach Ähnlichkeit und Folge geordneten Tatsachen. Regelmäßigkeiten sollen aufgestellt werden; die Frage nach den Ursachen wird gänzlich verschwinden.

Dieses Schema ordnete er der Gesellschaftsentwicklung zu, wobei hier nicht die zunehmende positive Erkenntnis zur Erreichung des nächsten Stadiums führt, sondern Eroberung und Produktion. Der Einfluss der Erkenntnisentwicklung äußert sich innerhalb der Gesellschaft in einer Veränderung der politischen Institutionen. Diese führt von der von Gott bestimmten Monarchie zur politischen Organisation, deren Aufgabe nur darin besteht, zu produzieren und Mensch und Natur mit Hilfe der positiven Wissenschaften in Einklang zu bringen.

Die Idee, menschliche Erkenntnis in drei Stadien oder Phasen einzuteilen war nicht neu, sondern wurde vorher bereits u.a. von de Saint-Simon und Turgot aufgegriffen. Comte hat es aber geschafft einen Aspekt herauszuarbeiten, der Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung haben könnte.

So hat Comte außerdem versucht, Indikatoren zu finden, um die Menschheit als Ganzes untersuchen zu können. Anhand der sozialen Statik, die einer Strukturanalyse gleichkam, versuchte er Gesetze des Funktionierens des menschlichen Zusammenlebens aufzustellen. Daher ermittelte er Organe, die aus den einzelnen Individuen ein Ganzes schafften. Er untersuchte Religion, Eigentum, Familie, Sprache und Arbeitsteilung. Hierdurch wollte er die Ordnung einer Gesellschaft ermitteln, welche seines Erachtens nach einen wechselseitig verbundenen Organismus darstellt.

Zusätzlich wollte er herausfinden, wie es zu einer Entwicklung und Veränderung kommen kann (soziale Dynamik). Innerhalb dieser Theorie des Fortschritts unterscheidet er zwischen materiellem, physischem, intellektuellem und moralischem Fortschritt. Doch die Gesamtentwicklung sieht er determiniert durch das Drei-Stadien-Gesetz[6].

[...]


[1] Korte, Hermann. Einführung in die Geschichte der Soziologie, Opladen, 1999,

[2] Korte, Hermann. Einführung in die Geschichte der Soziologie, Opladen, 1999,

[3] Comte, August/Fetscher, Iring (Hrsg.). Rede über den Geist des Positivismus, Hamburg 1994,

[4] Kaesler, Dirk (Hg.). Klassiker der Soziologie. Von Auguste Comte bis Norbert Elias, München, 1999,

[5] Kaesler, Dirk (Hg.). Klassiker der Soziologie. Von Auguste Comte bis Norbert Elias.München, 1999,

6 Bock, Michael: Auguste Comte. In: Dirk Kaesler (Hg.): Klassiker d. Soziologie. München 1999.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Positivismus: ‚Das Wissenschaftskonzept Auguste Comtes‘ und ‚Neues Konzept der Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Worum ging es im Lamprecht-Streit?‘
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte)
Veranstaltung
Proseminar Sozial- und Wirtschaftsgeschichte
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V809
ISBN (eBook)
9783638105187
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Positivismus, August Comte, Karl Lamprecht
Arbeit zitieren
Nils Krüger (Autor), 2001, Positivismus: ‚Das Wissenschaftskonzept Auguste Comtes‘ und ‚Neues Konzept der Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Worum ging es im Lamprecht-Streit?‘, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/809

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