Der Kampf um die "rechte" Minne - Über den Antagonismus von minne und êre in Hartmanns von Aue „Erec“


Seminararbeit, 2007

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Was ist höfische Liebe?
2.1. Die Darstellung der höfischen Liebe bei Hartmanns von Aue „Erec“

3 Herausarbeitung der Problematik der Minne innerhalb der feudalen Gesellschaft anhand der Figuren Erec und Mabonagrin
3.1. Erec
3.2 Mabonagrin

4 Der Kampf um die ‚rechte’ Minneform

Fazit

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis:

1 Einleitung

Die Liebe mit ihren Konflikten und Problemen in privaten und gesellschaftlichen Lebensbreichen darf wohl als das zentrale Thema in Hartmanns von Aue Erec angesehen werden. Demnach soll auch dieses Thema im Vordergrund dieser Arbeit stehen.

In der Darstellung der Entwicklung der Ehe von Erec und Enite hat Hartmann eindringlich die Problematik der richtigen Balance zwischen Liebe und höfischem Verhaltenskodex verdeutlicht. Zentrales Motiv ist dabei die Überwindung einer Liebe, der die mâze fehlt und die Ausübung ritterlicher Bewährung nach christlichen Glaubensgrundsätzen.

In der finalen Aventiure Joie de la curt prallen dann schließlich anhand der Paare Erec und Enite, sowie Mabonagrin und seiner am îe zwei konträre Minnekonzeptionen aufeinander, dessen Bewährung in einem entscheidenden Kampf ausgetragen wird.

Um diesen Kampf um die ‚rechte’ Minne und Erecs Wandlung in seiner Auffassung über die Minne untersuchen zu können, soll zunächst einmal kurz auf die höfische Liebe des Mittelalters im Allgemeinen und ganz speziell bei Hartmann von Aue eingegangen und das Minneverständnis Erecs und Mabonagrins genauer analysiert werden. Herausgearbeitet werden soll das Verhältnis von êre und minne, das sich wie ein rotes Band, durch das gesamte Epos zieht und der Prozess der Liebe zwischen Erec und Enite, bis hin zur vollkommenen Minnegemeinschaft nach höfischem Gesellschaftsentwurf.

Auf die Einstellungen zur Minne anderer Charaktere des Romans kann dabei in diesem Rahmen nicht genauer eingegangen werden. Die Darstellungen verlaufen auch nicht chronologisch nach den Ereignissen in Hartmanns Roman, sondern richten sich nach den Themenkomplexen rund um das Thema Liebe. Im Hauptteil sollen die Aussagen dann anhand markanter Textstellen belegt werden.

2 Was ist höfische Liebe?

Die höfische Liebe ist ein literaturgeschichtlicher Fachbegriff[1] der ganz allgemein die unterschiedlichen Liebeskonzepte in der Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts bezeichnet.[2] Eine genauere Definition der höfischen Liebe zu geben erweist sich allerdings als relativ schwierig, da sie in den verschiedenen Gattungen der mittelalterlichen Literatur oft sehr facettenreich dargestellt wurde.

Ein einheitliches System der höfischen Liebe hat es nicht gegeben, höchstens gemeinsame Charakteristika.[3] So kann die höfische Liebe in ganz unterschiedlichen Kontexten gebraucht werden. Sie kann sich auf eine gegenseitige Liebe, auf eine einseitige Liebe, die von der Unerreichbarkeit der Dame gekennzeichnet ist, auf eine heimliche, eheliche, ehebrecherische, platonische oder erotische Liebe beziehen, als auch ausschließlich auf Liebende eines bestimmten sozialen Standes etc.[4]

Ein ganz zentraler Aspekt in der Darstellung der höfischen Liebe in der Literatur ist die Auseinandersetzung mit den positiven, wie auch negativen Wirkungen der Liebe. Man unterscheidet hierbei zwischen einer guten und einer schlechten‚ bzw. einer wahren und einer falschen Liebe, zwischen hoher und niederer Minne, zwischen „caritas“ (religiöse Liebe) und „cupiditas“ (sinnliche Liebe). Während die wahre Liebe als Quelle des Guten im Einklang mit den höfischen Tugenden und dem christlichen Wertesystem steht, ist die falsche Liebe der Inbegriff von Laster wie Wollust, Triebhaftigkeit und Begierde.[5]

Die wahre Liebe strebt also nach einer „Rationalisierung der Liebe, Kontrolle der Affekte, Sublimierung der Triebhaftigkeit“.[6] Mit der Darstellung dieser ambivalenten Kräfte der Liebe in der Literatur, wurden so die Menschen zu einem auf sittlichen und ethischen Werten fundiertes Handeln aufgefordert.

