Drogen in unserer Gesellschaft - Beschaffungskriminalität


Seminararbeit, 2002

24 Seiten, Note: 14


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

1. Einleitung

2. Beschaffungskriminalität als Teilbereich der Drogenkriminalität
2.1 Folgekriminalität
2.2 Differenzierung der Versorgungskriminalität

3. Ursachen der Beschaffungskriminalität

4. verschiedene Typen der Beschaffungskriminalität
4.1 direkte Beschaffungskriminalität
4.2 indirekte Beschaffungskriminalität

5. Probleme der Erkennbarkeit
5.1 Aussagekraft der Polizeilichen Kriminalstatistik
5.2 die „Gießener Studie“

6. wirtschaftlicher Schaden

7. Einfluss von Methadon-Programmen auf die Beschaffungskriminalität

Anhang
Übersicht 1
Übersicht 2
Erklärung

Vorwort

Um Missverständnisse zu vermeiden müssen zunächst einige Begrifflichkeiten erläutert werden:

- Wenn im folgenden von Kriminalität oder Straftaten die Rede ist, so sind nicht zwangsläufig Straftaten i.S.d. StGB gemeint. Es ist also nicht unbedingt von strafbewährtem Verhalten auszugehen, da sonst bedeutende Verhaltensweisen wie z.B. Prostitution oder Betteln ausgenommen werden müssten.[1]
- Drogen und Betäubungsmittel werden nicht weiter definiert. Ebenso sind Begriffe wie Junkie, Stoff, Drogenszene, etc. allgemein gebräuchliche Ausdrücke und werden somit als bekannt vorausgesetzt.
- Abhängigkeit und Sucht kann sich natürlich auch auf Alkohol, Nikotin, Glücksspiel, etc. beziehen. Soweit nicht näher darauf eingegangen wird beschränkt sich die Seminararbeit jedoch auf die Abhängigkeit von illegalen harten Drogen bzw. Betäubungsmittel.

1. Einleitung

In der Seminargruppe „Drogen in unserer Gesellschaft“ habe ich mich für das Thema „Beschaffungskriminalität“ entschieden.

Ich dachte, schon etwas mehr über dieses Thema zu wissen, da ich in einer therapeutischen Einrichtung für Drogenabhängige meinen Zivildienst versehen habe und auch im Anschluss daran noch in regelmäßigen Abständen als Nachtdienst dort tätig war. Mit mehreren hundert Abhängigen fast immer harter Drogen habe ich in dieser Zeit zusammengearbeitet. Somit kam es in verschiedenen Gesprächen auch schon mal dazu, dass mir sozusagen aus erster Hand erzählt wurde, was Beschaffungskriminalität eigentlich bedeutet und in wieweit der- oder diejenige sich persönlich auf diesem Gebiet „auskennt“.

In den letzten Wochen habe ich jedoch festgestellt, dass ich nur einen sehr kleinen Teil davon zu kennen scheine. Über Hintergründe, Zahlen, Meinungen, Ursachen der Beschaffungs-Kriminalität oder auch mögliche Wege, um sie zu verringern wusste ich fast gar nichts.

Die Suche nach derartigen Informationen war zudem schwieriger als ich dachte: selbst das Internet reagierte auf den Suchbegriff Beschaffungskriminalität regelrecht „allergisch“. Mir wurden zwar eine Vielzahl von Links zu Partei-Programmen, Zeitungsartikeln, etc angeboten. Diese verwiesen jedoch lediglich in 2-3 Sätzen auf die Beschaffungskriminalität und befassten sich dann wieder mit der Drogenproblematik als ganzem.

Durch doch noch gefundene, informative Bücher und durch sehr interessante Gespräche mit einigen Dozenten und auch Polizeibeamten aus Hagen stellten sich diese Schwierigkeiten jedoch sehr schnell nicht als Problem für meine Seminararbeit dar, sondern vielmehr als Problem der Beschaffungskriminalität an sich. Nämlich die Schwierigkeit, die Beschaffungskriminalität als solche überhaupt erst zu erfassen und aussagekräftige Zahlen und Informationen darüber zu geben.

Das, von dem die meisten Menschen glauben es zu kennen, es jedoch nur in kleinen Teilbereichen überhaupt wahrnehmen, möchte ich daher durch meine Seminar-Arbeit etwas deutlicher darstellen indem ich versuche, diese Bereiche zu durchleuchten.

