William Penn (1644-1718). Ein frühneuzeitlicher Friedensplan unter der Forderung nach Einigung als anderes Europa


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

43 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. William Penn und seine Zeit – Die Hintergründe seines Friedensplans
2.1 Die politische Gestalt Europas im 17. Jahrhundert
2.1.1 Das Beispiel Frankreich
2.1.2 Was ist mit England?
2.2 Krieg und Frieden im so genannten „martialischen“ Zeitalter
2.3 William Penn, die Quäker, ihre Glaubensideale und der Pazifismus

3. Penns ganzer Plan

4. „Von den Einwänden, die gegen diesen Plan erhoben werden können“

5. Zusammenfassung

6. Literatur

1. Einleitung

Es scheint mir nur drei Anlässe zu geben, derentwegen der Friede gebrochen wird [...]. Der erste Fall ist gegeben, wenn ich etwas, das mir rechtmäßig gehört, vor einem angreifenden Feind bewahren will; dann handle ich rein defensiv. Der zweite Fall, wenn ich etwas wiedererlangen will [...], was mir oder meinen Vorfahren die Waffen einer überlegenen Macht geraubt haben; dann handle ich offensiv. Und schließlich, wenn ich meinen Herrschaftsbereich vergrößern will, daß ich mir die Ländereien meiner Nachbarn aneigne, wenn ich sie für schwach und mich selbst für stark halte ...“.[1]

Mit diesem Satz eröffnet William Penn in seinem in den 1690ern[2] veröffentlichten „Essay zum gegenwärtigen und künftigen Frieden von Europa durch Schaffung eines europäischen Reichstags, Parlaments oder Staatenhauses“[3] nicht nur welche Position er zu Kriegen einnimmt, sondern er macht gleichzeitig deutlich, was für ihn Frieden heißt und welche Vorteile er darin sieht: „... Frieden schützt unseren Besitz [...] Der Gewerbefleiß blüht ...“[4].[5] Die maßgeblichen Aspekte sind für ihn also wirtschaftlich aber auch aus dem Bedürfnis persönlichen Wohlergehens motiviert[6]. Da Penn innerhalb des eben genannten Essays auch seine Version von einem geeinigten Europa und der friedlichen Koexistenz der sich in ihr befinden-den Staaten verlauten lässt, ist der Beweggrund zu dieser Arbeit offen gelegt – seine Vorstellung von Europa.

Nun, da wir heute innerhalb der Europäischen Union leben, ist es für uns nicht weiter verwunderlich, friedlich mit unseren Nachbarstaaten auszukommen. Dass allerdings der Weg hierzu sehr lang und holprig war, ist schon Wenigeren bekannt. Stellt man sich vor, dass das Essay Penns, der im Übrigen in seiner Organisation staatlichen Zusammenkommens dem Bild der Europäischen Union sehr ähnelt, bereits vor mehr als 300 Jahren veröffentlicht wurde, wird einmal mehr deutlich, wie revolutionär der Inhalt dieser Schrift gewesen sein muss; zumal die Gegenwart Penns alles andere zur Voraussetzung hatte, um ein friedliches Zusammengehen der Nationen zu erreichen.

Der für diese Arbeit entscheidende Zeitrahmen erstreckt sich hauptsächlich über das gesamte 17. Jahrhundert. Die sich hier entwickelnden Staatsgedanken und aufkommenden Ideen zu einer „europäischen Gemeinschaftsform“ sind wie der Plan des „Staatsdenkers“ William Penn unbedingt im Zusammenhang mit den Kriegswirren und Zerstörungen des 16. und fortschreitenden 17. Jahrhunderts zu sehen.[7] Der Kern der Vorstellungen William Penns von einem „anderen Europa“ konstituiert sich maßgeblich um den Wunsch nach friedlicher Koexistenz nicht nur benachbarter Staaten,[8] was jedoch für die Frühe Neuzeit ein ebenso wenig neues Gedankenkonstrukt ist wie die Bestrebung nach Einheit.[9] Die Verwüstung, die Kriege herbeizuführen vermögen und die der Kontinent als verlängerter Arm Asiens[10] durchleben musste,[11] ist seit Menschen Gedenken die Perversion ihres eigenen Daseins. Für eine Vielzahl herrschaftlicher Bestrebungen war der Krieg das probateste Mittel zum Zweck. Zu den Benachteiligten eines Krieges gehörten zumeist gesellschaftlich Ausgegrenzte wie zum Beispiel unerwünschte ethnische Minderheiten oder unter für die Einheimischen fremdartig anmutenden Glaubens-grundsätzen lebende Gruppierungen. So nimmt es nicht wunder, dass stets die Leidtragenden eines waffendominierten Zwistes diejenigen waren, die ein umso stärkeres Bedürfnis nach Frieden verspürten. Zu diesen Ausgegrenzten zählten die Quäker,[12] eine christliche Glaubensgemeinschaft,[13] deren Charakteristik sich vorerst mit einem allumfassenden Pazifismus umreißen lässt.[14] Da William Penn ein Mitglied der „Freunde“ war,[15] ist sein Friedensplan eng mit den Vorstellungen der Quäker verbunden und somit religiös motiviert zu betrachten.

