Dollarisierung zur Überwindung von Finanzkrisen

Eine volkswirtschaftliche Analyse für Ecuador


Bachelorarbeit, 2006

73 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Charakteristika der Dollarisierung
2.1.1 Vorteile einer Dollarisierung
2.1.2 Nachteile einer Dollarisierung
2.2 Probleme bei der Einführung einer neuen Währung
2.3 Voraussetzungen einer erfolgsversprechenden Dollarisierung
2.3.1 Optimum Currency Area Kriterien
2.3.2 Bedeutung der institutionellen Ausgangsbedingungen
2.3.3 Strukturellen Reformen

3 Dollarisierung in Ecuador
3.1 Länderinformationen zu Ecuador
3.1.1 Politische Krise
3.1.2 Die Banken- und Finanzkrise
3.2 Wirtschaftliche Entwicklung
3.2.1 Makroökonomische Daten
3.2.2 Außenwirtschaft
3.2.3 Monetäre Entwicklung
3.2.4 Staatsfinanzen
3.3 Inoffizielle Dollarisierung
3.4 Rolle der internationalen Organisationen
3.4.1 International Monetary Fund
3.4.2 Weltbank
3.5 Soziale Entwicklungen

4. Kritische Würdigung

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Präsidenten von Ecuador

Abbildung 2: Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Abbildung 3: Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf

Abbildung 4: Entwicklung der Inflation

Abbildung 5: Durchschnittliche Arbeitslosenrate

Abbildung 6: Entwicklung der Exporte

Abbildung 7: Entwicklung der Importe

Abbildung 8: Entwicklung der Leistungsbilanz

Abbildung 9: Wechselkursentwicklung

Abbildung 10: Währungsreserven

Abbildung 11: Entwicklung der Einlagen

Abbildung 12: Entwicklung der Zinsdifferenz von Kredit- und Sparzins

Abbildung 13: Staatshaushalt

Abbildung 14: Staatsausgaben

Abbildung 15: Entwicklung der Auslandsschulden

Abbildung 16: Grad der inoffiziellen Dollarisierung

Abbildung 17: Entwicklung der konsumbezogenen Armut

Abbildung 18: Entwicklung der Stundenlöhne

Abbildung 19: Entwicklung der Bildungs- und Gesundheitsausgaben

Abbildung 20: Entwicklung der Migration und Transferzahlungen

Abbildung 21: Das Trilemma der Währungspolitik

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Seit Mitte der 90er Jahre hat die Welt eine große Anzahl von Finanzkrisen erlebt. Die Asienkrise oder die Wirtschaftskrise in Argentinien sind hier nur als Beispiele unter vielen zu erwähnen. Viele dieser Finanzkrisen zeichnen sich durch ähnliche Merkmale und Ursachen aus. Bei vielen kleineren Volkswirtschaften ist die Auslandsverschuldung in einer Fremdwährung notiert. Kommt es im Verlauf der Krise zu einer starken Abwertung der heimischen Währung, führt dies zwangsläufig zu einer Aufwertung der Auslandsschulden und damit zu einem höheren Rückzahlungsbetrag. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und der schnelle Abzug des privaten Kapitals im Land sind weitere Charakteristika zahlreicher Finanzkrisen.[1] Es stellt sich daher die Frage was die optimale Währungspolitik für die durch Finanzkrisen erschütterten Länder ist, um die zukünftige Entwicklung des Landes positiv zu beeinflussen. In der Literatur gibt es zahlreiche Auffassungen über die optimale Währungspolitik nach einer Finanzkrise. Von der Mehrheit vorgeschlagen werden aber nur die beiden extremen währungspolitischen Maßnahmen. Bei dem vollkommen freien Wechselkurs verfolgt die inländische Zentralbank kein explizites Wechselkursziel, sondern akzeptiert den sich ständig ändernden Marktwert. Bei dem absoluten festen Wechselkurs, welcher in Form von Dollarisierung, Euroisierung und Currency Board auftritt, wird die Geldmenge zur exogenen Größe, weil diese entweder ausschließlich aus Fremdwährung besteht oder durch den Bestand an Fremdwährungsreserven begrenzt ist. Zur Lösung der Finanzkrisen in den Ländern wurde von vielen internationalen Institutionen die Aufgabe der eigenen Geldpolitik durch ein fixiertes Wechselkurssystem gefordert. Argentinien diente damals als Vorzeigemodell mit ihrem System des Currency Board. Meine Arbeit beschäftigt sich mit der Dollarisierung als eine Form der optimalen Währungspolitik nach einer Finanzkrise. Am Beispiel für Ecuador soll die Frage geklärt werden, ob die Dollarisierung und die damit verbundene Aufgabe der eigenen nationalen Währung ein geeignetes Mittel ist um Finanzkrisen nachhaltig zu lösen.

Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Im ersten Kapitel werden die theoretischen Hintergründe des Prozesses der Dollarisierung erläutert. Das ist notwendig um die Vor- und Nachteile dieser währungspolitischen Maßnahme explizit darstellen zu können und hinterher bewerten zu können. Im zweiten Kapitel wird auf das Land Ecuador und den dortigen Prozess der Dollarisierung eingegangen. Ein Großteil dieses Kapitels befasst sich mit der wirtschaftlichen Analyse vor, während und nach der Finanzkrise im Land. Im letzten Kapitel möchte ich die Arbeit kritisch würdigen und die oben dargestellte Problemstellung anhand des erarbeiteten Wissens beantworten.

2 Theoretische Grundlagen

In diesem Kapitel soll der theoretische Hintergrund einer Dollarisierung näher erläutert werden. Dazu gehören die Charakteristika der Dollarisierung mit den Vor- und Nachteilen der Währungspolitik und die Probleme, die sich aus der Einführung einer neuen Währung nach einer Dollarisierung ergeben. Zuletzt wird erläutert, welche Voraussetzungen in einem zu dollarisierenden Land herrschen sollten, damit der währungspolitische Prozess Erfolg haben kann.

2.1 Charakteristika der Dollarisierung

Der Vorgang der Dollarisierung, das einzelne Staaten ihre eigene, nationale Währung zu Gunsten des USD aufgeben, ist nicht neu. Gerade viele kleinere Staaten, wie z.B. Palau oder auch Mikronesien[2], sind seit über 50 Jahren dollarisiert. Aus diesen traditionell dollarisierten Ländern sticht ein Land besonders hervor. Panama hat 1904 mit Erlangung der Unabhängigkeit den USD als offizielle Währung eingeführt.[3]

Der Begriff ‚Dollarisierung’ kennzeichnet im Allgemeinen die Verwendung einer fremden Währung, hier USD, anstelle der eigenen nationalen Währung oder auch parallel zur nationalen Währung. Dollarisierung steht für die Währungssubstitution im Land, wenn die Fremdwährung alle Funktionen der nationalen Währung in der Volkswirtschaft übernimmt. Zu diesen Funktionen gehört die Zahlungsmittelfunktion, Wertaufbewahrungsfunktion und die Wertmessfunktion. Die Zahlungsmittelfunktion beschreibt die Tauschfunktion des Geldes, womit Waren in Geld getauscht (gezahlt) werden können und es bei diesem Vorgang zu keinerlei Tauschverlusten kommt. Durch die Wertaufbewahrungsfunktion kann der Tausch von Waren und Geld zeitlich verschoben werden. Sie ermöglicht die Verlagerung des gegenwärtig erwirtschafteten Konsums in die Zukunft durch die Bildung von Ersparnissen und Vermögen. Die Wertmessfunktion beschreibt die Eigenschaft des Geldes als Recheneinheit. Hierbei dient Geld als Vergleichsmaßstab für die Umrechnung von Lohnarbeit, Dienstleistung und Waren in einen bestimmten Preis, der zum Verbrauch aufgewendet werden muss. Es gibt zwei unterschiedliche Formen der Dollarisierung. Man differenziert zwischen offizieller und inoffizieller Dollarisierung.

Eine offizielle Dollarisierung liegt dann vor, wenn aufgrund eines politischen Beschlusses oder Gesetz in einem Land die eigene, nationale Währung gegen eine ausländische Währung als offizielles Zahlungsmittel substituiert wird. Je nach dem ob die fremde Währung neben der nationalen Währung als Zahlungsmittel fungiert oder als einziges gesetzliches Zahlungsmittel, spricht man von einer partiellen oder vollständigen Dollarisierung. Kommt es zu einer vollständigen Dollarisierung, wird das gesamte nationale Geld sowie alle Forderungen und Verpflichtungen zu einem vorher festgelegten Umrechnungskurs an einen bestimmten Zeitpunkt konvertiert oder in die ausländische Währung getauscht. Eine inoffizielle Dollarisierung liegt dann vor, wenn sich neben der nationalen Währung eine inoffizielle Parallelwährung im Land etabliert hat. Die Parallelwährung nimmt dabei die oben genannten Geldfunktionen an, so dass die einheimische Bevölkerung im großen Maße Aktiva in dieser Währung hält und sich die Verschuldung im Land auch in der Parallelwährung vollzieht. Die inoffizielle Dollarisierung ist ein klares Anzeichen dafür, dass die einheimische Bevölkerung kein Vertrauen in die nationale Währung und in die dazugehörigen Institutionen hat.[4]

