Reaktionen assimilierter deutscher Juden auf den Antisemitismus in der ersten Jahreshälfte 1933, dargestellt anhand der Dramen "Die Rassen" und "Professor Mamlock"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jüdischer Alltag und Jüdische Reaktionen im Jahr 1933 in Deutschland
2.1 Jüdischer Alltag im Jahr 1933 in Deutschland
2.2 Jüdische Reaktionen im Jahr 1933 in Deutschland

3. Jüdische Reaktion in „Die Rassen“
3.1 Siegelmann
3.2. Helene
3.3. Herr Max

4. Jüdische Reaktion in „Professor Mamlock“
4.1 Professor Mamlock
4.2 Rolf, Ruth und Ellen Mamlock

5. Reaktion Friedrich Wolfs und Ferdinand Bruckners
5.1 Friedrich Wolf
5.2 Ferdinand Bruckner

6. Die Frage nach einer „typisch jüdischen Reaktion“ / Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Internetquellen

1. Einleitung

Im Wintersemester 2006/2007 besuchte ich das Hauptseminar „Von Brecht bis Zuckmayer – Die Exildramatik 1933-1945“ unter der Leitung von Frithjof Trapp. Im Zuge dieses Seminars behandelten wir mehrere Dramen, die sich mit dem jüdische Leben während der Zeit des Nationalsozialismus auseinander setzen. Besonders interessier hat mich hierbei, wie die jüdische Bevölkerung auf den Terror und Antisemitismus reagierte. Beschäftigt hat mich die Frage, ob es so etwas wie eine speziell „jüdische Reaktion“ auf die Machenschaften des NS-Regimes gab.

Da eine Auseinandersetzung mit dem umfassenden Schicksal der Juden zur Zeit des Natio-nalsozialismus im Umfang dieser Hausarbeit kaum möglich wäre, möchte ich mich im Speziellen mit den Reaktionen assimilierter deutscher Juden auf den Antisemitismus in der ersten Jahreshälfte 1933 auseinander setzen. Im Besonderen eingehen möchte ich hierbei auf die Dramen „Die Rassen“ von Ferdinand Bruckner und „Professor Mamlock“ von Friedrich Wolf, die beide zu dieser Zeit in Deutschland spielen.

Im Folgenden werde ich nun zunächst kurz auf den geschichtlichen Hintergrund der beiden Dramen „Professor Mamlock“ und „Die Rassen“ eingehen. Ich beginne hierbei mit einer kurzen Darstellung des jüdischen Alltags in der ersten Jahreshälfte 1933, um dann mit den jüdischen Reaktionen in Deutschland zu dieser Zeit fortzufahren.

Danach beschäftige ich mich mit den Reaktionen der jüdischen Protagonisten in dem Stück „Die Rassen“. Im Speziellen möchte ich hierbei auf die Juden Siegelmann, Helene und ihren Vater Herrn Max eingehen. Im Anschluss daran analysiere ich die Reaktionen auf jüdischer Seite in dem Stück „Professor Mamlock“. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich hierbei mit den Personen Professor Mamlock, Rolf, Ruth und Ellen Mamlock.

Zudem gehe ich kurz auf die wichtigsten biographischen Daten der beiden jüdischen Autoren der behandelten Dramen ein und auf ihre Reaktionen auf den nationalsozialistischen Terror.

Schließen werde ich diese Hausarbeit mit der Erörterung, ob man anhand der geschichtlich belegten Realität und der Handlung der beiden Dramen von so etwas wie einer typisch jüdi-schen Reaktion in der ersten Jahreshälfte 1933 in Deutschland sprechen kann.

2. Jüdischer Alltag und Jüdische Reaktionen im Jahr 1933 in Deutschland

2.1 Jüdischer Alltag im Jahr 1933 in Deutschland

„Der 1. April 1933 wird ein wichtiger Tag in der Geschichte der deutschen Juden, ja in der Geschichte des ganzen jüdischen Volkes bleiben. Die Ereignisse dieses Tages haben nicht nur eine politische und eine wirtschaftliche, sondern auch eine moralische und seelische Seite“[1]

(Robert Weltsch).

