Als im November vergangenen Jahres bekannt wurde, dass der erste Bürgermeister Hamburgs Ole von Beust und der Chef der Deutschen Bahn Hartmut Mehdorn in Verhandlungen standen, war dies eine große Überraschung. Bei den Verhandlungen ging es darum, dass Hamburg Teile der Hamburger Hafen- und Logistik AG und der Hochbahn AG an die Bahn verkauft, wenn diese im Gegenzug die Konzernzentrale von Berlin nach Hamburg verlegt und zusätzlich eine Investition in dreistelliger Millionenhöhe in Hamburg tätigt.
Dass die Verhandlungen letztlich scheiterten, hatte wohl verschiedene Ursachen. Dies herauszufinden soll auch nicht Bestandteil dieser Arbeit sein. Vielmehr konnte man an der breit geführten Diskussion erkennen, dass im Rahmen der Globalisierung nicht nur Nationen miteinander im Konkurrenzkampf stehen sondern auch einzelne Wirtschafts- und Metropolregionen.
Um sich als Wirtschaftsstandort behaupten zu können, ist es nötig, Vorteile gegenüber anderen herauszuarbeiten bzw. zu erhalten. Aus diesem Grund sollen im ersten Abschnitt zunächst eine Reihe von Standortfaktoren theoretisch erläutert werden. Im Anschluss daran wird ein praktischer Bezug zur Freien und Hansestadt Hamburg hergestellt, um die Stärken und Schwächen des Wirtschaftsstandortes aufzuzeigen. Abschließend erfolgen eine Bewertung der Metropole Hamburg und ein Vergleich mit konkurrierenden Metropolregionen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie der Standortwahl
2.1 Einführung
2.2 Infrastrukturen
2.2.1 Vorbemerkungen
2.2.2 Institutionelle Infrastruktur
2.2.3 Haushaltsnahe Infrastruktur
2.2.4 Wirtschaftsnahe Infrastruktur
2.3 Humankapital
2.4 Gewerbeflächen
2.5 Marktnähe
2.6 Politisch ökonomische Gründe
2.6.1 Allgemeines
2.6.2 Steuern, Gebühren, Abgaben
2.6.3 Förderungen
3 Praktischer Bezug zu Hamburg
3.1 Die Stadt und Metropolregion Hamburg
3.2 Länderfinanzausgleich
3.3 Standortkosten
3.4 Verkehrsinfrastruktur
3.4.1 Luftverkehr
3.4.2 Bahnverkehr
3.4.3 Binnenschiffsverkehr
3.4.4 Straßenverkehr
3.5 Wirtschaftsstruktur
3.5.1 Verarbeitendes Gewerbe
3.5.2 Handel und Dienstleistungen
3.5.3 Der Hamburger Hafen
3.6 Wissensinfrastruktur
4 Abschließende Bewertung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Standortwahl und analysiert diese praxisbezogen am Beispiel der Freien und Hansestadt Hamburg, um deren Potentiale und Herausforderungen auf dem Weg zur zentralen Metropole des nordeuropäischen Wirtschaftsraums zu identifizieren.
- Theoretische Analyse relevanter Standortfaktoren wie Infrastruktur, Humankapital und Marktnähe.
- Untersuchung der fiskalischen Rahmenbedingungen und deren Auswirkung auf die Standortattraktivität.
- Detaillierte Betrachtung der Hamburger Verkehrsinfrastruktur und Wirtschaftsstruktur.
- Evaluierung der Konkurrenzfähigkeit Hamburgs im Vergleich zu anderen europäischen Metropolregionen.
- Erörterung politischer Handlungsmöglichkeiten zur Stärkung der regionalen Wettbewerbsposition.
Auszug aus dem Buch
2.4 Gewerbeflächen
Der Produktionsfaktor Boden ist nur begrenzt vorhanden. Besonders in städtischen Agglomerationen sind Grundstücke knapp. Bei dessen Bewertung spielen vor allem Lage und Größe, Expansionsmöglichkeiten, Bauvorschriften sowie die Erschließung eine wichtige Rolle. Auch bei Firmenbefragungen zu ausschlaggebenden Standortfaktoren nimmt der Faktor Boden regelmäßig einen der vorderen Plätze ein.
