Der Bildungsbegriff des Neuhumanismus. Wilhelm von Humboldt


Hausarbeit, 2007
25 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Bedeutung der Bildung im 19. Jahrhundert
1.1 Bildung statt Erziehung
1.2 Wilhelm von Humboldt (1767-1835)

2. Die Bildungstheorie Wilhelm von Humboldts
2.1 Grundzüge seiner Bildungstheorie
2.2 Anforderungen an den Staat
2.3 Mensch – Welt – Bildung
a) Die „höchste und proportionirlichste Bildung“
b) Der Zweck des Menschen
c) Das Verhältnis von Mensch und Welt

3. Die Sprache als Vermittlerin
3.1 Sprache und Denken
3.2 Nationalität und Sprache
3.3 Wechselwirkung – Wechselgespräch

4. Die bildungspolitische Tätigkeit Humboldts – Forderung nach bürgerlichen Freiheitsrechten
4.1 Humboldt als Bildungspolitiker
4.2 Sozialgeschichtliche Realität – Die neue (Bildungs-) Elite

5. Fazit

Einleitung

Im ausgehenden 18. Jahrhundert, bzw. zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Begriff der Aufklärungspädagogik von der Erziehung als einer Erziehung zur Brauchbarkeit hin zu dem Bildungsbegriff der Neuhumanisten, der geprägt war durch die Vorstellung, dass Bildung vom Menschen selbst ausgeht und weniger von außen bestimmt werden darf.

Im ersten Kapitel schildere ich kurz die Situation zu Beginn des 19. Jahrhunderts und die neuen Anforderungen, die sich der Pädagogik stellen.

Außerdem werde ich kurz auf die Bedeutung Wilhelm von Humboldts für den Neuhumanismus eingehen und seine Bildungstheorie in den Kontext seiner Zeit eingliedern.

Im zweiten Kapitel geht es dann um die Bildungstheorie Wilhelm von Humboldts, um die Begrifflichkeiten und Zusammenhänge einzelner Bereiche, wie „Mensch“, „Welt“, „Staat“ etc..

Im dritten Kapitel beschäftige ich mich mit der Bedeutung der Sprache bei Humboldt, wobei ich mich auf seine bildungstheoretischen Ausführungen zur Sprache beschränke.

Im vierten Kapitel geht es um Humboldts bildungspolitische Tätigkeit, insbesondere natürlich den Königsberger und Litauischen Schulplan aus dem Jahre 1809.

Daran anschließend wird es im fünften Kapitel darum gehen, inwieweit sich die Konzeption einer allgemeinen, freien und selbstbestimmten Menschenbildung überhaupt durchsetzen konnte und woran sie zunächst auch teilweise gescheitert ist.

In meinem Fazit geht es dann um die Aktualität Humboldts und inwieweit sich auch wir uns in der heutigen Zeit mit Problemen auseinandersetzen müssen, denen wir bisher noch nicht gewachsen waren oder sind. Welche Anforderungen stellt dies an die heutige Bildung?

1. Die Bedeutung der Bildung im 19. Jahrhundert

1.1 Bildung statt Erziehung

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts befand sich die Gesellschaft in einem entscheidenden Umbruch.

Die immer weiter fortschreitende Industrialisierung führte zu großen Veränderungen in der Gesellschaft. Die Anforderungen an die Menschen vervielfältigten sich, wurden anspruchsvoller und verlangten neue Wege der Problemlösung.

Die herkömmlichen Erklärungshorizonte waren nicht mehr geeignet, mit den neuen Gegebenheiten umgehen zu können. Die Gegenwart gestaltete sich völlig anders als bis dahin bekannt.

Im neuen, neuhumanistischen, Denken stand nicht mehr die Erziehung zu etwas Bestimmten im Mittelpunkt, sondern Leitbegriffe wie Bildung und Individualität beherrschten die Ansichten über die Erziehung (Baumgart, Franzjörg (2001), S. 83).

„Der sich seiner selbst bewusste und gewisse Mensch löst den brauchbaren Bürger ab.“ (Menze, Clemens (1975), S. 14). Die Ausbildung zu einem Beruf verliert hinter der allgemeinen Menschenbildung an Bedeutung.

