Unterhalten statt Überzeugen? Politische Kommunkation in den Medien


Seminararbeit, 2006

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 – Einleitung

2 – Medien in der Politik
2.1 Die Entwicklung der Medien in der Politik
2.2 Politische Funktion der Massenmedien heute
2.3 Politainment vs. Infotainment

3 – Politik in den Medien
3.1 Unterhalten statt Überzeugen?
3.2 Permanenter Wahlkampf
3.2.1 Interviews
3.2.2 Die Plenardebatte
3.2.3 Öffentliche Auftritte
3.3 Vorbild USA

4 – Fazit
4.1 Kritik
4.2 Aussichten

Literaturverzeichnis

1 – Einleitung

Politische Kommunikation im Allgemeinen und die Nutzung von Medien in der Politik im Speziellen beschäftigen heute unter anderem Politikwissenschaftler, Linguisten und Kommunikationsforscher.

Alle Bereiche der Gesellschaft sind einer stetigen Modifikation unterworfen. Natürlich hat sich auch das Berufsbild des Politikers im Zuge des gesellschaftlichen Wandels verändert und damit auch die politische Kommunikation. Besonders seit dem Wahlkampf im Jahr 2002, der zurecht als Medienwahlkampf bezeichnet wird, ist dieses Thema allseits präsent.

In dieser Hausarbeit sollen unterschiedliche Fragestellung dazu behandelt und, wenn möglich, geklärt werden. Warum und wie hat sich die politische Nutzung der Medien geändert? Was hat Politik mit Unterhaltung zu tun, wenn es eigentlich ihre Aufgabe ist, die Beziehungen vieler verschiedener Menschen untereinander zu regeln und deren Lebensumständen zu verbessern? Überzeugen Politiker heute noch alleine durch gute Argumente und wenn ja, warum sind dann so viele Menschen unzufrieden mit dem politischen System der Bundesrepublik? Um was handelt es sich bei der viel diskutierten Amerikanisierung ?

Zunächst soll auf die Entwicklung der Medien eingegangen werden, um einen Einblick in die heutigen Verhältnisse zu erlangen und zu verstehen, warum sie so sind. Im Anschluss daran soll skizziert werden, wie und wieso Politik in den Medien heute präsent ist und wie sich diese Anwesenheit auf das System auswirkt. Ein Vergleich mit den USA als Paradebeispiel für eine medialisierte Gesellschaft soll zu einem besseren Verständnis beitragen. Zuletzt wird es nötig sein, an den Ergebnissen der Untersuchung und den vorherrschenden Umständen Kritik zu üben und eine kurze Aussicht auf die weitere Entwicklung zu geben.

2 – Medien in der Politik

2.1 Die Entwicklung der Medien in der Politik

Medien sind komplexe, etablierte Vermittlungseinrichtungen, die Kommunikation organisieren und regulieren, sie nach unterschiedlichen Gesetzmäßigkeiten und Sinnvorgaben beeinflussen und permanenter Veränderung unterliegen, also entstehen, sich verändern und auch wieder verschwinden.[1]

Die Entwicklung der Medien ging mit der gesellschaftlichen Entwicklung einher. Jeder Zeit kann man ein bestimmtes Hauptmedium zuordnen, wobei diese einander zwar ersetzten, aber selten völlig verdrängten.

Man klassifiziert in Primär-, Sekundär-, Tertiär- und Quartärmedien[2], wobei diese sich von Menschenmedien über Druckmedien und elektronische Massenmedien zu den digitalen Medien entwickelten[3].

Die Primärmedien waren bis in das 15. Jahrhundert und auch nur in kleineren Gruppen, in denen direkte Kommunikation mittels Sprache ausreichte, von höchster Relevanz für die Informationsvermittlung.

Zeitungen wurden nach der Erfindung des Buchdruckes zunächst nur in geringen Auflagen gedruckt und erreichten im ausgehenden 18. Jahrhundert etwa drei Millionen Menschen[4]. Es existierten drei unterschiedliche Zeitungstypen: politische Zeitungen, Anzeigenblätter und Wochenzeitungen[5]. Erstere behandelten überwiegend militärisch-politische Themen aus dem Ausland, jedoch wurde dadurch der Regierung die „Aura der Mächtigen“[6] genommen und sie wurde für die Bürger greifbar. Zusätzlich gab es Flugblätter, welche vorwiegend der Propaganda dienten[7]. Sie wurden öffentlich und anonym verteilt, wodurch die Bürger die Möglichkeit der Meinungsäußerung erhielten[8]. Im Laufe des 19. Jahrhunderts erschienen immer mehr verschiedene Tageszeitungen und „das Medium erfuhr insgesamt eine ‚Politisierung’“[9]. Ende des Jahrhunderts erlebte der Journalismus eine Professionalisierung[10], was die weitere Entwicklung der Medien beschleunigte und vorantrieb.

Die im 20. Jahrhundert eingeführten Medien Radio und Fernsehen waren aufgrund ihrer, verglichen mit der Zeitung, großen Reichweite von Anfang an von zentraler Bedeutung für die Politik. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts wurden sie gleichgeschaltet und primär zu propagandistischen Zwecken eingesetzt. Auch die Anzahl der unterschiedlichen Zeitschriften stieg stark an, nur etwa 15% von ihnen hatten Freizeitthemen zum Inhalt.

