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Ziffernnoten als geeignete Form der Leistungsbewertung im Sachunterricht?

Title: Ziffernnoten als geeignete Form der Leistungsbewertung im Sachunterricht?

Term Paper , 2007 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Marcus Sommer (Author)

Didactics - Regional History and Geography
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Schule ohne Noten? Leistungen, die nicht mit einer Zensur quittiert werden? Diese Fragestellungen gibt es nicht erst seit heute. Bereits vor zehn Jahren ging der damalige Bundespräsident davon aus, so ein Experiment müsse einfach schief gehen. Deshalb sah sich der oberste Repräsentant des deutschen Staates dazu gezwungen, sich in diese pädagogische Diskussion einzumischen und lautstark in seiner berühmten „Ruck-Rede“ zu intervenieren. Aus dem Bundespräsidialamt kam 1997 die Warnung vor „notenfreier Kuschelpädagogik“: „Wer die Noten aus den Schulen verbannt, schafft Kuschelecken, aber keine Bildungseinrichtungen, die auf das nächste Jahrtausend vorbereiten.“ (Herzog bei Spies 2007) Der Bundespräsident a.D. ist nicht der einzige Verfechter der Ziffernnoten. Unterstützung findet man vor allem dort, wo man es zunächst nicht erwartet. Schüler sind im Großen und Ganzen mit dem System zufrieden, auch Eltern lungern nach einem Feedback durch Noten (vgl. Valtin 2002). Dem aktuellen Forschungsprojekt NOVARA zufolge, sind Schüler mit ihren Benotungen in der sechsten Klasse weitgehend – 80 Prozent – zufrieden (Valtin 2002, S. 56). Viele Studien hingegen zeigen ein anderes Bild. Demnach gilt die Zensurengebung als höchst problematisch. Fragwürdig erscheinen Objektivität, Validität und Reliabilität. Ingenkamp - der Autor des Pädagogik-Bestsellers „Die Fragwürdigkeit der Zensurengebung“ - spricht bei der Notengebung von einem „Glücksspiel“, anstelle eines fairen Wettbewerbes (vgl. Sacher 1994, S. 23). „Was wir wissen, muss uns höchst bedenklich stimmen“ (Ingenkamp 1989, S. 80), warnt der Pädagogik-Professor und belegt dies eindrucksvoll mit zahlreichen Studien. Die Pole in der Diskussion sind mitunter radikal und erinnern an einen Glaubenskrieg: So sieht Beck in den „Noten und Zeugnisse[n] [...] Instrumente der Herrschaftssicherung!“ (Beck bei Ingenkamp 1989, S. 36). Seine eindringliche Forderung: „Schafft die Noten ab!“ (ebd.)

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Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Zweck und Funktion von Ziffernnoten

2.1 Defintionsversuch Leistungsmessung

2.2 Funktionen von Leistungsmessung durch Ziffernzensuren

3. Das Dilemma im Sachunterricht: Wie soll dort bewertet werden?

4. Ziffernnoten als problematische, unzuverlässige Bewertungsinstrumente

4.1 Anforderungen an Noten

4.2 Forschungsbefunde

4.2.1 Objektivität

4.2.2 Reliabilität

4.2.3 Validität

5. Konsequenzen für die Leistungsbeurteilung im Sachunterricht - und anderen Schulfächern

5.1 Ablehnung der Note als Beurteilungsinstrument.

5.2 Alternativen für den Sachunterricht

5.3 Fallbeispiel Portfolio

6. Synthese

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht kritisch die Eignung von Ziffernnoten als Instrument der Leistungsbewertung, insbesondere im Kontext des Sachunterrichts, und diskutiert auf Basis wissenschaftlicher Mängel in Objektivität, Reliabilität und Validität alternative Ansätze.

  • Kritische Analyse der Funktionen von Ziffernnoten in der Schule.
  • Aufzeigen des Bewertungsproblems im fachspezifischen Kontext des Sachunterrichts.
  • Wissenschaftliche Fundierung der Unzulänglichkeiten tradierter Notengebung.
  • Diskussion alternativer Leistungsbeurteilungsformen.
  • Portfolioarbeit als Beispiel für eine veränderte Leistungskultur.

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Objektivität

In Bezug auf die Objektivität von Schulnoten lassen sich „beträchtliche Beurteilungsdivergenzen“ verschiedener Lehrer feststellen (Sacher 1994, S. 35). So lassen sich beträchtliche Schwankungsbreiten bei mündlichen Leistungen, Aufsätzen, aber auch Mathematikarbeiten konstatieren. Die Unobjektivität erfasst sämtliche Schulfächer. (vgl. ebd.).

Nach Sacher beeinflussen vor allem die individuellen Persönlichkeitsmerkmale der Lehrer die Notenentscheidung: Alter, Geschlecht, berufliche Motivation, aber auch der Grad der Ermüdung und andere Faktoren, determinieren die Notenfindung (vgl. ebd.). Die fehlende Objektivität lässt sich auch quantitativ erfassen. Nach Sacher variieren die Koeffizienten zur Übereinstimmung der Testergebnisse zwischen 0,35 und 0,85. Zum Vergleich: Ein IQ-Test besitzt Übereinstimmungen zwischen 0,95 und 0,99 (vgl. ebd., S. 36). Er arbeitet also weitaus genauer als Schulnoten.

