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Eichmann in Jerusalem - Ein Bericht von der Banalität des Bösen

Thesen und Kontroverse (1963-1966)

Title: Eichmann in Jerusalem - Ein Bericht von der Banalität des Bösen

Term Paper , 2005 , 19 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Philipp Goldner (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Die aus Niedersachsen stammende Jüdin Hannah Arendt, die 1941 in die USA emigriert war und sich schon lange vor dem Zeitpunkt der Entführung Eichmanns einen Namen gemacht hatte, sah im bevorstehenden Prozess gegen Eichmann ihre letzte Chance „diese Leute“ leibhaftig zu sehen.
Sie bot sich der Wochenzeitschrift „The New Yorker“ als Prozessbeobachterin an und erhielt prompt die Zusage vom damaligen Herausgeber William Shawn, der „glücklich war, eine so berühmte und gut informierte Korrespondentin zu haben“.
Daraufhin musste Hannah Arendt diverse, bereits vereinbarte Lehraufträge absagen. Die Absage eines Vortrags am Vasser College begründete sie folgendermaßen: „An diesem Prozeß teilzunehmen ist irgendwie, so meine ich, die Verpflichtung, die ich meiner Vergangenheit gegenüber habe.“3 In einem Brief an ihren mittlerweile zum Freund gewordenen ehemaligen Professor Jasper, bei dem sie bereits 1928, im Alter von 22 Jahren, promoviert hatte, führte Arendt weiter aus: „(…) ich würde es mir nie verziehen haben, nicht zu fahren und mir dies Unheil in seiner ganzen unheimlichen Nichtigkeit in der Realität, ohne die Zwischenschaltung des gedruckten Wortes, zu besehen. Vergessen Sie nicht, wie früh ich aus Deutschland weg bin und wie wenig ich im Grunde von der Sache direkt mitgekriegt habe.“
In diesen Essays stellt Hannah Arendt tabubrechende Thesen auf, die über den „Fall Eichmann“ hinausgehen und auf eine erbitterte Kontroverse stießen.
Auf den folgenden Seiten werde ich zunächst versuchen, diese Thesen darzustellen und anschließend die unmittelbar nach der Veröffentlichung der Essays geführte Kontroverse nachzuskizzieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Adolf Eichmann, Hannah Arendt und der Prozess

II. Hannah Arendts Thesen

1. Das Eichmann - Portrait

1.1 Der Bürokrat

1.2 Recht und Unrecht

1.3 „Die Banalität des Bösen“

2. Die Judenräte

III. Kontroverse von 1963 bis 1966

1. Hauptkritikpunkte

1.1 Kritik an Arendts Darstellung der Judenräte

1.2 Kritik an Arendts Eichmann-Portrait

1.3 Kritik an Arendts Kommentaren über die Prozessführung

2. Sonstige Kritik an Hannah Arendts Prozessbericht

VI. Eichmann in Jerusalem und die Folgen

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit Hannah Arendts Werk „Eichmann in Jerusalem“ und analysiert sowohl die zentralen Thesen der Autorin zur „Banalität des Bösen“ als auch die erbitterte öffentliche Kontroverse, die das Buch zwischen 1963 und 1966 auslöste.

  • Analyse des Eichmann-Portraits als bürokratischer Vollstrecker.
  • Untersuchung der These der „Banalität des Bösen“ und der Gedankenlosigkeit.
  • Reflektion über Arendts kritische Sicht auf die Rolle der Judenräte.
  • Darstellung der Hauptkritikpunkte aus zeitgenössischen Debatten.
  • Einordnung der gesellschaftlichen und politischen Folgen der Kontroverse.

Auszug aus dem Buch

1.3 „Die Banalität des Bösen“

Für Hannah Arendt ist der „Verwaltungsmassenmörder“ Eichmann nicht auf „grausige Art und Weise dem Bösen verfallen“ sondern - wie oben beschrieben - schlicht und ergreifend nicht in der Lage, Recht und Unrecht zu unterscheiden.

