Entwicklungsland Tansania


Diplomarbeit, 2006

36 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklungsländer
2.1 Allgemeines
2.2 Entwicklungstheorien

3. Tansania
3.1 Geographie
3.2 Bevölkerung
3.3 Infrastruktur
3.4 Wirtschaft
3.5 Innen- und Außenpolitik
3.6 Kultur und Bildung
3.7 Probleme des Landes
3.8 Ressourcen

4. Entwicklungshilfe und -politik
4.1 Begriffsbestimmungen
4.2 Das Aktionsprogramm 2015 der Bundesregierung
4.3 Der G8-Afrika-Aktionsplan
4.4 Aktuelle Schwerpunkte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Tansania

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Entwicklungsland Tansania und zwar schwerpunktmäßig mit der deutschen Entwicklungshilfe und –politik, die dort angeboten wird. Eingangs werden allgemeine Informationen zu Entwicklungsländern gegeben und Kriterien vorgestellt, an denen eine Unterscheidung in Erste, Zweite und Dritte Welt vorgenommen wird. Passend dazu gibt es so genannte Entwicklungstheorien, die theoretisch fundiert zu erklären versuchen, wie es in einem Land zu Unterentwicklung kommen kann. Punkt 3 beschäftigt sich mit dem Land Tansania und stellt die geographische, infrastrukturelle, wirtschaftliche und politische Situation des Landes vor. Auch die Probleme des Landes und die Ressourcen werden benannt.

Der Schwerpunkt beschäftigt sich mit der Entwicklungshilfe von deutscher Seite aus. Zunächst werden hier die Begriffe Entwicklungshilfe und –politik definiert. Dann werden das Aktionsprogramm 2015 und der G8-Afrika-Aktionsplan näher vorgestellt. Diese beiden Konzepte bilden den Grundstein für die deutsche Entwicklungspolitik. Die hier festgelegten allgemeinen Ziele lassen sich auch in den aktuellen Schwerpunkten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit wieder finden. Es gibt bereits eine Menge von Projekten in Tansania. Diese werden kurz vorgestellt und erläutert. Abschließend werden diese Entwicklungsmaßnahmen mit den Problemen des Landes und den bisherigen Veränderungen laut Jahresberichten der Weltbank in Zusammenhang gebracht und auf ihre Wirksamkeit hin beurteilt.

2. Entwicklungsländer

Zunächst soll zum besseren Verständnis ein Überblick geschaffen werden, was unter einem Entwicklungsland zu verstehen ist, oder welche Kriterien herangezogen werden, wenn beurteilt wird, ab wann ein Land als solches gilt. Entwicklungsländer werden im Volksmund grob in die Erste (westliche Industriestaaten), die Zweite (Staatshandelsländer) und die Dritte Welt (Entwicklungsländer) eingeteilt. Diese Kategorisierung ist zu grob und nicht ausreichend. Anschließend werden vorherrschende Entwicklungstheorien aufgezeigt, die die Entstehung von Unterentwicklung theoretisch begründen.

2.1 Allgemeines

Der Begriff der Entwicklungsländer entstand in den 50er Jahren, vorher sprach man von den so genannten unterentwickelten Ländern. Da diese Bezeichnung als diskriminierend empfunden wurde, entstand eben dieser neue Begriff. Die Weltbank unterscheidet vier Typen, denen sich alle Länder der Welt zuordnen lassen. Beurteilt wird nach der Höhe des Pro-Kopf-Einkommens (BSP / Kopf): Länder mit niedrigem Einkommen, Schwellenländer, Länder mit mittlerem Einkommen und Länder mit hohem Einkommen (siehe auch Abbildung 1 im Anhang).

Bratzel und Müller wählten 1979 eine andere Unterscheidung. Für sie waren die Länder der Welt aufzuteilen in 5 Kategorien: am niedrigsten entwickelte Länder, Entwicklungsländer mit günstigen Voraussetzungen, Schwellenländer, reichere Länder und höchstentwickelte Länder.