Richtet man nun den Blick auf die Ereignisse des europäischen 16. und 17. Jahrhunderts, so wird deutlich, welche Folgen und schreckliche Auswirkungen kriegerische Auseinandersetzungen für die Bevölkerung und die Politik gleicher-maßen haben können: Der Dreißigjährige Krieg – legitimiert als Klärung der Vormachtstellung des Kaisers vor den oppositionellen Ständen im Regnum – wuchs bald zum absoluten Politikum heran, das nunmehr einer tiefen Glaubens-krise im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation gleich kam. Alsbald war zu erkennen, wie sehr innere Zerrüttung ausländische Staaten zur Intervenierung greifen lässt und somit auch im Falle des Dreißigjährigen Krieges gesamteuro-päische Dimensionen erreicht wurden. Die Friedensverträge von Münster und Osnabrück (1648) haben allerdings auch gezeigt, zu welchen politischen Maßnahmen die beteiligten Nationen bereit sind, um die jüngstvergangenen Tragödien für die Zukunft verhindern zu können.

Der Zusammenhang zwischen einem aus England stammenden Quäker und den Friedens- und Kriegssituationen der Frühen Neuzeit kontinentaleuropä-ischer Staaten und Reiche mag zwar für den Außenstehenden auf den ersten Blick recht fadenscheinig anmuten, eine zweite, tiefer gehende Betrachtung wird aller-dings die Interdependenzen weit deutlicher herausstellen. So hat es sich die vorlie-gende Arbeit zum Ziel gesetzt, über den Friedensplan William Penns aufzuklären und ihn zu hinterfragen. Aus diesen Gründen widmet sich der erste Komplex einer Darstellung zu den zeitgeschichtlichen Ereignissen jener Jahrzehnte, um heraus-zustellen, dass Penns Friedens- und Einigungsplan keine „Hauruckaktion“ war, sondern sich vielmehr aus den kriegsschwangeren Jahren seines Jahrhunderts entwickelte. Hier werden vor allem die Ereignisse in Frankreich und England ein-fließen.[16] In diesem Abschnitt können die Geschehnisse aus Gründen der Wah-rung von Übersichtlichkeit nur ereignisgeschichtlich aufgezeigt und Tendenzen dargelegt werden, um etwaige Zusammenhänge der einzelnen Fakten lediglich deskriptiv zu erläutern. Ebenso werden Aussagen zur Person William Penns, seiner gesellschaftlichen Verortung, religiösen Präferenz und somit eine kurze Charakteristik der Lehren der Gemeinschaft der Freunde erfolgen, denen er sich seit seiner Jugend so verbunden fühlte, was ein Gesamtbild seiner Zeit als aus-schlaggebendes Moment für seine Vorstellungen und „staatstheoretischen“ Überlegungen ergeben soll. Die Bezeichnung vom „anderen Europa“ der vorlie-genden Arbeit ist deswegen gewählt, da die Sichtweisen Penns von einer Umstrukturierung und Umorganisation der europäischen Staatenwelt von der damaligen herrschenden Realität gänzlich verschieden sind; demzufolge sind die in diesen Kapiteln formulierten Aussagen unbedingt als Basis dessen zu verste-hen, was sich hiernach anschließt – Penns Plan vom Frieden und einer möglichen politischen Umgestaltung Europas. Da William Penn seinen Friedensplan zuwei-len nicht ausreichend detailliert darlegt, ergeben sich gewisse Unklarheiten, angesprochen werden müssen. Ferner formuliert Penn selbst Einwände gegen seinen Friedensplan, auf die ebenfalls eingegangen wird.

