Zur Qualitätsentwicklung von Schulen - Profilentwicklung und Profilgestaltung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

35 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Qualitätsentwicklung von Schulen
2.1 Qualitätsentwicklung der Einzelschule
2.2 Was bedeutet Profilentwicklung und Profilgestaltung
2.3 Die drei Hauptwege der Qualitätsentwicklung nach Rolff

3. Die Evaluation
3.1 Die Bedeutung der Evaluation für die Qualitätsentwicklung von Schulen
3.2 Zur Problematik Fremd- und Selbstevaluation

4. Die Zukunftswerkstatt
4.1 Was ist eine Zukunftswerkstatt
4.2 Modelle in der Übersicht

5. Zusammenfassung

6. Beispiele
A) Die Montessori-Pädagogik
B) Die Freinet-Pädagogik
C) Der Jenaplan

7. Literaturempfehlungen

8. Literatur

1. Einleitung

Mit einem „Guten Morgen zu eurer dritten Stunde“ eröffnete Frau M. ihren Deutschunterricht und konnte nur schwerlich eine Bestätigung aus dem ihr entgegen wallendem Gemurmel entnehmen. An den fein aufgereihten Schädeldecken erkannte sie zügig die neuesten Frisurentrends ihrer Schüler, die sich emsig währenddessen mit ihrer Schreibfläche oder ihrem Banknachbarn beschäftigen. Nach einem energischen Versuch die Aufmerksamkeit ihrer Schüler für das Unterrichtsthema zu erkämpfen, begann sie weiter in die Thematik der klassischen Gedichte von Goethe einzudringen. In einem flammenden Lehrervortrag versuchte sie ihren Klasse die Stilmittel und Besonderheiten in die Köpfe zu pressen.

Nach nunmehr 15 Minuten sackte sie über ihrem Tisch zusammen und stellte ihren Schülern die Aufgabe die restliche Zeit des Unterrichtes zu nutzen, um anhand ihres Arbeitsbuches das Gehörte zu vertiefen. Mürrisch folgten die Schüler ihrer Anweisung. Es waren keine fünf Minuten vergangen, als sich die ersten menschlichen Laute das eintönige Kritzeln der Stifte unterbrachen und sich zaghaft eine Hand in den hintersten Reihen erhob. „Nach welchen stilistischen Mitteln sollen wir in dem Texten suchen?“ piepste Horst aus der letzten Reihe. „Das habe ich euch doch erklärt; hast du mal wieder nicht richtig zugehört?“ raunte Frau M. und schaute streng über ihre in Messing gefassten Brillengläser. Eingeschüchtert zuckte Horsts Hand wieder auf den Tisch zurück. Die ruhige Stimmung in der Klasse war nun schließlich durchbrochen, die Bemühungen von Frau M. glichen mehr und mehr des einen Raubtierdomteures. Den verbleibenden Teil der Unterrichtsstunde verbrachte sie mit den vergeblichen Versuchen die Klasse zu einer vernünftigen Arbeitsatmosphäre zu ermahnen. Ein Großteil der Schüler begann nun mit ihr über den Sinn der Arbeitsaufgabe energisch zu streiten und torpedierten jeden ihrer Versuche die Klasse zu beruhigen.

Das sehnlichst erwartete Läuten der Klingel beendete die fast kriegerisch anmutenden Auseinandersetzungen und bewarte beiden Seiten vor schlimmeren Handlungen.

Stellen wir uns so den Unterricht in der Zukunft vor? Können wir unter diesen Bedingungen noch die qualitativ gute Ausbildung unserer Kinder sorgen? Oder können wir andere Wege finden?

Sicherlich spiegelt die einleitende Kurzgeschichte nicht den generellen Unterricht an unseren Schulen wieder, aber es muss sich zunehmend gefragt werden, ob die Schule noch die zeitgemäße und qualitativ hochwertige Leistung erbringt, die sie sich als Aufgabe gestellt hat.

Schule hat heute mit den unterschiedlichsten Problemen zu kämpfen, die weit über die Situation und Arbeit in den Klassenräumen hinausgeht. Hierzu lassen sich z.B. die schwindenden Schülerzahlen, die schlechte finanzielle Lage einiger Schulen, fehlende Lehrkräfte und der gesellschaftliche Druck, entstanden aus den schlechten PISA-Ergebnissen, zählen.

