Gedächtnisveränderungen im Vorschulalter


Zwischenprüfungsarbeit, 2004

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Vorwort / Einleitung

2. Entwicklung
2.1. Kognitive Entwicklung
2.2. Wissensentwicklung
2.3. Entwicklungsstand

3. Gedächtnis in der Kindheit
3.1. „Ort“ des Gedächtnisses
3.2. Stufeneinteilung der Gedächtnisentwicklung

4. Determinanten der Gedächtnisentwicklung
4.1. Gedächtniskapazität
4.2. Phänomene strategischer Gedächtnisprozesse
4.2.1. Kategoriales Organisieren
4.2.2. Elaboration
4.2.3. Rehearsal
4.2.4. Defizite
4.2.5. Motivationale Aspekte
4.3. Vorwissen
4.4. Metagedächtnis

5. Empirische Untersuchung
5.1. Motivationaler Anreiz
5.2. Elaboration / Rehearsal
5.3. Analogien
5.4. Transitives Schlussfolgern

6. Zusammenfassung

7. Literaturliste

1. Vorwort

„Das Gedächtnis ist die Mutter aller Weisheit“

(Aischylos, 5. Jh. v. Chr.)

Ich begebe mich mit diesem Thema auf ein völlig fremdes Gebiet und hoffe, dass mich die unterschiedlichsten Entwicklungspsychologen auf meiner Reise durch das menschliche Gedächtnis im Vorschulalter begleiten können. In der 8. Klasse habe ich bereits einen Vortrag über das menschliche Gedächtnis gehalten, blieb dabei sehr oberflächig bei Funktion und Lage, und habe gemerkt, wie schwer man Aussagen nachweisen kann. In meinem Studium befinde ich mich allerdings auf ein weit aus höheres Niveau und ich hoffe, dass ich dieser Aufgabe gewachsen bin und freue mich, das auch mein Gedächtnis mit dieser Arbeit bereichert wird.

Mein empirischer Teil wäre ohne Saskia, Phillip und Jannis nicht möglich gewesen. Hiermit einen besonderen Dank an die 3 fleißigen Helfer und auch an den Kindergarten in Paretz und Ketzin.

Einleitung

In meiner Hausarbeit möchte ich mich mit den Gedächtnisveränderungen bei Kindern im Vorschulalter beschäftigen.

Die Gedächtnisentwicklung ist in der Entwicklungspsychologie ein zentrales Thema.

Mit meiner Arbeit möchte ich herausarbeiten, was sich im Gehirn verändert und welche Auswirkungen diese Veränderungen auf die Umwelt haben. Was sich verändert, werden Studien von Entwicklungspsychologen belegen, die ich auch selbst mit einigen Kindern am Ende meiner Arbeit durchführen möchte. Im Sommersemester habe ich den Kurs „Kognitive Entwicklung und Lernstrategien“ besucht und dort ein Referat über „Entwicklungsveränderung des strategischen Gedächtnisses beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule“ gehalten. Dieses Themenfeld fand ich äußerst interessant und möchte mein Vorwissen in dieser Arbeit mit einfließen lassen. Deshalb befasse ich mich mit den unterschiedlichen Defiziten der Kinder und mit den Phänomenen strategischer Gedächtnisprozesse.

2. Entwicklung

Das Gehirn wächst früher und schneller als andere Teile des Körpers. Bis zum 5. Lebensjahr sind 90% des Gehirns entwickelt. Mit 14 Jahren ist die Entwicklung abgeschlossen.[1] Neuronen vernetzen sich immer mehr und sind so sensibler für Stimulation.

Aber was wissen Kinder im Vorschulalter? Wie ist ihr Wissen aufgebaut bzw. strukturiert? Wie entwickeln sich Veränderungen im Denken und sind Verhaltensänderungen durch Wissensveränderungen bestimmt?

