Allgemeine Grundlagen Nach § 2 Abs. 1 WPO gehört es zu den Aufgaben des Wirtschaftsprüfers, insbesondere Prüfungen von Jahresabschlüssen wirtschaftlicher Unternehmen durchzuführen. 1 Die Jahresabschlussprüfung hat die Aufgabe festzustellen, ob die Buchführung und der Jahresabschluss dem Gesetz und ggf. der Satzung entsprechen und ob sie ein möglichst sicheres Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Unternehmung abgeben. 2 Diese Zielsetzung charakterisiert die Prüfung des Jahresabschlusses als eine umfassende Prüfung der Rechnungslegung. 3
Jahresabschlussprüfungen sind unter Beachtung des § 317 HGB sowie der vom
Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten deutschen Grundsätze ordnungsm
äßiger Abschlussprüfungen so zu planen und durchzuführen, dass Unrichtigkeiten
und Verstöße, die sich auf die Darstellung des durch den Jahresabschluss
sowohl unter Beachtung der GoB und durch den Lagebericht vermittelten
Bildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wesentlich auswirken, mit hinreichender Sicherheit als auch unter Beachtung des Grundsatzes der Wirtschaftlichkeit erkannt werden. 4 Der Abschlussprüfer hat sich mit dem internen Kontrollsystem (IKS) von Unternehmen insoweit zu beschäftigen, als es für die Planung und Durchführung der Abschlussprüfung erforderlich ist. 5 Die Beurteilung des IKS bietet dem Abschlussprüfer die Möglichkeit, Art und Umfang seiner Prüfungshandlungen in zweckmäßiger Weise festzulegen. 6 - 1 Vgl. § 2 Abs. 1 WPO i. d. F. vom 24.07.1961., 2 Vgl. IDW FG 1/1977, Punkt B., 3 Vgl. Schülen, IDW FG 1-3/1988, WPg 1/2/1989, S. 10., 4 Vgl. IDW PS 200, Tz. 9., 5 Vgl. IDW PS 260, Tz. 21., 6 Vgl. IDW FG 1/1977, Punkt VI.
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeine Grundlagen
2. Grundsätze ordnungsmäßiger Durchführung von Abschlussprüfungen (GoA)
2.1 Prüfungsplanung
2.2 Prüfungsstrategie
3. Begriff und Aufgaben des IKS
3.1 Definition
3.2 Aufgaben des IKS
3.3 Regelungsbereiche des IKS
4. Prüfung des IKS
4.1 Rechtliche Grundlagen
4.2 Prüfungshandlungen im Rahmen der Abschlussprüfung
4.2.1 Systemprüfungen
4.2.1.1 Systemerfassung und -dokumentation
4.2.1.2 Systemtests und -beurteilung
4.2.2 Funktionsprüfungen
4.3 Ziel der Prüfung des IKS
4.4 Bedeutung der Prüfung des IKS für die mündliche Berichterstattung des Abschlussprüfers an die Adressaten des Jahresabschlusses
5. Internes Kontrollsystem und Rechnungswesen
5.1 Internes Kontrollsystem der Buchführung
5.2 Internes Kontrollsystem und EDV-Einsatz
6. Resumée
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung des internen Kontrollsystems (IKS) im Kontext der Jahresabschlussprüfung. Das primäre Ziel besteht darin, darzulegen, wie die Beurteilung des IKS den Abschlussprüfer bei der risikoorientierten Planung und Durchführung seiner Prüfungshandlungen unterstützt und welche rechtlichen sowie methodischen Rahmenbedingungen hierbei zu beachten sind.
- Rechtliche Grundlagen und Anforderungen an das IKS
- Methoden der System- und Funktionsprüfung durch den Abschlussprüfer
- Risikoorientierte Prüfung und Prozessoptimierung (Lean Auditing)
- Bedeutung des IKS bei IT-gestützten Rechnungswesensystemen
- Einfluss des IKS auf die Berichterstattung und Prüfungssicherheit
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Systemprüfungen
Die Aufgabe von Systemprüfungen besteht im Wesentlichen darin, festzustellen, ob in den Bereichen, in denen vornehmlich Massenvorgänge abgewickelt werden, die organisatorischen Voraussetzungen für eine vollständige, richtige und zeitgerechte Erfassung und Bearbeitung der Geschäftsvorfälle vorhanden sind und ob diese auch beachtet werden.
