Christentum und Islam - Gegensätze und Gemeinsamkeiten der Offenbarungsreligionen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
23 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines
2.1 Christentum
2.2 Islam

3. Die Problematik
3.1 Prophetie
3.1.1 Mohammed
3.1.2 Jesus Christus – ein Prophet?
3.2 Christologie
3.3 Offenbarung
3.4 Gottesverständnis

4. Der christlich- islamische Dialog
4.1 Gemeinsame Ansatzpunkte
4.2 Notwendigkeit des Dialogs
4.3 Dialog heute

5. Schlussbetrachtung/ Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit den beiden Universalreligionen Christentum und Islam auseinandersetzen, deren Verhältnis zueinander seit der Existenz des Islams eines vieler Gegensätze ist.

Durch die Unterschiede, aber auch die Berufung auf die gleichen Traditionen fällt es christlichen Theologen bis heute schwer, einen gemeinsamen Ansatz bzw. Konsens zu finden, der die monotheistischen Religionen verbindet und auf den weiter aufgebaut werden kann. Diese Basis, aus der man die tiefgreifenden Differenzen angemessen erfassen kann, ist bislang nur in den Anfängen existent.[1]

Blickt man zurück in die gemeinsame Geschichte der Religionen, so galt der Islam in der Alten Kirche und im Mittelalter als ‚Häresie‘, da die Unterschiedlichkeit des Islam im Gegensatz zum Christentum nicht wahrgenommen und die neue Lehre als Provokation gegen den christlichen Glauben verstanden wurde. Dieses Verständnis und auch das beibehaltene Bild vom Islam zur Zeit der Aufklärung konnten keine gemeinsame Basis für einen Dialog darstellen.[2]

Ich schließe mich der Meinung Leuzes an und glaube, man muss heute gemeinsamen Fragestellungen nachgehen und die entscheidenden Unterschiede feststellen, um einen sinnvollen Dialog führen zu können. Im Folgenden werde ich zunächst kurz allgemeine Informationen zu den Religionen geben, um dann die mit den Unterschieden einhergehende Problematik zu beleuchten und Gemeinsamkeiten herauszustellen, die Ansatz für ein Gespräch der beiden Religionen bieten. Im Kontext der Problematik werde ich mich mit dem islamischen Verständnis von Prophetie, Christologie, Offenbarung und dem Gottesverständnis sowie dem entgegengesetzten christlichen Verständnis auseinandersetzen, bevor ich auf die gemeinsamen Ansatzpunkte eingehe und die daraus resultierenden Konsequenzen für den christlich - islamischen Dialog erläutere. Im Anschluss daran folgt die Schlussbetrachtung.

2. Allgemeines

2.1 Das Christentum

Ihr werdet jubeln in unaussprechlicher und

herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures

Glaubens erlangt. (1. Petrusbrief 1, 8f.)

Das Christentum ist die Religion, die ihre Glaubenslehre, ihre Gottesverehrung und ihre Weltauffassung auf Jesus Christus zurückführt. Sie gründet sich auf das Evangelium, welches Jesus während seines öffentlichen Auftretens in Palästina verkündete und dem die von Jesus auserwählten Apostel folgten und das Wort Gottes als missionarische Aufgabe weiter verkündeten... Infolgedessen bezeichnet Brissaud das Christentum als „missionarische Religion“[3].

Die Urgemeinde schrieb im Laufe der Zeit das, was sie von Jesus gehört und gesehen hatte, nieder. Das Alte Testament, das im geschichtlichen Rückblick vielfach korrigiert und leicht verändert wurde, verkündet „eine zentrale Botschaft über die Natur Gottes“[4]: Gott ist dreifaltig d.h. er vereint sich in drei Personen: In Vater, Sohn und Heiligen Geist. Der dreifaltige Gott gilt nach christlichem Glauben als „Quelle und Beispiel der Liebe“[5] und sandte seinen Sohn aus Liebe auf die Erde, um in seinem Sinne zu wirken. Gott hat sich also in der Gestalt Jesu offenbart.

Nach seiner öffentlichen Tätigkeit ging Jesus nach Jerusalem zurück, wo er als „König der Juden“ (Mk 15, 26) nach dem Abendmahl am Kreuz hingerichtet wurde.

Mit der Kreuzigung hat Jesus die vorhandenen menschlichen Sünden getilgt und ist durch „das Eingreifen Gottes“[6] von den Toten auferstanden, wodurch die Heilsgeschichte des Christentums ihren Höhepunkt fand und die Kirche begründet wurde.[7] Jesus Christus ist also der verheißene Messias gewesen, der die Menschen erlöst hat und am Ende aller Tage,

am Tag des letzten Gerichts, als Richter die Guten von den Bösen scheiden wird.

2.2 Der Islam

Ohne Gottes Huld und Barmherzigkeit gegen

euch wäret ihr sicher unter den Verlierern.

( Sure 2, 64)

Der Islam (wörtlich: Hingabe an den einen Gott) ist die jüngste der großen Weltreligionen und beruft sich auf die Prophetie Mohammeds. Mohammed (auch: Muhammad) wurde um 570 n.Chr. in Mekka geboren, wo er als Waise aufwuchs, “nachdem seine Eltern Abdallah und Amina früh verstorben waren“[8], und starb am 8.Juni des Jahres 632[9].Im Jahr 610 trat er in Mekka als Prophet auf, um im Namen des alleinigen Gottes (Allah) die Botschaft des Korans zu verkünden. Koranischen Angaben zufolge erhielt Mohammed die Offenbarung Gottes in einer Nacht im Monat Ramadan, die ihm durch den Engel Gabriel, den er persönlich gesehen haben soll, vermittelt wurde. Später erhielt Mohammed nicht ausschließlich Visionen, sondern vielmehr Auditionen, die ihm die göttliche Botschaft diktierten.[10]

Während Gott sich nach christlichem Verständnis in Jesus Christus, offenbart hat, entspricht das Wort Gottes im Islam dem heiligen Buch, dem Koran.[11] Gott hat sich also im Koran offenbart. Der Islam kann also, genau so wie das Christentum, als Offenbarungsreligion verstanden werden.

