Die Reformpädagogin Ellen Key


Seminararbeit, 2007
26 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Kurzer Abriss der Geschichte der Pädagogik

3. Die Reformpädagogik
3.1 Aufgaben und Ziele
3.2 Wichtige Verfechter
3.2.1 Maria Montessori
3.2.2 Rudolf Steiner
3.3 Ellen Keys reformpädagogischer Ansatz

4. Vordenker, die Ellen Key beeinflussten
4.1 Jean Jacques Rousseau
4.2 Friedrich Nietzsche
4.3 Charles Darwin

5. Ellen Keys „Jahrhundert des Kindes“
5.1 Ihr Bild vom Erwachsenen
5.2 Ihr Bild vom Kind
5.3.Ihr Erziehungskonzept

6. Die Schule der Zukunft

7. Zusammenfassung

Bibliographie

1. Einführung

In dieser Arbeit wird es vordergründig darum gehen Ellen Key und ihre Visionen in einen Gesamtzusammenhang der Reformpädagogik einzuordnen auch in Bezug auf ihre gedanklichen Vorläufer und schließlich ihr Bild vom Kind, Erwachsenen und der Erziehung herauszuarbeiten.

Ellen Key wird am 11.12.1849, als erstes von sechs Kinder des Großgrundbesitzers Emil Key und seiner Frau Sophie, in Sundsholm (Schweden geboren). Als Kind eignet sich Key durch selbständige Studien und durch Privatunterricht eine umfassende künstlerische und literarische Bildung an. Sie bekommt häuslichen Unterricht von einer schwedischen und einer deutschen Lehrerin und zusätzlich steht ihr die umfassende Bibliothek des Vaters zur Verfügung. Ihr Vater wird 1868 Mitglied des schwedischen Reichstages, jedoch verliert die Familie zehn Jahre später ihr Vermögen, woraufhin Ellen Key nach Stockholm geht, um dort an einer Schule zu unterrichten. 1900 erscheint Keys individualpädagogische und sozialreformerische Studie "Barnets Århundrade" ("Das Jahrhundert des Kindes“) und liefert das Schlagwort einer Epoche pädagogischen Bestrebens, das im Sinne Jean-Jacques Rousseaus (1712-1787) den Weg für ein besseres Verständnis des Kindes freimacht. Key ist eine überzeugte Anhängerin der durch Rousseau vorgegebenen Idee vom natürlichen Wachsenlassen des jungen Menschen und der Erziehung vom Kinde aus.

Unter dem Einfluss der Ausführungen von Friedrich Nietzsche zum Übermenschen glaubt sie, dass den Generationen des anbrechenden Jahrhunderts der entscheidende Schritt zur Vervollkommnung der menschlichen Existenz gelingen werde. Als ihr Buch im Jahr 1902 in deutscher Verfassung erscheint wird Ellen Key zur meistgelesenen Schriftstellerin zur Frage der Kindererziehung und geschätzte Volksaufklärerin. Die Reformpädagogik des 20.Jahrhunderts erhält durch ihr Werke wichtige Anstöße. Am 25.04.1926 stirbt Ellen Key unverheiratet und kinderlos in Tollstad (Schweden). Sie spendet ihr Haus und gesamtes Vermögen an eine Stiftung für arbeitende Frauen, die keine Mittel zur Erholung haben.

Ellen Key sah im neuen 20.jahrhundert die Chance „Das Jahrhundert des Kindes“ zu werden.

In ihrem Buch geht sie unter Anderen auf „Das Recht des Kindes seine Eltern zu wählen“ ein, indem sie über eine natürliche Auslese zur Schaffung eines „Übermenschen“ spricht, wobei sie sich hierbei stark an die Ideen Friedrich Nietzsches hält. Nach Keys Meinung müsste man die Fortpflanzung „schlechter“ Menschen verhindern um eine möglichst gute, reine Menschenrasse zu zeugen. In einem weiteren Kapitel spricht sie über die „Erziehung“ des Kindes und über den perfekten Erzieher.