Im Jahre 1933 lebten in Deutschland ca. 503 000 deutsche Juden.[2] Antisemitismus gab es in Deutschland ohne Zweifel auch schon vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30.01.1933. Doch durch diesen Regierungswechsel wurde der Rassenantisemitismus ein wichtiger Bestandteil der Regierungspolitik und entfaltete seine volle Wirkung durch die Aufhebung aller rechtsstaatlichen Prinzipien.[3] So konnten die Nationalsozialisten durch die Aufhebung der verfassungsmäßigen Grundrechte vom 4.02.1933[4] über die Zukunft der Juden in Deutschland praktisch im Alleingang entscheiden.

Die schwerwiegendsten Ereignisse für das jüdische Leben in Deutschland in der ersten Hälfte des Jahres 1933 waren die organisierten Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte, Ärzte, Rechtsanwälte und Unternehmen am 01.04.1933, sowie das Gesetz zur „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 07.04.1933. Ziel der Nationalsozialisten war die Ausschaltung des jüdischen Bevölkerungsteils aus dem öffentlichen Leben und eine Verdrängung aus fast allen Berufsgruppen.[5]

Ein Gesetz vom 25. April 1933 legte fest, dass an den Hochschulen nicht mehr als 1,5 jüdi-sche Studenten eingeschrieben sein durften.

2.2 Jüdische Reaktionen im Jahr 1933 in Deutschland

Obwohl Juden in Deutschland auch vor 1933 durchaus Erfahrung mit Antisemitismus im eigenen Land machen mussten, fiel es doch den meisten von ihnen schwer, die vollständig neue Situation ab dem Jahr 1933 von Beginn an zu erkennen. Viele traf es überraschend, dass eine Partei auf Dauer an der Macht bleiben würde, die alles daran setzte, die Emanzipation der Juden in Deutschland rückgängig zu machen.[6] Monika Richarz beschreibt in ihrem Buch „Jüdisches Leben in Deutschland. Selbstzeugnis zur Sozialgeschichte 1918-1945“ die Situation sehr passend mit den Worten: „Nach über hundert Jahren der Akkulturation und zwei Generationen nach Abschluss der rechtlichen Emanzipation waren die meisten Juden in Deutschland kulturell und politisch so deutsch, dass ihnen jeder Versuch, sie als „Fremde“ zu entrechten, ebenso unbegründet wie unwahrscheinlich erschien“.[7]

Als die organisierte Judenverfolgung am 01.04.1933 mit dem Boykott jüdischer Geschäfte ihren ersten traurigen Höhepunkt fand, reagierten viele Juden mit dem Anlegen ihrer Orden aus dem ersten Weltkrieg. Sie wollten so demonstrieren, dass sie gute deutsche Bürger und durchaus auch Patrioten waren. Dass ihre Dienste für Deutschland von 1933 immer weniger zählten, mussten die meisten Juden dennoch schnell feststellen.

Der öffentliche und von der Regierung injizierte Antisemitismus veranlasste in der ersten Jahreshälfte 1933 ca. 25.000 Juden zur Flucht bzw. Emigration aus Deutschland. Unter ihnen waren vor allem Anhänger der SPD, KPD und Akademiker. So kann man feststellen, dass die politische Orientierung der einzelnen Juden eine wesentliche Rolle spielte bei der Einschät-zung der Gefahr, die von den Nationalsozialisten ausging. Sozialisten und Kommunisten jüdischer Herkunft waren dem Nazi-Terror in zweifacher Hinsicht ausgesetzt.[8] Die älteren, politisch konservativ und betont patriotisch gesinnten Juden sahen sich der Gefahren der neuen Regierung erst im späteren Verlauf der Geschichte direkt ausgesetzt. Viele von ihnen fühlten sich bestärkt, da ehemalige Frontkämpfer zunächst von den antisemitischen „Gesetzen zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ ausgenommen wurden.

