Der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit in pädagogischen Schriften


Hausarbeit, 2005
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Von der theozentrischen zur anthropozentrischen Weltsicht
2.1 Scholastik
2.2 Humanismus und Renaissance

3. Veränderungen in Wissenschaft und Technik

4. Einfluss der Veränderungen auf die Gesellschaft und die Erziehung
4.1 Bürgertum als Bildungsmacht

5. Fazit

Literaturverzeichnis:

Der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit in pädagogischen Schriften

Was hat die Veränderungen in diesem Übergang hervorgerufen, welche Folgen hatten diese?

1. Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem ideengeschichtlichen Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. In diesem Zusammenhang werden jedoch nur die Hauptströmungen mit einbezogen, die sich letztendlich auf die Entwicklung zum neuzeitlichen Denken ausgewirkt haben. Dabei soll herausgearbeitet werden, was sich in diesem Zeitraum verändert hat und bereits im Mittelalter als neuzeitliches Gedankengut bezeichnet werden kann. Es ist nicht das Ziel zu zeigen, wie sich die Neuzeit systematisch entwickelt hat, was generell auch nicht möglich ist, da die Veränderungen nicht kausal aufeinander aufbauen. Vielmehr verlaufen viele der geistigen Strömungen nebeneinander. Das Menschenbild änderte sich demnach nicht sofort nach dem Aufkommen neuer Ideen, aber es gab Einzelne, die sie entwickelten und Anhänger, die ihnen folgten. Auf diese Weise wurde auch die alte Denkweise erhalten; vermutlich gab es mehr Menschen, die in ihrer alten Denkweise blieben, als solche die sich Neuem anschlossen. Aufgrund der kirchlichen Autorität und der Auslegung des christlichen Glaubens ist es bemerkenswert, dass überhaupt eine Weiterentwicklung stattgefunden hat. Eine neue Denkweise konnte sogar gefährlich für das eigene Leben werden, da die Kirche nur eine einzige Wahrheit akzeptierte und anders Denkende unerbittlich als Ketzer verfolgte. Dennoch waren Einzelne bereit diese Gefahr für ihre Ideen und Erkenntnisse einzugehen. Wobei man sich nicht vorstellen muss, dass sie ihre Denkweise radikal veränderten und alles was bis dahin war verwarfen. Sie verließen den durch den Glauben und die Kirche vorgegebenen Weg und fanden eine Art Abzweig, in Form einer neuen Variation des Denkens. Da die Kirche noch im Hochmittelalter die höchste Bildungsmacht war, ist es auch nicht verwunderlich, dass moderneres Denken zunächst in den Klöstern entstand und Verfechter dessen Mönche waren. Dass sich neues Denken im Laufe der Zeit überhaupt etablierte, hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass der beschrittene Weg bis zu jenem besagten Abzweig gemeinsam zurückgelegt wurde und man somit eine bekannte gemeinsame Grundlage hatte.

Eine genaue zeitliche Verortung des Entstehens des neuzeitlichen Denkens ist jedoch schlecht möglich, da Interpretationen in dieser Hinsicht immer durch Beobachtungen späterer Zeitgenossen entstanden sind. Die eigentliche Basis für unsere moderne Denkweise entsteht jedoch in der Epoche die als Humanismus oder Renaissance bekannt ist; Bezeichnungen die auch erst später in der Reflexion über den Zeitraum gewählt wurden. Hier entstand, in einem Bezug auf antike Traditionen, das, was wir heute als modernes Subjektdenken bezeichnen. Der Mensch löste sich in seinem Gedankengut von Gott, dem Bezugspunkt von allem und jedem und übernahm als Individuum selbst die Verantwortung für seine Welt. Deshalb beruht die Argumentation dieser Arbeit hauptsächlich auf der Entwicklung in jenem Zeitabschnitt. „Der Mensch wird im Humanismus in sein neuzeitliches Wesen eingesetzt […].“[1]