2.1.1 Vorteile einer Dollarisierung

Das Ziel einer Dollarisierung ist es eine Finanzkrise im Land durch Stabilität und Kontinuität zu bewältigen und den großen Verlust an Glaubwürdigkeit in die heimische Währung aus der Vergangenheit wiederherzustellen. Mithilfe der Dollarisierung sollen positive Rahmenbedingung für Handel, Investitionen und Wachstum geschaffen werden. In der Literatur werden sieben mögliche Vorteile einer Dollarisierung genannt:

1. Durch die Aufgabe der eigenen nationalen Währung verschwindet das Risiko weiterer Währungskrisen. Die Auswirkungen einer Währungskrise beschränken sich meist nicht nur auf den Finanzsektor. Vielmehr strecken sich diese auf die realen Sektoren einer Volkswirtschaft aus. So ist oft zu beobachten, dass aufgrund von Währungskrisen eine immense Reduzierung des BIP in den betreffenden Ländern auftritt. Diese realwirtschaftlichen Kosten, in der Asienkrise zwischen 7% - 15%, können mit der Dollarisierung vermieden werden.[5]
2. In einer dollarisierten Volkswirtschaft verliert die nationale Zentralbank ihre Kompetenz einer eigenständigen Geldpolitik. Diese wird von nun an von der Zentralbank des Landes der Substitutionswährung bestimmt. Da früher die nationale Zentralbank nicht in der Lage gewesen war eine stabilitätsorientierte und glaubwürdige Geldpolitik zu gestalten und sie in einem dollariserten Land keine Kompetenz in der Geldpolitik hat, senkt sich die Inflation und die Inflationserwartungen im Land. Die inländische Inflationsrate wird sich der Inflation im Ankerland annähern und die Inflationserwartungen werden sinken, da die Dollarisierung als dauerhaft angesehen wird und Vertrauen in die Zentralbank des Ankerlandes besteht.[6]
3. In einer dollarisierten Volkswirtschaft gibt es kein Risiko einer Währungsabwertung. Zusammen mit der Senkung der Inflationserwartungen wird ein deutliches Sinken der Marktzinssätze erwartet. Niedrigere Marktzinsen haben einen positiven Einfluss auf Investitionsentscheidungen und Wachstum. Allerdings werden die Marktzinssätze nur sinken, sofern es nicht zu einem gleichzeitigen Anstieg des Länderrisikos, auch Ausfallrisiko genannt, im Zuge der Dollarisierung kommt. Daher sind die Auswirkungen der Dollarisierung auf die Marktzinsen nur schwer vorherzusagen.[7]
4. Eine Dollarisierung in einer Volkswirtschaft soll eine stabilisierende Wirkung auf dessen Finanzpolitik haben. Zum einen könnten sich die Zinszahlungen für die öffentlichen Schulden aufgrund des Sinkens der Marktzinsen verringern. Zum anderen ermöglicht eine Anbindung an den USD den Zugang zu externen Finanzierungsquellen und neuen Finanzierungsformen an den internationalen Kapitalmärkten. Daraus können bessere Konditionen für die Finanzierung des Landes resultieren. Außerdem wird die Regierung zu mehr Sorgfalt in der Finanzpolitik gezwungen, da ein großes Staatsdefizit nun nicht mehr durch das Drucken frischen Geldes finanziert werden kann.[8]
5. Aufgrund der Substitution der nationalen Währung zu Gunsten einer Ankerwährung werden sich die Transaktionskosten reduzieren. Zu diesen gehören z.B. die Kosten für den Währungsumtausch und Kosten für das Absichern von Wechselkursrisiken. Dieses frei werdende Kapital kann wiederum in andere Investitionen fließen, wodurch sich positive Auswirkungen auf den Handel und den Kapitalstock im Land erwarten lassen. Gerade wenn das Ankerwährungsland zu den Haupthandelspartnern gehört, wird in der Literatur davon ausgegangen, dass sich der Handel und die Handelsverflechtungen zwischen diesen erhöhen. Das soll zu einer Erhöhung des relativen Anteils des Außenhandels am BIP führen und positive Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft haben.[9]
6. Durch den Wegfall der Transaktionskosten und des Wechselkursrisikos wird davon ausgegangen, dass sich der Grad der Integration der Kapitalmärkte des Ankerwährungslandes und des dollarisierten Landes erhöht. Aufgrund dessen wird erwartet, dass ausländische Banken und andere am Kapitalmarkt auftretenden Gruppen ihre Präsenz im dollarisierten Land erhöhen werden. Daraus soll eine Vertiefung der inländischen Kapitalmärkte resultieren und der Zugang sowie die Verfügbarkeit langfristiger Finanzierungsmittel erleichtert werden.
7. Insgesamt führt die Dollarisierung zu einer Erhöhung der Glaubwürdigkeit des Landes auf nationaler und internationaler Ebene, da allgemein davon ausgegangen wird, dass sie dauerhaft und unwiderruflich ist. Theoretisch ist die Einführung einer neuen nationalen Währung nach der Dollarisierung möglich, allerdings müsste die Akzeptanz in der Bevölkerung für die neue Währung vorhanden sein. Aufgrund der negativen Erfahrungen der Bevölkerung eines dollarisierten Landes mit der heimischen Zentralbank scheint die Einführung allerdings unrealistisch. Die Glaubwürdigkeit ist aber ein entscheidender Faktor in der Volkswirtschaft, der große Auswirkungen auf Inflation, Wachstum, Zinsen, Investitionen und politische Stabilität hat.[10]