Für die Lösung der Probleme der Schule gibt es keine Patentrezepte oder eine universelle Formel, die ihre Situation von heute auf morgen verbessert. Vielmehr liegt es an den Beteiligten ihre Schule zu verändern, hierzu zählen die Schüler und Lehrer sowie Eltern und die Schulleitung. Denn kein Politiker, kein Schulaufsichtsbeamter wird jemals die Situation besser begreifen können, als diejenigen, die sich jeden Tag mit den Problemen auseinandersetzen müssen.

Es gilt Lösungen zu finden, Lösungen, die alle zufrieden stellen, an denen alle mitgewirkt haben und die alle auch mittragen wollen und können.

Staatliche und soziologische Rahmenrichtlinien lassen für viele gewünschte Veränderungen keinen oder kaum Spielraum, so müssen sich Schulen z.B. im „Kampf“ um die Schülerzahlen einiges gefallen lassen, um ihre Existenz zu sichern. Dieses ist meistens nur möglich durch ein Ausdifferenzieren des eigenen Profils aus der Schullandschaft. Zudem muss die Schule ihre Vergleichbarkeit in der erbrachten Lehrtätigkeit wahren, also die Qualität der Ausbildung der Kinder absichern und sich vor den staatlichen Institutionen rechtfertigen.

Kurz gefasst bedeutet dies für die Schule Qualitätsentwicklung und –sicherung im Rahmen einer neuen Profilfindung und –gestaltung.

In dieser Arbeit soll in erster Linie ein Blick in die Qualitätssicherung und -entwicklung gegeben werden. Insbesondere geschieht dies im Zusammenhang mit der Problematik der Profilfindung und –gestaltung von Schulen. Hierzu wird auf die Bedeutung der Qualitätsentwicklung für die Schule eingegangen. Des Weiteren sollen die Evaluation und die Zukunftswerkstatt mit der Qualitätsentwicklung verbunden werden. Ziel ist es, eine Hilfe für Schulen und ihre Beteiligten zu erstellen, um ihrer Schule ein neues Profil zu geben bzw. das vorhandene zu erweitern oder zu verbessern. Es erscheint angebracht, die Evaluation und die Zukunftswerkstatt, in ihren speziellen Ausführungen, kurz zu erfassen und hier eher ihre Möglichkeiten aufzuzeigen. Schließlich liegt das Hauptaugenmerk der Arbeit nicht in der ausdifferenzierten Darstellung der Evaluation und der Zukunftswerkstatt, sondern in der Verknüpfung mit der Qualitätsentwicklung und –sicherung. Abschließend werden Beispiele für einen möglichen Ansatzpunkt der Profilbildung kurz dargestellt. Da es nicht ratsam ist, ein Profil von einer Schule eins zu eins zu übernehmen, dienen diese nur zu Inspiration und Ideengebung. Für weiterführende Studien zu diesem Thema wird eine Literaturliste mit Empfehlungen im Anschluss angegeben.

Im Vorfeld sollte dennoch geklärt werden, dass nicht beabsichtigt ist, die bestehenden Leistungen und Versuche der Qualitätssicherung zu schmälern oder zu kritisieren. Die folgenden Ausführungen stellen vielmehr eine Hilfe zur Verbesserung und Ausweitung von Inhalten und Methoden dar.

2. Qualitätsentwicklung von Schulen

Über die wichtigste Aufgabe von Schulen lässt sich sicherlich ausgiebig diskutieren, aber dennoch muss sich jeder eingestehen, dass die Schule in ihrer Gesamtheit zu den wichtigsten Sozialisationsinstanzen unserer Gesellschaft gehört. Eine Schule bietet den Kindern nicht nur einen Ort, an dem sie die wissenschaftlichen Grundlagen der Menschheit und ihr Wissen erwerben können, sondern auch ihre, mitunter ersten, tiefergehenden gesellschaftlichen Kontakte zu erproben und zu festigen. Die Schule erlaubt es, erste Schritte mit eigenen Ideen zu tätigen und Fehler zu begehen. In ihr können Kinder ihre Grenzen im Umgang mit ihrer sozialen Umwelt austesten und erste Lebensentwürfe reflektieren.

Eine Schule bildet einen Lern- und Erfahrungsraum, der durch seine Komplexität besticht. Es besteht ebenso kein Zweifel daran, dass sie nicht nur für den Schüler beinahe jeden Tag neue „Welten“ erschließt. Dementsprechend wirkt Schule gleichfalls mit ihrer Vielschichtigkeit auf die Lehrer, die nicht nur Teil der Schule, sondern in ihr gleichermaßen Lernende sind.

