Im Eisenbahnbetriebsfeld Darmstadt (EBF) sollen schwerpunktmäßig dispositive
Betriebsfeldübungen durchgeführt werden. Dies dient der Ausbildung von
Mitarbeitern der Railion Deutschland AG. Bei einem Teil des Güterverkehrs in
Deutschland handelt es sich um Gefahrguttransporte, die bei der Disposition eine
besondere Rolle spielen. Daher sollen auch solche Transporte und diesbezügliche
Störfälle im EBF wirklichkeitsnah ermöglicht und im Rahmen der Betriebsfeldübung
geübt werden. Ziel der Arbeit ist es, die Grundlage für Gefahrguttransporte und für
damit verbundene Störfälle im EBF zu legen. Es ist also ein Konzept für die
Simulation von Gefahrguttransporten zu erarbeiten, welches mit den
Ausbildungszielen des EBF konform ist.
Gefahrguttransporte sind eine besondere Form des Güterverkehrs. Es handelt sich
dabei um die Beförderung von Gütern im öffentlichen Verkehrsraum, von denen im
Zusammenhang mit ihrer Beförderung Gefahren ausgehen können. Gefahrgüter
werden zwecks einer sicheren Handhabung und eines sicheren Transports u. a. in
Klassen unterteilt und einer UN-Nummer zugeordnet. Dadurch können Aussagen
über die notwendige Art der Umschließung sowie der Kennzeichnung und
Bezettelung und über die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen gemacht werden.
Gefahrguttransporte bedürfen besonderer Infrastruktur und Handhabung während
des Betriebs. In dieser Arbeit ist eine Übersicht der für den Betrieb von
Gefahrguttransporten wesentlichen gesetzlichen Regelungen dargestellt. Der
Schwerpunkt liegt auf den speziellen Regelungen für Gefahrguttransporte (z.B.
GGBefG, AtG, GGVSE, ADR, RID). Dabei unterscheiden sich die Vorschriften zu
den einzelnen Verkehrsträgern Straße und Schiene sowie zu den Gutarten (normale
Güter und Gefahrgüter) in einigen Punkten. So gibt es zwecks einer höheren
Sicherheit bei Gefahrguttransporten bspw. eine differenziertere Aufgabenverteilung,
Gefahrguttransporte im Eisenbahnbetrieb
Kurzfassung
eine Fülle an notwendigen Begleitpapieren, umfangreichere Vorschriften zur
Verpackung und Kennzeichnung usw.
Mit der Beschreibung des EBF ist die Grundlage für das Verständnis der weiteren
Ausarbeitung gelegt, gefolgt von der Umsetzung des Gefahrgutrechts im EBF und
der Ausarbeitung der Möglichkeiten, Gefahrguttransporte im EBF durchzuführen. Bei
der Beschreibung des EBF gilt der Disposition besonderes Augenmerk. Die
Disposition wird in 3 Ebenen ausgeführt: der Cargo Leitzentrale (CLZ), dem
Transportmanagement (TM) und dem Cargo Zentrum (CZ).
Es hat sich gezeigt, dass ein Großteil des Gefahrgutrechts im EBF nicht umgesetzt
werden kann bzw. nicht umgesetzt werden muss. Dies aus dem Grund, weil die
Übung dispositiver Natur ist, die gesetzlichen Regelungen aber vornehmlich auf den
Betrieb abzielen (Klassifizieren, Verpacken, Verladen…). Es hat sich auch gezeigt,
dass der Disposition im Regelbetrieb lediglich eine überwachende Funktion
zukommt, die in einer Betriebsfeldübung nicht geübt werden muss. Für die
Betriebsfeldübung viel interessanter ist der Betrieb mit auftretenden Störfällen.
Hierbei kommt der Disposition ihre eigentliche Aufgabe zu. Dabei ist zum einen von
Interesse, beispielhaft mögliche Störfälle und Maßnahmen gegen diese Störfälle
aufzuzeigen. Zum anderen, wie ein Betriebsprogramm mit Störfällen aussehen
könnte, welche Infrastruktur für erforderliche Maßnahmen gegen Störfälle notwendig
wäre und wie diese Infrastruktur bei den auftretenden Störfällen örtlich von der
Disposition zu gebrauchen wäre.
So ist ein Betriebsprogramm mit Vorschlägen für Störfälle bei Gefahrguttransporten
der einzelnen Linien erarbeitet worden, wie etwa Leckagen, falsche Bezettelung,
Entgleisungen, Sitzblockaden und dergleichen mehr.
Für ausgewählte Standorte sind Vorschläge für mögliche infrastrukturelle
Maßnahmen im Störungsfalle gemacht worden. So können etwa Gleistassen oder
Gummimatten und Wannen in ausgewählten Dispo-Gleisen vorgehalten werden. In
manchen Fällen (Nukleartransporte) ist auch Sichtschutz und Unzugänglichkeit
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Gefahrguttransporte im Eisenbahnbetrieb
Kurzfassung
notwendig. Die Auswahl der Standorte richtet sich nach der Wahrscheinlichkeit eines
Störfalles und der Anforderung, dass an jeder Stelle Maßnahmen bei einem Störfall
schnell eingeleitet werden können.
