Schule hat heute mit den unterschiedlichsten Problemen zu kämpfen, die weit über die Situation und Arbeit in den Klassenräumen hinausgeht. Hierzu lassen sich z.B. die schwindenden Schülerzahlen, die schlechte finanzielle Lage einiger Schulen, fehlende Lehrkräfte und der gesellschaftliche Druck, entstanden aus den schlechten PISA-Ergebnissen, zählen.
Für die Lösung der Probleme der Schule gibt es keine Patentrezepte oder eine universelle Formel, die ihre Situation von heute auf morgen verbessert. Vielmehr liegt es an den Beteiligten ihre Schule zu verändern, hierzu zählen die Schüler, Lehrer sowie Eltern und die Schulleitung. Denn kein Politiker, kein Schulaufsichtsbeamter wird jemals die Situation besser begreifen können, als diejenigen, die sich jeden Tag mit den Problemen auseinandersetzen müssen.
Es gilt Lösungen zu finden, Lösungen, die alle zufrieden stellen, an denen alle mitgewirkt haben und die alle auch mittragen wollen und können.
Staatliche und soziologische Rahmenrichtlinien lassen für viele gewünschte Veränderungen keinen oder kaum Spielraum, so müssen sich Schulen z.B. im „Kampf“ um die Schülerzahlen einiges gefallen lassen, um ihre Existenz zu sichern. Dieses ist meistens nur möglich durch ein Ausdifferenzieren des eigenen Profils aus der Schullandschaft. Zudem muss die Schule ihre Vergleichbarkeit in der erbrachten Lehrtätig-keit wahren, also die Qualität der Ausbildung der Kinder absichern und sich vor den staatlichen Institutionen rechtfertigen.
Kurz gefasst bedeutet dies für die Schule Qualitätsentwicklung und –sicherung im Rahmen einer neuen Profilfindung und –gestaltung.
In dieser Arbeit soll in erster Linie ein Blick in die Qualitätssicherung und -entwicklung gegeben werden. Insbesondere geschieht dies im Zusammenhang mit der Problematik der Profilfindung und –gestaltung von Schulen. Hierzu wird auf die Bedeutung der Qualitätsentwicklung für die Schule eingegangen. Des Weiteren sollen die Evaluation und die Zukunftswerkstatt mit der Qualitätsentwicklung verbunden werden. Ziel ist es, eine Hilfe für Schulen und ihre Beteiligten zu erstellen, um ihrer Schule ein neues Profil zu geben bzw. das vorhandene zu erweitern oder zu verbessern. Hierzu werden abschließend reformpädagogische Beispiele für einen möglichen Ansatzpunkt der Profilbildung kurz dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Qualitätsentwicklung von Schulen
2.1 Qualitätsentwicklung der Einzelschule
2.2 Was bedeutet Profilentwicklung und Profilgestaltung
2.3 Die drei Hauptwege der Qualitätsentwicklung nach Rolff
3. Die Evaluation
3.1 Die Bedeutung der Evaluation für die Qualitätsentwicklung von Schulen
3.2 Zur Problematik Fremd- und Selbstevaluation
4. Die Zukunftswerkstatt
4.1 Was ist eine Zukunftswerkstatt
4.2 Modelle in der Übersicht
5. Zusammenfassung
6. Beispiele
A) Die Montessori-Pädagogik
B) Die Freinet-Pädagogik
C) Der Jenaplan
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Qualitätsentwicklung und -sicherung für Schulen im Kontext der Profilfindung und Profilgestaltung. Ziel ist es, Schulen und ihre Akteure dabei zu unterstützen, ein individuelles Schulprofil zu entwickeln, zu erweitern oder zu verbessern, wobei insbesondere die Methoden der Evaluation und der Zukunftswerkstatt als flankierende Instrumente analysiert werden.
- Qualitätsentwicklung als zentraler Prozess der Einzelschulentwicklung
- Die Rolle der Profilfindung zur Existenzsicherung und Differenzierung
- Evaluation als Instrument zur Qualitätssicherung und Entscheidungsfindung
- Die Zukunftswerkstatt als partizipative Methode zur Schulentwicklung
- Reformpädagogische Ansätze als Inspiration für die Profilgestaltung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Mit einem „Guten Morgen zu eurer dritten Stunde“ eröffnete Frau M. ihren Deutschunterricht und konnte nur schwerlich eine Bestätigung aus dem ihr entgegen wallendem Gemurmel entnehmen. An den fein aufgereihten Schädeldecken erkannte sie zügig die neuesten Frisurentrends ihrer Schüler, die sich emsig währenddessen mit ihrer Schreibfläche oder ihrem Banknachbarn beschäftigen. Nach einem energischen Versuch die Aufmerksamkeit ihrer Schüler für das Unterrichtsthema zu erkämpfen, begann sie weiter in die Thematik der klassischen Gedichte von Goethe einzudringen. In einem flammenden Lehrervortrag versuchte sie ihren Klasse die Stilmittel und Besonderheiten in die Köpfe zu pressen.