Besagte Veränderung fand zunächst nur auf einer ideengeschichtlichen Ebene statt, realgeschichtlich war man noch lange nicht soweit. Deutlich wird dies an der Tatsache, dass die Kirche neben der Entwicklung des neuzeitlichen Gedankengutes die Inquisition mit aller Härte durchsetzte; man glaubte genauso an Hexen, wie an Dämonen. Erstaunlicherweise traf das auch auf diejenigen zu, die sich neuen Ideen zuwandten: so war zum Beispiel Martin Luther, der Reformator, ein Befürworter der Hexenverbrennung, Thomas von Aquin schrieb eine Abhandlung über die Sperma - Beschaffung von Dämonen.[2] Die Reformation, die zwar ebenfalls Auswirkungen auf die Ideengeschichte hatte, soll hier aber nicht weiter beleuchtet werden. Die Arbeit soll vielmehr die entstandenen Veränderungen herausstellen, die sich aus anthropologischer Sicht bis zum Humanismus entwickelten. Daneben auch die Entwicklungen aus Technik und Wissenschaft, da ich hier eine entscheidende Beeinflussung der Ideengeschichte sehe. Mit der Veränderung des Menschenbildes findet auch eine Verschiebung der Normen und Werte statt, was zuletzt auch Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung hatte. Insbesondere ist hier ein Bezug zur Erziehung zu sehen, da Werte und Normen über Erziehung und Bildung vermittelt werden. Ich möchte die Betrachtungen, im Sinne eines Exkurses, zusätzlich in diese Richtung lenken. Es werden in diesem Zusammenhang auch nur die Hauptauswirkungen aufgezeigt, die sich als nachhaltig erwiesen haben.

2. Von der theozentrischen zur anthropozentrischen Weltsicht

Das Bild des Menschen im Mittelalter war allein auf Gott ausgerichtet. Gott war der Schöpfer aller Dinge und stand im Mittelpunkt der Welt, da alles von ihm ausging. Er war der Begründer der Wahrheit und der einzige Lehrer. Die göttliche Offenbarung war zeitlich jeder Lehre voraus. Nach dem moneastischen Ideal war eine Leibesfeindlichkeit vorherrschend. Besonders das menschliche Bedürfnis nach Sexualität wurde verteufelt. Die Überwindung der Geschlechtlichkeit stellte das Herzstück des moneastischen Ideals dar.[3] Es gab nur eine Quelle der Wahrheit, das „innere Ich“. Die Abkehr von der Welt stellte die einzige Möglichkeit dar, diese Wahrheit zu finden. Mit der Abwendung von der Welt erreichte man eine höhere Stufe des Daseins; das Leben diente dazu seine Erfüllung im Jenseits zu vorzubereiten. Neugier wurde als eine Sünde angesehen, deshalb gab es auch lange Zeit keine Weiterentwicklung. Unterstützt wurde dies zusätzlich durch die Erbsündelehre von Augustinus, nach der Gott willkürlich bei der Auswahl war, wer in das Paradies kam und wer in die Hölle geschickt wurde. Dadurch war es den Menschen egal ob sie die Welt verbessern konnten oder nicht und es kam zu dem Stillstand auch aus anthropologischer Sicht. Dies änderte sich erst mit der Rückbesinnung auf antike Traditionen und der entstehenden Wissenschaft mit ihren neuen Entdeckungen.