Entwicklungsländer lassen sich anhand vieler Merkmale erkennen. Besonders problematisch ist es, wenn die soziale Entwicklung nicht mit der wirtschaftlichen mithalten kann, was in den meisten Fällen zutrifft. Als Entwicklungsländer bezeichnet man also jene Länder, die eine Unterentwicklung in bestimmten Bereichen aufweisen. Entwicklung wird hierbei als Prozess verstanden, der einen Ausweg aus politischer, sozialer und wirtschaftlicher Unterdrückung bietet. An dieser Stelle sollen nur einige Bereiche, in denen Unterentwicklung vorkommen kann, genannt werden:

- Rasches Bevölkerungswachstum à Verjüngung der Bevölkerung
- Unter- und Fehlernährung
- Unzureichende medizinische Versorgung
- Hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit
- Geringere Lebenserwartung
- Schlechtes Bildungswesen
- Analphabetismus
- Mangel an qualifizierten Arbeitskräften
- Hohe Arbeitslosigkeit
- Wenig Produktivität
- Niedriges Pro-Kopf-Einkommen
- Wenig Industrialisierung, einseitige Produktionsstruktur
- Ausfuhr von Rohstoffen (Export) ist gering, wichtige Investitionsgüter müssen importiert werden
- Hohe Auslandsverschuldung
- Schlechte Infrastruktur
- Unkontrollierte Verstädterung à Bildung von Elendssiedlungen
- Politische Instabilität

Diese Merkmale sind in allen Entwicklungsländern vorhanden, müssen aber nicht alle negativ sein, sondern können von Land zu Land unterschiedlich ausfallen.[1]

Weiterhin ist interessant, dass die Dritte-Welt-Bevölkerung einen Großteil der Gesamtbevölkerung darstellt. Nach der Welt-Einkommens-Pyramide von 1987 lebt nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung in unterentwickelten Ländern (siehe auch Abbildung 2 im Anhang).[2]

Zusammenfassend kann man folgendes Zitat einfügen, das sich an einer Definition des Begriffes Entwicklungsland versucht: „’Entwicklungsland’ […] ist eine in vielen Bereichen rückständige Region.“(zitiert nach Kreuer, W. In: Eckart, K. (1984): S. 11).

Im nächsten Punkt soll die Ursache von Unterentwicklungen theoretisch fundiert begründet werden. Hierzu gibt es verschiedene Entwicklungs-theorien.

2.2 Entwicklungstheorien

Die theoretischen Ansätze müssen mit Sicherheit kritisch und nicht ungefiltert betrachtet werden. Eine Bewertung der Theorien wird in dieser Arbeit nicht vorgenommen. Es gibt ökonomische und nicht-ökonimische Entwicklungstheorien (siehe auch Abbildung 3 im Anhang). Sozialpsychologische Theorien, Klima- und Modernisierungstheorie gehören zu den nicht-ökonomischen Theorien. Bevölkerungs-, Außenhandels-, Dualismus- und Abhängigkeitstheorie, sowie der Teufelskreis der Armut sind den ökonomischen Theorien zugeordnet.

Die Modernisierungstheorie nutzt die Industrieländer als Maß der Dinge. Dementsprechend gilt alles, was von diesem Bild abweicht als fehl- oder unterentwickelt. Dritte-Welt-Länder sollen sich möglichst in Richtung der modernen Industrieländer entwickeln. Das bedeutet einen Anstieg der Produktivität, die Hebung des Lebensstandards, wirtschaftliche und soziale Gleichstellung, Verbesserung von Institutionen und Verhaltensweisen, nationale Unabhängigkeit usw. Innerhalb dieser Theorie gibt es verschiedene Ansätze nach Parsons, Almond, Huntington u. a., auf die hier nicht weiter eingegangen wird.

Die Klimatheorie besagt, dass das Klima Einfluss auf die menschliche Leistung hat. Diese These wurde von Montesqieu im Jahre 1748 aufgeworfen und von Huntinton weiterentwickelt. Je weiter sich die Menschen vom Äquator entfernen, desto mehr müssen sie sich der kälter werdenden Umwelt anpassen, um zu überleben. Das erfordert mehr Leistungsfähigkeit und wirkt Unterentwicklung entgegen. Heute wird diese Theorie so nicht mehr vertreten. Das Klima hat zwar Einfluss auf die Fruchtbarkeit des Bodens und auf Anbau und Lagerung von Pflanzen, Getreide, etc., aber nicht auf die Leistungsfähigkeit der Menschen. Umweltprobleme sind noch heute ein aktuelles Problem in den Entwicklungsländern.

Sozialpsychologische Theorien nach McClelland gehen davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen Leistungsmotivation und Wirtschaftsentwicklung besteht. Fehlende Motivation führt somit zu Unterentwicklung. Auch diese Theorie wurde abgeändert. Hagen stellt einen Zusammenhang her zwischen dem Wirtschaftswachstum und schöpferischen Persönlichkeiten. Seiner Meinung nach werden die Kinder in einigen Ländern durch traditionelle Methoden zu nicht-schöpferischen Persönlichkeiten erzogen. Daraus ergibt sich die fehlende Leistungsmotivation, und es kommt zur Unterentwicklung.

