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Kinodebatte (1909-1929): Egon Friedell, Georg Lukács, Hugo von Hofmannsthal und ihre Meinung zum neuen Medium Film

Title: Kinodebatte (1909-1929): Egon Friedell, Georg Lukács, Hugo von Hofmannsthal und ihre Meinung zum neuen Medium Film

Term Paper , 2005 , 20 Pages , Grade: sehr gut (1,3)

Autor:in: Tobias Schneider (Author)

Communications - Media History
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Kino und Fernsehen stellen in der heutigen Zeit nicht nur einen selbstverständlichen Teil des gesellschaftlichen Lebens dar, sondern werden auch als wichtige Kulturgüter erachtet. Das war nicht immer so: Seit der Erfindung des Kinematographen durch die Brüder Auguste und Louis Lumière (1895) wurden Filme zunächst als Sensation oder technisches Kuriosum auf Jahrmärkten und Varietés vorgeführt. Sie schienen den ungebildeten unteren sozialen Schichten vorbehalten und wurden deshalb von der offiziellen Kulturkritik wenig beachtet.
In den 1910er Jahren änderte sich die Situation jedoch: Produktionsweisen, Vertriebsstrukturen und Vorführbedingungen der Kinematographie passten sich der wachsenden Nachfrage an. In den Großstädten (zum Beispiel Berlin) gab es immer mehr feste Kinos. Der narrative Film löste nach und nach die bis dahin sehr kurzen filmischen Attraktionen ab, anspruchsvolle Stoffe und Themen aus der Literatur wurden für die Leinwand neu inszeniert. Vor dieser Entwicklung konnte sich nun auch das Bildungsbürgertum nicht länger verschließen. Schriftsteller, Journalisten, Theater- und Kulturkritiker begannen über die Rolle des Kinos in einem kulturellen Kontext zu diskutieren. Viele bekannte Autoren, darunter Alfred Döblin, Thomas Mann und Bertolt Brecht, meldeten sich zu Wort. Hauptsächlich beschäftigten sie sich mit den Eigenschaften und Ausdrucksmitteln des neuen Mediums und untersuchten die Frage nach seiner Abgrenzung zu Literatur, Theater oder Malerei. Die Debatte wurde in Zeitungen und Zeitschriften geführt.
Im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit werden einige ausgewählte Beispiele aus der Kinodebatte ausführlich besprochen: Die Beiträge der Schriftsteller Egon Friedell („Prolog vor dem Film“, 1912), Georg Lukács („Gedanken zu einer Ästhetik des Kinos“, 1913) und Hugo von Hofmannstahl („Der Ersatz für die Träume“, 1921) beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln und setzen jeweils andere Schwerpunkte. Dennoch weisen sie gemeinsame Ansichten und sich überschneidende Gedanken auf. Die wichtigsten Aspekte werden in der Arbeit vorgestellt und miteinander in Beziehung gesetzt, um die jeweiligen Positionen der Autoren zum Kino zu verdeutlichen und – im Kleinen auf das Große verweisend –die Atmosphäre der gesamten zeitgenössischen Debatte wiederzugeben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kino als Ausdruck des Zeitgeistes

3. Kino und Theater

3.1 Das Wesen des Theaters

3.2 Das Wesen des Kinos

4. Sprache und Bild

5) Schlussbetrachtung: Pro oder contra?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die frühen theoretischen Auseinandersetzungen über das neue Medium Film im Zeitraum zwischen 1909 und 1929. Anhand ausgewählter Schriften von Egon Friedell, Georg Lukács und Hugo von Hofmannsthal wird analysiert, wie diese Autoren das Kino als kulturelles Phänomen reflektierten, wie sie die Abgrenzung zum Theater wahrnahmen und welche Bedeutung sie der visuellen Sprache gegenüber dem Wort beimaßen.

  • Kulturelle Einordnung des Kinos im frühen 20. Jahrhundert
  • Verhältnis zwischen traditionellem Theater und dem neuen Medium Film
  • Die ästhetische Funktion von Bildlichkeit vs. sprachlicher Artikulation
  • Soziologische Aspekte des Kinobesuchs als "Ersatz für Träume"
  • Positionierung des Films als technischer Fortschritt innerhalb der Gesellschaft

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Wesen des Theaters

Egon Friedell ist beispielsweise nicht der Ansicht, dass die klassischen Dramen unmodern geworden seien und deshalb vom Kino ersetzt werden sollten. Vielmehr missfallen ihm gerade die neuen Bühnenstücke, welche zunehmend oberflächlicher werden und die Grenzen der Genres aufweichen, da sie – anstatt der kulturellen Bildung – nur noch dem vordergründigen Ziel dienen, ein Massenpublikum zu unterhalten: „Lyrik oder Philosophie sind für die wenigsten Menschen unentrinnbare Notwendigkeiten. […] Die Kunst ist ein Luxusartikel, das Theater eine Utilität.“(FP 46) Friedell bedauert, dass das Theater nur noch als Ort der Zerstreuung gesehen wird.