Exemplarisch für diese katastrophalen Ergebnisse steht ein Experiment von Ulshöfer. Dieser bat 42 Deutschlehrer darum, einen Deutschaufsatz ganz unabhängig voneinander zu zensieren. Als Bewertungen erhielt er Einschätzungen von „Sehr gut“ bis „Ungenügend“ – es wurde also das gesamte Notenspektrum ausgeschöpft (vgl. Ingenkamp 1989, S. 72).

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kontroverse Debatte um die Abschaffung von Ziffernnoten und stellt die spezifische Problematik der Leistungsbewertung im Sachunterricht dar.

2. Zweck und Funktion von Ziffernnoten: Dieses Kapitel definiert den Begriff Leistung im pädagogischen Kontext und erörtert die gesellschaftlichen sowie administrativen Funktionen von Schulnoten.

3. Das Dilemma im Sachunterricht: Wie soll dort bewertet werden?: Hier wird die fachspezifische Herausforderung thematisiert, dass die komplexen Ziele des Sachunterrichts kaum durch standardisierte Ziffernnoten abbildbar sind.

4. Ziffernnoten als problematische, unzuverlässige Bewertungsinstrumente: Das Kapitel analysiert die methodischen Mängel herkömmlicher Noten hinsichtlich ihrer Objektivität, Reliabilität und Validität anhand wissenschaftlicher Befunde.

5. Konsequenzen für die Leistungsbeurteilung im Sachunterricht - und anderen Schulfächern: Basierend auf der Kritik an der Notengebung werden die Konsequenzen diskutiert und das Portfolio als alternative Bewertungsmethode vorgestellt.

6. Synthese: Die Synthese fasst zusammen, dass Ziffernnoten den hohen diagnostischen Ansprüchen nicht genügen und plädiert für eine schrittweise Integration alternativer Beurteilungsformen.

Schlüsselwörter

Leistungsbewertung, Ziffernnoten, Sachunterricht, Notengebung, pädagogische Diagnostik, Portfolio, Objektivität, Reliabilität, Validität, Schulleistung, Kompetenzerwerb, Alternative Leistungsbeurteilung, Lehr- und Lerndiagnose, Schulpädagogik, Leistungsgesellschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich kritisch mit der Frage, ob Ziffernnoten eine geeignete Form der Leistungsbewertung im Sachunterricht darstellen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Fokus stehen die Funktionen von Ziffernnoten, die Probleme der Messbarkeit im Sachunterricht, wissenschaftliche Mängel bei der Notengebung und mögliche alternative Bewertungsmethoden wie das Portfolio.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu prüfen, ob die herkömmliche Ziffernnote den komplexen Anforderungen an die Leistungsbeurteilung im Sachunterricht gerecht werden kann und welche Alternativen existieren.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse und Literaturrecherche, indem er bestehende pädagogische Studien und Forschungsergebnisse zur Notengebung auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, die Herausarbeitung des Dilemmas im Sachunterricht sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der unzureichenden Objektivität, Reliabilität und Validität von Noten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Leistungsbewertung, Ziffernnoten, Sachunterricht, Objektivität, Reliabilität, Validität und Portfolio.

Warum gilt der Sachunterricht als "Problemfach" für die Leistungsbeurteilung?

Da der Sachunterricht ein sehr breites fachliches Spektrum abdeckt und komplexe, langfristig angelegte soziale sowie methodische Kompetenzen fordert, die mit klassischen schriftlichen Tests kaum objektiv erfassbar sind.

Was bedeutet in diesem Kontext die „kopernikanische Wende“?

Der Begriff bezieht sich auf die Einführung des Portfolios als Instrument, das einen grundlegenden Paradigmenwechsel im Umgang mit Schülerleistungen einleitet, weg von der rein selektiven Bewertung hin zur individuellen Prozessreflexion.

Wie lautet das Fazit zur Objektivität von Schulnoten?

Das Fazit ist vernichtend: Studien zeigen beträchtliche Beurteilungsdivergenzen zwischen Lehrern, die durch persönliche Merkmale und externe Faktoren stark verfälscht werden.

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Details

Title
Ziffernnoten als geeignete Form der Leistungsbewertung im Sachunterricht?
College
Free University of Berlin  (Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie)
Course
Lehren und Lernen im Sachunterricht
Grade
1,3
Author
Marcus Sommer (Author)
Publication Year
2007
Pages
18
Catalog Number
V81552
ISBN (eBook)
9783638880251
ISBN (Book)
9783656025405
Language
German
Tags
Ziffernnoten Form Leistungsbewertung Sachunterricht Lehren Lernen Sachunterricht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcus Sommer (Author), 2007, Ziffernnoten als geeignete Form der Leistungsbewertung im Sachunterricht?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81552
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