Ebenfalls in der ersten Jahreshälfte 1933 bildeten sich in Deutschland jüdische Hilfsorganisa-tionen, wie die des „Zentralausschuss der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau“ und die daraus folgende „Reichsvertretung der deutschen Juden“. Auch der „Kulturbund deutscher Juden“ ist zu diesen jüdischen Hilfsorganisationen zu zählen. Ziel war es, den Juden zu helfen, die durch die neuen Gesetze in wirtschaftliche Not geraten waren. Dies geschah durch Arbeitsbeschaffung, Umschulung oder auch durch Wohlfahrtsleistungen. Im Jahr 1933 war es zumeist das Ziel, Juden wieder in das deutsche Wirtschafsleben einzugliedern. Im Laufe der nächsten Jahre engagierten sich die jüdischen Hilfsorganisationen jedoch immer mehr auch in der Vorbereitung von Ausreisen und Arbeitsvermittlungen ins Ausland.[9]

Tatsächlich veranlasste der öffentliche Antisemitismus viele Juden dazu, sich wieder stärker mit ihrer eigenen Religion auseinander zu setzen. So beschäftigte man sich in den jüdischen Lehrhäusern unter der geistigen Führung von Martin Buber und Ernst Simon wieder mehr mit den eigenen Traditionen.[10]

3. Jüdische Reaktion in „Die Rassen“

Das Drama „Die Rassen“ von Ferdinand Bruckner wurde in der ersten Hälfte des Jahres 1933 geschrieben. Das Drama entstand unmittelbar nach dem Entschluss Bruckners, Deutschland zu verlassen.[11] Bereits im November 1933 wurde es in Zürich unter der Regie von Gustav Hartung uraufgeführt. Auch die Buchausgabe des Stückes erfolgte bald darauf in Zürich.[12]

Bemühungen, das Stück auch in Wien zu inszenieren, scheitern, da man sich in Österreich fürchtete, mit der Billigung des Theaterstücks die nationalsozialistische Regierung zu ver-ärgern. „Die Rasse“ wurde unter anderem in Paris, Rotterdam, Lodz, Brüssel und Buenos Aires aufgeführt.[13]

Das Stück erzählt die Geschichte von vier Studenten (Karlanner, Tessow, Siegelmann und Rosloh), die an einer westdeutschen Universität Medizin studieren. Die Handlung spielt in der Zeit von März und April 1933. Paul Karlanner ist seit zwei Jahren mit der Jüdin Helene liiert, die ihm half, sein faules Studentendasein inklusive Saufgelage abzuschütteln. Als Karlanner jedoch im März 1933 zur Zeit der Wahlen seinen alten Freund Tessow wieder trifft, kann dieser ihn von den nationalsozialistischen und antisemitischen Parolen der NSDAP überzeugen. Karlanner trennt sich von Helene und ist von nun an ein treuer Untertan von dem überzeugten Nationalsozialist Rosloh, ebenfalls Medizinstudent, der jedoch in der Vergangen-heit durch alle Examen gefallen war. So hilft Karlanner auch bei der Demütigung seines jüdi-schen Kommilitonen Siegelmann, der zuvor zu einem seiner Freunde zählte. Als Karlanner jedoch auch Helene aus ihrer Wohnung abholen soll, warnt er diese vorher und rät ihr zur Flucht aus Deutschland. Am selben Abend bringt Karlanner Rosloh um und ertränkt ihn im Fluss. Helene und Siegelmann verlassen das Land. Das Drama endet in der Wohnung von Karlanner, der von Mitgliedern der NSDAP abgeführt wird.

[...]


[1] S. Weltsch, 1994

[2] Vgl. Taddey (Hrsg.), 1998

[3] Vgl. Richarz, S. 41, 1982

[4] Vgl. Hilgemann, S. 388, 1984

[5] Vgl. Taddey (Hrsg.), 1998

[6] Vgl. Richarz, S. 41, 1982

[7] S. Richarz, S. 41, 1892

[8] Vgl. Richarz, S. 41, 1982

[9] Ebenda, S. 43

[10] Vgl. Richarz, S. 44, 1982

[11] Vgl. Mennemeier, Trapp, S. 48, 1980

[12] Vgl. Ketterl, 1947

[13] Vgl. Trapp, 1999

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Reaktionen assimilierter deutscher Juden auf den Antisemitismus in der ersten Jahreshälfte 1933, dargestellt anhand der Dramen "Die Rassen" und "Professor Mamlock"
Hochschule
Universität Hamburg  (Institur Germanistik II)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V81189
ISBN (eBook)
9783638860390
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reaktionen, Juden, Antisemitismus, Jahreshälfte, Dramen, Rassen, Professor, Mamlock, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Sarah Rosorius (Autor), 2007, Reaktionen assimilierter deutscher Juden auf den Antisemitismus in der ersten Jahreshälfte 1933, dargestellt anhand der Dramen "Die Rassen" und "Professor Mamlock", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81189

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