2. William Penn und seine Zeit – Die Hintergründe seines Friedensplans

In unserem Zusammenhang ist vor allem Williams Penns „Essay zum gegenwär-tigen und künftigen Frieden von Europa ...“[17] ausschlaggebend. Allerdings darf vorweggeschickt werden, dass eine Analyse der hierin publizierten Ansichten Penns nicht lohnenswert ist, ohne im Vorfeld eine hinlängliche Betrachtung der „kriegerischen“ Vor- und Zeitgeschichte zu skizzieren. Im Folgenden wird somit der Versuch unternommen, einerseits den europäischen Kontinent des 17. Jahr-hunderts ereignisgeschichtlich zu umreißen, um so die Unterschiede zur britischen Insel andererseits verdeutlichen zu können. Wenn jedoch nun von der politischen Gestalt Europas die Rede ist, so können die Entwicklungen in Frankreich und England hervorgehoben und die kontinentaleuropäischen Geschehnisse als eine Gesamtbetrachtung angefügt werden.

2.1 Die politische Gestalt Europas im 17. Jahrhundert

Macht man es sich zur Aufgabe, die europäische Gegenwart des 17. Jahrhunderts in Politik und Gesellschaft zu charakterisieren, ist es unumgänglich, die seit dem 16. Jahrhundert aufkommende absolutistische Monarchie aufzuzeigen.[18] Und so ist die Regierungsform des „legibus solutus“ mit ihrer Legitimierung durch Gottesgnade in gesamteuropäischer Sicht in unterschiedlicher Ausprägung vor-zufinden.[19] Als generelle Gemeinsamkeit ist jedoch die Bedeutung von Souve-ränität als unteilbare, absolute Gewalt nach innen und außen und der Grundsatz der Staatsräson, der unter anderem die Erhaltung beziehungsweise die Erweite-rung der Staatsmacht zum Maßstab hatte, herauszustellen.[20]

2.1.1 Das Beispiel Frankreich

Vor diesem Hintergrund wird die Selbsteinschätzung Ludwigs XIV. („L’état c’est moi“) mehr als deutlich. Uneingeschränkte Verfügungsgewalt über Diplomatie, Justiz und die freie Entscheidung, ob man sich gerade in Friedens- oder Kriegs-zeiten befinden solle, was meist den dynastischen Interessen oder der Arrondie-rung des Territoriums diente, können unter einer Vielzahl anderer Faktoren als Hauptcharakteristika absoluter Herrschaft angesehen werden.

Die Regierung des Bourbonen und französischen Königs Heinrich IV. (1572-1610) legte für all dies den Grundstein,[21] was insbesondere zum Wieder-aufstieg des zerrütteten Landes führte. Die Gründe für ein Erstarken der heutigen Grand Nation war die einsetzende Organisation und „behördliche“ Strukturierung durch die königlichen Abgesandten, die ihrerseits durch majestätische Befugnisse ausgestattet waren und im Kleinen „regierten“.[22] Was unter Papst Leo IX. in den 50er Jahren des 11. Jahrhunderts durch eine einsetzende Verwaltungsordnung und Zentralisation in Form des päpstlichen Legatentums dem bischöflichen Stuhl in Rom zum Vorteil gereichte,[23] konnte Heinrich IV. nun seinerseits mit den in ähnlicher Art und Weise autorisierten Abgesandten erwirken[24]: „Die intendants de justice, police et de finances [ … ] blieben für lange Zeit das modernste Instru-ment der Provinzialverwaltung [… und …] im 18. Jahrhundert emanzipierten sie sich zu einer machtvollen Provinzialbehörde …“[25].[26] Die schillerndste Figur dieses Administrationsapparates war Kardinal Richelieu[27].

Gegenüber dem in den Hugenottenkriegen erstarkten Hochadel setzte dieser Geistliche als leitender Minister Ludwigs XIII. die Vormachtstellung der Krone durch und nach der Eroberung von La Rochelle 1627/28 beseitigte er sogar die politische Sonderstellung der Hugenotten. Gegen Habsburg griff er 1635 er-folgreich in den Dreißigjährigen Krieg ein und sein Nachfolger Kardinal Mazarin bezwang die ständisch-aristokratischen Unruhen der Fronde (1648-53). Im West-fälischen Frieden[28] von 1648 erhielt Frankreich die habsburgischen Besitzungen im Elsass, wohingegen Spanien im Pyrenäenfrieden von 1659 Roussillon und Artois an den Lilienthron abtreten musste.[29]

