Das Erziehungskonzept der Reggio-Pädagogik


Hausarbeit, 2007
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Anfänge der Reggio-Pädagogik

2. Entstehungsgeschichtlicher Hintergrund

3. Wie arbeitet die Reggio-Pädagogik?
3.1 Das Bild des Kindes
3.2 Das Bild der Erzieher
3.3 Das Bild der Eltern

4. Die Wirkungszusammenhänge der drei Kompetenzen
4.1 Der Beitrag der Kinder
4.2 Der Beitrag der Erzieher/innen
4.3 Der Beitrag der Eltern

5.Wichtige Elemente in der Reggio-Pädagogik
5.1 Licht, Schatten und Farben
5.2 Tagesabläufe, Rituale
5.3 Spiele, Identität- Selbstbild-Fremdbild

6.Zusammenfassung

7. Fazit

8. Literatur- und Quellenverzeichnis

9. Abkürzungsverzeichnis

Reggio-Pädagogik

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Reggio-Pädagogik benennt sich nach der norditalienischen Stadt Reggio Emilia, welche in der Region Emilia Romagna zwischen Bologna und Mailand liegt. Reggio Emilia ist derzeit Träger von 13 Krippen und 20 Tageseinrichtungen und zählt in Italien traditionell zu einer der „roten Regionen“.[1]

Quelle: www.heiligenlexikon.de/.../Johanna_Scopelli.html (14.08.2007)

1. Anfänge der Reggio-Pädagogik

Die Wurzeln der Reggio-Pädagogik reichen zurück in die Geschichte und Kultur der Region. Katastrophale Lebens- und Arbeitsbedingungen der Landarbeiter führten zu linkspolitischen Gruppierungen. Die ersten freien Kommunen sind dort im Mittelalter zu verzeichnen.[2] 1797 erklärte sich Reggio Emilia zur Republik.[3] Der erste, nicht konfessionelle, italiensche Kindergarten wurde 1912 in Reggio Emilia gegründet.[4] Der Faschismus führte zur Schließung von Kindergärten u. a. auch der reggianische Kindergarten, da demokratische Ansätze unterdrückt bzw. zerschlagen worden sind. Es bildeten sich Widerstandsbewegungen gegen den Faschismus, was letztlich zur Befreiung der Stadt führte. Die Aktivitäten der UDI[5] und CLN[6] waren von besonderer Bedeutung, da sie dann auch ab 1945 sechs, später kommunalisierte Kindertageseinrichtungen, welche heute das Konzept der Reggio-Pädagogik vertreten, gründeten.

In einem kleinen Dorf mit dem Namen „Villa Cella“, nähe der Stadt Reggio Emilia, setzten sich Elterngruppen zusammen und schufen einen im April 1945 unabhängigen „Volkskindergarten“. Loris Malaguzzi versuchte das Unverständnis der Familien zu überwinden.

Er schrieb:

„Wie stellen uns dem Erfordernis, uns mit unseren Vorstellungen und unserer pädagogischen Praxis bekannt zu machen und die Achtung und Anerkennung der Reggianer zu gewinnen. Wir waren Woche für Woche mit den Kindern und unseren Arbeitsmitteln- Werkzeuge, Staffelein usw. – draußen in der Stadt unterwegs: Die Stadt war den Kindern Lernort, und Lernen fand auf den Plätzen, den Straßen und Höfen statt- auch in der Absicht, über diese neue Erziehung zu informieren. Tatsächlich wurden unsere Aktivitäten mit großer Aufmerksamkeit und Anteilnahme verfolgt.“[7]

1963 wurde der Reggiokindergarten, bisher von Eltern verwaltet, durch die Stadt in kommunale Trägerschaft übernommen. Erst fünf Jahre später wurde ein Gesetz verabschiedet, das eine nichtkirliche Trägerschaften gelten lies.[8] 1971 wurde die erste Kinderkrippe in Reggio Emilia eröffnet.[9] Deutschland hatte erstmalig 1981 Kontakt zu Einrichtungen in Reggio Emilia.[10] Die Vorstellung erfolgt durch Ausstellungen wie z.B. der „I Cento linguaggi die bambini“.[11]