Für diese Zwecke sei das Kino der besser geeignete Platz, denn selbst sehr oberflächliche und nur der profanen Unterhaltung dienende Werke erscheinen auf der Leinwand wesentlich lebendiger und faszinierender als auf der Bühne.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Entwicklung des Kinos vom Jahrmarktsphänomen zum anerkannten Kulturgut ein und erläutert die Relevanz der Kinodebatte für die damalige Zeit.

2. Kino als Ausdruck des Zeitgeistes: Hier wird das Kino als Spiegel der gesellschaftlichen Beschleunigung und Industrialisierung analysiert, wobei besonders die Ansichten von Egon Friedell beleuchtet werden.

3. Kino und Theater: Dieses Kapitel vergleicht die mediale Spezifik von Bühne und Leinwand, indem die Autoren Friedell und Lukács die unterschiedlichen Wirkungsweisen und Daseinsberechtigungen beider Formen untersuchen.

3.1 Das Wesen des Theaters: Es wird die Sorge der Autoren thematisiert, dass das Theater durch die Ausrichtung auf ein massenkompatibles Unterhaltungsprogramm seine ursprüngliche Funktion als Ort kultureller Bildung verliert.

3.2 Das Wesen des Kinos: Hier stehen die technischen Möglichkeiten der Kamera, die visuelle Ästhetik und die phantastische Dimension des Films als "Gegenwelt" zum Theater im Fokus.

4. Sprache und Bild: Dieses Kapitel erörtert die Rolle des fehlenden Tons und argumentiert, dass Bilder eine eigene, mächtige Sprache besitzen, die das geschriebene Wort in seiner expressiven Kraft übertreffen kann.

5) Schlussbetrachtung: Pro oder contra?: Eine zusammenfassende Synthese der Positionen, die zeigt, dass alle drei Autoren dem Kino trotz unterschiedlicher Schwerpunkte positiv und aufgeschlossen gegenüberstanden.

Schlüsselwörter

Kinodebatte, Stummfilm, Egon Friedell, Georg Lukács, Hugo von Hofmannsthal, Intermedialität, Theaterästhetik, Bildsprache, Industrialisierung, Zeitgeist, Moderne, Illusionskino, Massenmedium, Kulturkritik, Wahrnehmung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der frühen theoretischen Auseinandersetzung intellektueller Kreise mit dem Film zwischen 1909 und 1929.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Theater und Film, die Rolle der Technik, die ästhetische Kraft von Bildern sowie die soziologische Funktion des Kinos.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Positionen von Friedell, Lukács und Hofmannsthal zum Kino darzustellen und diese in den Kontext der zeitgenössischen Debatte einzuordnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparatistische Analyse der Originalbeiträge und ordnet diese interpretativ in den historischen Zeitgeist ein.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die mediale Beschaffenheit des Kinos im Vergleich zum Theater sowie die Frage, ob das Kino als bloße Unterhaltung oder als neue Kunstform zu verstehen ist.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kinodebatte, Intermedialität, Bildsprache, Moderne und Kulturkritik charakterisiert.

Warum spielt das "Höhlengleichnis" von Platon eine Rolle für Hofmannsthal?

Das Höhlengleichnis dient als philosophische Assoziation, um zu hinterfragen, ob das Kino lediglich eine "schöne Scheinwelt" erschafft, die den Zuschauer von der sozialen Realität ablenkt.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Friedell und Lukács zum Film?

Während Friedell den Film als logisches Produkt technischer Entwicklung und "Spiegel der Gesellschaft" sieht, betont Lukács stärker die filmische Ästhetik und den formalen Unterschied zum Theater als Medium der Gegenwart.

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Details

Title
Kinodebatte (1909-1929): Egon Friedell, Georg Lukács, Hugo von Hofmannsthal und ihre Meinung zum neuen Medium Film
College
University of Paderborn
Course
Intermedialität
Grade
sehr gut (1,3)
Author
Tobias Schneider (Author)
Publication Year
2005
Pages
20
Catalog Number
V81326
ISBN (eBook)
9783638851527
ISBN (Book)
9783638853651
Language
German
Tags
Kinodebatte Egon Friedell Georg Lukács Hugo Hofmannsthal Meinung Medium Film Intermedialität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Schneider (Author), 2005, Kinodebatte (1909-1929): Egon Friedell, Georg Lukács, Hugo von Hofmannsthal und ihre Meinung zum neuen Medium Film, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81326
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