2.1 Scholastik

Der wichtigste Schritt zur Veränderung des Menschenbildes war die Wiederentdeckung der antiken Schriften und Traditionen, insbesondere der des Aristoteles. Die Übersetzung in das Lateinische erfolgte aus dem Arabischen und die Auseinandersetzung der Mönche mit diesem angrenzenden Kulturkreis führte zu einer Differenz im Denken, was schließlich die Grundlage für Veränderungen bildete. Aus dieser Grundlage kam es zu einem Neuansatz in der Ideengeschichte, der Scholastik. Grundlegend für diese Strömung war die Wiederentdeckung der aristotelischen Schriften und die Rückbesinnung auf jene antike Axiomatik, die bereits in die christlichen Lehren eingeflossen war.[4] Das Wissen über die Schriften war im europäischen Raum weitgehend verloren gegangen und man stieß erst durch die Berührung mit der angrenzenden islamischen Kultur wieder darauf. Da die Schriften, mit den Interpretationen der arabischen Philosophen, in das Lateinische zurück übersetzt wurden, kam es auch zu einer geistigen Auseinandersetzung mit der Kultur des Islam und seinen Gelehrten. Instrument für diese Auseinandersetzungen war die, bereits bei Aristoteles verwendete, Apologetik. Nach dieser Methode versuchte jeder seine eigenen Überzeugungen zu verteidigen, in dem man über Gemeinsamkeiten den anderen von der Richtigkeit seines Glaubens zu überzeugen versuchte. Das Herausstellen von Gemeinsamkeiten war wichtig, weil sie einen bekannten Abholpunkt darstellten, von dem aus man weiter vorgehen konnte. Von einem solchen Punkt aus konnten bestehende Differenzen erneut diskutiert werden. Die Tradition der Dialektik erwies sich hierfür als sehr nützlich, zudem nutzte man die von Aristoteles geprägte Syllogistik, die Begriffslogik. Mit der Scholastik entstand eine neue gedankliche Strömung, die sich auf das vorhandene Weltbild und das Menschenbild auswirken sollte. Die Auswirkungen und Veränderungen vollzogen sich zunächst in einem pädagogischen Zusammenhang, da man den Inhalt der christlichen Lehren und der Religion nicht im geringsten bezweifelte.[5] Eine Folge war aber die Entstehung einer argumentativen Wissenschaft, die sich auch über die Klöster hinaus ausbreitete. Entscheidend für spätere Veränderungen war die Gleichstellung von Theologie und Philosophie als gleichberechtigte Wissenschaft.

Einer der bedeutendsten Scholastiker war Thomas von Aquin (1225 – 1274). Mit seiner Auslegung von der Möglichkeit der Lehre und des Lernens begann sich auch das Menschenbild zu ändern. Der Stellenwert den Gott bis zu diesem Zeitpunkt einnahm wurde erheblich eingeschränkt. Bis zur Theorie von Thomas von Aquin war die Auffassung von Augustinus vorherrschend. Nach diesem war eine Unterrichtung des Menschen nicht möglich, eine Fragestellung die er in seinem Werk >> de magistro<< behandelte. Er ging davon aus, dass alles Wissen von Gott in den Menschen hineingegeben und somit bereits vorhanden sei. Diese Ansicht beruhte vor allem auf dem Zeichencharakter der Sprache. Die Wörter, die man aussprach, waren gleichzusetzen mit den realen Dingen in der Natur, dem Seienden. Fragt man ein Kind, welches noch nie einen Stein gesehen hat nach demselben, weiß es mit dem Wort nichts anzufangen. Zeigt man mit dem Wort den Stein, so weiß das Kind dies ist ein Stein. Das Wissen über den Stein ist demnach, aus der Sicht von Augustinus, bereits im Kind vorhanden. Der Mensch kann nichts lernen, was er sowieso schon weiß. Daher ist eine Lehre, außer von Gott, nicht möglich und er war somit der einzige Lehrer.

[...]


[1] Ballauff 1969,

[2] vgl. Treml 2005,

[3] Ballauff 1969, S.291

[4] vgl. Ballauff 1970,

[5] vgl. Treml 2005, S146 f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit in pädagogischen Schriften
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Pädagogische Ideengeschichte
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V81366
ISBN (eBook)
9783638853026
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit schlüsselt die ideengeschichtlichen Veränderungen vom Mittelalter zur Neuzeit im Zuge der vorherrschenden HAuptströmungen auf.Auf diese Weise geht der Autor auf die mögliche Erziehbarkeit des Menschen sowie die entwicklung eines anthroprozentrischen Weltbildes ein.
Schlagworte
Mittelalter, Neuzeit, Schriften, Pädagogische, Ideengeschichte
Arbeit zitieren
Kim Feilcke (Autor), 2005, Der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit in pädagogischen Schriften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81366

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