2.1.2 Nachteile einer Dollarisierung

Die Aufgabe der eigenen Währung hat auch negative Aspekte. Die Kosten der Dollarisierung müssen den Vorteilen und dem Nutzen gegenübergestellt werden, um zu entscheiden ob der Schritt in die Dollarisierung richtig ist. In der Literatur werden vier Nachteile genannt:

1. Aufgrund des Verzichts auf eine nationale Währung entgehen dem Staatshaushalt beträchtliche Einnahmen, da ohne eigene Währung keine Geldschöpfungsgewinne (Seigniorage) gemacht werden können. „Die Seigniorageeinnahmen entspringen dem staatlichen Ausgabemonopol für die nationale Währung und entstehen durch die Differenz zwischen dem Wert und den Produktionskosten des Zentralbankgeldes.“[11] Eine weitere Definition ist: „Dieser Ansatz basiert auf einem Geldmengenaggregat, das den Umlauf an nationalen Banknoten und Münzen sowie die Einlagen und Mindestreserven der Banken bei der Zentralbank umfasst. Der Geldschöpfungsgewinn entsteht demnach regelmäßig in Höhe der laufenden Zinseinnahmen, die der Zentralbank aus den Aktiva im Gegenzug zur Bereitstellung des Zentralbankgeldes (Bargeld und Bankreserven) zufließen, abzüglich der Kosten für die Produktion, Bearbeitung und Verteilung des Bargeldes und eventueller Zinsen, die sich den Kreditinstituten auf ihre Reservehaltung zahlt.“[12] In einem dollarisierten Land entfällt diese Einnahmequelle und der Staat muss die fehlenden Einnahmen aus anderen Quellen generieren. Der Verlust aus der fehlenden Geldschöpfung entspricht sozusagen einer Miete, gezahlt an das Ankerwährungsland, für die Verwendung ihrer Währung. Die Einnahmen könnten zwischen den USA und den dollarisierten Ländern aufgeteilt werden, allerdings wird bezweifelt, dass die USA ein Interesse an der Verteilung hat, da die Einnahmen „… im Normalfall weniger als 1 Prozent des Sozialprodukts jährlich ausmachen“[13], was aber immerhin einen kontinuierlichen Einnahmestrom für den Staat darstellt.
2. Durch die Aufgabe der nationalen Währung verzichtet das dollarisierte Land auf eine eigenständige autonome Geld- und Währungspolitik. Das hat schwerwiegende Konsequenzen, denn bei einer antizyklischen Stabilisierungspolitik kann der Staat nur noch Maßnahmen der Fiskalpolitik treffen und nicht mehr der Geldpolitik. Aufgrund der Unterschiede im Entwicklungsstand, den Wirtschaftsstrukturen und im Konjunkturverlauf zwischen dem Ankerwährungsland und dem dollarisierten Land können im Ankerwährungsland getroffene geldpolitische Entscheidungen negative Auswirkungen auf das dollarisierte Land haben. Es kann sogar soweit kommen, dass sich die getroffenen Entscheidungen im Ankerwährungsland prozyklisch auf das dollarisierte Land auswirken.[14]
3. Zentralbanken einer Volkswirtschaft haben viele Funktionen. Eine davon ist die Rolle der Zentralbank als Lender of Last Resort (LLR). Der LLR zeichnet sich dadurch aus, dass er im Falle eines Bank Runs den solventen Banken ausreichend Liquidität zur Verfügung stellt, falls es zu einem plötzlichen Massenabzug von Bankeinlagen kommt. Das soll die Banken vor Illiquidität und die gesamte Volkswirtschaft vor einer Bankenkrise schützen. Die Zentralbank eines dollarisierten Landes besitzt diese Funktion nicht, da sie nicht mehr unbegrenzt Zentralbankgeld schöpfen kann. Um trotzdem die Gefahr des Bank Runs abzuwenden, besteht nur die Möglichkeit das Bankensystem durch Auflösung der eigenen Fremdwährungsreserven bzw. durch eine Kreditaufnahme notiert in der Fremdwährung zu unterstützen.[15] Das Fehlen der LLR Funktion hat zur Folge, dass die Kreditwürdigkeit inländischer Finanzinstitute sinkt und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ausländischen Instituten, welche über die LLR Funktion als Sicherheit verfügen.[16]
4. In einer dollarisierten Volkswirtschaft gibt es kein Risiko der Währungsabwertung. Dieser Vorteil ist zugleich auch ein Nachteil, da der Wechselkurs ein wichtiger Anpassungsmechanismus bei exogenen Schocks ist. Dieser Anpassungsmechanismus ist eminent wichtig um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten. Der alternative Anpassungsprozess bei exogenen Schocks kann nur noch über die Löhne und Preise im Inland erfolgen. Diese müssen sehr flexibel gestaltet sein, damit die erforderlichen Anpassungen schnell erreicht werden können. Allerdings ist weder von einer Lohnflexibilität auf dem Arbeitsmarkt noch von einer Preisflexibilität auf dem Gütermarkt auszugehen.[17] „Kurzfristig rigide Preise führen dazu, dass eine Überbewertung nur verzögert abgebaut wird, und die, aus der Überbewertung resultierenden, Ungleichgewichte über längere Zeit bestehen bleiben.“[18] Das kann eine erhöhte Arbeitslosigkeit und rezessive Tendenzen zur Folge haben.