Diese Komplexität ist vielleicht die bemerkenswerteste Eigenschaft, welche die Schule besitzt und daher sollte gerade diese gepflegt und erhalten werden. Eine Schule definiert sich durch ihre Qualität in den einzelnen Lehr- und Lernbereichen und trägt im Ganzen zu einer erfolgreichen Sozialisation in eine bestehende Gesellschaft bei. Diese besonderen Qualitäten gilt es zu sichern und weiterzuentwickeln.

Dieses Problem hat auch der Staat erkannt und formulierte vier zentrale Aufgaben des Qualitätsmanagement von Schulen, um eine verbesserte Qualität zu erreichen.

1) Verallgemeinerung des Qualitätsthemas: Es kann darunter die Zusammenführung der unterschiedlichsten Interessen vieler Parteien in einem allgemeingültigen Bildungsauftrag verstanden werden.
2) Sicherung von Standart und Vergleichbarkeit: Hierunter fallen die Ausführung von Vergleichsarbeiten und TIMSS sowie die Beteiligung an PISA.
3) Schaffung zuträglicher Rahmenbedingungen: Die Kulturministerien formulieren Rahmenrichtlinien für den unterricht und der Schule sowie für das Lehramtsstudium.
4) Entwicklungsimpulse erzeugen: Die Zusammenarbeit von Schule und nichtstaatlichen Bildungsträgern wird in diesem Bereich erleichtert.[1]

Bei einer präzisen Analyse der Aufgaben ist festzustellen, dass es sich hier um eine von oben, als vom Staat, gesteuerte Qualitätsentwicklung handelt. Aber es bleibt zu bemerken, dass keine Schule in ihrem pädagogischen Profil und ihrer Umfeld einer anderen gleichen kann. Schließlich wird eine Schule zu einem großen Teil durch ihre Schüler, Lehrer, Eltern und Schulleitung, also durch Individuen, geprägt. Somit kann sich die Frage gestellt werden, inwieweit es dem Staat möglich ist seine sich selbst gestellten Aufgaben zu erfüllen.

Zu diesem Thema meint Rolff:

Es ist ein naiver, ja sogar verhängnisvoller Glaube, Schulen verbesserten ihre Qualität allein auf Grund von Leistungsvergleichen. Viel eher ist anzunehmen, dass sie bei schlechten Resultaten in die Defensive flüchten und nach Ursachen suchen, die sie selbst nicht zu verantworten haben.[2]

Er zeigt hier eine Problematik auf, in die der Staat mit seinen Kontrollmechanismen nicht eingreifen kann. Von Kulturministerien und Schulaufsichtsbehörten erstellte Bewertungskriterien können nicht bei ihrer Allgemeinheit auf einzelne Besonderheiten von Schulen eingehen, z.B. deshalb, weil die Tests abfragen, was erst im nächsten Halbjahr zum Unterricht gehört, oder weil viel besser situierte Schulen zum Vergleich herangezogen werden.[3] Daher lässt sich formulieren: Leistungsvergleiche wirken sich eher hemmend auf die4 Schulentwicklung aus. Zu dem fehlt es in den zentralen Behörden am nötigen Steuerungswissen, um die Entwicklung innerhalb der Vielfalt und Differenziertheit der Schullandschaft zu lenken.[4]

Somit ist es dem Staat nicht möglich an allen Schulen des gleichen Typs eine gleiche Qualität mit den von ihm durchgeführten Maßnahmen zu erreichen. Dadurch muss die Einzelschule als Dreh- und Angelpunkt für die Qualitätssicherung und -entwik-klung ins Augenmerk einer Schulentwicklung rücken.[5]

Welchen Vorteil bietet diese Hinwendung zu Entwicklung von Einzelschulen? Schulen können, nun ganz nach ihren selbstgewählten Lehrzielen ihr Schulprofil entwickeln bzw. gestalten und schließlich, angelehnt an die Produktgestaltung und Marktforschung aus der Wirtschaft, eine Nische innerhalb der Schullandschaft ausfüllen. Sie haben die Möglichkeit ihr Profil frei zu gestalten, so dass sie z.B. pädagogische Vorlieben von Eltern erfüllen und somit ihre Existenz selbst absichern können. Beispiele für eine solche Profilbildung sind. Reformschulen, Schulen in freier Trägerschaft oder Schulen mit einer besonderen Ausbildungsspezialisierung, wie z.B. naturwissenschaftliche Gymnasien, Wirtschafts- und Handelsschulen. Ebenso ist es denkbar nur kleine Veränderungen im schulischen Alltag vorzunehmen, ohne gleich die pädagogische Grundrichtung umzuformen. So bestehen die Chancen zum Einrichten von Projektwochen, verstärkten fachübergreifenden Unterricht, Bilingualen Unterricht oder zum klassenübergreifendem Unterricht.

