Mesopotamien vom 5. bis 3. Jahrtausend v. Christus - Determinierten Klima und Topographie die Entwicklung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

20 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Mesopotamien - Wiege der Zivilisation
II.1 Übergang vom Jäger und Sammler zur Ackerbaugesellschaft
II.2 Die Charakteristika früher Städte
II.3 Die Stadt Uruk als Beispiel

III. Mögliche Determinanten der Städteentwicklung
III.1 Die Geografie
III.2 Das Klima
III.3 Euphrat und Tigris - Bewässerungssysteme

IV. Empirisch-statistische Analysen zur Hypothesenüberprüfung

V. Fazit

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Als Mesopotamien, griechisch für Zweistromland, wird das Gebiet zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris bezeichnet. Geographisch erstreckt sich Mesopotamien größtenteils über die Gebiete des heutigen Irak, schließt aber auch Teile Syriens, der Türkei, insbesondere Südostanatoliens, und des Iran mit ein. Mesopotamien wird häufig Wiege der Zivilisation genannt, da sich hier etwa 10 000 v. Chr. der Übergang der Menschheit vom Jäger und Sammler hin zur Ackerbaugesellschaft vollzog und sich später die ersten Städte entwickelten.[1]

Was führte jedoch dazu, dass sich diese revolutionäre Entwicklung ausgerechnet in Mesopotamien abspielte? Diese Hausarbeit wird zunächst die historische Entwicklung der Städtebildung in Mesopotamien darlegen, um dann im Anschluss mittels statistischer Analysemethoden zu untersuchen welche Determinanten die Entwicklung früher Städte in Mesopotamien zwischen dem 5.Jt. bis 3.Jt. v. Chr. beeinflussten. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei den Faktoren Klima und Topographie geschenkt werden.

II. Mesopotamien - Wiege der Zivilisation

II.1 Übergang vom Jäger und Sammler zur Ackerbaugesellschaft

Mesopotamien kommt bei der Entwicklung der uns heute bekannten Zivilisationsform eine Schlüsselrolle zu, da hier der Menschheit ca. 10 000 v. Chr. der Übergang vom Jäger und Sammler zur Ackerbaugesellschaft gelang. Bis zu dieser Zeit lebten die Menschen in Regionen in denen das Klima für Pflanzen und Tiere günstig war. Schließlich war das Sammeln von Wurzeln und Pflanzen bzw. das Jagen von Tieren bis dahin die einzige Möglichkeit zu Nahrung zu kommen. Dabei legten die Menschen auch damals schon großen Wert darauf eine Umgebung auszuwählen, die eine möglichst zahlreiche Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren sowie einen relativ leichten Zugang zu Wasser sicherstellte.[2]

Voraussetzung für die Sesshaftwerdung der Menschen war jedoch eine ganzjährig sichergestellte Versorgung mit Nahrungsmitteln. Dazu war es notwendig Nahrungsvorräte anlegen zu können, die es erlaubten, unabhängig von Dürreperioden oder Erschöpfung des tierischen Nahrungsbestandes, die Versorgung der Menschen mit ausreichend Lebensmitteln zu gewährleisten. Aus diesem Motiv heraus entstand die Domestizierung von Pflanzen und Tieren. Das diese Entwicklung zuerst in Mesopotamien stattfand hatte verschiedene Gründe. Sicher spielte die Tatsache, dass in den bergigen Gebieten Mesopotamiens eine große Anzahl von Siedlungsräumen mit ausreichender Wasserversorgung und artenreicher Tierwelt existierte, eine wichtige Rolle.

Die Domestizierung der Tiere und Pflanzen war jedoch mit zahlreichen Risiken verbunden und verlief deshalb nicht problemlos. Dürreperioden, Missernten und Tierseuchen führten dazu, dass die Menschen, zu Beginn der Übergangsphase vom Jäger und Sammler hin zur Ackerbaugesellschaft, noch nicht bereit waren sich vollständig auf den Ackeranbau und die Viehzucht zu verlassen. Aus diesem Grund existierte lange Zeit eine Mischform aus beiden Systemen, die es den Menschen erlaubte relativ flexibel auf die jeweilige Situation reagieren zu können.

Da die ersten Siedlungen jedoch noch recht stark vom Jagen und Sammeln abhängig waren, war es für sie wichtig über weite Gebiete zu verfügen, die ihnen ausreichend Nahrung zur Verfügung stellen konnten. Dies führte dazu, dass die einzelnen Siedlungen relativ weit von einander entfernt waren.

Mit der Zeit wurde jedoch in immer größerem Maße auf die unsichere Nahrungsbeschaffung verzichtet. Stattdessen intensivierten die Menschen die selbständige Produktion von Nahrung und erhöhten somit die Sicherheit einer ausreichenden Versorgung. Da die Siedlungen nun nicht mehr auf die weiten Gebiete angewiesen waren, verringerten sich die Abstände zwischen ihnen. Dieser Vorgang markierte den entscheidenden Schritt zur Entwicklung der Zivilisation.[3]

II.2 Die Charakteristika früher Städte

Zu Beginn des 4.Jt. v. Chr. entwickelten sich die ersten Städte Mesopotamiens, die eine relativ große Bevölkerung aufwiesen und eine Fläche von 40 Hektar und mehr umfassten. Im Gegensatz zu Dörfern dienten Städte als wirtschaftliche und religiöse Zentren, sowie als Regierungssitze. Des Weiteren befanden sich wichtige öffentliche Einrichtungen, in den von Schutzmauern umgebenen Städten. Die Stadtmauern erfüllten eine bedeutende Funktion, indem sie die Bevölkerung vor feindlichen Angriffen schützten und es somit möglich war, sich auf die Produktion von Nahrungsmitteln und handwerklichen Gütern zu konzentrieren.