2. Kurzer Abriss der Geschichte der Pädagogik

In der Antike hatte Erziehung die Aufgabe, bestimmte soziale Einstellungen an die kommenden Generationen weiterzugeben. Dabei ging es besondere darum, Religion und Traditionen zu vermitteln sowie die Fähigkeiten, die jemand für eine bestimmte Position in der Gesellschaft benötigt. Nicht alle Personen einer Gesellschaft hatten zu dieser Zeit Zugang zu allem Wissen, sondern das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rhetorik war nur für Könige, Priester und wenige andere bestimmt. Erziehung fand weitgehend in den Familien statt. In der Antike forderten die griechischen Philosophen eine umfassende Bildung für die "freien Bürger", und legen eine Grundlage für die öffentliche Erziehung. Platon reflektierte in seiner Abhandlung „Der Staat“ über eine neue Erziehung in dem Selbigen . Für Sokrates stand der pädagogische Dialog im Vordergrund und er kritisierte den Scheincharakter der Rede. Mit dieser Haltung kritisierte er gleichzeitig die Befürworter der Rhetorik, die Sophisten. Weitere bekannte Philosophen waren Aristoteles, der die Pädagogik den praktischen Wissenschaften zuordnete, sowie Augustinus, welcher eine Glaubenspädagogik lehrte. Mit der Ausbreitung des Christentums wird die öffentliche Erziehung vor allem an die Kirche angebunden. In den Dom- und Klosterschulen werden neben den antiken "freien Künsten" ( Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik und andere) vor allem der christliche Glaube an die Mitglieder des Klerus vermittelt.

In der Renaissance (1350-1510) verändert sich die Situation. Es wird im besonderen ein umfassenderes Studium der Antike angestrebt. Es ist der Anfang der humanistischen Bildungsideale, die über die Vermittlung von christlicher Demut ein neues, forschendes Lernen anstreben.

Dieses wird besonders von der Erkundung und Unterwerfung von immer größeren Teilen des Globus befördert. Neben den kirchlichen Schulen entstehen „Bürgerschulen“, in denen die Schüler aus dem Bürgertum die für den Handel notwendigen Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen erwerben können. Für die breiten Schichten des Volkes bleiben allerdings nur sogenannte „Klipp-„ oder „Winkelschulen“, die von der Obrigkeit verfolgt werden.

Mit der Reformation verstärkt sowohl die katholische als auch die reformierte Kirche ihre pädagogischen Anstrengungen; so gründet der Jesuitenorden ab 1540 in ganz Europa Schulen. Die protestantischen Schulen dienen vor allem auch der Verbreitung der dazugehörigen Ideologie, die später als protestantische Arbeitsethik bekannt wird: Askese und Arbeit erscheinen als die Daseinsberechtigung und Voraussetzung für den Einzug ins Himmelreich; Rausch und Genuss werden dagegen abgelehnt. Dieser Ansatz wird auch in der Sozialfürsorge angewendet. Waren Almosen bislang ein Teil christlicher Nächstenliebe, wird nun von den Armen selbst ein Beitrag verlangt Arbeitshäuser und andere Zwangseinrichtungen werden zunehmend zu ihrer Bekämpfung eingerichtet.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 -1648) werden große Teile Mitteleuropas entvölkert und das Bildungswesen kommt weitgehend zum Erliegen. Geprägt von dem Gemetzel entsteht um 1623 die erste große pädagogische Abhandlung von Johannes Comenius "Didactica Magna", in der er eine Allgemeinbildung für alle Menschen fordert. Neben der Förderung der Muttersprache soll Pädagogik für ihn auf eine gerechte Gesellschaft hinarbeiten, in der Menschen unabhängig von Geschlecht oder Herkunft die gleichen Rechte haben. Sein Ziel ist es, "allen alles zu lehren". Die sich aus diesem Ideal ableitende Schulpflicht wird in den kommenden hundert Jahren in den meisten deutschen Teilstaaten eingeführt.

Währenddessen entwickeln sich in anderen Teilen Europas Wissenschaft und Technik rasant und damit kommen neue aufklärerische Bildungsideen auf. John Locke (1632-1704) formuliert den Gedanken der "Tabula rasa", nach dem die Menschen bei Geburt wie ein leeres Blatt seien, das erst durch die Erziehung beschrieben würde. Damit formuliert er einen Grundgedanken der bürgerlichen Pädagogik, in welcher der Erziehung alles möglich erscheint – zugleich sind diejenigen, die von der Erziehung betroffen sind, ein Nichts.

Diese Ideologie findet sich auch in dem Roman "Émile oder über die Erziehung" von Jean-Jacques Rousseau (1712-1778). Kindheit wird damit erstmals in Europa als ein eigenständiger Lebensabschnitt wahrgenommen, zuvor werden hier Kinder als "kleine Erwachsene" betrachtet.

Mit der Aufklärung kommen auch Gedanken der Toleranz und Gleichberechtigung auf.

Mit humanistischen Idealen plant Wilhelm von Humboldt (1767-1835) um 1810 die Neugestaltung des deutschen Bildungssystems. Dabei kann er sich mit der Reform der Universitäten und der Schaffung von humanistischen Gymnasien durchsetzen. Allerdings war er von der Umsetzung des dreigliedrigen Schulwesen enttäuscht, da es seinen Idealen einer aufklärerischen Erziehung entgegenläuft und in erster Linie der Reproduktion der gesellschaftlichen Verhältnisse dient: die Gymnasien bleiben den Kindern der herrschenden Klassen vorbehalten, die Realschulen vor allem den Handwerkern, die Haupt- und die Volksschule den Arbeitern, Bauern und den Armen.