2. Entstehungsgeschichtlicher Hintergrund

Die Reggio-Pädagogik entstand nach dem 2. Weltkrieg, als die Menschen darauf angewiesen waren Solidarität zu zeigen und sich die Auffassungen der Menschen veränderten. Es galt zusammen den Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten Städte in Angriff zu nehmen und die Fehler der Nazi Diktatur zu erkennen und wieder gut zumachen. Die Menschen entwickelten viele Ideen und großes Engagement, um Wirtschaft und Kultur wieder neu zu beleben und vor allem das Bewusstsein aufeinander angewiesen zu sein, das Miteinander, könnte ein großer Impuls gewesen sein, der sich auch in pädagogischen Unternehmen geäußert hat. Der Wunsch ein Kind lediglich nach allgemeinen sozialen und gesellschaftlichen Richtlinien zu erziehen verblasste zunehmend. Kinder sollten vermehrt zur Eigenständigkeit erzogen werden (eigenständiges Handeln und Denken). Kindliche Möglichkeiten wurden nicht mehr gesondert gefördert, sondern in die Erwachsenenwelt miteinbezogen. Dazu wurde den Kindern die Möglichkeit gegeben durch Materialien und Zuwendung das eigene Weiterdenken zu fördern und kritische Ich- Leistungen zu entwickeln. Kindliche Meinungen sollten erhört werden und zur Formung der gesellschaftlichen Verhältnisse beitragen, d.h. die individuelle Potenz wird gleichermaßen gefördert sowie von der Umgebung reflektiert, sodass zwischen Kind und Umgebung eine allgegenwärtige Verständigung herrscht.

3. Wie arbeitet die Reggio-Pädagogik?

Die Reggio-Pädagogik ist keinesfalls als ein fertiges Modell zu betrachten, sondern als eine Art experimentelle Pädagogik, d.h. eine Pädagogik des Werdens. Es findet immer eine Weiterentwicklung statt, die sich aus dem Wechselspiel von praktischen Erfahrungen und theoretischer Reflexion ergibt. Für die Erzieher/innen gilt, nicht nur Theorien auf die Praxis anzuwenden, sondern selbst Theorien aufgrund der praktischen Erfahrungen zu entwickeln.

Pädagogik soll dort entwickelt werden, wo pädagogisch gearbeitet wird. Es entsteht ein Ergebnis aus dem Wechselspiel von Theorie und Praxis.

Auch versteht sich die Reggio-Pädagogik als Kooperations-Pädagogik. Ziel ist es die Zu-Erziehenden nicht anzuleiten, sondern gemeinsam Strukturen für das alltägliche Zusammenleben zu schaffen und zu stärken. Dabei wirken die Zu-Erziehenden als Konstrukteure und die Erzieher/innen haben die Aufgabe als Begleitperson und Dialogpartner zu agieren. Interaktion ist also ein wichtiger Bestandteil der Reggio-Pädagogik. Dabei wird besonders großen Wert auf die Individualität des Kindes gelegt. Das Kind wird als Konstrukteur seiner Entwicklung und seines Wissens betrachtet. Eine der Hauptaufgaben besteht somit darin, eine Balance zwischen der Individualität des Kindes und der sozialen Vernetzung zu schaffen.

3.1 Das Bild des Kindes

Das Kind wird in der Reggio-Pädagogik als ein eifriger Forscher gesehen. Das Forschen bezeichnet eine wissenschaftliche Tätigkeit und ist in die Welt der Erwachsenen einzuordnen. Dennoch wird es zum Begriff dieser Pädagogik. Erkennbar wird daran, dass dem Kind hohe Kompetenzen zugesprochen werden und eine neue Bewertung stattfindet, denn Malaguzzi spricht von der „Kunst des Forschens“.[12] Nach Malaguzzi forscht das Kind aus Freude und Erstaunen heraus, was wiederum für die Reggianer eine Einheit darstellt.