Als nach Mazarins Tod 1661 Ludwig XIV. (1643-1715) selbst die Regie-rung übernahm, begann die so genannte Glanzzeit des französischen Absolutis-mus. Minister Colbert stärkte die finanziellen und wirtschaftlichen Kräfte des Landes (Merkantilismus)[30], schuf eine mächtige Kriegsflotte und baute das französische Kolonialreich (Kanada, Louisiana, Westindien) aus; Marquis de Louvois[31] machte das französische Heer zur stärksten Kriegsmacht Europas. Durch den Devolutionskrieg von 1667/68 und den Holländischen Krieg 1672-79 gewann Ludwig XIV. das südliche Flandern und die Freigrafschaft Burgund; durch die Reunionen (Annexion Straßburgs 1681) rundete er seine Eroberungen ab. Gegenüber dem Papsttum vertrat er 1682 die Selbstständigkeit der gallikan-ischen Kirche, währenddessen er die Hugenotten verfolgte und 1685 das Edikt von Nantes[32] aufhob. Sein Hof in Versailles wurde das Vorbild der höfisch-aristo-kratischen Gesellschaft Europas. Im Spanischen Erbfolgekrieg setzten sich zwar die französischen Interessen durch, doch hatten die Kriege und die aufwendige Hofhaltung die Staatsfinanzen zerrüttet, die sich unter Ludwig XV. in Form einer kostspieligen Kriegspolitik fortsetzte.[33]

All dies fügt sich zum sprichwörtlich gewordenen „Verstaatlichungspro-zess“ zusammen (in manchen Teilen der Literatur vorzugsweise anstatt des Abso-lutismusbegriffs verwendet),[34] der die Bevormundung der Untertanen, Überbe-wertung der inneren Ordnung und der äußeren Machtentfaltung des Staates, fort-währende Privilegierung von Adel und Geistlichkeit und wirtschaftliche Unter-stützung des Bürgertums als einige wenige Beispiele für negative Auswirkungen zur Folge hatte.[35] Mit anderen Worten: Der Fürst – namentlich der französische König – war omnipotent; da sich seine Herrschaft aus Gottesgnadentum heraus ergab, war er auch nur von ihm abhängig.[36]

2.1.2 Was ist mit England?

Das England dieser Zeit befindet sich im Vergleich zum restlichen Europa in einer gewissen Sonderlage, die als Grund dafür angesehen werden kann, dass gerade hier „… eine neue Strömung …“[37] ihren Ausgang hatte: Foerster bezeichnet die britischen Inseln (inklusive Irland und Schottland) als ein Europa im Kleinen, dass von Auswirkungen bürgerkriegsähnlicher Zustände des Kontinents weit entfernt war.[38] Falls doch das Zusammenleben mit Iren und Schotten gestört war, konnte man es im Gegensatz zum kontinentalen Teil Europas tatsächlich mit Arrange-ment nahezu beilegen?[39] Ganz sicher nicht; allein der Terminus Technicus der Englischen Revolutionen oder auch Bürgerkriege spricht eine andere Sprache.[40] England war zwar weder direkt in den Dreißigjährigen Krieg, noch in andere kriegerische Mächtekonflikte verwickelt, die ihren Ursprung auf dem Kontinent hatten und ihre maßgeblichen Beteiligten auch auf ihm suchten,[41] wodurch sich das Commonwealth zur Gänze auf sich selbst und die wirtschaftliche Komponente seiner Gesellschaft konzentrieren konnte[42]. Aber gerade hier – im Innern der englischen Monarchie – entwickelten sich im 17. Jahrhundert eine Vielzahl von Problemsituationen, die die Monarchie ausreichend beschäftigten.[43] Allein die Tatsache, dass Karl I. (1625-1649) seine Regentschaft aus Gottesgnadentum heraus begründet sah und so auch nach absoluter Herrschaft trachtete,[44] beinhaltet eine zu erwartende Brisanz, eingedenk, dass England in der neueren Geschichts-forschung als so genannte „Alternative zum Absolutismus“[45] dargestellt wird[46]. Und so kann das Nichtexistieren eines Absolutismus im frühneuzeitlichen England vorausgeschickt werden.

[...]


[1] Zit. nach Foerster, Rolf Hellmut (Hrsg.), Die Idee Europa 1300-1946. Quellen zur Geschichte der politischen Einigung, (dtv-Dokumente; 134), Nördlingen 1963, S. 81f.

[2] Die Datierung der Erstveröffentlichung des Aufsatzes variiert mit den Autoren, so gibt u. a. ebd., S. 79 das Jahr 1692 an und Europa: Gedanke und Wirklichkeit, hrsg. v. Historischen Archiv der Stadt Köln zur Ausstellung vom 25. April bis 15. Juli 1979, Köln 1979, S. 29 (wird im Folgenden als Hist. Arch., Europa, Seitenzahl kenntlich gemacht) geht ebenso von 1693 aus wie Graham, John W., William Penn. Founder of Pennsylvania, London 1918, u. a. S. 325.