Sodann sind für das Betriebsprogramm Vorschläge gemacht worden, wie die
Disposition auf die jeweiligen Störfälle reagieren könnte. So z.B. Disponieren in ein
Gleis mit Gleistasse oder Gummimatten und Auffangwannen bei einer Leckage.
Oder die Rückfahrt in den Ausgangsbahnhof eines Nukleartransportes bei
behinderter Weiterfahrt.
In einem letzten Schritt sind Vorschläge gemacht worden, welche Schritte
(Maßnahmen bzw. Definitionen) für die Verwirklichung von Gefahrguttransporten im
EBF unternommen werden müssen. So z.B. eine Gleisverlängerung, das Nachbilden
mehrerer Bahnüberführungen, das Definieren mehrerer Dispo-Gleise, das
Nachbilden mehrerer Gleistassen usw.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangslage
1.2 Thema & Ziel der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen zu Gefahrgut und Gefahrguttransporten
2.1 Einleitung
2.2 Erläuterungen zu Gefahrgut
2.2.1 Begriffsbestimmungen/Erläuterungen
2.2.2 Klassifizierung
2.2.3 Weitere Unterteilung
2.2.4 UN-Nummer
2.2.5 Umschließungen
2.2.6 Kennzeichnen und Bezetteln
2.2.7 Zusammenladung
2.2.8 Freistellungen
2.2.9 Besonderheiten beim Eisenbahnbetrieb
2.3 Einordnen der Gefahrguttransporte in den Güterverkehr
2.4 Vorbereitung von Gefahrguttransporten
3 Regelwerke und ihre Anwendung bei Gefahrguttransporten und normalem Güterverkehr
3.1 Einleitung
3.2 Allgemeine Regelwerke
3.2.1 Übersicht
3.2.2 Anwendung der Regelwerke
3.3 Regelwerke für normalen Güterverkehr auf Straße & Schiene
3.3.1 Übersicht
3.3.2 Anwendung der Regelwerke
3.4 Regelwerke für Gefahrguttransporte auf Straße & Schiene
3.4.1 Übersicht
3.4.2 Anwendung der Regelwerke
3.5 Unterschiede
4 Vorstellung des Eisenbahnbetriebsfelds
4.1 Einleitung
4.2 Rahmenbedingungen
4.3 Betriebsprogramm
4.4 Infrastruktur
4.5 Disposition
4.5.1 Cargo Leitzentrale
4.5.2 Transportmanagement
4.5.3 Cargo Zentrum
5 Realisierung von Gefahrguttransporten im Eisenbahnbetriebsfeld
5.1 Einleitung
5.2 Gefahrgutrecht im Eisenbahnbetriebsfeld
5.3 Regelbetrieb
5.3.1 Betriebsprogramm
5.3.2 Infrastruktur
5.3.3 Disposition
5.4 Betrieb mit auftretenden Störfällen
5.4.1 Mögliche Störfälle und Maßnahmen bei Störfällen
5.4.2 Betriebsprogramm
5.4.3 Infrastruktur
5.4.4 Disposition
6 Notwendige Anpassungen bzw. Definitionen
6.1 Einleitung
6.2 Betriebsprogramm
6.3 Infrastruktur
6.3.1 TM Nord
6.3.2 TM Süd
6.4 Disposition
7 Zusammenfassung & Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit hat zum Ziel, ein Konzept für die Simulation von Gefahrguttransporten sowie damit verbundener Störfälle im Eisenbahnbetriebsfeld Darmstadt (EBF) zu entwickeln. Dabei soll die Übung unter Berücksichtigung der gesetzlichen Regelungen und der betrieblichen Abläufe wirklichkeitsnah gestaltet werden, um Dispositionsabläufe bei Störfällen auszubilden.
- Grundlagen zu Gefahrgut und Gefahrguttransporten
- Analyse geltender Regelwerke für den Güterverkehr auf Schiene und Straße
- Strukturelle Vorstellung des Eisenbahnbetriebsfelds
- Realisierungskonzept für Gefahrguttransporte und Störfallmanagement
- Notwendige infrastrukturelle und dispositive Anpassungen im EBF
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Begriffsbestimmungen/Erläuterungen
Das Gefahrgutbeförderungsgesetz (GGBefG) definiert Gefahrgut folgendermaßen: „Gefährliche Güter im Sinne dieses Gesetzes sind Stoffe und Gegenstände, von denen auf Grund ihrer Natur, ihrer Eigenschaften oder ihres Zustandes im Zusammenhang mit der Beförderung Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere für die Allgemeinheit, für wichtige Gemeingüter, für Leben und Gesundheit von Menschen sowie für Tiere und Sachen ausgehen können.“ (§ 2 Abs. (1) GGBefG) Diese sehr weit gefasste Definition macht jedoch noch nicht deutlich, welche Eigenschaften einen Stoff oder Gegenstand im Einzelnen zu Gefahrgut machen und wie er zu handhaben ist. Dies soll in den folgenden Unterkapiteln geklärt werden.