2.2 Probleme bei der Einführung einer neuen Währung

Der Schritt in die Dollarisierung hat viele Gründe. Zum einen kann es sein, dass weder die Bevölkerung Industrie und Banken noch die Gläubiger Vertrauen in die nationale Zentralbank und in die nationale Währung haben. Zum anderen können eine starke Abwertung der heimischen Währung und eine hohe Inflation weitere Auslöser sein. Wenn diese Probleme nach der Dollarisierung gelöst wurden, kann die Regierung zu der Entscheidung kommen eine neue nationale Währung einzuführen und den USD wieder abzusetzen. Was wären die Probleme die sich bei dieser Entscheidung ergeben würden?

Ein entscheidender Faktor ist die angesprochene Glaubwürdigkeit in die heimische Zentralbank. Kurz vor der Dollarisierung wird diese in der Regel sehr gering sein, was sich vor allem durch den Grad der inoffiziellen Dollarisierung im Land vor der Dollarisierung ausdrückt. Wenn aber nun die gleichen Mitarbeiter der Zentralbank wieder die Möglichkeit hätten eine eigenständige Geldpolitik zu betreiben, ist davon auszugehen, dass sich das Vertrauen in die Mitarbeiter und die Geldpolitik nicht verbessern wird. Alle im dollarisierten Land werden sich fragen, warum die Regierung eine neue Währung eingeführt hat. Sie werden glauben, dass der Staat seinen Haushalt durch die Emission von Geld finanzieren will, die internationale Wettbewerbsfähigkeit durch eine Währungsabwertung verbessert werden soll und die realen Löhne gesenkt werden sollen. Es ist schwierig eine neue Währung im Land einzuführen, die keiner haben möchte. Das würde sich unter anderem deutlich auf das Finanzsystem auswirken. Durch die negativen Erfahrungen mit der heimischen Währung wird die Bevölkerung versuchen ihren Besitz ins Ausland zu retten um einem Umtausch und einer möglichen Abwertung zu entgehen, d.h. sie werden ihre Depositen aus dem dollarisierten Land abziehen. Das würde eine neue Banken- und Finanzkrise auslösen. Des Weiteren ist auch die internationale Glaubwürdigkeit auf den Kapitalmärkten von großer Bedeutung. Die Glaubwürdigkeit des dollarisierten Landes würde mit der Einführung einer neuen Währung drastisch sinken, denn auch der Kapitalmarkt fragt nach den Gründen dafür. Kommt er zu dem gleichen Schluss, wird sich das Rating des Landes verschlechtern und dadurch die Refinanzierungskosten von dem dollarisierten Land steigen. Zudem könnte der Vertrauensverlust so groß sein, dass keine weiteren Entwicklungsgelder der internationalen Organisationen in diese Land mehr fließen würden.[19]