2.1. Kognitive Entwicklung

Kognitive Entwicklung umfasst die Veränderung aller geistigen Prozesse: Wahrnehmen, Denken, Vorstellung und Problemlösen.[2]

Piagets Theorielautet, dass die Anpassung an die Umwelt durch die Entwicklung des menschlichen Körpers bedingt ist.[3] Entwicklung sei ein kontinuierlicher „Anpassung-/ Überlebenskampf“ an die Umwelt und ein aktives Auseinandersetzen mit der Umwelt verbessert die kognitiven Strukturen.[4] Die Anzahl und Komplexität der kognitiven Strukturen definieren die kindliche Intelligenz zu jedem Entwicklungszeitpunkt.[5] Entwicklung bezieht sich auf die kontinuierliche Neuorganisation des Wissens zu neuen und umfangreicheren Strukturen.[6]

2.2. Wissensentwicklung

Zur Wissensentwicklung werden zwei allgemeine Funktionen unterschieden. Zum 1. das Organisieren. Dies wird als bestreben bezeichnet, „alles neue Wissen in die schon bestehenden kognitiven Strukturen einzubinden.“[7] Die Wissensentwicklung verlangt diese Integration anstatteines bloßen Addierens von neuen Informationen.“[8] Zum 2. der Konstruktivismus.[9] Dies ist eine aktive Wissenskonstruktion, die durch eine Interaktion mit der Umwelt (anstatt bloßem Übernehmen) entsteht.[10] Durch Erfahrungen entsteht eine Neuorganisation der Wissensstrukturen.[11]

2.3. Entwicklungsstand

Laut Piaget durchlaufen alle Kinder dieselbe Reihenfolge von 4 Entwicklungsstufen, in denen sich die Kognition qualitativ ändert.[12] In dieser Arbeit möchte ich mich mit Kindern im Vorschulalter befassen, und diese sind laut dieser Einteilung in der Präoperationalen Phase, die sich auf Kinder mit 2 bis 6 Jahren richtet.

In dieser Phase beginnt das Kind

„Symbole (wie Wörter, Zahlen...) zu entwickeln um die Welt kognitiv zu repräsentieren. Das Denken ist durch Zentrierung bestimmt. Die Aufmerksamkeit richtet sich meist nur auf ein Merkmal oder Gegenstand. Es kann nicht mehr als ein Wahrnehmungsgesichtspunkt gleichzeitig berücksichtigt werden. Daher kann sich das Problemlösen auch noch nicht auf konkrete Verfahren beziehen.“[13]

Da diese Zeitspanne sehr weit angesetzt ist, möchte ich mich nur auf Kinder im Alter von 5 bis 6 Jahren beziehen. Dadurch werde ich auch öfters auf Grundschulkinder eingehen.

„Geistige/ kognitive Prozesse sind in erster Linie spezielle Formen der Transformation (Verarbeitung) von Informationen. Daher bezeichnet Gedächtnis eigentlich nichts anderes als unsere Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, zu speichern und bei Bedarf wieder abzurufen.“[14]

Diese Prozesse vollziehen sich in einem Gedächtnissystem, das aus mehreren Speichern besteht.[15] Somit entsteht eine 3-Teilung der Kognition. Diese besteht aus Aufnahme(Input), Verarbeitung/ Veränderung der aufgenommenen Informationen und Speicherung, sowie die Ausgabe der Kognition (Output) in sprachlicher, schriftlicher oder sozialen Form.[16]

Auch soziale Modelle können von Kindern angeeignet und beeinflusst werden.

Kinder übernehmen aus der Kultur die Denk- und Überzeugungsprozesse, die „tools of intellectual adaption“[17]

„Kognitive Entwicklung verläuft (nach Vygotsky) durch einen dialektischen Prozess, wenn Kinder von Erfahrungen von Problemlösen lernen, die sie mit anderen gemacht haben. Denken ist in seiner internalisierten Form also aus sichtbaren Handlungen abgeleitet, insbesondere aus der Internalisierung[18] des äußeren Dialogs.“[19]

Doch wie funktioniert das Gedächtnis bei dieser Entwicklung? Was verändert sich und wozu sind Kinder fähig? Aufschluss soll dazu das folgende Kapitel bringen.