[3] Der Originaltitel lautet: „An Essay towards the Present and Future Peace of Europe by the Estab-lishment of an European Diet, Parliament or Estates“, vgl., Hist. Arch., Europa (wie Anm. 2), S. 29; verschieden lange Abdrucke und Übersetzungen finden sich bei Raumer, Kurt von, Ewiger Friede. Friedensrufe und Friedenspläne seit der Renaissance, in: Orbis Academicus. Geschichte der politischen Ideen in Dokumenten und Darstellungen, hrsg. v. Waldemar Gurian u. Fritz Wag-ner, Freiburg 1953, S. 321-341 und bei Foerster, Idee (wie Anm. 1), S. 79-85; da das Original Penns Friedensplans nicht vorlag, werden die Inhalte aus den Übersetzungen von Raumer (S. 321-341) und Foerster (S. 79-85) zitiert, aus diesem Grund werden die direkten Bezüge als Zit. nach nachgewiesen.

[4] Zit. nach Raumer, Friede (wie Anm. 3), S. 322; zwar erläutert Penn im zehnten Abschnitt die wahren Vorteile des Friedens, allerdings können die hier angeführten als Einführung genügen.

[5] Das Original des Aufsatzes umfasst zehn Kapitel (vgl. die Übersetzung in Raumer, Friede [wie Anm. 3], S. 321-341), wobei Foerster, Idee (wie Anm.1), S. 79-85 nur fünf Kapitel enthält. Das Eingangszitat ist dem zweiten Kapitel entnommen, das eben angeführte dem Ersten.

[6] Und ferner,„... daß wir den Nutzen und die Freuden unseres Wohlseins erst dann entdecken, wenn wir ihrer verlustig gegangen sind. Als ob wir die Wohltat der Gesundheit nur vermittels der Krankheit spüren könnten ...“; zit. nach Raumer, Friede (wie Anm. 3), S. 322.

[7] Bewusst sei hier für William Penn die Bezeichnung „Staatsdenker“ gewählt, obwohl er im Ver-gleich zu Rousseau, Voltaire, Montesquieu u. a. bei weitem nicht so herausragend von der For-schung wahrgenommen wird. Dennoch wird der weitere Verlauf zeigen, dass man von Penn u. U. sehr wohl von einem Mann mit klaren, zwar mehr oder weniger tief greifenden, dennoch mit neuen Vorstellungen (im Sinne eines Staatsdenkers) von einer politischen Umorganisierung des bisher bestehenden Europas sprechen darf.

[8] Neben den in Anm. 3 angegebenen maßgeblichen Publikationen zu Penns Friedenskonzeption, ist weiterhin Foerster, Rolf Hellmut, Europa. Geschichte einer politischen Idee. Mit einer Biblio-graphie von 182 Einigungsplänen aus den Jahren 1306 bis 1945, München 1967 bedeutend; eben-so die über die religiösen Motive aufklärenden Werke von William Penn selbst: einerseits Penn, Wilhelm, Wilhelm Penn’s kurze Nachricht von dem Ursprunge und Fortgange der Leute die man Quäker nennet; worin zugleich ihr Hauptgrundsatz, ihre Lehren, ihr Gottesdienst, ihr Lehramt und ihre Kirchenzucht deutlich vor Augen gelegt werden. Nebst einer kurzen Erzehlung der ehemali-gen Gnadeneroeffnungen Gottes in der Welt, welche als eine Einleitung beigefügt ist, London 1793 und andererseits Penn, William, The Christian-Quaker and his Divine Testimony. Stated and Vindicated from Scripture, Reason and Authority. Against the Injurious Attemps that have been lately made by feveral Adversaries, with manifest design to render Him odioufly inconsistent with Christian and Civil Society, (first printed 1673), London 1699; ferner die Abhandlung von Marsillac, Jean, Leben Wilhelm Penns, des Stifters von Pensylvanien, aus dem Franz. von K. Julius Friedrich, Straßburg 1793.

[9] Vgl., hierzu Stüwe, Klaus, Europas Einigung als Idee – William Penn und das Projekt der Euro-päischen Union, in: Der Staat, Zeitschrift für Staatslehre, Öffentliches Recht und Verfassungsge-schichte; 38 (1999), Heft 1/4, S. 359-376, hier S. 359f u. 371. Andere, frühere Bündnis-vorhaben oder Friedens- und Einigungspläne wie der „Große Plan“ Maximilien de Béthune, Herzog von Sully von 1632 (u. a. in: Foerster, Idee [wie Anm. 1], S. 60-73) oder die „Klage vom Frieden“ von Erasmus von Rotterdam aus dem Jahre 1517 (ebd., S. 51-60) haben sicherlich ebenso Einfluss auf Penns Essay gehabt wie Hugo Grotius ’ „De iure belli ac pacis“ von 1625 (ebd.); ferner vgl. zur Bedeutung Grotius‘ für das Völkerrecht Grewe, Wilhelm G., Epochen der Völkerrechtsge-schichte, Baden-Baden 21988, S. 227-232.