Der „propagandistische Erfolg des Regimes war zu wesentlichen Teilen auf der ideologischen Funktionalisierung des neuen Leitmediums“[11], also dem Radio, aufgebaut. Ob dieser Erfolg mit einem anderen Medium überhaupt möglich gewesen wäre, ist fraglich. Der einzige Nutzen der Medien für das Nazi-Regime lag in der Inszenierung von Macht[12].

Mit dem Aufkommen des Fernsehens verlor das Radio an Präsenz, die Nutzung sank auf rund 20%[13]. In den 70er Jahren konnten die Radiosender wieder höhere Einschaltquoten verzeichnen, jedoch nicht aufgrund politischer Sendungen, sondern wegen des neu gesetzten Fokus auf Musik- und Regionalsendungen[14]. Heute ist das Radio nur noch ein so genanntes Begleitmedium, es wird statistisch gesehen jedoch mehr als das Fernsehen genutzt[15].

Dieses begann seinen „Siegeszug“[16] nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Das Format des Magazins, welches in den 50er Jahren aufkam, bewirkte eine erhebliche Politisierung[17]. Heute sind nach wie vor Fernsehen und Zeitung für das politische System von höchster Relevanz[18], auch das seit den 1970ern etablierte Medium Computer hat dem keinen Abbruch getan.

2.2 Politische Funktion der Massenmedien heute

Massenmedien sollen heute vor allem der Information und dem Verständnis dienen. Allerdings gleichen sie in der Realität eher einer Überzeugungsapparatur, welcher sich die Politiker bedienen. Ohne sie hätten keine Partei und kein Politiker noch eine Chance im Wahlkampf, da sie von der Öffentlichkeit durch politische Werbung in Form von Plakaten oder Flugblättern kaum noch Aufmerksamkeit erhalten würden. Ihr Einsatz ist gezwungenermaßen nötig, um eine Chance zu haben, auf die politische Willensbildung Einfluss nehmen zu können.

Wie einige Politiker versuchen, ihre potenzielle Wählerschaft von sich und ihrem Konzept zu überzeugen, gleicht manchmal sogar Propagandamethoden. Kritiker des so genannten Amerikanismus benutzen diesen Vergleich häufig als Hauptargument, da eine sachliches und ausschließlich auf Fakten gestütztes Hervortuen vor allem in den USA kaum noch zu finden ist.

2.3 Politainment vs. Infotainment

Die permanent kritisierte Amerikanisierung wird besonders durch Begriffe wie Politainment oder Infotainment greifbar. Doch um was handelt es sich dabei überhaupt?

Infotainment beinhaltet die Begriffe Information und Entertainment. Dazu zählen mehr oder weniger bildende und informierende Fernsehsendungen mit einem gewissen Unterhaltungswert, welcher zu einer anschaulichen Vermittlung der Informationsinhalte und vor allem zu höheren Einschaltquoten führen soll. Als aktuelles Beispiel wären hier Sendungen wie ‚ Galileo’ oder ‚ Wunderwelt Wissen’ zu nennen.

Nach dem gleichen Prinzip ist auch der Ausdruck Politainment gebildet[19]. Zusammengesetzt aus den Worten Politik und Entertainment bezeichnet er eine

[...]


[1] Faulstich, Werner: Mediengeschichte von 1700 bis ins 3. Jahrtausend. Göttingen: Vadenhoeck & Ruprecht 2006, S.8

[2] Vgl. Ebd.

[3] Vgl. Ebd., S.8/9

[4] Vgl. Ebd., S.21

[5] Vgl. Ebd.

[6] Ebd., S.22

[7] Vgl. Ebd., S.41

[8] Vgl. Ebd.

[9] Ebd., S.66

[10] Vgl. Ebd., S.68

[11] Ebd., S.117

[12] Vgl. Ebd., S.127

[13] Vgl. Ebd., S.118

[14] Vgl. Ebd.

[15] Vgl. Ebd., S.119

[16] Ebd., S.158

[17] Vgl. Ebd., S.159

[18] Vgl. Ebd., S.177

[19] Vgl. Nieland, Jörg-Uwe und Kamps, Klaus: Wo hört der Spaß auf? Einleitung: Politik und Unterhaltung. In: Nieland, Jörg-Uwe: Politikdarstellung und Unterhaltungskultur. Zum Wandel der politischen Kommunikation. Köln: Halem 2004, S.12

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Details

Titel
Unterhalten statt Überzeugen? Politische Kommunkation in den Medien
Hochschule
Universität Mannheim  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar: Analyse politischer Sprache
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V81107
ISBN (eBook)
9783638857956
ISBN (Buch)
9783638855570
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterhalten, Politische, Kommunkation, Medien, Proseminar, Analyse, Sprache
Arbeit zitieren
Alice Fleischmann (Autor), 2006, Unterhalten statt Überzeugen? Politische Kommunkation in den Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81107

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