Für gewöhnlich bestand eine typische mesopotamische Stadt aus drei Teilen, dem inneren, dem mittleren und dem äußeren Teil. Als innerer Teil wird all das bezeichnet, was sich innerhalb der Stadtmauern befand, also Tempel, Paläste, öffentliche Einrichtungen sowie die Häuser der Bevölkerung. Der mittlere Teil bestand wiederum aus den Bauernhöfen, Feldern und Viehweiden, die sich direkt am Stadtrand außerhalb der Stadtmauern befanden. Der dritte und äußerste Teil diente sowohl als Anlegeplatz für die Schifffahrt, als auch als Handelszentrum, das nicht nur von einheimischen Händlern genutzt wurde.[4]

Insbesondere zu Beginn der Städteentwicklung spielten die Tempel eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Städten, da sie anfangs das einzige Unterscheidungsmerkmal zwischen Städten und Dörfern bzw. Siedlungen waren. Dabei entwickelten sich Städte oft um religiöse Stätten herum. Die Tempel waren jeweils einem bestimmten Gott gewidmet, dem zugleich die Felder und das Vieh der Stadt gehörten. Dies hatte zur Folge, dass die Erträge aus der Nutzung der Ländereien und der Viehhaltung von religiösen Würdenträgern eingesammelt, verwaltet und später in Rationen an die eigene Bevölkerung zurückgegeben wurden.[5]

Die unterschiedliche Zusammenstellung der Bevölkerung stellte ein weiteres Charakteristikum der Stadt dar und unterschied sich in erheblichem Maß von der Dorfbevölkerung. Während die ländliche Bevölkerung fast ausschließlich aus Bauern bestand, entwickelten sich in den Städten neue Berufsarten, die anderen Tätigkeiten als der Landwirtschaft nachgingen. Dies war möglich, da die Produktion von Nahrungsmitteln mit der Zeit immer effizienter wurde, Vorräte angelegt werden konnten und es nicht mehr nötig war das die gesamte Bevölkerung sich dem Ackerbau widmen musste. Auf diese Wiese entstanden neue Berufszweige wie Handwerker, Gelehrte, Priester oder auch Beamte. Dies hatte auch weitreichende Implikationen für die soziale Struktur der Bevölkerung, da die Menschen nun, je nach ausgeübter Tätigkeit, in unterschiedlich Hierarchien und soziale Klassen eingestuft werden konnten.[6]

II.3 Die Stadt Uruk als Beispiel

Die Stadt Uruk, die heute Warka genannt wird und im südlichen Mesopotamien lag, war nach heutigem Forschungsstand die erste Stadt der Welt und somit die Wiege der Zivilisation. Allein die Stadtmauer Uruks hatte eine Länge von ca. 9 Kilometern. Gegen Ende der Jemdet-Nasr-Zeit, also etwa 3 200 v. Chr., hatte sich Uruk zur größten Stadt Mesopotamiens entwickelt. Man geht davon aus, dass Uruk zu diesem Zeitpunkt ca. 10 000 Einwohner zählte. Ihren Höhepunkt erreichte die Stadt, die 400 Hektar umfasste und in der etwa 50 000 Einwohner lebten, 2 700 v. Chr. zur mittleren dynastischen Zeit[7].

III. Mögliche Determinanten der Städteentwicklung

III.1 Die Geografie

Die geographische Beschaffenheit Mesopotamiens hatte einen großen Einfluss auf das Leben der Menschen und damit auch auf die Entwicklung der Dörfer und Städte. Unterschiedliche Umgebungen begünstigten unterschiedliche Vegetationen und zwangen somit die Bewohner dieser Regionen ihre Lebensweise an die jeweiligen Gegebenheiten anzupassen.[8] Aus diesem Grund soll an dieser Stelle zunächst ein kurzer Überblick über die geographischen Gegebenheiten Mesopotamiens gegeben werden, bevor in den darauf folgenden Abschnitten auf die daraus resultierenden Implikationen für die Städteentwicklung eingegangen wird.

[...]


[1] Roaf, Mesopotamien, S.18

[2] Nissen, Von Mesopotamien zum Irak, S. 18ff

[3] Nissen, Von Mesopotamien zum Irak, S.19ff

[4] Rhea, Daily Life in Ancient Mesopotamia, S.99ff

[5] Postgate, Early Mesopotamia – Society and Economy at the Dawn of History, S.109ff

[6] Brainard, The ancient Near East, Vol.IV, S.140ff

[7] Lloyd, Die Archäologie Mesopotamiens, S.58ff

[8] Pollock, Ancient Mesopotamia, S. 29

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Mesopotamien vom 5. bis 3. Jahrtausend v. Christus - Determinierten Klima und Topographie die Entwicklung
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Wachstum, Globalisierung und Ungleichheit in sehr langfristiger Perspektive: „Wirtschaftsgeschichte und Archäologie“
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V80909
ISBN (eBook)
9783638874298
Dateigröße
698 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mesopotamien, Jahrtausend, Christus, Klima, Topographie, Entwicklung, Wachstum, Globalisierung, Ungleichheit, Perspektive, Archäologie“
Arbeit zitieren
Halit Berisha (Autor), 2006, Mesopotamien vom 5. bis 3. Jahrtausend v. Christus - Determinierten Klima und Topographie die Entwicklung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80909

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