Man geht davon aus, dass Kinder ihre eigenen Theorien entwickeln, denn sie stellen sich selbst- und fremdmotivierte Fragen und verwandeln diese in ihre eigenen Hypothesen. Die eigene Wahrnehmung der Welt, die Neugierde und die eigenen Hypothesen bilden die „Kunst des Forschens“.[13] Die Reggio-Pädagogik geht davon aus, dass das Kind über viele Möglichkeiten verfügt sich auszudrücken. Eine von den hundert Sprachen die ein Kind besitz ist die verbale Sprache. Andere kreative Ausdrucksmöglichkeiten sind z.B. das Malen, Modellieren oder Bauen.[14] Wie bereits in 2. erwähnt, ist das Kind der aktive Konstrukteur seines Wissens, d.h. das Kind wird als ein aktives Wesen betrachtet, welches der Hauptakteur bei dem Erwerb seines eigenen Wissens ist. Das Kind lernt also aktiv durch sich selbst, was es auf Seiten der Erzieher/innen, zu unterstützen gilt. Sabine Lingenauer führt aus, dass „das Wissen des Kindes keinesfalls nur eine Kopie vom Wissen der Erwachsenen ist, sondern sich mit seinen Interessen und Fragen an die Welt entwickelt“.[15]

Aufgrund dieser eben ausgeführten Potentiale wird dem Kind in der Reggio-Pädagogik eine Reihe von Rechten zugesprochen. Dabei hat das Kind das Recht auf die aktive Beteiligung an der Entwicklung seiner Identität, Autonomie und Kompetenz. Des Weiteren wird den Kindern das Recht eingeräumt, die eigenen Lernbedürfnisse zu befriedigen. Ein weiteres Recht der Kinder ist die Entwicklung von kreativen Problemlösungsstrategien, was gegeben ist, wenn sie ihre eigenen Wege beschreiten können ohne Abwertung, von Seiten der Erwachsenen, zu erfahren.

Wie eben ausgeführt sind Kinder Träger von Rechten, doch wie erfolgt die Partizipation der Kinder? In den kommunalen Kindertagesstätten ist eine Art von Kinderparlament vorhanden, das sog. „gioco del che fare“.[16] In diesem setzen sich Erzieher/innen und Kinder zusammen und diskutieren über neue Projekte, die realisiert werden sollen. Das hat den Sinn, dass die Inhalte den Erfahrungen und Interessen der Kinder entsprechen. So werden die Kinder in Planungen miteinbezogen und erhalten die Möglichkeit ihre Kompetenzen zu erweitern, indem sie ihren Wünschen verbal Ausdruck verleihen können. Ebenfalls wird das Diskutieren und Zuhören geübt.

[...]


[1] Vgl. Annette Dreier, 2006: 24

[2] Vgl. Brigitte Sommer, 1999: 10

[3] „Republica Cisoadana“

[4] Ebd.

[5] Vereinigung italienischer Frauen

[6] Nationales Befreiungskomittee

[7] Vgl. Brigitte Sommer, 1999: 11 aus Loris Malaguzzi: Hundert Sprachen hat das Kind, 1999: 21

[8] Vgl. Brigitte Sommer, 1999: 11

[9] Vgl. Brigitte Sommer, 1999: 12

[10] Vgl. Brigitte Sommer, 1999: 7

[11] Die hundert Sprachen der Kinder

[12] Vgl. Sabine Lingenauber, 2007: 17 aus Loris Malaguzzi: 16 Thesen zum pädagogischen Konzept, 1984: 4

[13] Vgl. Brigitte Sommer, 1999: 33

[14] Vgl. Annette Dreier, 2006: 9

[15] Vgl. Sabine Lingenauer, 2007: 24

[16] Vgl. Sabine Lingenauer, 2007: 65 ff.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Das Erziehungskonzept der Reggio-Pädagogik
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V81211
ISBN (eBook)
9783638835442
ISBN (Buch)
9783638835473
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehungskonzept, Reggio-Pädagogik
Arbeit zitieren
Maria Prass (Autor), 2007, Das Erziehungskonzept der Reggio-Pädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81211

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