Der Markt für derivative Finanzprodukte hat seit Beginn der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine enorme Entwicklung verzeichnet. Vor allem in den Boomjahren 1999 und 2000 weckten die Aktienmärkte mit enormen Gewinnen nicht nur das Interesse institutioneller Anleger, sondern auch von Kleinanlegern. Im Sog der steigenden Aktienkurse konnten Optionen und Optionsscheine noch größere Gewinne erzielen und sind so stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gelangt. Neben den klassischen Optionen Call und Put etablierten sich zunehmend exotische Optionen und Optionsscheine. Zusätzlich wurden Zertifikate und andere strukturierte Produkte von Banken und Wertpapierhandelshäusern emittiert, die zum Teil exotische Optionen darstellen oder durch eine Kombination mehrerer Optionen dupliziert werden können.
Die ab Mitte 2000 einsetzende Baisse blieb auch im Derivate-Handel nicht ohne Folgen. Die Umsätze gingen zurück und viele Anleger wendeten sich enttäuscht ab. Doch insbesondere in dieser Phase wurde die Vielseitigkeit dieser Produkte deutlich. Mit dem Einsatz derivativer Produkte können in jeder Marktphase Profite erwirtschaftet werden.
Exotische Optionen und Optionsscheine bieten als eine Gruppe von Derivaten dem Anleger genau diese Möglichkeiten. Doch was zeichnet exotische Optionen aus? Sie weisen verschiedene Merkmale auf, die von klassischen Optionen abweichen und zusätzliche an bestimmte Bedingungen des zukünftigen Kursverlaufs des Basiswertes geknüpft sein können. Die Frage, die sich stellt, ist, wie können die Exoten dargestellt werden und wie implementiert man die Pfadabhängigkeit in die Bewertung?
Im Rahmen der Gliederung wird in Kapitel 2 ein Überblick über Finanzderivate gegeben, der Charakteristika, Chancen und Risiken sowie einen Vergleich von Optionen und Optionsscheinen enthält. In Kapitel 3 werden die Unterschiede von exotischen Optionen und Optionsscheinen im Vergleich zu klassischen Optionen erläutert und es wird eine Einteilung exotischer Optionen vorgenommen. Die Kapitel 4, 5 und 6 beschreiben verschiedene Arten exotischer Optionen in einer Gliederung nach Pfadabhängigkeit und Anzahl Underlyings mit ihren Merkmalen und Auszahlungsprofilen. Dabei werden einige der vorgestellten exotischen Optionen, meist auf Grundlage der Bewertungsformeln nach Black und Scholes, bewertet. Kapitel 7 gibt einen Marktüberblick sowie Informationen zum Handel exotischer Optionen und Optionsscheine. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung in Kapitel 8.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Derivative Finanzinstrumente
2.1 Klassische Optionen
2.2 Optionsscheine
2.2.1 Traditionelle Optionsscheine
2.2.2 Nackte Optionsscheine
2.3 Unterschiede zwischen Optionen und Optionsscheinen
2.4 Chancen und Risiken von Finanzderivaten
3 Exotische Optionen und Warrants
3.1 Merkmale exotischer Optionen
3.2 Einteilung exotischer Optionen
4 Kurspfadunabhängige univariate Optionen
4.1 Digital-Optionen
4.1.1 Arten von Digital-Optionen
4.1.2 Bewertung von Digital-Optionen
4.2 Chooser-Optionen
4.2.1 Simple Chooser-Optionen
4.2.2 Komplexe Chooser-Optionen
4.3 Power-Optionen
4.4 Contingent-Optionen
4.5 Bermuda-Optionen
5 Kurspfadabhängige univariate Optionen
5.1 Asiatische Optionen
5.1.1 Average Price Optionen
5.1.2 Average Strike Optionen
5.2 Lookback-Optionen
5.2.1 Floating Strike Lookback-Optionen
5.2.2 Fixed Strike Lookback-Optionen
5.2.3 Partielle Lookback-Optionen