[10] Vgl., hierzu die Ausführungen bei Timmermann, Heiner (Hrsg.), Die Idee Europa, in: Die Idee Europa in Geschichte, Politik und Wirtschaft, (Dokumente und Schriften der Europäischen Akade-mie Otzenhausen; 82), Berlin 1998, S. 7-18, hier S. 7.

[11] Einen fast abrissartigen aber dennoch zuweilen detaillierten Überblick über die europäischen Geschehnisse liefert Hist. Arch., Europa (wie Anm. 2), insbesondere S. 27-46 u. 142.175; vgl., ferner für die Ereignisse der Reformation, Konfessionalisierung etc. Lutz, Heinrich, Reformation und Gegenreformation (Oldenbourg Grundriss der Geschichte; 10), 4., durchges. u. erg. v. Alfred Kohler, München 1997. Sehr gehaltvoll bei Burckhardt, Johannes Die Friedlosigkeit der Frühen Neuzeit. Grundlegung einer Theorie der Bellizität Europas, in: Zeitschrift für Historische For-schung; Bd. 24, Berlin 1997, S. 509-574. Einen guten Einblick aus englischer Perspektive gibt Upton, Anthony F., Europe 1600-1789 (The Arnold history of Europe) London 2001.

[12] Im Folgenden hierzu maßgeblich Penn, Nachricht (wie Anm. 8), besonders S. 21-55.

[13] Oder auch „… bürgerliche Sekte …“ nach Marsillac, Leben (wie Anm.2) S. 2; die Bezeich-nung Quäker, beschreibt sie sprichwörtlich als Zitterer, da sie aufgrund des enthusiastisch-eksta-tischen Charakters ihrer Versammlungen von den anderen christlichen Gemeinden so genannt wurden; auch bei Hirst, Derek, England in Conflict, 1603-1660. Kingdom, Community, Commonwealth, London/Sidney/Auckland 1999, p. 303.

[14] Zu den grundlegenden Glaubensgrundsätzen der Quäker, vgl., maßgeblich Penn, Christian-Quaker (wie Anm. 8), pp. 1-202 sowie den an die dort aufgeführten Paragraphen angehängten Aufsatz pp. 205-248.

[15] Ihre Eigenbezeichnung lautete Gesellschaft der Freunde, die allerdings im Laufe der Jahre durch die eigentliche Schimpfbezeichnung Quäker ersetzt wurde; vgl., Marsillac, Leben (wie Anm. 2), S. 3 sowie Hirst, Conflict (wie Anm. 13), p. 303.

[16] Es ist deswegen nötig, Frankreichs Politik zu berücksichtigen, da von diesem absolutistischen Staat par excellence herrschaftliche Tendenzen Ausgingen, die viele andere Fürsten Europas - wie der englische Könige Karl I. – versuchten anzunehmen. Da aber die Politik dieser beiden Monarchien nicht gegensätzlicher sein könnten, liefert auch Frankreich genügend Argumente für Friedenspläne.

[17] Zu den zur Verfügung stehenden Übersetzungen siehe die Angaben aus Anm. 3.

[18] In diesem Kontext können diverse politische Einzelheiten im damaligen Europa unberücksich-tigt bleiben, da es allein von Interesse ist, in welcher grundlegenden Gestalt die Herrschaftspraxis des 17. Jahrhunderts zu tage trat. Zwar ist hier die Rede von Europa, doch sollen hier vorerst die beiden wohl gegensätzlichsten Länder Europas – Frankreich und England – genannt werden. Der weitere Verlauf wird zeigen, dass eine Kurzcharakterisierung der gesamteuropäischen Ereignisse dennoch nicht außen vor bleiben kann, denen ein eigener Abschnitt gewidmet wird.