Die Systemprüfung soll Aufschluss darüber geben, ob und wie weit der Prüfer auf die Verarbeitung der Elemente des Prüfungsobjekts vertrauen kann.
Systemprüfungen erlauben eine wirtschaftliche Prüfungsdurchführung sowie in diesem Zusammenhang sinnvolle Vorverlagerung von Prüfungshandlungen.
Dabei sind für die prüfungsrelevanten Bereiche Soll-Anforderungen durch den AP festzulegen, welche das IKS erfüllen muss. Ist das vom Unternehmen ausgestaltete Ist-IKS geeignet, diesen Anforderungen gerecht zu werden (Systemprüfung), ist die Wirksamkeit des IKS zu prüfen (Funktionsprüfung). Mit Hilfe der System- und Funktionsprüfung muss der Abschlussprüfer zu einem Urteil darüber gelangen, ob die erforderlichen internen Kontrollen in den Arbeitsablauf eingebaut und zweckentsprechend sind sowie wirksam ausgeführt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemeine Grundlagen: Einführung in die gesetzlichen Aufgaben des Abschlussprüfers und Erläuterung, warum die Beurteilung des IKS für die effiziente Durchführung einer Jahresabschlussprüfung essenziell ist.
2. Grundsätze ordnungsmäßiger Durchführung von Abschlussprüfungen (GoA): Darstellung der Anforderungen an eine planvolle Prüfung sowie die Ableitung einer Prüfungsstrategie basierend auf einer fundierten Risikoanalyse.
3. Begriff und Aufgaben des IKS: Definition des IKS als Grundelement des Risikomanagements und Zusammenstellung seiner vielfältigen Aufgaben wie Vermögenssicherung und Effizienzsteigerung.
4. Prüfung des IKS: Detaillierte Betrachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen und der praktischen Anwendung von System- sowie Funktionsprüfungen im Prüfungsprozess.
5. Internes Kontrollsystem und Rechnungswesen: Analyse der Anforderungen an das IKS im Kontext der Buchführung und die spezifischen Herausforderungen beim Einsatz von EDV-Systemen.
6. Resumée: Zusammenfassende Einschätzung der Rolle des IKS, wobei betont wird, dass trotz technischer Kontrollen keine absolute Sicherheit besteht und menschliche Faktoren sowie Zielkonflikte stets zu berücksichtigen sind.
Schlüsselwörter
Internes Kontrollsystem, IKS, Jahresabschlussprüfung, Wirtschaftsprüfer, Prüfungsplanung, Systemprüfung, Funktionsprüfung, Risikoanalyse, Rechnungswesen, EDV-Einsatz, Ordnungsmäßigkeit, GoA, GoBS, Lean Auditing, Risikomanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und Prüfung des internen Kontrollsystems (IKS) durch den Abschlussprüfer im Rahmen der gesetzlichen Jahresabschlussprüfung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Prüfungsplanung, die methodische Durchführung von System- und Funktionsprüfungen sowie die Anpassung des IKS an moderne IT-gestützte Rechnungswesensysteme.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzen einer risikoorientierten Beurteilung des IKS für die Effizienz und Qualität der Abschlussprüfung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse relevanter Fachgutachten (IDW), gesetzlicher Vorschriften (HGB, AktG) und betriebswirtschaftlicher Standards zur Prüfungsmethodik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die rechtlichen Anforderungen, die Vorgehensweise bei System- und Funktionsprüfungen sowie spezifische Aspekte der EDV-Buchführung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind IKS, Jahresabschlussprüfung, Prüfungsstrategie, Systemprüfung und Ordnungsmäßigkeit.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Systemprüfung und Funktionsprüfung?
Die Systemprüfung erfasst die organisatorische Eignung und Dokumentation der Abläufe, während die Funktionsprüfung durch Stichproben die tatsächliche und lückenlose Wirksamkeit dieser Kontrollen im Zeitverlauf überprüft.
Warum ist das KonTraG für das Thema IKS relevant?
Das KonTraG hat durch die Erweiterung von Aktien- und Handelsrecht die explizite Pflicht für Vorstände zur Früherkennung bestandsgefährdender Risiken eingeführt, wofür ein IKS ein wesentliches Element bildet.
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- Stephan Weber (Author), 2005, Das interne Kontrollsystem im Rahmen der Abschlussprüfung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80907