Daraus folgt, dass Arendt mit der Staatsanwaltschaft, die Eichmann als „`perversen Sadisten´, (…) das größte Ungeheuer, das die Welt je gesehen hat“ zeichnet, in keinster Weise übereinstimmt. Für sie ist das eigentlich „beunruhigende an der Person Eichmann“, dass er war wie viele und dass diese vielen weder pervers noch sadistisch, sondern „ schrecklich und erschreckend normal waren und sind“. Vom Standpunkt unserer Rechtsinstitutionen und an unseren moralischen Urteilsmaßstäben gemessen sei diese Normalität viel erschreckender als all das „Greuel zusammengenommen“, denn diese Normalität „implizierte“ das dieser neue Verbrechertypus unter Bedingungen handelte, die es ihm fast unmöglich mache, sich seiner Untaten bewusst zu werden. „Wie monströs die Taten auch waren, der Täter war weder monströs noch dämonisch (…): es war keine Dummheit, sondern eine seltsame, ganz authentische Unfähigkeit zu denken.“

In den letzten Minuten vor seiner Hinrichtung, war es für Arendt als zöge Eichmann, der sich wie so oft „erhoben“ fühlte „wie bei einer Beerdigung“ - er vergaß, das es die eigene war - selbst das „Fazit der langen Lektion in Sachen menschlicher Verruchtheit“, der sie im Gericht beigewohnt hatte – „das Fazit von der furchtbaren Banaliät des Bösen, vor der das Wort versagt und an der das Denken scheitert“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Adolf Eichmann, Hannah Arendt und der Prozess: Einführung in die historischen Hintergründe der Entführung und Verurteilung Eichmanns sowie die Motivation Hannah Arendts, diesen Prozess als Korrespondentin zu begleiten.

II. Hannah Arendts Thesen: Darstellung der zentralen Konzepte Arendts, insbesondere des Porträts Eichmanns als bürokratischer Apparatschik und der umstrittenen These der „Banalität des Bösen“.

III. Kontroverse von 1963 bis 1966: Aufarbeitung der massiven öffentlichen Kritik an Arendts Thesen, gegliedert in inhaltliche Schwerpunkte wie die Rolle der Judenräte und Arendts Tonfall.

VI. Eichmann in Jerusalem und die Folgen: Analyse der anhaltenden Wirkung des Werkes und der zeitlosen Relevanz der von Arendt aufgeworfenen moralischen und politischen Fragen.

Schlüsselwörter

Hannah Arendt, Adolf Eichmann, Banalität des Bösen, Holocaust, Eichmann-Prozess, Judenräte, Totalitarismus, bürokratische Mentalität, Endlösung, Prozesskontroverse, moralische Urteilsbildung, politische Theorie, NS-Verbrechen, Schuld, Gerechtigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt Hannah Arendts Prozessbericht „Eichmann in Jerusalem“ und analysiert die daraus resultierende historische und gesellschaftliche Debatte der 1960er Jahre.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die Person Adolf Eichmanns, das Konzept der „Banalität des Bösen“ sowie das Verhalten jüdischer Akteure während des Nationalsozialismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Arendts Thesen verständlich darzulegen und die Hintergründe der teils heftigen Kritik, die ihr von Seiten verschiedener Gelehrter und Institutionen entgegengebracht wurde, aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische Methode, indem sie Arendts Hauptwerk mit zeitgenössischen Rezensionen, Briefwechseln und kritischen Stellungnahmen vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Thesen Arendts, wie das Eichmann-Porträt, und die systematische Untersuchung der Kritik an diesen Thesen, etwa bezüglich der Judenräte oder der Prozessführung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere die „Banalität des Bösen“, „Judenräte“, „Totalitarismus“ sowie der „Eichmann-Prozess“.

Warum wurde Eichmann von Hannah Arendt als „banal“ bezeichnet?

Arendt sah in ihm keinen ideologischen Fanatiker, sondern einen bürokratischen Funktionär, der unfähig war, die moralischen Konsequenzen seines Handelns zu durchdenken.

Was war der Hauptkritikpunkt von Bruno Bettelheim?

Bettelheim kritisierte, dass Arendt den Holocaust durch ihre Analysen verharmlose und das Hauptproblem, nämlich den Totalitarismus, hinter einer Diskussion über die Opferrolle zu verdecken scheine.

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Details

Title
Eichmann in Jerusalem - Ein Bericht von der Banalität des Bösen
Subtitle
Thesen und Kontroverse (1963-1966)
College
LMU Munich  (Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaften)
Grade
2,3
Author
Philipp Goldner (Author)
Publication Year
2005
Pages
19
Catalog Number
V81188
ISBN (eBook)
9783638835633
Language
German
Tags
Eichmann Jerusalem Bericht Banalität Bösen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philipp Goldner (Author), 2005, Eichmann in Jerusalem - Ein Bericht von der Banalität des Bösen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81188
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