[19] Die modellhafte französische Ausprägung des Absolutismus, konnte sich im Reich nur auf der Ebene der Landesfürsten durchsetzen. Hier gerieten einige Geschlechter zu besonderer Ausprä-gung: Als Beispiel absolutistischer Ausprägungen im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation seien neben den Hohenzollern und späteren aufgeklärten Absolutisten mit ihrem Territorium Bran-denburg-Preußen (die u. a. durch Militarisierung des sozialen Alltags eine europäische Großmacht herbeiführten, die sogar Österreich kurzzeitig Schlesien abpressen konnte) auch auf die Welfen (sie traten zwar erst ab 1714 die Nachfolge der Stuartkönigin Anna an, jedoch konnten sie errei-chen, dass ihr Teilherzogtum Lüneburg zum Kurfürstentum Hannover erhoben wurde) und dem sächsischen Kurfürst Friedrich August I. (1697 mit kaiserlicher Unterstützung als August II. [der Starke] zum polnischen König gewählt [bei Hinrichs, Ernst, Fürsten und Mächte. Zum Problem des europäischen Absolutismus, Göttingen 2000, S. 83 als Inhaber der Kriterien eines nach potestas absoluta strebenden Fürsten charakterisiert]) verwiesen; zu den Hohenzollern siehe u.a. Schulz, Gerhard, Europa und der Globus. Städte, Staaten und Imperien seit dem Altertum, Stuttgart/ München 2001, S. 120; vgl. zu Preußen und den Entwicklungen im restlichen Reich für einen Gesamtüberblick u.a. Hinrichs, Fürsten (in dieser Anm.), S. 37-56 u. 80f und Duchhardt, Heinz, Das Zeitalter des Absolutismus (Oldenbourg Grundriss der Geschichte; 11), 3., überarb. Aufl., München 1998, S. 23-37.

[20] Vgl., Hinrichs, Fürsten (wie Anm. 19), S. 19ff.

[21] Entgegen der Meinung von Midell, Matthias/ Höpel, Thomas, Einführung in die französische Geschichte 1500-1945, 2., überarb. Aufl., Leipzig 1999, S. 55f, erkenne ich statt mit Franz I. erst mit Heinrich IV. absolutistische Gehversuche.

[22] Zwar wäre es überzogen von Heinrich IV. behaupten zu wollen, dass er der erste absolute Mo-narch unter dem Lilienbanner gewesen wäre, allerdings war seine Person für die weitere Entwick-lung der bourbonischen Herrschaft in Maßlosigkeit, Selbstüberschätzung und dennoch Souveräni-tät ausschlaggebend, vgl., u. a. Hinrichs, Fürsten (wie Anm. 19), S. 66-71.

[23] Die Ausweitung und Installation der absoluten Befugnis päpstlicher Legaten wurde allerdings erst 1075 durch Papst Gregor VII. in seinem dictatus papae zur Gänze erreicht; vgl. Jakobs, Hermann, Kirchenreform und Hochmittelalter 1046-1215, München 41999 oder Tellenbach, Gerd (u. a.), Die westliche Kirche vom 10. bis zum 12. Jahrhundert, Göttingen 1988.

[24] Vgl., Hinrichs, Fürsten (wie Anm. 19), S. 66f.

[25] Ebd., S. 67; hiermit einhergehend bildete sich auch ein für diese Zeit nicht unbedingt revolutio-näres aber dennoch neues (in Europa erstmals auftretendes) Bewusstsein, dass das Königtum aus der Dynastie heraus zum Staat erklärte und durch die Untertanen mitgetragen wurde, so dass der König künftig nicht mehr von „meinem Staat“, sondern von „dem Staat“ sprach, was allerdings vom Enkel Heinrich IV., Ludwig XIV., zur viel bezeichneten Perversion getrieben wurde.

[26] Freilich erscheint der Zusammenhang zweier über 600 Jahre auseinander liegender Gesandten-apparate etwas schwammig, aber die Erfolge beider waren jeweils in ihrer Zeit außerordentlich; was im 10. Jahrhundert völlig neu war, wurde nun in Frankreich erstmals zur derzeit möglichen Perfektion gebracht; Dann, Otto, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, in: Knabe, Peter-Eckhard (Hrsg.), Frankreich im 17. Jahrhundert (Kölner Schriften zur Geschichte und Kultur; 4), Köln 1983, S. 1-30, hier S. 4 geht noch weiter und attestiert dem Staat Heinrichs IV. prototypähnliche Gestalt frühneuzeitlicher Herrschaft.

[27] Vgl., ebd., S. 7-10.

[28] Zu den Umständen und den friedenspolitischen Entwicklungen in ihren gesamteuropäischen Dimensionen siehe Press, Volker, Kriege und Krisen. Deutschland 1600-1715 (Neue Deutsche Geschichte; 5), Münster 1991, S. 218-267; ebenso gehaltvoll Repgen, Konrad, Dreißigjähriger Krieg, in: Ders., Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Frieden. Studien und Quellen, hrsg. v. Franz Bosbach u. Christoph Kampmann (Rechts- und Staatswissenschaftliche Veröffentlichungen der Görres-Gesellschaft, NF; 81), Paderborn u. a. 1998, S. 291-318.

[29] Vgl., u. a. Midell/ Höpel (wie Anm. 21), Einführung, S. 57, 62f u. 66f; an diesem Sieg war die Beteiligung Englands unter Oliver Cromwell bedeutend, vgl., Hist. Arch., Europa (wie Anm. 2), S. 159f.