Nach nunmehr 15 Minuten sackte sie über ihrem Tisch zusammen und stellte ihren Schülern die Aufgabe die restliche Zeit des Unterrichtes zu nutzen, um anhand ihres Arbeitsbuches das Gehörte zu vertiefen. Mürrisch folgten die Schüler ihrer Anweisung. Es waren keine fünf Minuten vergangen, als sich die ersten menschlichen Laute das eintönige Kritzeln der Stifte unterbrachen und sich zaghaft eine Hand in den hintersten Reihen erhob. „Nach welchen stilistischen Mitteln sollen wir in dem Texten suchen?“ piepste Horst aus der letzten Reihe. „Das habe ich euch doch erklärt; hast du mal wieder nicht richtig zugehört?“ raunte Frau M. und schaute streng über ihre in Messing gefassten Brillengläser.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet anhand eines Fallbeispiels die Problemlagen moderner Schulen und führt in die Notwendigkeit der Qualitätsentwicklung und Profilgestaltung ein.
2. Qualitätsentwicklung von Schulen: Dieses Kapitel definiert die Schule als komplexes Sozialisationsgefüge und verdeutlicht die Notwendigkeit einer individuellen Profilentwicklung durch die Einzelschule.
3. Die Evaluation: Hier wird die Evaluation als forschungsbasiertes Instrument zur Überprüfung des Ist-Zustandes und zur nachhaltigen Steuerung von Entwicklungsprozessen in der Schule dargestellt.
4. Die Zukunftswerkstatt: Dieses Kapitel erläutert die Zukunftswerkstatt als kreative und partizipative Methode zur aktiven Gestaltung des Schullebens unter Einbeziehung aller Beteiligten.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die zentralen Erkenntnisse und unterstreicht die Notwendigkeit einer ganzheitlichen, kooperativen Schulentwicklung.
6. Beispiele: Das abschließende Kapitel liefert einen kurzen Überblick über reformpädagogische Konzepte wie Montessori, Freinet und den Jenaplan als Inspiration für die eigene Profilbildung.
Schlüsselwörter
Qualitätsentwicklung, Einzelschule, Profilentwicklung, Profilgestaltung, Evaluation, Zukunftswerkstatt, Schulentwicklung, Partizipation, Selbstevaluation, Fremdevaluation, Reformpädagogik, Montessori-Pädagogik, Freinet-Pädagogik, Jenaplan, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Qualitätsentwicklung und -sicherung von Schulen mit dem Fokus auf die Profilbildung als Mittel zur Differenzierung und Verbesserung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Bedeutung der Einzelschulentwicklung, der Einsatz von Evaluationsmethoden sowie die Anwendung der Zukunftswerkstatt zur aktiven Schulentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Beteiligten an Schulen Hilfe und Inspiration für die Entwicklung oder Schärfung eines eigenen Schulprofils zu geben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen und stellt methodische Ansätze wie die Evaluation und die Zukunftswerkstatt theoretisch vor.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Systemzusammenhänge der Schulentwicklung nach Rolff sowie die praktischen Anwendungsmöglichkeiten von Evaluation und Zukunftswerkstatt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Profilentwicklung, Qualitätssicherung, Schulkultur und partizipative Lernformen geprägt.
Wie unterscheidet sich die Zukunftswerkstatt von der Evaluation?
Im Gegensatz zur Evaluation bindet die Zukunftswerkstatt die Betroffenen aktiv in die Planung und Gestaltung von Veränderungsvorhaben ein, während die Evaluation eher auf Datenerhebung und Ist-Analyse fokussiert.
Warum wird die Selbstevaluation in der Arbeit besonders hervorgehoben?
Die Selbstevaluation wird als Instrument der Selbstreflexion und Arbeitskultur betont, das es Schulen erlaubt, individueller auf ihre spezifischen Probleme und Bedürfnisse einzugehen.
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- Falk Hauptstein (Author), 2006, Zur Qualitätsentwicklung von Schulen - Profilentwicklung und Profilgestaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81605