Keine Lösung von Kommunikationskonflikten trotz Metakommunikation


Essay, 2004

8 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

1. Essay:

Kommunikationskonflikte sind ein Phänomen, mit dem jeder von uns konfrontiert wird. Sie können beispielsweise durch falschen Tonfall, durch Mimik, Gestik oder durch falsche Wortwahl entstehen. Somit sind solche Konflikte sehr komplex und haben verschiedene Seiten.

Hier ein Beispiel für einen Kommunikationskonflikt: Zwei Freundinnen sitzen zusammen in einem Café. Beide nehmen Tanzunterricht. Die eine Freundin A macht eine Ausbildung, ist als Gastdame in der Tanzschule eingetragen und geht seit neustem fünfmal die Woche tanzen, obwohl sie vorher nur dreimal die Woche tanzen ging. Die andere Freundin B geht nur einmal pro Woche tanzen, da sie Jura studiert und somit voll und ganz mit ihrem Studium unterhalb der Woche beschäftigt ist. Erst gestern hatte A ein Gespräch mit ihren Eltern, in dem ihr Vater und ihre Mutter von B geschwärmt haben, weil sie studiert und A „nur“ eine Ausbildung macht. A fühlte sich deshalb minderwertig und ist dementsprechend gereizt, als sie sich mit der Freundin trifft. Außerdem gibt es einen Praktikanten namens Tom in der Tanzschule für den beide Mädchen schwärmen. Es kommt nun in dem Café zu folgendem Gespräch:

A( stolz): „Hab ich Dir schon erzählt, dass ich seit kurzem fünfmal pro Woche tanzen gehe?“

B: „Echt? ( in beneidendem Ton) Naja, wenn man sonst nichts zu tun hat…(feststellend)“

A( aufgebracht): „ Ach so… Du hälst Dich wohl für was Besseres nur weil Du Jura studierst?“

B(irritiert): „So ein Unsinn.“

A( immer wütender): „Oder bist Du eifersüchtig, weil ich Tom jetzt fünfmal die Woche sehe und Du nur einmal?“

B( in lautem Ton): „Darum geht es doch gar nicht!! Was ist denn mit Dir los? Kann es sein, dass Du mich falsch verstanden hast, als ich Dir zu verstehen geben wollte, dass es schön ist, dass man öfters tanzen gehen kann, wenn man sonst keine weiteren Verpflichtungen hat?! Mann, bist Du heute wieder empfindlich!“

A steht wütend auf und verlässt das Café.

Anhand des gegebenen Beispiels möchte ich folgendes beweisen:

Kommunikationskonflikte können trotz Metakommunikation ungelöst bleiben.

Betrachtet man das Gespräch der Mädchen mit der Auffassung von Kommunikation nach Watzlawick, so liegt hier eine Verwechslung der Inhaltsebene mit der Beziehungsebene vor. A ist so gereizt durch das Gespräch mit ihren Eltern am Vortag, dass sie die Anspielung von B falsch versteht, indem sie die Aussage „Naja, wenn man sonst nichts zu tun hat…“ nicht als Feststellung, sondern als Angriff gegen ihre Person aufnimmt. B wiederum kennt nicht den Hintergrund des Verhaltens von A und kann somit nicht die Reaktion von A verstehen. Wahrscheinlich hätte B diese Feststellung anders formuliert, wenn sie von dem Ereignis des Vortages gewusst hätte. In der Dynamik des Gesprächs kommt es zu immer mehr Missverständnissen und schließlich zum Streit zwischen den beiden Freundinnen. Es geht nicht mehr um den eigentlichen Grund des Gesprächskonflikts, nämlich um den Satz „Naja, wenn man sonst nichts zu tun hat…“. Stattdessen folgt ein Vorwurf nach dem nächsten. Das Verlassen des Cafés von A zeigt, nach Watzlawick, dass wir immer kommunizieren, selbst wenn wir das gar nicht wollen. Obwohl A wortlos das Café verlässt, kann sich B ungefähr denken, was diese Handlung von A zu bedeuten hat: entweder hat A keine Lust mehr rumzudiskutieren oder ihr fallen keine guten Argumente mehr ein oder sie will nicht zugeben, was wirklich mit ihr los ist.

An der Stelle, wo sich Wirkungen und Konflikte in der Kommunikation treffen, setzt das Modell von Schulz von Thun ein und differenziert vor allem Watzlawicks Beschreibung des Beziehungsaspekts weiter. Im Gegensatz zu Watzlawick, betrachtet Schulz von Thun sowohl den Empfänger als auch den Sender und zusätzlich zu der Beziehung- und Inhaltsebene noch die Selbstoffenbarungs- und die Appellebene. Betrachtet man das Gespräch mit dem Kommunikationsverständnis von Schulz von Thun, so ist das Gespräch strukturierter zu betrachten als bei Watzlawick. Das Ziel der Aussage „Naja, wenn man sonst nichts zu tun hat…“ von B ist lediglich, dass A diese Aussage mit dem Sachinhaltsohr aufnehmen soll. Dies ist jedoch nicht der Fall, da A aufgrund des Gesprächs mit ihren Eltern gereizt ist. A nimmt die Aussage von B folglich mit dem Beziehungsohr auf und fühlt sich angriffen, da Ihrer Meinung nach B, wie ihre Eltern am Vortag, A´s Fähigkeiten abstuft. A versucht sich zu wehren indem sie B beschuldigt, sich als etwas Besseres vorzukommen. B wiederum nimmt die Aussagen von A anfangs mit dem Sachinhaltsohr („So ein Unsinn.“) auf, indem sie den Vorwurf abstreitet. Anschließend unterstellt A der Freundin B, dass sie nur neidisch darauf sei, dass A den gemeinsamen Schwarm nun fünfmal pro Woche sieht. Im Laufe des Gesprächs wird das Sachinhaltsohr („Darum geht es doch gar nicht!!“) durch den zweiten Vorwurf zum Beziehungsohr, da A lauter im Tonfall wird, dann zum Appellohr(„Was ist denn mir Dir los? Kann es sein, dass Du mich falsch verstanden hast, als ich Dir zu verstehen geben wollte, dass es schön ist, dass man öfters tanzen gehen kann wenn man sonst keine weiteren Verpflichtungen hat?! “) und schließlich zum Selbstoffenbarungsohr („Mann, bist Du heut wieder empfindlich!“). Das Beispiel zeigt also, dass das Modell Schulz von Thuns in der Realität oft so aussieht, dass der Empfänger auf einem Ohr “mehr“ hört, während ein anderes „schlechter“ ausgebildet ist. Beim Dekodieren der Nachricht spielen zusätzlich die Erwartungen, Befürchtungen, Vorerfahrungen- kurzum die ganze Person des Empfängers eine Rolle. Dadurch ist die empfangene Nachricht zu einem guten Teil das eigene Werk des Empfängers und kann damit stark von der gesendeten Nachricht abweichen. Die Wertschätzung des Empfängers und damit die Beziehung zum Empfänger drückt sich darüber aus. Das kann er an den Sender zurückmelden in Form eines Feedbacks, welches auch wieder, wie jede andere Nachricht, vier Seiten hat.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Keine Lösung von Kommunikationskonflikten trotz Metakommunikation
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Veranstaltung
Linguistische Kommunikationstheorie II
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
8
Katalognummer
V81192
ISBN (eBook)
9783638829182
Dateigröße
343 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Metakommunikation, Linguistische, Kommunikationstheorie
Arbeit zitieren
Nicole Rendt (Autor:in), 2004, Keine Lösung von Kommunikationskonflikten trotz Metakommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81192

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