Forschungsergebnisse bezüglich des Nonprofit Sektors und Ausbildungsangebote zum Thema NPO-Management haben vor allem seid den 90er Jahren, nicht zuletzt durch das Johns Hopkins Comparative Project, an Bedeutung gewonnen. „Wo bis vor kurzem z.B. von Genossenschaften oder Verbänden gesprochen wurde, ist nun die Rede von NPOs.“
Die Frage, die sich hierbei stellt ist: Was begründet die Existenz dieses „neuen“ Sektors? Welchen Grund gibt es dafür, einen neuen Forschungsbereich zu erschließen?
Damit eine Antwort auf diese Fragen gefunden werden kann befasst sich diese Hausarbeit mit dem Versuch durch volkswirtschaftliche, soziologische und organisationssoziologische Betrachtungsweisen und Theorien den Nonprofit Sektor zu charakterisieren. Zu zeigen ist hierbei, ob es sich tatsächlich um einen eigenständigen, von Anderen abzugrenzenden Bereich handelt, also ein einzigartiger Fingerabdruck existiert.
Bevor allerdings die verschiedenen Ansätze vorgestellt werden, bedarf es vorerst einer Definition, was man unter dem NPO Sektor überhaupt versteht respektive was er beinhaltet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition
3. Leitfaden
4. Volkswirtschaftliche Ansätze
4.1 Theorie des kombinierten Markt- und Staatsversagens
4.1.1 Leistungen und Grenzen des Modells
4.2 Vertrauenstheorie
4.2.1 Leistungen und Grenzen des Modells
4.3 Integrierendes Leistungsmodell von NPOs
4.3.1.1 NPOs als konkurrierende oder zusätzliche Leistungserbringer
4.3.1.2 NPOs als Leistungspioniere
4.3.1.3 NPOs als Kontrollinstanz
4.3.1.4 NPOs als Themenpioniere
4.3.2 Leistungen und Grenzen des Modells
4.4 Interdependence Theory
4.4.1 Leistungen und Grenzen des Modells
5. Soziologische Ansätze
5.1 Theorie des funktionalen Dilettantismus
5.1.1 Leistungen und Grenzen des Modells
5.2 Theorie der Zivilgesellschaft
5.2.1 Leistungen und Grenzen des Modells
6. Organisationssoziologischer Ansatz
6.1 Externe Organisationseinflüsse von Staat und Markt
6.2 Organisation versus Organisationsabwehr
6.3 Probleme der Erfolgs- und Effizienzmessung
6.4 Ideologien versus Realitätsanforderungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob der Non-Profit-Sektor (NPO) durch theoretische Ansätze als eigenständiger Bereich charakterisiert werden kann, um sein Existenzrecht als spezifisches Forschungsfeld zu begründen. Dabei steht die Suche nach einem eindeutigen, abgrenzbaren „Fingerabdruck“ der NPOs im Mittelpunkt der Analyse.
- Charakterisierung des NPO-Sektors durch volkswirtschaftliche Theorien
- Analyse soziologischer Betrachtungsweisen zur NPO-Existenz
- Untersuchung organisatorischer Besonderheiten und Rationalitäten
- Kritische Reflexion der theoretischen Universalität und Abgrenzbarkeit
Auszug aus dem Buch
4.1 Theorie des kombinierten Markt- und Staatsversagens
Diese Theorie geht davon aus, dass der NPO Sektor existiert, da der Staat nicht in der Lage ist sämtliche öffentlichen Güter, d.h. „jene Güter, bei denen es nicht wünschenswert, möglich oder rentabel ist, Personen von deren Nutzung auszuschließen, und die sich durch Nichtrivalität der Inanspruchnahme auszeichnen“, entsprechend den Konsumentenpräferenzen bereitzustellen. Sobald eine Unterversorgung eintritt „heilt“ die NPO dieses Staatsversagen. Dies bezieht sich sowohl auf die quantitative Versorgung, d.h. der Staat stellt ein Gut nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung, als auch auf die qualitative Versorgung, also NPOs reagieren auf die Verschiedenartigkeit von Güterbedürfnissen. Als Beispiel seien die öffentlichen Schulkonzepte genannt. Da der Staat nur einen bestimmten Rahmen an pädagogischen Konzepten zur Verfügung stellt, entstehen NPOs, welche die verschiedenen Bedürfnisse nach alternativen Konzepten (genannt sei die Montessori- und Waldorfpädagogik) befriedigt. Die qualitative Ergänzungsfunktion fällt auch unter dem Begriff Heterogenitätsthese, da sie von der Wissenschaft mit der quantitativen Unterversorgung (allgemein Unterversorgungstheorie) getrennt gesehen werden.