Die höfische Liebe kann also als eine Art Verhaltenslehre verstanden werden, die die Menschen tugendhafter machen und im Sinne des höfischen Gesellschaftsentwurfs vervollkommnen sollte. Sie ist dabei, wie der Name schon sagt, an den Hof und an die zeitgenössischen höfischen Normen und Werte gebunden. Demnach sollte die höfische Liebe eher als eine fiktionale Gesellschaftsutopie der Dichter verstanden werden, als ein Zeugnis realhistorischer Wirklichkeit.[7]

2.1. Die Darstellung der höfischen Liebe bei Hartmanns von Aue „Erec“

Die höfische Liebe in der Literatur ist also ein recht heterogener Themenkomplex, der von verschiedenen gattungsspezifischen Merkmalen geprägt ist.

Grundlegend für die Artusepen ist die didaktische Funktion[8], die in Hartmanns „Erec“, in Bezug auf der Problematik der Gewichtung von Liebe und Pflichten in der Gesellschaft realisiert wird. Dabei bedient sich Hartmann mit dem in der Literatur häufig verwendeten Topos der Unterscheidung zwischen der ‚rechten’ und ‚unrechten’ Minne. Diese Spannungen innerhalb der Minnethematik ergeben sich aus der fehlenden Balance zwischen der Konzentration auf die „cupiditas“, die rein sinnlich-triebhafte Liebe auf der einen und der Befolgung der „caritas“, einer Liebe die auf christlich geprägten Werten basiert und denen Erec als Königssohn zu entsprechen hatte.

Im „Erec“ hat Hartmann versucht, diese Widersprüche aufzulösen und eine Form der Minne zu beschreiben, die sich in die Gesellschaft integrieren lässt, damit die Ehe für die Gesellschaft nutzbar gemacht werden kann.[9]

[...]


[1] Geprägt wurde der Begriff „höfische Liebe“ (amour courtois) von dem französischen Romanisten Gaston Paris im 19. Jahrhundert. Vgl. Bumke, Joachim: S. 504.

[2] Vgl. Dinzelbacher, Peter, 1992: S. 32.

[3] Vgl. Dinzelbacher, Peter, 1986: S. 77. Die These, dass es sich bei der höfischen Liebe um eine einheitliche Liebeskonzeption mit bestimmten Verhaltensregeln handelt, wie es zu Beginn der höfischen Liebesforschung propagiert wurde, ist inzwischen als unzutreffend degradiert worden. Vgl. Schnell, Rüdiger: S. 235-236.

[4] Vgl. Schnell, Rüdiger: S. 232-234.

[5] Vgl. Bumke, Joachim: S. 516-521.

[6] Bumke, Joachim: S. 520.

[7] Natürlich tritt die höfische Liebe auch realgeschichtlich in Erscheinung, denn erst mit dem Aufkommen der Liebesthematik in der Gesellschaft im 12. Jahrhundert kann sich dieser Mentalitätswandel auch in der Literatur manifestieren. (Vgl. hierzu Dinzelbacher, Peter, 1986: S. 75-76; 90-106.) Distanzieren muss man sich allerdings von der Vorstellung jegliche Formen der höfischen Liebe, wie beispielsweise die Erhöhung der Frau, sei auch in der historischen Wirklichkeit in dieser Form realisiert worden.

[8] Vgl. Gottzmann, Cordula L.: S. 376.

[9] Vgl. Ruh, Kurt: S 128.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Kampf um die "rechte" Minne - Über den Antagonismus von minne und êre in Hartmanns von Aue „Erec“
Hochschule
Universität Mannheim  (Philosophische Fakultät, Ältere deutsche Literaturwissenschaft/ Mediävistik)
Veranstaltung
Hartmann von Aue: Erec
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V80947
ISBN (eBook)
9783638886871
ISBN (Buch)
9783638886987
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kampf, Minne, Antagonismus, Hartmanns, Hartmann, Erec
Arbeit zitieren
Sonja Denefleh (Autor), 2007, Der Kampf um die "rechte" Minne - Über den Antagonismus von minne und êre in Hartmanns von Aue „Erec“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/80947

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