2. Beschaffungskriminalität als Teilbereich der Drogenkriminalität

Dass Drogen in den letzten Jahren einen immer bedeutenderen Teil in unserer Gesellschaft eingenommen haben steht wohl außer Frage. Immer häufiger ist die Drogen-Problematik Gegenstand politischer Diskussionen, von Talk-Runden im Fernsehen bis hin zu Aufklärungs-Seminaren z.B. an Schulen. Die Kriminelle Dimension dieses Problembereichs nimmt dabei ebenfalls immer mehr zu. Die Beschaffungs-Kriminalität als solche stellt einen Teilbereich dieser Problematik dar.

Insgesamt lässt sich die Drogen-Kriminalität in folgendem Diagramm[2] differenzieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im folgenden werden kurz die Abgrenzungen der verschiedenen Teilbereiche erläutert.

2.1 Folge-Kriminalität:

Die Folge-Kriminalität beinhaltet derartige Delikte, die unter Einfluss von Rauschdrogen begangen werden. Alkohol spielt hierbei eine sehr große und die wohl bekannteste Rolle, z.B. im Straßenverkehr ( => § 315c StGB: „Gefährdung des Straßenverkehrs“). Zum anderen wird aber auch schon der Rauschzustand an sich unter Strafe gestellt, durch den der Täter eigentlich schuldunfähig wäre ( => § 323a StGB: „Vollrausch“ als Auffangtatbestand). Zumindest dann, wenn in diesem Zustand eine Straftat begangen wird.

2.2 Differenzierung der Versorgungs-Kriminalität:

Innerhalb der Versorgungskriminalität ist die Beschaffungskriminalität noch von der Verschaffungskriminalität zu unterscheiden. In den Bereich der Verschaffung fallen alle Delikte, die den unzulässigen Verkehr mit Rauschdrogen betreffen, z.B. Herstellung, Transport und Schmuggel von Drogen. Dies sind zumeist Delikte, die durch das Betäubungsmittel-Gesetz (BtmG) unter Strafe gestellt sind.

In den Bereich der Beschaffungskriminalität fallen dagegen solche Straftaten, die direkt oder auch indirekt zur Erlangung von Rauschmitteln dienen.

Die Antwort auf die Frage, warum es überhaupt zu Beschaffungskriminalität kommt sowie die verschiedenen Begehungs- und Erscheinungsformen sollen in den nächsten Punkten verdeutlicht werden.

3. Ursachen der Beschaffungskriminalität

Der Drogenkonsum führt den Abhängigen fast immer in eine soziale Verelendung. Zum einen treten mit der Zeit immer häufiger konsumbedingte Krankheitsbilder auf, die von körperlicher Schwäche bis hin zu Hepatitis- und HIV-Infektionen durch unsauberes oder von mehreren Personen benutztes Spritzbesteck reichen. Ebenso kann es durch “schlechten Stoff“, also durch Streckmittel oder andere Verunreinigungen zu körperlichen Schäden kommen. Zum anderen muss der Konsument nach und nach die Dosis der verabreichten Drogen erhöhen, wenn der Körper sich an die alte Menge gewöhnt hat und es dadurch nicht mehr zu dem erwünschten Rauschzustand (genannt „kick“) kommt. Auch hierzu kann ein geringer Reinheitsgrad (tatsächlicher Anteil z.B. von Heroin pro Gramm des letztendlich verkauften Stoffes) des Rauschmittels beitragen. Durch den vermehrten Konsum ist der Abhängige natürlich gezwungen immer höhere Geldbeträge aufzubringen, welche die meisten irgendwann nicht mehr durch ihr Erspartes o.ä. decken können. So führt der Langzeitkonsum neben den psychischen, sozialen und gesundheitlichen Folgen also unweigerlich zur Beschaffungskriminalität.

Darüber, wieviel Geld ein Drogenabhängiger denn nun wirklich benötigt, um seine Sucht zu befriedigen gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. So gehen einige zum Teil sogar von Beträgen bis zu 500,- Euro pro Tag aus. Ausschlaggebend für eine solche Schätzung ist jedoch z.B., dass meist nur an die „guten Tage“ gedacht wird. Zeiten der Drogen- oder Geldknappheit, in denen der Abhängige also kaum Gelegenheit zum Konsum hat werden dementsprechend kaum berücksichtigt. Der tägliche Bedarf lässt sich somit schon auf 100,- bis 150,- Euro reduzieren. Dabei sind allerdings Tage außer Acht gelassen, an denen der Süchtige aus verschiedenen Gründen (z.B. Entzugs- oder Haftzeiten) gar nicht konsumiert bzw. konsumieren kann. Bezieht man diese Zeiten mit ein und geht somit von der gesamten Drogenkarriere aus, so kommt man sogar auf einen Betrag von nicht mehr als 75,- Euro pro Tag.[3] Zu Beginn der meisten Drogenkarrieren spielen Beschaffungsdelikte aber noch keine große Rolle, da der Abhängige hier oftmals noch über genügend Geldmittel verfügt und somit nicht gezwungen ist, seine Sucht auf illegale Art und Weise zu finanzieren. Aus diesem Grund soll im folgenden der Betrag von 125,- Euro als Maßstab dienen.