Bevölkerungstheorien sehen einen Zusammenhang zwischen der Bevölkerungszahl, der Wirtschaftsentwicklung und der Nahrungs-mittelproduktion. Diese Theorie wurde durch Erfahrungen vielfach widerlegt und kritisiert, bleibt deshalb in dieser Arbeit außen vor.

Die Dualismustheorien besagen, dass in einer Gesellschaft verschiedene Wirtschaftssektoren (unabhängig voneinander) existieren. Somit entstehen mehrere Ansätze: sozialer Dualismus (westlich geprägtes Sozialsystem trifft auf ein traditionelles System à Spannungen), ökonomischer Dualismus (traditioneller Wirtschaftssektor existiert neben einem modernen Sektor), technologischer Dualismus (ähnlich wie ökonomischer Dualismus), und regionaler Dualismus (Zweiteilung des Landes in eine entwickelte und eine zurückgebliebene Region à geringe Austauschbeziehungen).

Der Teufelskreis der Armut meint einen Regelkreis, wobei sich ein Faktor in der Kette negativ auf den anderen auswirkt. Somit entsteht eine Kettenreaktion, die auf alle Faktoren in der Kette übergreift, bis der Kreis geschlossen ist. Am Beispiel bedeutet das: Kapitalknappheit à niedrige Arbeitsproduktivität à niedrige Einkommen à Verringerung der Sparfähigkeit à geringere Kapitalbildung à Kreislauf beginnt von vorne. Dieser Kreis ist nur schwer zu durchbrechen und benötigt Hilfe von außen.

Außenhandelstheorien suchen die Ursachen für Unterentwicklung nicht im Land selber, sondern in der dominierenden Wirtschaft der Industrieländer.

Abhängigkeitstheorien gehen davon aus – ähnlich wie bei den Außenhandelstheorien - dass die Entwicklungsländer von den Industrieländern abhängig sind (kulturell, politisch, usw.).[3]

3. Tansania

In diesem Kapitel wird die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Situation Tansanias vorgestellt. Die angegebenen Zahlen sind hierbei als Richtwerte zu verstehen, da diese bei verschiedenen Autoren geringfügig variieren. Am Ende werden die Probleme und Ressourcen, die das Land kennzeichnen, benannt. Auf diesen Ausführungen wird das vierte Kapitel aufbauen, in dem es um die entwicklungspolitischen Maßnahmen Deutschlands und ihre Wirksamkeit gehen soll.

3.1 Geographie

Tansania ist ein Staat in Ostafrika südlich der Sahara mit einer Fläche von 945.087 km². Er grenzt an den Indischen Ozean, sowie an acht weitere Länder (darunter Kenia und Uganda, die von besonderer Bedeutung für Tansania sind. Dazu später mehr). Zugehörig zum Staat sind drei vorgelagerte Inseln (auch Sansibar genannt), die weitestgehend unabhängig von Tansania sind. Das Land grenzt an drei der größten Seen, beherbergt den berühmtesten Nationalpark und den höchsten Berg (Kilimanjaro mit 5.895 Metern Höhe) Afrikas. An der Küste herrscht ein heißes aber feuchtes, tropisches Klima. Im Norden, Süden und Westen ist es eher gemäßigt und trocken.[4]

3.2 Bevölkerung

Die letzte Volkszählung im Jahre 2002 hat ergeben, dass derzeitig etwa 34,5 Mio. Menschen in Tansania lebten. Diese Zahlen wachsen jedes Jahr stetig an. Im Jahre 2002 ging man von einem Bevölkerungswachstum von 2,9 % (jährlich) aus. 2003 waren 44 % der Bevölkerung unter 14 Jahre alt. Aufgrund der hohen Armutsrate und schweren Krankheiten wie HIV/ Aids und Malaria herrscht eine hohe Sterblichkeitsrate. Betroffen sind besonders Kinder und Frauen. In Tansania treffen viele Ethnien und verschiedene Bevölkerungsgruppen aufeinander. 90 % der Menschen sprechen die Bantu-Sprache, Englisch ist noch nicht so verbreitet, aber weiter auf dem Vormarsch. Die beiden Hauptreligionen sind mit ca. 39 % das Christentum (Katholiken und Protestanten) und mit etwa 35 % die Muslime. 26 % gehören dem Animismus und anderen Religionen an. Teilweise sind diese sehr traditionell und pflegen den Glauben an alte Götter und Geister.[5]