Nicht unerwähnt sollte bleiben, „dass sich der Islam als umfassende Lebensordnung versteht und nicht zwischen religiösen und weltlichen Dingen unterscheidet.“[12] In dieser Hinsicht besitzt der Koran „einen deutlich appellativ- erzieherischen Charakter“[13]:

Deutlich wird dies am Bild der zwei Wege: Entweder nimmt man den beschwerlichen Weg und erlangt am Ende das Heil (rechter Weg durch Rechtleitung Gottes) oder man geht irre, indem man, durch Nicht- Befolgung der Weisungen Gottes, unheilvoll handelt.[14] Der Islam kann im Gegensatz zum Christentum, welches als Erlösungsreligion gilt, somit als Gesetzesreligion bezeichnet werden.[15]

Falaturi bezeichnet den Islam zudem als „Religion der Rahma, der Barmherzigkeit“[16]. Die Suren, in die der Koran gegliedert ist, beginnen alle mit dem Vers „Im Namen Allahs, des Erbarmers (ar-Rahman), des Barmherzigen (ar- Rahim)“[17], wodurch offensichtlich wird, dass die Barmherzigkeit Gottes in den Vordergrund gerückt wird, die sich unter anderem in der Lebendigkeit und im immerwährenden Wechsel der Natur bemerkbar macht.[18] Für die Muslime ist die Barmherzigkeit immer allgegenwärtig und laut Koran grenzenlos.[19]

Zudem darf nicht unbetont bleiben, dass der Islam eine streng monotheistische Religion ist, die sich auf Mohammeds „Bekenntnis zur Einzigkeit Gottes“[20] stützt, vor allem aber auf die Uroffenbarung, in der Gott kundtat, dass er der alleinige Herr sei, und von den Menschen Zeugnis verlangte.[21]

3. Die Problematik

3.1 Prophetie

3.1.1 Mohammed

Der Koran verkündet die Prophetie Mohammeds in mannigfachen Versen.[22] Auch in den Hadith - Sammlungen, den auf den Erfahrungen Mohammeds beruhenden Erzählungen aus seinem Leben, findet man Hinweise auf die Prophetie Mohammeds.[23] Es gab zwar schon viele Prediger vor ihm, jedoch keinen, der eine solch große Anhängerschaft verzeichnen konnte. Nach Mohammeds öffentlichem Auftreten und der Verkündigung vom Wort Gottes, das der Engel Gabriel ihm in einer Vision berichtete, wurde er recht schnell als Prophet anerkannt. Zu Anfang seiner Tätigkeiten glaubte Mohammed, „im Sinne der Christen und Juden“[24], die er anfänglich mit Wohlwollen betrachtete, zu reden, erfuhr dann aber später ihre Ablehnung. Obwohl es scheint, als habe sich Mohammed hinsichtlich seiner Botschaft und Geltung von früheren Propheten abgehoben, so stellt sich dies bei näherem Betrachten als Irrtum heraus:

[...]


[1] Vgl. Leuze, Reinhard: Christentum und Islam, 1994, S.19f.

[2] Vgl. ebd S.2ff.

[3] Brissaud, Alain: Islam und Christentum, 1993, S.41

[4] Ebd S.42

[5] Ebd S.42

[6] Gnilka, Joachim: Bibel und Koran, 2004, S.27

[7] Vgl. ebd, S.27

[8] Gnilka, Joachim: Bibel und Koran, 2004, S.23

[9] Vgl. ebd , S.22

[10] Vgl. Khoury, Adel Theodor: Der Islam und die westliche Welt, 2001, S.13f.

[11] Vgl. Leuze, Reinhard: Christentum und Islam, 1994, S.57

[12] Beyer, Renate: Interreligiöser Dialog- Schlagwort oder Chance?, 2000, S.53

[13] Zirker, Hans: Wegleitung Gottes oder Erlösung durch Christus?,1993, S.112

[14] Vgl. Zirker, Hans: Wegleitung Gottes oder Erlösung durch Christus?,1993,S.112f.

[15] Vgl. Gnilka, Joachim: Bibel und Koran,2004, S.182

[16] Falaturi, Abdoldjavad et al.: Universale Vaterschaft Gottes, 1987, S.67

[17] Ebd., S.69

[18] Ebd., S.72

[19] Vgl. ebd. S.70f.

[20] Gnilka, Joachim: Bibel und Koran,2004, S.72

[21] Drehsen, V. et al. (Hg.):Wörterbuch des Christentums,2001, S.527

[22] Vgl. Khoury, Adel Theodor: Der Islam und die westliche Welt, 2001, S.15

[23] Vgl. Gnilka, Joachim: Bibel und Koran, 2004, S.21

[24] Kuberski, Jürgen: Mohammed und das Christentum, 1987,S.65

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Christentum und Islam - Gegensätze und Gemeinsamkeiten der Offenbarungsreligionen
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Themen und Texte des interreligiösen Dialogs
Note
2,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V81094
ISBN (eBook)
9783638857895
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ich habe Fehler der Arbeit berichtigt.
Schlagworte
Christentum, Islam, Gegensätze, Gemeinsamkeiten, Offenbarungsreligionen, Themen, Texte, Dialogs
Arbeit zitieren
Nicole Anton (Autor), 2004, Christentum und Islam - Gegensätze und Gemeinsamkeiten der Offenbarungsreligionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81094

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