5.2.4 Amerikanische Lookback-Optionen
5.3 Compound-Optionen
5.4 Shout-Optionen
5.5 Reset-Optionen
5.6 Leiter-Optionen
5.7 Cliquet-Optionen
5.8 Schwellen-Optionen
5.9 Turbo-Optionsscheine
5.9.1 Turbo-Optionsscheine mit begrenzter Laufzeit
5.9.2 Endlos-Turbo-Optionsscheine
5.10 Qualitative Optionen ohne Schwelle
5.10.1 Schalter-Optionen
5.10.2 Range-Optionen
5.11 Qualitative Optionen mit Schwelle
5.11.1 Kontroll-Optionen
5.11.2 BOOST-Optionen
6 Kurspfadunabhängige multivariate Optionen
6.1 Austausch-Optionen
6.2 Spread-Optionen
6.3 Rainbow-Optionen
6.3.1 Optionen auf das bessere/schlechtere von zwei Basisobjekten
6.3.2 Optionen auf das bessere/schlechtere von zwei Basisobjekten und einen fixen Betrag
6.3.3 Two-Colour Rainbow-Optionen
6.3.4 Multi-Colour Rainbow Optionen
6.4 Out-Performance-Optionen
6.5 Basket-Optionen
6.6 Quanto-Optionen
7 Handel exotischer Optionen und Optionsscheine
7.1 Handelsmengen und -volumina
7.1.1 Frankfurter Wertpapierbörse
7.1.2 Stuttgarter Wertpapierbörse EUWAX
7.2 Kosten beim Handel exotischer Optionen und Optionsscheine
8 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das komplexe Feld exotischer Optionen und Optionsscheine, um deren vielfältige Ausgestaltungsmöglichkeiten in verschiedenen Marktphasen aufzuzeigen und deren Bewertungsmethoden – insbesondere unter Berücksichtigung von Pfadabhängigkeit und Underlyings – wissenschaftlich zu fundieren.
- Klassifizierung exotischer Derivate nach Auszahlungsprofil und Pfadabhängigkeit
- Bewertungsmodelle für univariates und multivariates Marktverhalten
- Analyse von Turbo-Optionsscheinen und deren Marktmechanismen
- Empirische Einblicke in Handelsvolumina an Frankfurter Börsen
- Kostenstrukturen beim Derivatehandel im Vergleich verschiedener Bankentypen
Auszug aus dem Buch
3.1 Merkmale exotischer Optionen
Exotische Optionen unterscheiden sich von den in Abschnitt 2.1 beschriebenen klassischen Optionen durch Veränderung von mindestens einem der vier folgenden Merkmale.
1. Bei einer klassischen Option ist die Kursentwicklung eines Basisinstrumentes ausschlaggebend für den Wert und die Ausübung. Im Rahmen von exotischen Optionen können zum einen die Kurse von mehreren Basisinstrumenten relevant sein und zum anderen können diese Kurse die Zulässigkeit der Ausübung einer Option sowie die Höhe der Zahlung beeinflussen.
2. Klassische Optionen haben bei der Zahlung im Rahmen der Ausübung einen linearen Bezug zum Kurs des Basisinstrumentes. Anstelle der Linearität können bei exotischen Optionen nichtlineare Beziehungen zwischen dem Kurs des Basiswertes und der Zahlung auftreten. Das können unter anderem exponentielle Beziehungen oder kursunabhängige, fixe Zahlungen sein.
3. Die Bemessung der Zahlung einer klassischen Option bei Ausübung erfolgt nur nach dem Kurs des Basisinstruments im Zeitpunkt der Ausübung. Für exotische Optionen können auch andere Zeitpunkte oder sogar Zeiträume zur Zahlungsbemessung herangezogen werden.
4. Das Recht auf Ausübung ist bei klassischen Optionen nur auf einen Zeitpunkt beschränkt. Im Rahmen von exotischen Optionen können weitere Bedingungen, wie der Kursverlauf des/der Basisinstrumente(s), an die Aufrechterhaltung oder das Inkrafttreten des Ausübungsrechts anknüpfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Entwicklung derivativer Finanzmärkte seit den 90er Jahren und definiert den Fokus der Arbeit auf die Klassifizierung und Bewertung exotischer Optionen.