Der Begriff „Gefahrgut“ darf nicht mit „Gefahrstoff“ verwechselt werden. Gefahrgüter sind Gefahrstoffe, die befördert werden. Nach APS (2004, S. 18) handelt es sich aber z.B. bei Gefahrstoffen in Fahrzeugtanks, wie etwa Diesel oder Benzin, nicht um Gefahrgut, auch wenn diese Gefahrstoffe befördert werden. So ist bspw. der Gefahrstoff Diesel in einem Kesselwagen bei der Beförderung Gefahrgut, Diesel im Tank der Lokomotive hingegen lediglich ein Gefahrstoff.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Ausgangslage des Eisenbahnbetriebsfelds Darmstadt, das Ziel der Arbeit sowie den thematischen Aufbau der Untersuchung.
2 Grundlagen zu Gefahrgut und Gefahrguttransporten: Vermittelt grundlegende Definitionen, Klassifizierungen und Vorbereitungsmaßnahmen im Kontext von Gefahrgut und dem Gefahrgutrecht.
3 Regelwerke und ihre Anwendung bei Gefahrguttransporten und normalem Güterverkehr: Analysiert maßgebliche nationale und internationale Regelwerke, deren Anwendung in der Praxis und dokumentiert Unterschiede zwischen den Verkehrsträgern.
4 Vorstellung des Eisenbahnbetriebsfelds: Stellt das EBF hinsichtlich der Rahmenbedingungen, des Betriebsprogramms, der Infrastruktur und der Dispositionsstruktur vor.
5 Realisierung von Gefahrguttransporten im Eisenbahnbetriebsfeld: Entwickelt konkrete Konzepte zur Integration von Gefahrguttransporten und Störfällen in das EBF, unterteilt in Regelbetrieb und Störfallmanagement.
6 Notwendige Anpassungen bzw. Definitionen: Fasst notwendige infrastrukturelle und organisatorische Maßnahmen zusammen, die zur Umsetzung der Simulationskonzepte im EBF erforderlich sind.
7 Zusammenfassung & Ausblick: Resümiert die Arbeit und gibt einen Ausblick auf die weitere Gestaltung des Betriebsprogramms.
Schlüsselwörter
Gefahrgut, Gefahrguttransport, Eisenbahnbetriebsfeld, Disposition, Störfallmanagement, Regelwerke, GGVSE, ADR, RID, Schienengüterverkehr, Betriebsprogramm, Infrastruktur, Dispo-Gleis, Nukleartransport, Ausbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Integration und Simulation von Gefahrguttransporten sowie deren Störfallmanagement innerhalb des Eisenbahnbetriebsfelds Darmstadt (EBF) für Ausbildungszwecke.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die rechtlichen Grundlagen für Gefahrguttransporte, den Vergleich von Straßentransporten und Schienentransporten sowie die praktische Anwendung von Dispositionsstrategien bei auftretenden Störfällen im EBF.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Entwicklung eines Konzepts zur wirklichkeitsnahen Simulation von Gefahrguttransporten und Störfällen im EBF, das mit den vorhandenen Ausbildungszielen konform ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Regelwerkanalyse, kombiniert mit einer strukturellen Untersuchung des EBF sowie der Erarbeitung von praxisorientierten Anwendungsvorschlägen für den Übungsbetrieb.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Gefahrgutrechts, die Beschreibung der EBF-Infrastruktur und Dispositionsebenen (CLZ, TM, CZ) sowie die Erarbeitung konkreter Störfall-Szenarien für das EBF.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Gefahrgut, EBF, Disposition, Störfallmanagement, GGVSE, ADR, RID, Nukleartransporte und Bahnsysteme.
Warum ist die Disposition im EBF bei Störfällen besonders wichtig?
Im Regelbetrieb hat die Disposition nur eine überwachende Funktion; erst bei auftretenden Störfällen müssen die Übungsteilnehmer aktiv steuernd und leitend eingreifen, was die eigentliche Übungsherausforderung darstellt.
Welche Rolle spielt die "Cargo Leitzentrale" (CLZ) in diesem Konzept?
Die CLZ ist die zentrale Instanz für den Überblick über das gesamte Netz und trifft bei komplexen betrieblichen Situationen oder sicherheitsrelevanten Vorfällen die finalen Entscheidungen.
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- Dipl.-Ing. Stefan Gottfried Scholz (Author), 2006, Gefahrguttransporte im Eisenbahnbetrieb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81615