Um diese Gefahren zu verringern muss ein Ausstieg aus der Dollarisierung lange vorher angekündigt und mit einer langfristigen Strategie untermauert werden. Es muss ein Konzept vorgelegt werden, um die eigene Bevölkerung, die internationalen Organisationen, die Gläubiger und den Kapitalmarkt davon zu überzeugen, dass die Zentralbank mit ihrer erarbeiteten Strategie eigenständig in der Lage ist für eine stabile Währung zu sorgen.[20]

2.3 Voraussetzungen einer erfolgsversprechenden Dollarisierung

Im oberen Teil wurden sowohl die Vor- als auch die Nachteile einer Dollarisierung besprochen. Darauf aufbauend gibt es drei Kategorien von Vorbedingungen für eine erfolgsversprechenden Dollarisierung, die Optimum Currency Area Kriterien (OCA), die Bedeutung der institutionellen Ausgangsbedingungen und die Frage der Durchführung von strukturellen Reformen.[21] Diese müssen vorher untersucht werden, damit geprüft werden kann ob die Möglichkeit gegeben ist, dass der Nutzen einer Dollarisierung die Kosten überwiegt.

2.3.1 Optimum Currency Area Kriterien

Für eine erfolgreiche Dollarisierung ist es notwendig, dass das Ankerwährungsland und das dollarisierte Land weitgehend ähnliche Bedingungen eines optimalen Währungsraumes haben.

- Die Konjunkturzyklen zwischen dem Ankerwährungsland und dem dollarisierten Land sollten relativ synchron verlaufen. Wenn die Konjunkturzyklen der beiden Länder ähnlich auf exogene Schocks reagieren, dann ist das Risiko, welches aus der Aufgabe der Geldpolitik und dem Verlust des Anpassungsmechanismus durch den Wechselkurs resultiert, nicht so stark zu bewerten.

- Die Handelsverflechtungen zwischen dem Ankerwährungsland und dem dollarisierten Land sollten möglichst stark sein, da so der Vorteil aus dem Wegfall des Währungsrisikos und der gleichen Währung besonders groß ist.
- Ein höherer Offenheitsgrad, d.h. ein größerer Anteil der Exporte am BIP, der dollarisierten Volkswirtschaft ist förderlich für den Erfolg der Dollarisierung. Zum einen wirken sich Wechselkursbewegungen stärker auf das inländische Preisniveau und die reale Wirtschaft aus und zum anderen wird im Falle asymmetrisch verteilter realwirtschaftlicher Schocks die Anpassung des realwirtschaftlichen Wechselkurses geringer sein.
- Die Integration der Finanzmärkte und der Grad der Kapitalmobilität sind sehr wichtig. Offene Finanzmärkte fördern den grenzüberschreitenden Handel, welcher sich positiv auf die dollarisierte Volkswirtschaft auswirken kann.[22]

2.3.2 Bedeutung der institutionellen Ausgangsbedingungen

Da es der Zentralbank des dollarisierten Landes in der Vergangenheit stark an Glaubwürdigkeit gefehlt hat und die heimische Volkwirtschaft unter zum Teil sehr hohen Inflationsraten gelitten hat, wird die Dollarisierung von allen Handelspartnern, Gläubigern, internationalen Institutionen und anderen Interessenten gerne gesehen. Der Nutzen daraus sollte die Kosten des Verlustes der eigenständigen Geldpolitik übersteigen.[23] Der Grad der inoffiziellen Dollarisierung ist ein weiterer wichtiger Faktor. Die Kosten des Übergangs werden geringer ausfallen, wenn dieser vor der Dollarisierung hoch war. Dann wird die Akzeptanz in der Bevölkerung für die neue Währung groß sein, da jeder schon mit dem inoffiziellen Zahlungsmittel in der Vergangenheit im Alltagsleben agiert hat. Das Vertrauen in die fremde Währung war schon vorher stärker als in die heimische Währung. Zudem muss die Zentralbank weniger Buch- und Bargeld in die fremde Währung tauschen, da es zum großen Teil im Land schon im Umlauf ist.[24]