4. verschiedene Typen der Beschaffungskriminalität

Die Beschaffungskriminalität lässt sich in zwei verschiedene Typen unterteilen (s.o.):

4.1 die unmittelbare (direkte) Beschaffungskriminalität

4.2 die mittelbare (indirekte) Beschaffungskriminalität.

zu 4.1

In den Bereich der unmittelbaren Beschaffungskriminalität fallen Delikte, durch die der Abhängige direkt an die illegalen Substanzen selber gelangt bzw. sich zu ihnen Zutritt verschafft. Solche können sein: Apotheken-Einbrüche, Einbrüche in Krankenhäuser oder beim Arzneimittel-Hersteller, Rezept-Diebstahl, Urkunden-Fälschung, etc.

Im Gegensatz zu früher haben derartige Delikte heute allerdings keine sehr große Bedeutung mehr. In Hagen wurden 1996 z.B. nur 7 Fälle bekannt, davon konnte gegen 5 Tatverdächtige ermittelt werden.[4]

Vielmehr hat heute das Verkaufen und auch das Vermitteln von Drogen an Dritte einen höheren Stellenwert innerhalb der direkten Beschaffungskriminalität erlangt. Zumindest insoweit wie sich der Verkäufer erhofft, von dem Verkaufserlös seinen eigenen Konsum finanzieren zu können. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Kleinsthändler auf der untersten Ebene des Drogenhandels, also auf der öffentlichen Szene oder im Bekanntenkreis.

Durch solche Delikte ist - wenigstens für kurze Zeit - die Verfügbarkeit der Drogen sichergestellt und die Gefahr der strafrechtlichen Verfolgung ist sehr gering. Zudem ist man als Dealer in der Szene durchaus angesehen, was diese Art der Geld- und Drogenbeschaffung recht beliebt macht.[5] Es geht aber auch bis zum Dealer, der größere Mengen Drogen aus Nachbarländern (bevorzugt aus den Niederlanden) in die Bundesrepublik schmuggelt, allerdings auf Bestellung vieler einzelner, kleiner Mengen. Diese Dealer sind zumeist auch Drogenkonsumenten (wenn auch nicht immer harter Drogen) und somit stellt dieser Schmuggel ein unmittelbares Beschaffungsdelikt dar.[6]

[...]


[1] Vgl. Kreuzer / Römer-Klees / Schneider: Beschaffungskriminalität Drogenabhängiger, BKA-Forschungsreihe

Band 24, S. 8

[2] Göppinger: Kriminologie 5. Auflage (München, 1997), S. 588

[3] Vgl. Elmar Erhardt / Heinz Leineweber: Drogen und Kriminalität, BKA-Forschungsreihe Sonderband (1993),

S.45

[4] Schilderung von Herrn Schütte vom K Vorbeugung des PP Hagen

[5] Vgl. Kreuzer / Römer-Klees / Schneider: a.a.O., S. 239 ff

[6] Vorsicht: Hier besteht nur eine sehr schmale Abgrenzung zur Verschaffungskriminalität. Verschaffungsdelikte

werden jedoch kaum von Abhängigen begangen; dieses nicht zuletzt durch die hohen Drogen-Preise sehr

lukrative Geschäft macht sich fast ausschließlich die organisierte Kriminalität zu nutze.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Drogen in unserer Gesellschaft - Beschaffungskriminalität
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Hagen  (Soziologie)
Note
14
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V8115
ISBN (eBook)
9783638151832
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Fach Soziologie - Gruppen trifft es am ehesten. Unsere Seminargruppe setzte sich jedoch aus Studenten der verschiedensten Fachbereiche zusammen: Polizeivollzugsdienst, kommunale verwaltung, ... Aufgrund der Vielzahl der Unterthemen lässt sich die Arbeit jedoch nicht einem einzelnen bestimmten Fach unterordnen. 184 KB
Schlagworte
Drogen, Beschaffungskriminalität
Arbeit zitieren
Pascal Schulte (Autor), 2002, Drogen in unserer Gesellschaft - Beschaffungskriminalität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8115

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