Die Perspektive verändert sich. Nicht mehr der Erzieher gibt die Ziele vor, die ja durch die Gesellschaft bestimmt sind, sondern die der Zu-Erziehenden soll sich selber selbstbestimmt und frei bilden.

Hier lässt sich gewiss auch ein Einfluss Kants auf die neuhumanistischen Denker erkennen, da Kant neben der Disziplinierung, Kultivierung und Zivilisierung auch die Bedeutung der Moralisierung in seine Überlegungen über Erziehung hervorhebt (Koller, Hans-Christoph (2004), 71f).

Auch er geht von inneren Überzeugungen eines Menschen aus, die seine Geschicke und Handlungen leiten sollen, jedoch ist das Moment der Erziehung bei ihm stärker als bei den Neuhumanisten ausgeprägt.

Damit soll der neue, freie Mensch, anders als der bisherige Bürger in der Lage sein, mit neuen Anforderungen umgehen zu können, sich immer weiter zu bilden.

1.2 Wilhelm von Humboldt (1767-1835)

Wilhelm von Humboldt gilt als der bedeutendste Vertreter des Neuhumanismus (Baumgart, Franzjörg (2001), S. 87). Auch wenn seine Bildungstheorie in seinem Werk eine eher untergeordnete Rolle einnimmt (ebd.), so steht doch im Mittelpunkt der neuhumanistischen Bewegung (Menze, Clemens (2004), S. 9).

In Humboldts Überlegungen zur Bildung zeigt sich seine skeptische Haltung seiner Zeit gegenüber, die aus der Erkenntnis rührt, dass sich durch die Neuerungen vorangegangener Jahre zwar vieles verändert habe, aber noch lange nichts verbessert wurde.

Die Menschen hatten seiner Meinung nach noch keinen Nutzen aus den Veränderungen gezogen, ihre Menschenbildung wurde den neuen Situationen nicht angepasst (Menze, Clemens (1975), S. 9).

Immer noch waren sie verhaftet in Ständen, ihre Situation wurde auch durch die Industrialisierung nicht besser, nun waren sie austauschbar geworden (ebd.) und der Sinn ihres Seins lag rein in ihrer Brauchbarkeit.

In Humboldts Bildungsverständnis stehen der Mensch und seine eigene, individuelle Bildung im Mittelpunkt (Menze, Clemens (1975), S. 16).

Vor diesem Hintergrund stellten sich die Humanisten, stellte sich Humboldt die pädagogische Grundfrage: „Wie können eine als Erziehung sich ausgebende Menschenzüchtung abgewehrt und Bildung als Menschenrecht, als fortschreitende Verwirklichung von Humanität und Freiheit gefördert werden?“ (Menze, Clemens (1975), S. 17).

Der Mensch soll herausgelöst werden aus gesellschaftlichen Zwängen und sich zweckfrei – zumindest nicht zweckentfremdet durch außen – bilden dürfen.

Wilhelm von Humboldt beließ es jedoch nicht nur bei der Bildungstheorie, sondern er wurde auch als Bildungspolitiker tätig.

In seiner Tätigkeit als Direktor der Sektion für Kultus und Unterricht im preußischen Innenministerium war er 1809 maßgeblich an der Erstellung der Grundlinien der späteren preußischen Bildungsreform beteiligt (Baumgart, Franzjörg (2001), S. 91).

Humboldt stellte die allgemeine Bildung in das Zentrum der schulischen Bildung, vor der Berufausbildung stand zunächst die allgemeine Menschenbildung.

Bildung sollte überwiegend in drei aufeinander aufbauenden Bildungsinstitutionen vermittelt werden, nämlich in Elementarschulen, in Gymnasien und in Universitäten.

Dies bedeutete damals einen erheblichen Aufwand seitens des preußischen Staates. Das vorherrschende Bildungssystem wurde radikal in Frage gestellt (Baumgart, Franzjörg (2001), S. 92) und für die Umsetzung der Reform bedurfte es eines gewaltigen verwaltungstechnischen und wirtschaftlichen Aufwands.