3. Gedächtnis in der Kindheit

3.1. „Ort“ des Gedächtnis

Schläfenlappen, Hippocampus und der für Gefühle zuständige Mandelkern sind wohl die wichtigsten Zentren für das Gedächtnis.[20] Der taubeneigroße Thalamus, sowie der weiter vorn gelegene kleine Basalkern, der einen Signalstoff an die Nerven abgibt und bei Alzheimerkranken nicht mehr funktioniert, sowie dem Stirnhirn, wo Erinnerungen räumlich und zeitlich eingeordnet werden, kommen ebenfalls eine besondere Rolle für das Einspeisen von Erinnerungen zu.[21]

In der linken Großhirnhälfte legen wir eher neutrale Fakten und Allgemeinwissen ab.[22] Erinnerungen werden dagegen in der rechten Hälfte gespeichert, von der aus ein dicker Nervenstrang in Richtung des Mandelkerns zieht.[23]

Heute kann man nicht einfach nur in Langzeit- und Kurzzeitgedächtnis unterteilen, sondern muss noch eine Differenzierung in 5 unabhängigen Systemen vornehmen.[24]

3.2. Stufeneinteilung

Diese werde ich nun nach Judith Rauch, die nach Lise Eliot, Professorin für Neurobiologie, eine Stufeneinteilung vorgenommen hat, erläutern.

Gedächtnisstufe 1 ist die "Bahnung". Schon in der 23. Schwangerschaftswoche kann sich ein werdendes Baby an Geräusche gewöhnen. Gedächtnisstufe 2 ist die Automatisierung (prozedurale Gedächtnis) von Bewegungen und Fertigkeiten, die sich auch schon beim ungeborenen Kind beobachten lassen. Es funktioniert unbewusst, z.B. krabbeln, aufstehen und schließlich laufen. Gedächtnisstufe 3 ist das „perzeptuelle Gedächtnis“. Es bildet sich nach der Geburt, wenn Stimme, Gesicht und Geruch der Mutter dem Säugling rasch vertraut werden. Wenige Tage alte Neugeborene können auch „neutrale“ Reize deuten. Sie können zum Beispiel Strichzeichnungen von Gesichtern oder vorgelesene Wörter in „neu“ oder „bekannt“ unterscheiden. Auf ein unbekanntes Gesicht blicken sie länger, bei einem neuen Wort lauschen sie interessierter als bei „alten Bekannten“. Gedächtnisstufe 4, ist der Beginn des bewussten Welt- und Faktenwissens. Es entsteht am Ende des ersten Lebensjahres. Jetzt finden Kinder ein Spielzeug wieder, das die Erwachsenen versteckt haben. Noch ist dieses Gedächtnis-System ein wenig unzuverlässig und kurzatmig. Mit dem Erwerb der Sprache prägen sich Kinder alle möglichen Einzelheiten und Begriffe ein, gewinnen im Memory-Spiel gegen die Eltern. Auf Dauer speichern können sie Erlebnisse oder Erfahrungen jedoch noch nicht.

[...]


[1] Fließ

[2] Vasta, Ross; Haith , Marshall M. ; Miller, Scott A. ohne Seitenangabe

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Ebd.

[18] Internalisierung: Verlagerung von Beziehungsprozessen aus einem Außenbereich in einen Innerbereich der Eigenwelt eines Individuums, z.B. die Eingliederung fremder Auffassungen, Denkstrukturen und von Wissen der Kultur. Dabei spielt die Sprache als innere Repräsentation eine besondere Rolle.

[19] Vasta, Ross; Haith , Marshall M. ; Miller, Scott A.

[20] Rauch

[21] Ebd.

[22] Ebd.

[23] Ebd.

[24] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Gedächtnisveränderungen im Vorschulalter
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V81439
ISBN (eBook)
9783638858304
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gedächtnisveränderungen, Vorschulalter
Arbeit zitieren
Anne Klein (Autor), 2004, Gedächtnisveränderungen im Vorschulalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81439

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