3.3 Infrastruktur

Die Erschließung des Landes wird von Ost nach West zunehmend schlechter. Außerhalb von Städten gibt es häufig keinen Anschluss an Wasserleitungen oder öffentliche Stromnetze. Telefon- und Mobilfunkanschluss, sowie Internetzugang sind eher die Ausnahme. Es gibt nur wenig Eisenbahnverbindungen und außerhalb der Städte keine geteerten Straßen. In der Regenzeit sind sowohl Schienen als auch Straßen überschwemmt und nicht passierbar. Es gibt zwei internationale Flughäfen, und die Wirtschaftsschwerpunkte liegen im Osten an der Küste.[6]

3.4 Wirtschaft

Tansania gehört zu den 30 ärmsten Ländern der Welt. Die meisten Einnahmen werden aus der Landwirtschaft gewonnen. Private Einkommen werden aufgrund der hohen Preise hauptsächlich für Lebensmittel gebraucht. 2001 wurde dem Staat ein Schuldenerlass gewährt, da die Verschuldung ein nicht mehr ausgleichbares Ausmaß angenommen hatte. Ein bekannter Exportartikel ist der Viktoriabarsch, der mit Hilfe von Förderungsmitteln der EU an Europa, Japan und Russland verkauft wird. Weitere Ressourcen stellen Bergbau und Tourismus dar, die in den letzen Jahren an Bedeutung gewonnen haben.[7]

3.5 Innen- und Außenpolitik

Tansania ist eine Präsidialrepublik, in der alle fünf Jahre ein Staatspräsident gewählt wird. Es gibt einen Vizepräsidenten und Oppositionsparteien. Sansibar hat ein eigenes Parlament, eine eigene Regierung und einen eigenen Präsidenten und ist damit weitestgehend unabhängig von Tansania.[8] Das Bruttosozialprodukt betrug im Jahre 2003 10,2 Mrd. Dollar (ca. 8,4 Mrd. Euro), das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag im gleichen Jahr bei 290 Dollar (ca. 239 Euro). Das geht aus Informationen der Weltbank hervor.

Seit den eingesetzten Reformen von 1986 findet eine Liberalisierung statt. Preiskontrollen wurden abgeschafft, der Handel wurde von staatlichen Einschränkungen befreit. Es gibt ein breiteres Waren- und Dienstleistungsangebot und die Wechselkurse wurden freigegeben. Auf der anderen Seite hat der Staat hohe Handelsdefizite auszuhalten und es mangelt an Ausgabendisziplin (steigende Verschuldung und Korruption). Diese Entwicklung kann zu hohen Inflationsraten führen. Mit den Reformen gingen eine Steigerung der Arbeitslosigkeit, der Abbau von Sozialsystemen und die Aushöhlung des Arbeitnehmerschutzes einher. Bis heute ist Tansania eines der ärmsten Länder der Welt.[9] Außenpolitisch gesehen besteht eine gute Zusammenarbeit mit regionalen Staaten, Geberländern und –institutionen (Weltbank und Internationaler Währungsfond IWF). Mit Uganda und Kenia werden gemeinsame Organe und eine Zollunion angestrebt (Ostafrikanische Union – EAC). Zu den Geberländern zählen vor allem Groß Britannien, Skandinavien, Japan, Niederlande und Deutschland. Tansania hat viele Flüchtlinge aus Burundi, Ruanda und Kongo wegen der dort herrschenden Konflikte aufgenommen. Diese leben teilweise noch immer dort in Flüchtlingslagern. Der Staat ist Mitglied in regionalen Organisationen wie der Afrikanischen Union (AU) und der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC). Mit Hilfe der AU sollen innerafrikanische Konflikte gelöst werden. Mit der SADC ist Tansania an der institutionellen Zusammenarbeit mit der EU beteiligt.[10]

3.6 Kultur und Bildung

Die kulturelle Struktur ist – im Gegensatz zu Sansibar – in Tansania nicht sehr gut ausgeprägt. Hohe Wertschätzung kommt hingegen afrikanischen Musik- und Tanzgruppen entgegen. Das Radio ist momentan und zukünftig das bestimmende Informations- und Kulturmedium landesweit. In den Städten ist das kommerzielle Fernsehen auf dem Vormarsch.