Eine Betrachtung der kommunalen Gewerbeflächenpolitik zeigt warum. Da die Kommunen auf neu erschlossene Flächen nahezu das Angebotsmonopol haben, ist die Flächenpolitik ihre bedeutendste und zugleich treffsicherste Option in der regionalen Standortpolitik. Die besondere Bedeutung hat verschiedene Gründe. So bietet unsere Finanzverfassung kaum Möglichkeiten im Rahmen von Steuervorteilen Anreize zu schaffen und auch die Infrastruktur in Deutschland ist verhältnismäßig homogen. Außerdem richtet sich die Flächenpolitik an mobile Unternehmen und ist somit treffsicher, im Gegensatz etwa zur Beihilfepolitik bei der durch Mitnahmeeffekte auch immobile Unternehmen profitieren. Die Monopolstellung bei der Gewerbeflächenvergabe bietet den Kommunen große Vorteile.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein, warum im globalen Standortwettbewerb Vorteile für Wirtschaftsregionen entscheidend sind, und umreißt den methodischen Aufbau der Untersuchung.
2 Theorie der Standortwahl: Dieses Kapitel erläutert systematisch die verschiedenen Einflussfaktoren auf Standortentscheidungen, darunter Infrastrukturen, Humankapital, Bodenverfügbarkeit, Marktnähe sowie politisch-ökonomische Rahmenbedingungen.
3 Praktischer Bezug zu Hamburg: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse der Stärken und Schwächen des Wirtschaftsstandorts Hamburg, wobei insbesondere Verkehrswege, Wirtschaftscluster und finanzpolitische Rahmenbedingungen untersucht werden.
4 Abschließende Bewertung: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet Hamburgs Potentiale im internationalen Wettbewerb mit Metropolregionen wie Kopenhagen und Rotterdam.
Schlüsselwörter
Standortwettbewerb, Standortfaktoren, Hamburg, Infrastruktur, Humankapital, Gewerbeflächen, Marktnähe, Länderfinanzausgleich, Wirtschaftsstruktur, Metropolregion, Hafen, Globalisierung, Cluster, Investitionen, Wirtschaftspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Standortwettbewerb und untersucht, welche Faktoren für Unternehmen entscheidend sind, um sich für einen bestimmten Standort zu entscheiden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Grundlagen der Standortlehre, die Rolle der Infrastruktur, Bedeutung von Humankapital und Boden sowie die spezifische Wirtschaftspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis theoretischer Standortfaktoren zu prüfen, ob Hamburg das Potential besitzt, das „Zentrum des Nordens“ für den nordeuropäischen Wirtschaftsraum zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse und eine praxisorientierte Standortbestimmung durch Auswertung aktueller wirtschaftsgeografischer Daten und Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert ausführlich die Hamburger Wirtschaftsstruktur, die Verkehrsinfrastruktur, die Bedeutung des Hafens sowie die negativen Einflüsse des Länderfinanzausgleichs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Standortwettbewerb, Metropolregion, Clusterbildung, Hafenwirtschaft und fiskalische Standortfaktoren charakterisiert.
Welche Rolle spielt der Hamburger Hafen in der Standortbewertung?
Der Hafen fungiert als wirtschaftliche Hauptschlagader der Stadt, deren Wettbewerbsfähigkeit durch Investitionen in die Verkehrsanbindung und Vertiefung des Fahrwassers gesichert werden muss.
Wie wirkt sich der Länderfinanzausgleich auf Hamburg aus?
Der Finanzausgleich wird in der Arbeit als Standortnachteil identifiziert, da er Hamburg finanzielle Mittel entzieht, die für Investitionen in die Infrastruktur dringend benötigt würden.
Warum wird Kopenhagen als Vergleichsmetropole herangezogen?
Kopenhagen dient als Beispiel für eine erfolgreiche regionale Integration und eine clusterbasierte Wachstumsstrategie, von der Hamburg im direkten Wettbewerb lernen kann.
- Quote paper
- Danny Lüpken (Author), 2006, Kann Hamburg das Zentrum des Nordens werden? - Standortfaktoren als zentrale Elemente der Standortwahl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81521