Es ist festzuhalten: Qualitätsentwicklung von beinhalten die Profilentwicklung von Einzelschulen und sie erschließt den chancenreichsten Aspekt einer Schulentwicklung.

2.1 Qualitätsentwicklung der Einzelschule

In einer sich ständig wandelnden Gesellschaft ist es für die Schule notwenig geworden, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Eine Schule muss sich mit ihren Mitteln und Zielen gewappnet sehen, Kindern die notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen mit auf ihrem späteren Lebensweg geben zu können. Dabei kämpfen sie unter anderem gegen neue, durch einen veränderten Medienkonsum entstandene, Lebensziel der Jugendlichen. Die Schule sieht sich nunmehr mit dem Problem konfrontiert, ihr Ziel, nämlich die Bildung von selbstdenkenden und selbsthandelnden Bürger, gegen die Probleme der Gesellschaft durchzusetzen.

Die neue Herausforderung für die Schule besteht letztlich in der Auffassung, nicht ihrer Ziele, aber ihrer Wege und Methoden zu überdenken, um wieder verstärktes Interesse bei den Beteiligten von Schulen zu wecken.

Wie aufgezeigt ist es dem Staat nicht möglich die geeigneten Wege für die Veränderung viel versprechend und zur Befriedigung aller zu beschreiten. Daher stehen Schulen diesem Problem selbst gegenüber, welches den Entwicklungsprozess entscheidend beeinflusst. Schließlich sehen sich Schulen mit den unterschiedlichsten und durch den Standort bedingten Schwierigkeiten konfrontiert. So ist es nur folgerichtig, dass eine gezielte Einzelschulentwicklung besser auf die Bedürfnisse einer Schule eingehen kann als die nach allgemeinen Maßstäben erhobene Qualitätsentwicklung des Staates.

Im Vorfeld der weiteren Ausführung wird darauf hingewiesen, dass eine Schulentwicklung nur in dem staatlich abgesicherten Rahmen vollzogen werden kann. Ebenso wichtig erscheint das begreifen der Schule als komplexes Gebilde, denn das Ganze der Schule ist mehr als die einzelnen Teile. Qualitätssicherung darf sich nicht auf einzelne Dimensionen beschränken [...].[6]

Der letzte Aspekt kommt entscheidend bei der Profilentwicklung von Schule zum Tragen, denn hier wird die Schule mit all ihren Ressourcen, u.a. den Räumlichkeiten, Unterrichtsmethoden, dem schulspezifischen Curriculum und Personen in die Entwicklung mit einbezogen. Schon hier lässt sich erahnen, welch scheinbar schwierige Aufgabe vor einer Schule steht, die sich entschlossen hat, sich auf den Weg einer Profilentwicklung zu begeben. Es sind die vielen Verknüpfungen, die erkannt und für das neue bzw. erweiterte Profil einer Schule bearbeitet werden müssen, wenn gleich eine Etappierung in der Regel sinnvoll ist, so muss Qualitätssicherung [...] den Blick aufs ganze richten, muss offen sein für überraschende Zusammenhänge, für Synergien genauso wie für wechselseitige Blockaden.[7]

[...]


[1] Vgl. Kempfert, Guy; Rolff, Hans-Günter: Pädagogische Qualitätsentwicklung S. 16.

[2] Ebenda S. 17.

[3] Ebenda S. 17.

[4] Ebenda S. 18.

[5] Vgl. ebenda S. 17.

[6] Bannwart, Aldo; Bücher, Xaver: Thema Selbstevaluation: Ein Dialog zwischen Praxis und Forschung S. 101.

[7] Ebenda S. 101.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Zur Qualitätsentwicklung von Schulen - Profilentwicklung und Profilgestaltung
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Hauptseminar: Organisationsentwicklung
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
35
Katalognummer
V81605
ISBN (eBook)
9783638862660
ISBN (Buch)
9783638910286
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Qualitätsentwicklung, Schulen, Profilentwicklung, Profilgestaltung, Hauptseminar, Organisationsentwicklung
Arbeit zitieren
Falk Hauptstein (Autor:in), 2006, Zur Qualitätsentwicklung von Schulen - Profilentwicklung und Profilgestaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81605

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