Aber nicht nur von Seiten des preußischen Staates hatte Humboldt Widerstand zu erwarten. Auch seine Konzeption der Elementarschule als einen Ort, an dem das Kind eines Gelehrten neben dem Kind eines Bauern am Unterricht teilnehmen sollte, konnte besonders den oberen Schichten nicht gefallen haben.

An diesen und anderen Stellen stießen die Bildungstheorie Humboldts und ihre Umsetzung in die Wirklichkeit der Gesellschaft um 1800 an ihre Grenzen und auf viele Widerstände.

Im folgenden möchte ich näher auf die Bildungstheorie Humboldts eingehen, dabei die Rolle der Sprache hervorheben und natürlich auch seine Tätigkeit als Bildungspolitiker kurz erläutern.

2. Die Bildungstheorie Wilhelm von Humboldts

2.1 Grundzüge seiner Bildungstheorie

Wilhelm von Humboldts Bildungstheorie stellt die Individualität des Menschen in den Mittelpunkt. Bildung soll den Menschen zu seiner inneren Veredelung

und eigenen Vollendung führen und ihm die Freiheit zur Individualität ermöglichen (Humboldt, W. v. (1960), S. 235).

Humboldts Bildungsbegriff wird an einer Stelle aus einer seiner frühen Schriften besonders deutlich: „Der wahre Zwek des Menschen - […] – ist die höchste und proportionirlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen.“ (Humboldt, W. von (1792), zit. nach: Benner, D. (1995), S. 48).

Humboldt meint mit dem Begriff vom „Zwek des Menschen“, ähnlich wie Kant mit seinem Begriff der Bestimmung oder aber auch wie die Entelechie bei Aristoteles (wobei sich Aristoteles auf alle Objekte bezieht), dass jedem Menschen das Ziel seiner Entwicklung innewohnt.

Der Mensch kann dieses Ziel nur in der selbsttätigen Auseinandersetzung mit der natürlichen, sozialen und kulturellen Welt erreichen. Dabei ist er darauf angewiesen, dass die gesellschaftlichen Voraussetzungen diese selbstbildenden Prozesse begünstigen (Benner, D. (1995), S. 48).

Damit alle Menschen die Möglichkeit für die Steigerung ihrer inneren Kräfte erhalten, sollte der Zugang zur Bildung frei sein, zudem sollte jedem einzelnen ermöglicht werden, an so vielen „Lebenssituationen“ (Benner, D. (1995), S. 44) wie möglich teilnehmen zu können.

2.2 Anforderungen an den Staat

Diese Forderung an die Politik setzt voraus, dass sich das Verhältnis von Politik und Bildung verändert, nämlich von einer untergeordneten zu einer dialektischen Beziehung (Benner, D. (1995), S.44).

Freiheit muss auf der einen Seite vom Staat gewährt, auf der anderen Seite aber auch vom handelnden Menschen selbst verwirklicht werden, nur so kann die Selbstbildung der Menschen gelingen (ebd.)

Das Ideal der Freiheit zur Selbsttätigkeit des Menschen sieht Humboldt in der Antike. „Die Alten sorgten für die Kraft und Bildung des Menschen“ (Humboldt, W. v. (1960), S. 61), die Antike rückte den Menschen, „die Blüthe der Phantasie, die Tiefe des Geistes, die Stärke des Willens, die Einheit des ganzen Wesens, welcher allein dem Menschen wahren Werth giebt.“ und nicht die Gesellschaft als ein „ideelles Ganzes“ in den Mittelpunkt (Humboldt, W. v. (1960), S. 61).

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der Bildungsbegriff des Neuhumanismus. Wilhelm von Humboldt
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V81373
ISBN (eBook)
9783638853040
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungsbegriff, Neuhumanismus, Wilhelm, Humboldt
Arbeit zitieren
Stephanie Klingemann (Autor), 2007, Der Bildungsbegriff des Neuhumanismus. Wilhelm von Humboldt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81373

Kommentare

  • Gast am 13.6.2008

    Super Arbeit!.

    Vielen Dank für diese echt gute Arbeit! Hab mich damit auf ne Prüfung vorbereitet! Stand alles Wissenswertes drin!

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