2.3.3 Strukturellen Reformen

Um eine erfolgsversprechende Dollarisierung zu erreichen müssen tief greifende Reformen im Land in den Bereichen des Finanzsektors, des Arbeitsmarktes und der Stabilitätsorientierung der Fiskalpolitik umgesetzt werden. Da der Finanzsektor durch seinen Mangel an Glaubwürdigkeit und den Wegfall der LLC Funktion sehr anfällig für Krisen ist, müssen höhere Anforderungen bezüglich des Risikomanagements und der allgemeinen Transparenz gestellt werden. Zudem müssen die Kompetenzen der nationalen Bankenaufsicht erweitert werden und ausländischen Banken der Zugang auf den nationalen Markt gewährt und erleichtert werden. Eine weitere Idee wäre die Schaffung eines Einlagensicherungsfonds, der die Gefahr eines Banken-Runs durch die neu geschaffene Absicherungsmaßnahme verringern würde.

Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt sind durch den Wegfall des Wechselkurses als Anpassungsmechanismus dringend nötig (siehe Seite 12). Das dollarisierte Land muss verschiedene Reformen umsetzen, so dass die Nominallöhne nach unten flexibel sind, die Mobilität der Arbeitskräfte verbessert wird und es geringere Einstellungshemmnisse und Kündigungsschutz für Arbeitgeber gibt. Damit soll der einzig verbliebene Anpassungsmechanismus gestärkt und Anpassung schneller ermöglicht werden. Aufgrund des Verlustes der Geldschöpfungsgewinne und der Möglichkeit notenbankfinanzierter Haushalte, muss die neue Fiskalpolitik unbedingt stabilisierend auf die Wirtschaft wirken. Dazu müssen neue Einnahmequellen erschlossen werden und die Staatsausgaben reduziert werden, denn die Kontrolle der öffentlichen Finanzen ist wichtig für die glaubwürdige Umsetzung der Dollarisierungsstrategie. Nur wenn die Bevölkerung, Handelspartner, Gläubiger, internationale Institutionen und andere Interessenten glauben, dass es die Regierung ernst meint, kann die Dollarisierung Erfolg haben.[25]

3 Dollarisierung in Ecuador

In diesem Kapitel wird der Prozess der Dollarisierung in Ecuador tief greifend erläutert. Zunächst soll ein Länderinfo eine Einführung in die Struktur des Landes und in die Historie, die zur Dollarisierung geführt hat, geben. Im Anschluss daran folgt eine Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung der Zeiträume, die zur Beantwortung der Problemstellung maßgeblich sind. Um einen umfassenden Eindruck vom gesamten Spektrum der Thematik zu bekommen, werden die inoffizielle Dollarisierung, die Rolle der internationalen Organisation und die Entwicklungen in einigen sozialen Bereichen näher betrachtet.

3.1 Länderinformationen zu Ecuador

Die Republik Ecuador liegt an der Nordwestküste Südamerikas und ist ein Andenstaat auf der Höhe des Äquators. Ecuador hat eine Fläche von 283.600 km2 und die Hauptstadt ist Quito mit einer Einwohnerzahl von ca. 1,7 Mio. Quito liegt auf einer Höhe von 2.800 Metern in mitten einer Gebirgskette mit dem 5.897 Meter hohen Vulkan Cotopaxi. Ecuador hat vier unterschiedliche Regionen. Sierra bezeichnet die ganze Andenregion in und um Quito, Costa die gesamte Küstenregion, Oriente das Amazonasgebiet östlich der Gebirgskette und zuletzt die Galapagos Inseln, 1.000 Kilometer von der Küste entfernt.[26] Die gesamte Bevölkerungszahl beträgt ca. 12,4 Mio. und ist aufgeteilt in 45% Mestizen, 35% Indigene, 10% Weiße sowie 10% Afro-Ecuadorianer. Die Landessprache ist Spanisch sowie einige indigene Sprachen, unter anderem Quechua. 85% der Bevölkerung gehören der Römisch-Katholischen Kirche an. Die restlichen 15% verteilen sich auf das Protestantentum, Judentum und mehreren Naturreligionen. Die Verwaltungsstruktur des Landes ist aufgeteilt in 22 Provinzen, die jeweils in Kantone unterteilt sind. Ecuador ist seit 1822 unabhängig von Spanien und seit dem 13. Mai 1830 auch unabhängig von Großkolumbien. Gefeiert wird der 10. August als Unabhängigkeitstag, der für die erfolglose Proklamation gegen Spanien am 10. August 1809 steht. Die Staatsform in Ecuador ist eine Präsidialdemokratie mit einem Einkammerparlament. Seit dem 20. April 2005 ist Dr. Alfredo Palacio als Übergangspräsident das Staatsoberhaupt. Am 15. Oktober 2006 finden neue Präsidentschafts- und Kongresswahlen statt.

