Das Thema dieser Diplomarbeit lautet: „Kirche braucht Männer! – Brauchen Männer Kirche? Voraussetzungen und Perspektiven für kirchliche Männerarbeit.“ Aus welchem Grund habe ich dieses Thema gewählt und wodurch ist mein Interesse entstanden?
Die Wahl des Themas ist nach einer Tagung im Dezember 2006 in Loccum zum Thema: “Was Männern Sinn gibt“ auf die Männerarbeit gefallen. Diese war bis dato weder im Studium noch im Gemeindeleben jemals bewusst thematisiert worden und ich stellte mir die Frage, was Kirche für Männer im mittleren Alter anbietet. Inwiefern wenden sich Männer durch mangelnde Angebote von der Kirche ab und was kann kirchliche Männerarbeit den Männern bieten, was andere Vereine und Institutionen nicht können? Insofern ist meine erkenntnisleitendes Interesse an dieser Arbeit: In welcher Beziehung stehen Männer zur Kirche und inwiefern kann Männerarbeit die Männer erreichen und ist für sie ein geeignetes Angebot im kirchlichen Rahmen und hat welche Perspektiven als Männerarbeit in der Kirche?
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Begriffserklärung
2.1 Mann (Männlichkeit)
2.2 Sinn (Sinn gebende Tätigkeit)
2.3 Spiritualität:
3. Warum Männerarbeit für die Kirche interessant ist
4. Zielgruppe
4.1 Männer eine soziologische Betrachtung/ Stellung des Mannes in der Gesellschaft
4.2 Männer in der Kirche
4.3 Was Männern Sinn gibt
4.4 Spiritualität von Männern
5. Allgemeine Männerangebote
5.1 Lions–Club /Rotary Club
5.2 Sportangebote
6. Ev. Männerarbeit
6.1 Geschichte der Männerarbeit
6.2 Theologischer Auftrag
6.3 Männerarbeit – Frauenarbeit
6.4 Warum Männer eine eigene Gruppe brauchen
6.4.1 Männerkultur
6.4.2 Unterschiede von Frauenkultur zur Männerkultur
6.4.3 Die Zukunft der Männer in der Kirche
6.5 Angebotsformen für Männerarbeit
6.6 Inhalte von Männerarbeit/ -bildung
7. Praxis
7.1 Wer macht Männerarbeit /Rolle des Anbietenden
7.2 Wo kann es Männerarbeit geben
7.3 Wie kann Männerarbeit in den Gemeinden angesiedelt werden
7.4 Themenangebote für Männer theol./relpäd
8. Konzept für kirchengemeindliche Männerarbeit
9. Abschlussresümee
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Relevanz kirchlicher Männerarbeit unter der zentralen Forschungsfrage, in welcher Beziehung Männer zur Kirche stehen, inwiefern sie durch kirchliche Angebote erreicht werden können und welche Perspektiven diese Arbeit für die Zukunft der Kirche bietet.
- Soziologische und theologische Fundierung von Männlichkeit und Sinnsuche.
- Analyse der Situation von Männern in der Kirche und deren spezifischer Bedürfnisse.
- Vergleich kirchlicher Männerarbeit mit säkularen Alternativangeboten wie Service-Clubs oder Sport.
- Entwicklung von praktischen Voraussetzungen und Konzepten für die Gemeindearbeit.
- Bedeutung der geschlechtsspezifischen Arbeit als Beitrag zur Identitätsfindung und Spiritualität.
Auszug aus dem Buch
4.1 Männer eine soziologische Betrachtung/ Stellung des Mannes in der Gesellschaft
Ich beschränke mich bei der soziologischen Betrachtung des Mannes auf den gegenwärtigen Zustand. Die Geschichte der Männlichkeit und die des männlichen Patriarchats sind zwar für die Praxis durchaus ein mögliches Thema, allerdings ist das gegenwärtige Umgehen damit von ausschlaggebender Relevanz. Viele Männer sind es auch leid, in stellvertretender Anklage für die gesellschaftliche Stellung des Mannes in der Geschichte zu stehen.
Durch die zunehmende Emanzipation der Frau bekam der Mann neue Rollen in gesellschaftlichen, privaten und familiären Bezügen. Dass sich diese Rolle sehr verändert hat (und sie nun teilweise sehr negativ stigmatisiert wird), zeigt Walter Holstein: „Schließlich hat sich in den vergangenen dreißig Jahren das gesellschaftliche Männerbild entscheidend geändert. Noch in den sechziger Jahren sind Männer als Schöpfer der Kultur, Entdecker, (…)und Philosophen gefeiert worden(…). Wenn wir heute in Literatur und Medien schauen, dann tritt uns der Mann als Zerstörer, Kriegstreiber, Vergewaltiger, Kinderschänder und Pornograph entgegen.“ Zur Entwicklung einer Identität werden Stereotypen zur Identifikationshilfe genommen, wenn allerdings diese Stereotypen entweder negativ besetzt sind, oder sie unrealistisch (z.B. Clint Eastwood als harter Cowboy, Supermann als Weltverbesserer oder weitere Aktionhelden) sind, fehlen den heranwachsenden Männern Orientierung. Dies werde ich in der später aufgenommenen Studie von Zulehner und Volz noch einmal präzisieren.