[30] Vgl., einführend hierzu Duchhardt, Zeitalter (wie Anm. 19), S. 45f.

[31] Vgl., Dann, Politik (wie Anm. 26), S. 12.

[32] Das Edikt von Nantes (1598) legte eigentlich die gleichen bürgerlichen Rechte protestantischer und katholischer Christen fest; vgl., Hist. Arch., Europa (wie Anm. 19), S. 142.

[33] Vgl., ebd., S. 155-159 sowie Duchhardt, Zeitalter (wie Anm. 19), S. 51f.

[34] Vgl., u. a. Hinrichs, Fürsten (wie Anm. 19), u.a. S. 77ff.

[35] Vgl., u. a. Duchhardt, Zeitalter (wie Anm. 19), S. 39f;

[36] Vgl., ebd., S. 38.

[37] Foerster, Europa (wie Anm. 8), S. 163.

[38] Vgl., Ebd.

[39] Zumindest ist dies die Meinung Foersters (ebd., S. 163); da allerdings die Geschichtsforschung nicht erst seit dem letzten Jahrzehnt anderes zu berichten weiß, muss sich hier Foersters Position der einen oder anderen Berichtigung unterziehen lassen.

[40] Zwar wird allgemein in der Literatur von zwei großen Bürgerkriegen – der erste bis zur Erhe-bung Oliver Cromwells zum Lordprotektor und der hiermit einhergehenden „Gründung“ des Com-monwealth (1649-1659), der zweite (durch die Wiederherstellung der Stuart’schen Monarchie mit Karl II. (1660-1685) an der Spitze eingeleitet) als sog. „Glorious Revolution“ der Jahre 1688/89 – gesprochen, realiter eine Dreiteilung empfohlen wäre, da in weiten Teilen der englischsprachigen Literatur die Ereignisse der 40er Jahre in zwei Bürgerkriege eingeteilt wird: So zum einen in die Wirren der Jahre 1642-1646 und zum anderen in die Revolution der Jahre 1646-49, die nicht nur mit der Hinrichtung Karls I. endete; vgl., hierzu Hirst, Conflict, (wie Anm. 13); Morrill, John, The War(s) of the Three Kingdoms, in: The New British History. Founding a Modern State 1603-1715, ed. by Glenn Burges (International Library of Historical Studies; 11), London/ New York 1999, pp. 65-91sowie Ders., The Nature of the English Revolution, London/ New York 1993 und Woolrich, Austin, Britain in Revolution 1625-1660, Oxford 2002.

[41] Die Beteiligung Englands als Dritter an einem kontinentalen Krieg ist lediglich durch die Unter-stützung Frankreichs gegen Spanien gegeben; vgl., Hist. Arch., Europa (wie Anm. 2), S. 142.

[42] Zu den absolutistischen Tendenzen Karls I. vgl., Duchhardt, Zeitalter (wie Anm. 19), S. 57f, zu denen Karls II., ebd., S. 61.

[43] Einen sehr erfolgreichen und umfassenden Überblick über die Ereignisse dieses Zeitraumes und die Verquickungen im Königreich liefern die Darstellungen von Greyerz, Kaspar von, England im Jahrhundert der Revolutionen 1603-1714, Stuttgart 1994 und ein älteres (in Einzelheiten viel-leicht überholtes, in der Gesamtheit jedoch durchaus lohnenswertes) Werk von Schröder, Hans-Christoph, Die Revolutionen Englands im 17. Jahrhundert, 1990.

[44] Vgl., Greyerz, England (wie Anm. 43), S. 168.

[45] Hinrichs, Fürsten, S. 95 ff; vgl., Duchhardt, Zeitalter (wie Anm. 19), S. 57-67.

[46] Auch als englischer „Sonderweg“ bei Duchhardt, Zeitalter (wie Anm. 19), S. 57 definiert.

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Details

Titel
William Penn (1644-1718). Ein frühneuzeitlicher Friedensplan unter der Forderung nach Einigung als anderes Europa
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Die Ideengeschichte und Theorie „Europas“
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
43
Katalognummer
V81456
ISBN (eBook)
9783638862219
ISBN (Buch)
9783638862264
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
William, Penn, Friedensplan, Forderung, Einigung, Europa, Ideengeschichte, Theorie
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Johannes Henning (Autor), 2003, William Penn (1644-1718). Ein frühneuzeitlicher Friedensplan unter der Forderung nach Einigung als anderes Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81456

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Titel: William Penn (1644-1718). Ein frühneuzeitlicher Friedensplan unter der Forderung nach Einigung als anderes Europa



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