Unterstützt wird die Heterogenitätsthese durch die Annahme, dass der Staat nur Güter anbieten kann die eine breite Akzeptanz finden. Je heterogener die Nachfrage ist, desto unwahrscheinlicher ist breite Akzeptanz hinsichtlich der Leistungen des Staates und desto höher der Bedarf an NPOs, die diese Angebotslücke decken. Daraus wird wiederum geschlossen, dass die Wahrscheinlichkeit des Staatsversagens mit der Heterogenität der Bevölkerung steigt respektive die Größe des NPO Sektors mit der ethnolinguistischen Heterogenität steigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die steigende Bedeutung des NPO-Managements ein und skizziert die zentrale Forschungsfrage nach der wissenschaftlichen Begründung eines eigenständigen NPO-Sektors.
2. Definition: Das Kapitel definiert den NPO-Sektor anhand formaler Kriterien wie Privateigentum, Nichtausschüttung von Gewinnen und einem Mindestmaß an Selbstverwaltung und Freiwilligkeit.
3. Leitfaden: Der Leitfaden erläutert das methodische Vorgehen, die Theorien anhand ihrer Praxisnähe zu prüfen, trotz der Schwierigkeit, den heterogenen Sektor einheitlich zu erfassen.
4. Volkswirtschaftliche Ansätze: Hier werden ökonomische Erklärungsmodelle wie das Markt- und Staatsversagen, die Vertrauenstheorie sowie Interdependenz- und Leistungsmodelle kritisch analysiert.
5. Soziologische Ansätze: Dieses Kapitel betrachtet NPOs durch die Brille der Theorie des funktionalen Dilettantismus und der Zivilgesellschaft, um ihre soziale Funktion jenseits reiner Effizienz zu verstehen.
6. Organisationssoziologischer Ansatz: Der Fokus liegt hier auf spezifischen internen Merkmalen, wie dem Umgang mit ökonomischem Druck, dem Phänomen der Organisationsabwehr und der Bedeutung von Ideologien gegenüber Rationalanforderungen.
Schlüsselwörter
NPO Sektor, Nonprofit-Organisation, Marktversagen, Staatsversagen, Heterogenitätsthese, Vertrauenstheorie, Zivilgesellschaft, funktionaler Dilettantismus, Organisationsabwehr, Erfolgsmessung, Effizienz, Ideologie, Sozialwirtschaft, Gemeinnützigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Nonprofit-Sektors, um zu hinterfragen, ob NPOs einen eigenständigen Forschungsbereich darstellen oder ob sie sich zu stark von anderen Sektoren unterscheiden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen volkswirtschaftliche Erklärungsansätze für NPOs, soziologische Funktionen sowie spezifische organisationale Herausforderungen in diesem Sektor.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den „Fingerabdruck“ des NPO-Sektors zu finden und zu zeigen, ob die Existenz dieses Sektors als abgegrenzter, eigenständiger Bereich theoretisch haltbar ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse theoretischer Konzepte, ergänzt durch die Auswertung empirischer Untersuchungen und statistischer Daten zur Überprüfung der verschiedenen Thesen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden volkswirtschaftliche Ansätze (Markt- und Staatsversagen, Vertrauen), soziologische Theorien (Dilettantismus, Zivilgesellschaft) sowie organisationale Merkmale wie Effizienzmessung und Ideologien analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Nonprofit-Sektor, Markt- und Staatsversagen, Heterogenität, Vertrauenstheorie, Zivilgesellschaft, funktionaler Dilettantismus und Organisationsabwehr.
Welche Rolle spielt die Heterogenitätsthese in der Arbeit?
Die Heterogenitätsthese wird als ein ökonomisches Erklärungsmodell betrachtet, dessen empirische Gültigkeit hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Gesellschaftsstruktur und NPO-Größe kritisch hinterfragt wird.
Wie bewertet der Autor den Begriff der „Organisation“ bei NPOs?
Der Autor diskutiert die Tendenz zur „Organisationsabwehr“ und zitiert Konzepte wie die „Nonprofit-Nonorganisation“, um die Spannung zwischen dem Streben nach Professionalität und der informellen Struktur von NPOs zu verdeutlichen.
Zu welcher Schlussfolgerung kommt das Fazit?
Das Fazit kommt zu dem Ergebnis, dass keine der untersuchten Theorien auf den gesamten NPO-Sektor zutrifft, weshalb eine einheitliche Betrachtung des NPO-Sektors als eigenständiges Forschungsfeld in Frage gestellt wird.
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- Sven Schulz (Author), 2007, Woher nimmt der NPO-Sektor sein Existenzrecht? - Auf der Suche nach einem Fingerabdruck, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81323