Des weiteren steht der Mann in der Kritik, da die sich verschärfende ökologische Krise die Fragwürdigkeit und Eindimensionalität des männlichen Natur- und Technikverständnisses offenbar werden lassen; nicht nur der Feminismus, sondern auch eine Reihe männlicher Autoren bemerken, dass Männer anders als zum organischen Naturerleben der Frauen vorab instrumentelle Maßstäbe des Nutzens und der Ausbeutung an die Natur anlegen und so ihre Zerstörung vorantreiben. Der Mensch wird sich über neue Risiken durch den Fortschritt der Wissenschaft, wie Klimawandel, Krankheiten, Gentechnologie, Atomkraft oder Nuklearwaffen bewusst. Neue Strukturen bei der Arbeit und die steigende Tendenz, Arbeitskräfte einzusparen, befördern den Mann in eine Sinn-Krise vom „Mann-Sein“, da er bis dato seine Identität primär über die eigene Arbeitsleistung bestimmt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Einführung in das Thema der kirchlichen Männerarbeit und Darlegung des Erkenntnisinteresses sowie der Struktur der Arbeit.
2.Begriffserklärung: Theologische und soziologische Definitionen der zentralen Begriffe Mann, Sinn und Spiritualität als theoretische Grundlage.
3. Warum Männerarbeit für die Kirche interessant ist: Erörterung der Motivation der Kirche, sich der Zielgruppe der Männer zuzuwenden und deren Bedeutung für die Gemeinde.
4. Zielgruppe: Soziologische und psychologische Betrachtung der Lebenswelten und Herausforderungen von Männern heute.
5. Allgemeine Männerangebote: Analyse säkularer Angebote wie Service-Clubs und Sport hinsichtlich ihrer Attraktivität und Sinnstiftung für Männer im Vergleich zur Kirche.
6. Ev. Männerarbeit: Historischer Rückblick und Erörterung theologischer Grundlagen sowie die Abgrenzung und Kooperation mit der Frauenarbeit.
7. Praxis: Konkrete Empfehlungen für die Initiierung und Durchführung von Männerarbeit in der Kirchengemeinde.
8. Konzept für kirchengemeindliche Männerarbeit: Vorstellung eines schematischen Konzepts für die Gestaltung eines Männerabends.
9. Abschlussresümee: Zusammenfassende Reflexion über die Zukunft der Männer in der Kirche und die Notwendigkeit von Männlichkeitsentwicklung als Teil der kirchlichen Arbeit.
Schlüsselwörter
Männerarbeit, Kirche, Spiritualität, Geschlechterrollen, Männerbildung, Identitätsfindung, Gemeindearbeit, Sinnsuche, Männlichkeit, Emanzipation, Gottesebenbildlichkeit, Sozialisation, Gruppendynamik, Männerdämmerung, Geschlechtergerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die Voraussetzungen und Perspektiven für kirchliche Männerarbeit vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen und der aktuellen Situation von Männern in der Kirche.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Definition der Begriffe Mann, Sinn und Spiritualität, die Analyse der Zielgruppe Mann, den Vergleich mit säkularen Männerangeboten sowie den theologischen Auftrag und die praktische Umsetzung in der Gemeindearbeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Kirche ein sinnhaftes, spirituelles Angebot für Männer schaffen kann, um sie in der Gemeinde zu erreichen und eine gelingende Zukunft in komplementärer Zusammenarbeit mit Frauen zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturrecherche und greift auf soziologische sowie theologische Fachstudien zurück (z.B. Zulehner/Volz), um ein theoretisches Fundament zu bilden und daraus praktische Handlungskonzepte abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der soziologischen Betrachtung der Männerrolle, der Analyse der kirchlichen Männerarbeit im Vergleich zu anderen Gruppen und der Darstellung konkreter Methoden für die Praxis in der Kirchengemeinde.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Männerarbeit, Männlichkeit, Spiritualität, Geschlechterrollen und Gottesebenbildlichkeit charakterisiert.
Warum ist die Arbeit mit Männern in der Kirche derzeit besonders relevant?
Da Männer durch gesellschaftliche Veränderungen wie Erwerbslosigkeit und die in Frage gestellte traditionelle Vaterrolle in eine Identitätskrise geraten sind, bietet die kirchliche Arbeit eine Chance, den Dialog zu suchen und Männer als aktive Gestalter in die Gemeinde einzubinden.
Welche Rolle spielt die Kooperation mit der Frauenarbeit?
Die Kooperation ist zentral, da eine produktive Zukunft in der Kirche nur durch ein komplementäres Miteinander von Mann und Frau im Sinne der Gottesebenbildlichkeit erreicht werden kann.
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- Dipl. Sozialarbeiter/-pädagoge, Dipl Religionspädagoge Steffen Jaeger (Author), 2007, Kirche braucht Männer! – Brauchen Männer Kirche?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81229