2 Derivative Finanzinstrumente: Dieses Kapitel gibt einen grundlegenden Überblick über Standardoptionen, Optionsscheine und deren Bewertungsansätze, wie das Binomialmodell und Black/Scholes.
3 Exotische Optionen und Warrants: Hier werden die spezifischen Merkmale definiert, die exotische Optionen von klassischen unterscheiden, sowie eine systematische Einteilung vorgenommen.
4 Kurspfadunabhängige univariate Optionen: Das Kapitel beschreibt Digital-, Chooser-, Power-, Contingent- und Bermuda-Optionen, deren Wert nicht vom Kursverlauf während der Laufzeit abhängt.
5 Kurspfadabhängige univariate Optionen: Hier stehen Optionen im Fokus, deren Auszahlung von den Kursrealisationen während der Laufzeit beeinflusst wird, darunter asiatische Optionen, Lookbacks, Compound- und Schwellen-Optionen.
6 Kurspfadunabhängige multivariate Optionen: Dieser Abschnitt behandelt Instrumente, deren Bewertung auf mehreren Underlyings basiert, wie Austausch-, Spread-, Rainbow-, Basket- und Quanto-Optionen.
7 Handel exotischer Optionen und Optionsscheine: Das Kapitel analysiert Marktdaten der Frankfurter und Stuttgarter Börsen sowie die Gebührenstrukturen verschiedener Banken für den Derivatehandel.
8 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Bewertungsergebnisse und stellt die Relevanz der Produkte für verschiedene Marktsituationen heraus.
Schlüsselwörter
Exotische Optionen, Optionsscheine, Finanzderivate, Pfadabhängigkeit, Black/Scholes, Binomialmodell, Turbo-Optionsscheine, Basiswert, Underlying, Volatilität, Knock-Out, Barrier-Optionen, Handelsvolumina, Börsenplatz, Optionsprämie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die Funktionsweise, Systematik und Bewertung von exotischen Optionen und Optionsscheinen auf Aktien im Vergleich zu klassischen Derivaten.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit spannt den Bogen von der theoretischen Klassifizierung über mathematische Bewertungsmodelle bis hin zu praktischen Handelsaspekten an deutschen Börsen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, dem Leser ein strukturiertes Verständnis für die komplexe Welt der "Exoten" zu vermitteln und aufzuzeigen, wie diese Instrumente für unterschiedliche Marktphasen und Risikoprofile eingesetzt werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Neben einer systematischen Literaturanalyse werden mathematische Bewertungsformeln (Black/Scholes-Modell, Binomialmodelle) angewandt und Marktdaten anhand von Tabellen und Abbildungen analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist in univariante (pfadunabhängige/pfadabhängige) und multivariante Optionen gegliedert, wobei die spezifischen Merkmale, Payoff-Strukturen und Herleitungen der Bewertungsformeln detailliert beschrieben werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Exotische Optionen, Pfadabhängigkeit, Underlyings, Turbo-Zertifikate, Bewertungsmodelle und Börsenhandel.
Was unterscheidet Turbo-Optionsscheine von klassischen Optionen?
Turbo-Optionsscheine verfügen über eine Knock-Out-Schwelle, bei deren Berührung der Schein wertlos verfällt, und sind zudem stärker auf eine volatilitätsneutrale Gestaltung durch den Emittenten ausgelegt.
Warum sind bei arithmetischen Durchschnittsoptionen spezielle Näherungsverfahren notwendig?
Da für arithmetische Durchschnitte keine analytische Lognormalverteilung existiert, müssen zur Bewertung Näherungsformeln oder zeitintensive Binomialmodelle verwendet werden.
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- Diplom-Kaufmann Maik Schönefeld (Author), 2007, Private Investments: Warrants und exotische Optionen auf Aktien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81045