Rafael Alberti (1902-1999) war ein spanischer Autor, der besonders für seine lyrischen Werke bekannt ist. Doch er schrieb auch einige Dramen, darunter „El Hombre Deshabitado“, in welchem seine eigenen Ansichten über die damalige Gesellschaft widergespiegelt werden. Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen „El Hombre Deshabitado“ und der Bibel.
Als Textgrundlagen für die beiden Werke dienen erstens die Kopien aus dem Seminar: El Hombre Deshabitado, Edición, introducción y notas de Gregorio Torres Berera, Madrid, 2003. und zweitens Die Bibel – Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments, 33. Auflage, 1993, erschienen im Pattloch Verlag, München.
Der erste Teil der Hausarbeit setzt sich mit der Definition und dem Vergleich des Untertitels „auto sacramental sin sacramento“ auseinander. Danach folgt ein Vergleich zwischen der Schöpfungsgeschichte aus der Bibel und Albertis Drama „El Hombre Deshabitado“, gegliedert nach der chronologischen Abfolge. In Punkt 4 schließt ein weiterer Vergleich, zwischen dem Brudermord von Kain an Abel und dem Mord von el Hombre an la Mujer, an. Am Ende folgt ein Abschnitt über weitere ausgewählte Bezüge und Symbole aus der Bibel und „El Hombre Deshabitado“ und die Schlussbetrachtung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Auto sacramental sin sacramento
2.1 Definition auto sacramental
2.2 Vergleich der Merkmale eines auto sacramentals mit „El Hombre Deshabitado”
3. Vergleich „El Hombre Deshabitado“ mit der Schöpfungsgeschichte aus dem 1. Buch Mose
3.1 Prolog
3.2 Akt
3.2.1 Umsetzung der Versuchungsthematik
3.3 Epilog
4. Vergleich des Mordes von el Hombre an la Mujer mit dem Brudermord von Kain an Abel
5. Weitere Bezüge und Symbole zwischen „El Hombre Deshabitado“ und der Bibel
5.1 Nutzung der 10 Gebote
5.2 Bedeutung des Fisches
5.3 Symbol der Taube
5.4 Umsetzung der Auferstehung
5.5 Apokalypse
6. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung und Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Rafael Albertis Drama „El Hombre Deshabitado“ und der biblischen Schöpfungsgeschichte, um die ideologische Kritik des Autors am damaligen gesellschaftlichen und kirchlichen System zu beleuchten.
- Analyse des "auto sacramental sin sacramento" als dramatische Form
- Vergleich der Schöpfungsgeschichte mit der Struktur des Dramas
- Untersuchung von Schuld und Sündenfall durch biblische Parallelen
- Dekonstruktion christlicher Symbole (Fisch, Taube, 10 Gebote) im Drama
- Kritik an Determinismus und rächendem Gottesbild
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Umsetzung der Versuchungsthematik
Einen größeren Unterschied zwischen der Schöpfungsgeschichte und dem Akt in „El Hombre Deshabitado“ stellt die Umsetzung der Versuchungsthematik dar. Wie schon erwähnt ist die Versuchung im Drama von Alberti und auch in der Schöpfungsgeschichte ein sehr zentrales Thema.
Alberti nennt die Versuchung „La Tentación“, womit dem Leser ganz offensichtlich sofort die Bedeutung der Figur deutlich wird. Die Assoziation des Wortes ‚Versuchung’ ist im Allgemeinen negativ verankert, außerdem verbindet man das Wort mit der Bibel, in welcher die Versuchung häufig thematisiert wird.
Als Gemeinsamkeit zwischen der Schöpfungsgeschichte und „El Hombre Deshabitado“ fällt auf, dass mit der Versuchung ein Wendepunkt markiert wird. Mit dem Akt Verführung, das heißt wenn Adam und Eva von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse essen, und wenn sich el Hombre und la Tentación zum ersten Mal näher kommen, bekommen die bisher unschuldigen und sorglosen Figuren die Erkenntnis über das Verstehen und Unterscheiden von Gut und Böse, wodurch in beiden Werken eine Art neuer Abschnitt beginnt. Während la Mujer am Anfang hilfsbereit und fürsorglich gegenüber der Tentación ist: „Necesita calor y aire en la frente…Abanícala con tus manos, con tu pañuelo…“, versucht sich el Hombre heraus zu reden und vom Thema abzulenken: „Ni ellos, ni yo sabemos nada. Aún no ha abierto los ojos. ¿Y tu? ¿Cómo has tardado tanto?“ bis er schließlich die Kontrolle und Verantwortung über seine fünf Sinne verliert: „No puedo más. No sé quién soy.”
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Autors Rafael Alberti und Zielsetzung der Untersuchung hinsichtlich der biblischen Bezüge im Drama.
2. Auto sacramental sin sacramento: Definition der Gattung und Abgrenzung zum klassischen Fronleichnamsspiel durch Albertis abweichende, moralisch kritische Darstellung.
3. Vergleich „El Hombre Deshabitado“ mit der Schöpfungsgeschichte aus dem 1. Buch Mose: Gegenüberstellung der chronologischen Dreiteilung (Prolog, Akt, Epilog) und Analyse der Entsprechung von Hauptfiguren.
4. Vergleich des Mordes von el Hombre an la Mujer mit dem Brudermord von Kain an Abel: Herausarbeitung von Parallelen in der biblischen Sprachwahl und den Motiven der Schuld und Rache.
5. Weitere Bezüge und Symbole zwischen „El Hombre Deshabitado“ und der Bibel: Analyse der bewussten Verkehrung biblischer Gebote sowie symbolischer Elemente wie Fisch, Taube und Auferstehung.
6. Abschließende Betrachtung: Zusammenfassende Erkenntnis, dass das Drama eine Provokation gegen das bestehende System und das restriktive Gottesbild darstellt.
Schlüsselwörter
Rafael Alberti, El Hombre Deshabitado, Bibel, Schöpfungsgeschichte, Auto sacramental, Versuchung, La Tentación, Vigilante Nocturno, Sündenfall, Schuld, Symbole, Christentum, Gesellschaftskritik, Determinismus, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die intertextuellen Bezüge zwischen Rafael Albertis Drama „El Hombre Deshabitado“ und der christlichen Bibel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Schöpfung, Versuchung, Sündenfall, Schuld und die kritische Auseinandersetzung mit christlichen Moralvorstellungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Alberti biblische Motive nutzt, um das bestehende gesellschaftliche System und die Rolle der Kirche zu kritisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den vergleichenden Textvergleich (Komparatistik), um Parallelen und bewusste Abweichungen zwischen dem Drama und dem 1. Buch Mose sowie weiteren Bibelstellen herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert strukturelle Parallelen, den Vergleich von Sündenfall-Szenen, die Rolle des rächenden Gottes und die Bedeutung christlicher Symbole.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem "Auto sacramental", "Versuchung", "Determinismus", "Biblische Bezüge" und "Gesellschaftskritik".
Warum wird Vigilante Nocturno mit dem Gott des Alten Testaments verglichen?
Da er im Stück als rächende und unbarmherzige Instanz auftritt, die den Menschen nicht als Beschützer führt, sondern ihn in sein Verderben laufen lässt.
Welche Bedeutung kommt dem Fisch im Drama zu?
Der Fisch dient als Symbol für das christliche Leben; sein Tod im Drama markiert symbolisch den Wendepunkt zum Einzug des Bösen und den Verlust religiöser Moral.
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- Juliane Schorcht (Author), 2007, Biblische Bezüge in „El Hombre Deshabitado“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81029