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Der Einfluss Shakespeares auf die Dramentheorie des Sturm und Drang

Title: Der Einfluss Shakespeares auf die Dramentheorie des Sturm und Drang

Term Paper , 2006 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Julia Sproll (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Freiheit, Selbstverwirklichung, Selbstentfaltung – so lauteten die wichtigsten Forderungen der jungen Schriftsteller des Sturm und Drang, der literarischen Epoche, oder besser Jugendbewegung, die, nach dem gleichnamigen Drama Friedrich Maximilian Klingers benannt, zeitlich von der Mitte der 60er bis zur Mitte der 80er Jahre des 18. Jahrhunderts einzuordnen ist. Rebellisch und sozialkritisch sind die Werke der Stürmer und Dränger, aber auch gefühlsbetont und leidenschaftlich - und vor allem wird immer wieder die Freiheit propagiert: die Freiheit des Körpers und des Geistes und damit verbunden auch die dichterische Freiheit. Im Sturm und Drang erlebt der Dichter eine programmatische Aufwertung vom beruflichen Schriftsteller zum göttlich inspirierten literarischen Genie. Doch ein Genie darf nicht durch irdische Regeln eingeschränkt werden und aus diesem Grund brachen die Anhänger des Sturm und Drang mit den, bis dahin unangefochtenen poetologischen Bestimmungen des Aristoteles und deren neuzeitlichen Vertretern, den deutschen und vor allem französischen Klassizisten. Als Vorbild für ihre literaturtheoretischen Erwägungen, die sich hauptsächlich auf das Drama, die wichtigste Gattung des Sturm und Drang, beziehen, diente den jungen Schriftstellern vor allem der englische Dichter William Shakespeare (1564-1616), in ihm sahen sie ihre Ideale von der Befreiung von den Regeln bestätigt und stilisierten ihn zum unerreichten Genie. Ein regelrechter Shakespeare-Kult entstand im Kreis der Stürmer und Dränger und Shakespeare, bzw. dessen Werke wurden Vorbild für viele Dramen und Gegenstand mehrerer literaturtheoretischer Schriften.
Die folgende Arbeit befasst sich nun eben mit dem Einfluss der Shakespeare-Lektüre auf die Dramentheorie des Sturm und Drang. An das Thema heranführen sollen ein Kapitel über die literaturtheoretische Auseinandersetzung mit Shakespeare vor dem Sturm und Drang, sowie eines über die traditionelle, von Aristoteles geprägte, Dramentheorie. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt jedoch auf der tatsächlichen Dramentheorie des Sturm und Drang, welche anhand der Vorstellung und Analyse der drei wohl bedeutendsten literaturtheoretischen, auf Shakespeare Bezug nehmenden Schriften dieser Epoche, untersucht wird. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: „Die prätendierte Freiheit unsres Wollens […]“

2. Die literarische Shakespeare-Debatte in Deutschland bis zum Sturm und Drang

3. Traditionelle Dramentheorie – das geschlossene Drama

4. „Ich sprang in die freie Luft“ - Einflüsse der Shakespeare-Rezeption auf die Dramentheorie des Sturm und Drang

4.1 Das offene Drama – Dramentheorie im Sturm und Drang

4.1.1 Johann Gottfried Herder: Shakespear (1773)

4.1.2 Johann Wolfgang Goethe: Zum Schäkespears Tag (1771)

4.1.3 Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater (1774)

5. Konklusion

6. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den maßgeblichen Einfluss der Rezeption von William Shakespeares Werk auf die theoretische Neuausrichtung des Dramas während der Epoche des Sturm und Drang. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern die Abkehr von aristotelischen Regeln und die programmatische Aufwertung des Dichters zum Genie durch die Beschäftigung mit Shakespeare motiviert waren.

  • Die literarische Shakespeare-Debatte im 18. Jahrhundert
  • Abgrenzung zur traditionellen geschlossenen Dramentheorie
  • Die Konzeption des Dichters als schöpferisches Genie
  • Analyse der Dramentheorien von Herder, Goethe und Lenz
  • Das Spannungsfeld zwischen Freiheit des Individuums und gesellschaftlicher Notwendigkeit

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Johann Gottfried Herder: Shakespear (1773)

Die Gegenüberstellung von griechischer Tragödie und englischem bzw. nordischem Drama bringt Herder zur Ausführung zweier zentraler Gedanken: 1. die Erkenntnis der Geschichtlichkeit der Kunst und 2. die Neudefinition des Dichters als Genie. Der erste Teil der Schrift befasst sich vor allem mit der griechischen Tragödie und deren Nachahmern in Frankreich und Deutschland. Herder betont, dass sich das griechische Drama zu einer völlig anderen Zeit in einer völlig andern Kultur und unter völlig anderen Bedingungen entwickelte als das zeitgenössische. Und deshalb seien die vermeintlichen Regeln Aristoteles in Wahrheit auch keine aufgesetzten Regeln, sondern Ergebnisse, die sich aus den sozialen und kulturellen Begebenheiten des antiken Griechenlandes, in der „Kindheit“ der Kultur, auf natürliche Weise entwickelten und dort auch ihre vollkommene Berechtigung hätten, so bestand die griechische Tragödie in ihren Anfängen lediglich aus einem Auftritt und aus einer handelnden Figur mit Chor, was unter Sophokles dann immerhin auf drei Personen gesteigert wurde.