[...]


[1] Vgl. Hendrik Luchtmeier: Dollarisierung und Euroisierung, 2005, S.15.

[2] Vgl. Jonas Wolff: Der US-Dollar als Rettungsanker, 2002, S.6.

[3] Vgl. Betty S. Harper, Phil Harper und Carlos Coronel: Dollarization: Making International Trade Seamless, 2002, S.58.

[4] Vgl. Elmar Döhler und Marc S. Resinek: INFER Research Report No. 4, 2003, S.3.

[5] Vgl. Hendrik Luchtmeier: Konsequenzen des bipolaren Weltwährungssystems für den Rest der Welt, 2000, S.7.

[6] Vgl. Elmar Döhler und Marc S. Resinek: INFER Research Report No. 4, 2003, S.7.

[7] Vgl. Jonas Wolff: Der US-Dollar als Rettungsanker, 2002, S.7.

[8] Vgl. Elmar Döhler und Marc S. Resinek: INFER Research Report No. 4, 2003, S.8.

[9] Vgl. Elmar Döhler und Marc S. Resinek: INFER Research Report No. 4, 2003, S.9.

[10] Vgl. Jonas Wolff: Der US-Dollar als Rettungsanker, 2002, S.7.

[11] Hendrik Luchtmeier: Dollarisierung und Euroisierung, 2005, S.109.

[12] Elmar Döhler und Marc S. Resinek: INFER Research Report No. 4, 2003, S.10.

[13] Vgl. Hendrik Luchtmeier: Dollarisierung und Euroisierung, 2005, S.110.

[14] Vgl. Elmar Döhler und Marc S. Resinek: INFER Research Report No. 4, 2003, S.13f.

[15] Vgl. Elmar Döhler und Marc S. Resinek: INFER Research Report No. 4, 2003, S.14.

[16] Vgl. Hendrik Luchtmeier: Konsequenzen des bipolaren Weltwährungssystems für den Rest der Welt, 2000, S.8.

[17] Vgl. Elmar Döhler und Marc S. Resinek: INFER Research Report No. 4, 2003, S.15.

[18] Vgl. Hendrik Luchtmeier: Dollarisierung und Euroisierung, 2005, S.113.

[19] Vgl. Marco P. Naranjo Chiriboga: Dolarización Oficial y Regímenes Monetarios en el Ecuador, 2005, S.261 f.

[20] Vgl. Hendrik Luchtmeier: Dollarisierung und Euroisierung, 2005, S.152f.

[21] Vgl. Elmar Döhler und Marc S. Resinek: INFER Research Report No. 4, 2003, S.16.

[22] Vgl. Elmar Döhler und Marc S. Resinek: INFER Research Report No. 4, 2003, S.17.

[23] Unter der Annahme, dass das zu dollarisierende Land in einer Finanzkrise steckte.

[24] Vgl. Elmar Döhler und Marc S. Resinek: INFER Research Report No. 4, 2003, S.18.

[25] Vgl. Elmar Döhler und Marc S. Resinek: INFER Research Report No. 4, 2003, S.19.

[26] Vgl. Bundesagentur für Außenwirtschaft: Ecuador – Wirtschaftstrends zur Jahresmitte 2006, Gesamtwirtschaftlicher Ausblick, 2006, S.2.

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Dollarisierung zur Überwindung von Finanzkrisen
Untertitel
Eine volkswirtschaftliche Analyse für Ecuador
Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
73
Katalognummer
V81382
ISBN (eBook)
9783638841573
ISBN (Buch)
9783638841610
Dateigröße
751 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dollarisierung, Finanzkrisen, Thema Finanzkrise
Arbeit zitieren
Malte Vieth (Autor), 2006, Dollarisierung zur Überwindung von Finanzkrisen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81382

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