Die Bildungspolitik hat sich seit Tansanias Unabhängigkeit stark verbessert. In den 80er Jahren gab es die höchste Alphabetisierungsquote in Afrika. Es entstanden siebenjährige Primärschulen landesweit und die Universitäten genossen einen guten Ruf. Die Schulpflicht wurde weitestgehend eingehalten. Diese positiven Entwicklungen gingen jedoch schnell zurück. Finanzielle Engpässe, Bevölkerungszuwachs, steigende Schülerzahlen und allgemein die Vernachlässigung des Bildungssektors waren für eine extreme Verschlechterung der Situation verantwortlich. Tansania benötigt im Bildungssektor Unterstützung von seinen Gebern und staatliche Förderprogramme, die auf die Erhöhung der Einschulungsrate und die Effizienzsteigerung von Primär- und Sekundärstufe abzielen.[11]

3.7 Probleme des Landes

Die staatliche Verwaltung ist zu schwach und gibt regulative und administrative Aufgaben zu sehr an Nicht-Regierungsorganisationen ab. Korruption ist ein sehr ausgeprägtes Thema in Tansania. Ordnungspolitische Regelungen fördern Marktkräfte und Privatinitiativen nur ungenügend. Aus Mangel an personellen Kapazitäten konnte die Dezentralisierung und die Stärkung der Bezirksverwaltungen bisher nur wenig durchgesetzt werden. Tansania hat Einnahmen vom Bruttoinlandsprodukt in Höhe von etwa 12 %, davon gehen Ausgaben ab in Höhe von 19 %. Somit ist der Staat nicht ausreichend versorgt und von den Geberländern abhängig. Eine mangelhafte Infrastruktur verringert die Wettbewerbsfähigkeit und stellt einen hohen Kostenfaktor für die Wirtschaft dar. In allen Wirtschaftszweigen ist die Produktivität zu niedrig und die Investitionsquote zu gering. Es fehlt die Erkenntnis, dass die Armen selbst ein wichtiger Faktor für die Wirtschaft sind. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die Menschen veranlassen, ihr eigenes Kapital zu investieren, um dann Arbeitsplätze und Einkommen zu schaffen. Die hohe Abhängigkeit von der Landwirtschaft unterliegt zum Teil stark schwankenden Weltmarktpreisen. Während produktive Sektoren zu stark vernachlässigt werden, gibt es kaum neue Förderansätze. Die Auslandsschulden sind mit 2,5 Mrd. Euro zu hoch und steigen weiter an, weil es immer wieder Kreditaufnahmen für Finanzierungen und Investitionen gibt (laufende Kosten, Infrastruktur, usw.). Die Bevölkerung wächst sehr viel schneller als die Wirtschaft, so dass sich der Lebensstandard weiter verschlechtern wird. Viele Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sind zwar vorhanden, können aber aufgrund von Personal- und Haushalts-mittelmangel nur unzulängliche Dienstleistungen erbringen. Nur die Hälfte der Bevölkerung hat Zugang zu sauberem Trinkwasser. HIV- und Aids-Erkrankungen sind stark verbreitet und nehmen weiter zu. 1,5 Mio. Tansanier zwischen 15 und 49 Jahren sind infiziert (4,41 % der Bevölkerung). Steigende Zahlen von Todesfällen haben wirtschaftliche und soziale Auswirkungen auf das Land. Natürliche Ressourcen (Wald, Boden, Tiere und Wasser) sind durch Übernutzung und unangepasste Nutzungsmethoden gefährdet. Das Bevölkerungswachstum ist die Hauptursache dafür. Frauen sind wirtschaftlich und sozial noch immer benachteiligt. Ihre politische Beteiligung ist begrenzt, sie haben wenig Zugang zu Bildungseinrichtungen, bekommen für ihre Arbeit in der Produktion nur 10 % des Einkommens und haben nur begrenzte Erb- und Eigentumsrechte. Häufig wird noch das traditionelle Ritual der Beschneidung bei jungen Mädchen vorgenommen.[12]

[...]


[1] vgl.: Fraedrich, W. u. a. (1999): S. 120 ff.

[2] vgl.: Storkebaum, Dr. W. (1996) S. 6 ff.

[3] vgl.: Knall, B. / Wagner, N. (1986): S. 32 ff.

[4] vgl.: Internet. In: de.wikipedia.org/wiki/Tansania

[5] ebd.

[6] ebd.

[7] ebd.

[8] ebd.

[9] vgl.: Internet. In: www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ ausgabe_html?type_id=10&land_id=168

[10] vgl.: Internet. In: www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ ausgabe_html?type_id=11&land_id=168

[11] vgl.: Internet. In: www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ ausgabe_html?type_id=13&land_id=168

[12] vgl.: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2003): S. 1 f.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Entwicklungsland Tansania
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Note
2,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
36
Katalognummer
V81177
ISBN (eBook)
9783638839662
ISBN (Buch)
9783638840583
Dateigröße
736 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklungsland, Tansania
Arbeit zitieren
Christin Remmers (Autor), 2006, Entwicklungsland Tansania, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81177

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