Bis ins 20.Jahrhundert, die Zeit der Reformpädagogik, sind die meisten pädagogischen Ansätze auf eine gewaltsame Unterwerfung der Kinder ausgerichtet. Gegen die Entfremdung im Bildungssystem fordert die Reformpädagogik am Ende des 19.Jajrjunderts eine "Erziehung vom Kinde" aus. Hierzu greift sie auf Bildungsideale der Aufklärung zurück, die sie mit einer romantischen Lebensreformideologie verbindet. Gleichzeitig entsteht die Jugendbewegung. "Jugend" erscheint erstmals als ein eigenständiger Lebensabschnitt.

In der Weimarer Republik bekommen erstmals Reformpädagogen wie Gustav Wynecken die Möglichkeit, Bildungspolitik zu gestalten. Nach der Verfassung sollen "Anlage und Neigung" und nicht die soziale Herkunft über die Bildung entscheiden. Gleichzeitig werden weitgehende Schritte zu einer demokratischen Erziehung gefordert. Die Schülerselbstverwaltung war z.B. an der Hamburger Versuchsschule in der Telemannstr. das oberste Ziel des Kollegiums. Die Trennung der Schüler nach ihrer Klassenzugehörigkeit wird für die Zeit der gemeinsamen Grundschule aufgehoben und damit sollen die Chancen zum sozialen Aufstieg verbessert werden. In dieser Zeit wird im Völkerbund auch erstmals über universelle Kinderrechte diskutiert.

Alle Versuche einer Demokratisierung werden im nationalsozialistischen Deutschland zunichte gemacht. Die Erziehung im Nationalsozialismus ist geprägt von einem Totalitätsanspruch der Führung gegenüber allen Menschen. So versuchen die Nationalsozialisten durch den Ausschluss oppositioneller Lehrer, die Vorgabe von Unterrichtsinhalten, der Bildung neuer Schultypen, sowie die Erfassung der Jugend in der Hitler-Jugend ihre nationalistisch-rassistische Propaganda möglichst effizient zu verbreiten. Zugleich ist die Diskriminierung und Verfolgung von Juden sowie einigen anderen „nicht-arischen Volksgruppen“ in den Schulen besonders deutlich nachzuvollziehen.

Nach 1945 entstanden verschiedene neuartige Ideen, Theorien und Bewegungen, von denen auf jeden Fall die Antiautoritäre Erziehung der „1968er Jahre“ und die Demokratische Erziehung zu nennen sind. Vor dieser Zeit war die streng Autoritäre Erziehung im Vordergrund.

3. Die Reformpädagogik

Das Erscheinen des Buches „Das Jahrhundert des Kindes“ von Ellen Key markiert den Anfang der Reformpädagogik und es beeinflusste die Diskussion über die Reformpädagogik nachhaltig

Eine Definition der Reformpädagogik im eigentlichen Sinne ist schwer zu verfassen. Man sollte sich unter „Reformpädagogik“ eher eine historische Epoche vorstellen, die kein feststehendes Objekt ist. Wenn man von der historischen Epoche der Reformpädagogik spricht, wird damit im allgemeinen die Zeit zwischen 1890 und 1933 bezeichnet, in der eine bestimmte Theoriebewegung und eine neuartige Praxis entstand. Im weiteren Sinne ist es jede Erziehungslehre und – praxis, die in ihren Grundanschauungen, Zielen, Inhalten und Methoden stark auf Veränderung hin tendiert. Mit Dieser Dynamik steht die Reformpädagogik im Gegensatz zu der traditionellen Pädagogik. Man könnte in diesem Sinne behaupten, dass die Pädagogik der Gegenwart mit ihren aktuellen Intentionen als Reformpädagogik bezeichnet werden könnte. Im engeren Sinne wird der Begriff Reformpädagogik allerdings auf die reformpädagogische Bewegung bezogen. Diese Bewegung entstand in Deutschland und anderen Ländern um 1900 herum.

Sie wurde in Bereichen wie Schulreform, sozialpädagogischen Aufgabenbereichen und im Aufbau der Erwachsenenbildung wirksam.

In Deutschland wurde die Reformpädagogik durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten abgebrochen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Reformpädagogin Ellen Key
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Literarische Anthropologie und Pädagogik
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
26
Katalognummer
V81432
ISBN (eBook)
9783638853095
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reformpädagogin, Ellen, Literarische, Anthropologie, Pädagogik
Arbeit zitieren
Sarah Schröder (Autor), 2007, Die Reformpädagogin Ellen Key, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81432

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