Das zeitgenössische „Nordische Drama“ jedoch, womit Herder wohl das mitteleuropäische meint, habe einen völlig anderen kultur-historischen Hintergrund und könne deshalb nicht einfach die Regeln des griechischen übernehmen:

In Griechenland entstand das Drama, wie es in Norden nicht entstehen konnte. In Griechenland wars, was es in Norden nicht seyn kann. In Norden ists also nicht und darf nicht seyn, was es in Griechenland gewesen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: „Die prätendierte Freiheit unsres Wollens […]“: Vorstellung der Epoche Sturm und Drang als Jugendbewegung sowie Erläuterung der Zielsetzung und Methodik der Arbeit.

2. Die literarische Shakespeare-Debatte in Deutschland bis zum Sturm und Drang: Darstellung der frühen, kontroversen Auseinandersetzung mit Shakespeare im 18. Jahrhundert und der Abspaltung des literarischen Bürgertums in Befürworter und Gegner.

3. Traditionelle Dramentheorie – das geschlossene Drama: Analyse des aristotelisch geprägten Regelkodex, insbesondere der Drei Einheiten, die bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts das deutsche Drama dominierten.

4. „Ich sprang in die freie Luft“ - Einflüsse der Shakespeare-Rezeption auf die Dramentheorie des Sturm und Drang: Untersuchung der neuen Ästhetik, die durch das Genie-Ideal und die Shakespeare-Rezeption geprägt wurde.

4.1 Das offene Drama – Dramentheorie im Sturm und Drang: Grundlegende Hinführung zum neuen Dramenverständnis der Epoche.

4.1.1 Johann Gottfried Herder: Shakespear (1773): Untersuchung von Herders Forderung nach einer kulturhistorisch begründeten Ästhetik und der Rolle des Genies.

4.1.2 Johann Wolfgang Goethe: Zum Schäkespears Tag (1771): Analyse von Goethes Streitschrift, die Shakespeare als gottgleiches Schöpfergenie würdigt und die persönliche Leseerfahrung hervorhebt.

4.1.3 Jakob Michael Reinhold Lenz: Anmerkungen übers Theater (1774): Betrachtung der radikalen Polemik von Lenz gegen aristotelische Regeln und seiner Forderung nach einer Darstellung des realen, handelnden Menschen.

5. Konklusion: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der Bedeutung Shakespeares als Symbol für Freiheit und Selbstverwirklichung in der Dramentheorie.

6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.

Schlüsselwörter

Sturm und Drang, Shakespeare, Dramentheorie, Genie, Aristoteles, geschlossenes Drama, offenes Drama, Aufklärung, Regelpoetik, Literaturgeschichte, Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang Goethe, Jakob Michael Reinhold Lenz, Natur, Freiheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie die deutsche Literaturbewegung des Sturm und Drang durch die Lektüre von William Shakespeare ihre eigene, neue Dramentheorie entwickelte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen den Bruch mit klassischen Regelpoetiken, das Konzept des schöpferischen Genies, den Naturbegriff und die Subjektivität in der Dramatik des 18. Jahrhunderts.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwieweit die Shakespeare-Rezeption tatsächlich die theoretischen Konzepte von Herder, Goethe und Lenz prägte oder ob Shakespeare lediglich als Autoritätsbeleg für bereits bestehende Impulse diente.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturtheoretische Analyse, indem sie die drei einflussreichsten Programmschriften der Epoche vorstellt und im Kontext ihrer Zeit sowie im Vergleich untereinander interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung der Shakespeare-Debatte, die Darlegung der traditionellen Dramentheorie und die detaillierte Analyse der Aufsätze von Herder, Goethe und Lenz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Sturm und Drang, Shakespeare-Rezeption, Genie, Regelverstoß, Naturhaftigkeit und dramatische Freiheit.

Wie unterscheidet sich Lenz’ Kritik von der Goethes?

Lenz’ Polemik gegen Aristoteles wird als radikaler, aggressiver und respektloser beschrieben als die von Goethe, dessen Begeisterung für Shakespeare den kritischen Teil seines Textes teilweise überlagert.

Was ist das „Geheime“ am Geniekult bei Goethe?

Goethe identifiziert einen „geheimen Punkt“ in Shakespeares Dramen, an dem das Eigentümliche des Ichs und die prätendierte Freiheit des Wollens auf den notwendigen Gang des Ganzen stoßen.

Wie definiert Herder das „Nordische Drama“?

Herder nutzt den Begriff zur Abgrenzung vom antiken griechischen Theater, um zu verdeutlichen, dass Drama Ausdruck einer spezifischen Kultur, Zeit und Geschichte sein muss und nicht einfach fremde Regeln kopieren darf.

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Details

Title
Der Einfluss Shakespeares auf die Dramentheorie des Sturm und Drang
College
Martin Luther University  (Germanistik)
Course
Das deutsche Drama im 18. Jahrhundert
Grade
1,0
Author
Julia Sproll (Author)
Publication Year
2006
Pages
23
Catalog Number
V81006
ISBN (eBook)
9783638838191
Language
German
Tags
Einfluss Shakespeares Dramentheorie Sturm Drang Drama Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Sproll (Author), 2006, Der Einfluss Shakespeares auf die Dramentheorie des Sturm und Drang, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81006
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